Dienstag, 5. Februar 2008

Antitrend: nur ein weiterer Mainstream?

Alle kennen dieses ungute Gefühl….eine neue Modesaison fängt an, die üblichen Läden (H+M und Co.) sind randvoll mit fremdartigen Outfit-Kreationen, und wir müssen uns nun irgendwie zurechtfinden in diesem Style-Dschungel. Ich traue mich teilweise gar nicht mehr richtig shoppen zu gehen. Denn so sicher wie der nächste Trend kommt die Überzeugung, es liege an mir und nicht an den Kleidern, wenn mir eine gänzlich fremde Person im Spiegel gegenüber steht.
(Erstmals Mai 2007 online)

Viele scheinen sich gar nicht erst zu fragen, „steht mir das, pass ich da rein?“ Nein, sie stellen sich die Outfits genau so zusammen wie es das momentane Modediktat befiehlt, ist doch egal, dass Farbe und Schnitt dich eher wie ein radioaktiver Cervelat mit Rüschen aussehen lässt, Hauptsache voll im Trend und somit modisch.
Müssen wir uns immer wieder, Jahr für Jahr, neu gestalten? Die Trendbüros und Designer-Labels dieser Welt entscheiden, was wir wann und wie zu tragen haben, und wir folgen Ihren Anweisungen wie hörige Lämmchen. Auch wenn dies bedeutet, dass wir kurzfristig in eine Depression fallen, weil wir nicht so aussehen wie die Wahnsinnsfrauen auf den Plakaten. Ich meine nicht die Problemzonen oder die zu kurzen Beine, nein, ich meine einfach dieses Gefühl von verkleidet sein, so als würde man als Individuum gänzlich untergehen und sich und allen anderen etwas vormachen.
Gibt es einen Ausweg aus diesem endlosen Kreis der fremdbestimmten Selbstdarstellung?

Ja, den gibt es: Geht einfach gegen den Trend. Versucht konsequent alles anders zu machen. Ist es momentan angesagt, farbenfroh und schrill durch die Gegend zu stöckeln, dann seid ihr dunkel und unauffällig unterwegs. Achtet auch darauf bloss keine Labels tragen, (am besten ihr schneidet alles ab was verrät, dass das verwaschene schwarze T-Shirt eigentlich von Diesel stammt und ein kleines Vermögen gekostet hat). Ihr sollt den Eindruck erwecken, als würde es euch gar nicht interessieren, wie ihr ausseht. Schliesslich habt ihr Wichtigeres zu tun, als euch stundenlang zu stylen. Ihr beschäftigt euch lieber mit euren tiefgehenden und einzigartigen „inneren Werte“.

Da ist auch die schrillere Variante; ja genau, die, die einfach kreuz und quer alles kombinieren was ihnen gerade so in die Hände fällt. Ein Brockenhausunikat hier und ein Restposten-Schnäppchen da und das alles wild zusammen gewürfelt ergibt den „Look“. Was dieser genau ist weiss niemand so genau, aber das soll ja auch nicht ersichtlich sein, wenn ihr einzigartig und individuell erscheinen möchtet. Ich persönlich bewundere diese wandelnden Kunstwerke oft, denn eins weiss ich genau…..ich, hätte niemals das Selbstbewusstsein, mich so unter’s Volk zu mischen.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich den gängigen Modetrends zu widersetzen, doch endet man immer in einer zwar kleineren, weniger definierten, aber doch „Trend“-Gruppe. Der Anti-Trend ist trotz aller Mühe eben auch nur ein Trend. Hinzu kommt, dass so genannte Trendscouts, die Tag und Nacht unterwegs sind, um eben diese lang erarbeiteten Looks ausfindig zu machen, diese an sich reissen und plötzlich ist er Mainstream! Schon kann man wieder von vorne anfangen….

Wir Menschen/Frauen vergleichen uns halt nun mal mit anderen, wollen immer irgendwo dazu gehören und gleichzeitig uns von der Masse abheben. Dies ist und bleibt immer eine Gratwanderung. Also sag ich nur: Probiert alles mal aus! Der Wunsch, durch unsere Kleidung vollkommen einzigartig zu sein, bleibt eben nur ... ein Wunsch.

Das Beste ist immer noch, das anzuziehen, worin man sich wohl fühlt, obwohl auch dies sich bei uns Frauen von Tag zu Tag ändern kann...

Und überhaupt, mit grösster Wahrscheinlichkeit ist irgendwann auch dein Look wieder voll in. Lang lebe Retro!




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