Freitag, 28. Oktober 2011

Ist das für Männer auch so?

Wer hofft, in Michèle Rotens neuem Buch Antworten auf feministische Fragen zu finden wird vielleicht enttäuscht. Die aufgeworfenen Fragen muss sich die moderne Frau dennoch stellen. 

Heute auf clack.ch

Simone de Beauvoir, Alice Schwarzer, Erica Jong, Michèle Roten... Wie bitte? Richtig gelesen, die Kolumnistin möchte sich in die Garde der grossen Feministinnen einreihen. Wobei, das stimmt so nicht. Denn mit ihrem neuen Buch «Wie Frau sein» gibt die polarisierende «Magazin»-Redaktorin offen zu, eigentlich mehr Fragen aufzuwerfen, als zu beantworten. Grundsätzlich gehe es ihr darum: «Ist das für Männer auch so?»

Sie gehört – im Gegensatz zu den oben genannten Pionierinnen – natürlich nicht zur Generation, die sich ihre Freiheiten noch erkämpfen mussten. Wie sie selber schreibt, wurde sie «nicht darauf sensibilisiert». Denn diese Generation – die der Mittdreissiger – wurde meist zu Individualismus erzogen, der im grossen und ganzen geschlechterneutral ist. Ausser denen,  die bereits von ihren Müttern an Frauendemos geschleppt wurden, sind wir doch eigentlich alle mit dem Wissen gross geworden, dass die Welt für uns Frauen genauso viel bietet, wie für die Jungs auch. Vielleicht einmal abgesehen vom Zürcher Knabenschiessen. Doch auch das ist heute besser.

Deshalb erstaunt es nicht, wenn genau diese Kohorte die Nase rümpft, wenn sie gefragt wird:«Bist du Feministin?». Doch richtigerweise stellt Roten fest, dass eine Frau, die behauptet sie sei zwar keine Feministin und trotzdem überzeugt ist, dieselben Rechte wie ein Mann haben zu dürfen genauso feministisch ist, wie jemand, der Sätze sagt wie «Ich habe ja nichts gegen Ausländer, aber...» eben ein Rassist ist. Punkt.

Die Nase rümpfen wir heute, weil wir irrtümlicherweise annehmen, Feministin werde man aus einer Notlage heraus, aus einer Frustration. Nicht selten reagieren wir innerlich auf die Frage «Bist du Feministin?» sogleich mit: «Wieso, findest du mich hässlich?» und denkt an lila Latzhosen und brennende BH’s.

Michèle Rotens Buch, will weder Manifest noch Ideologie sein und kommt entsprechend ganz ohne Struktur aus. So, als hätte sie genauso geschrieben, wie ihre Gedanken verlaufen, wofür sie ja auch im «Magazin» bekannt geworden ist. Neben vielen Fragen, stellt sie ein paar Dinge fest, die jeder Frau einleuchten wird. Oder nicht.
  • Es gibt etliche Frauen, die ihre Töchter eher jungenhaft kleiden, keine einzige zieht ihrem Sohn ein rosa Röckchen an.
  • Hausfrauen sind vielleicht glücklicher, weil sie heute selber entscheiden können, Hausfrau zu sein. Und es nicht einfach aus            Gender-Gründen sein müssen.
  • Frauenfilme/Liebesfilme sind genauso sexistisch wie Pornos. 
  • Es gibt keine „Putzfrauer“ oder „Hebammer“. Aber BauherrInnen schon. 
  • Es kostet wesentlich mehr, eine Frau zu sein. Finanziell.
  • Jede Frau, die nicht arbeiten geht, begibt sich in finanzielle Abhängigkeit. Und das kann nicht gut sein.
  • Männer, die Hausmänner verhöhnen, sind reaktionäre Idioten.
  • Frauen stehen auf Machos, weil es spannender ist, extreme (auch negative) Gefühle zu erleben, als immer nur angelächelt zu werden.
  • Es kommt sehr wohl auf die Grösse an.
  • Antifeministinnen haben denselben Ruf wie Feministinnen (hässlich und frustriert).
  • Hausarbeit ist zwar keine Frauensache, trotzdem macht auch Frau Roten mehr als ihr Mann.
  • Eine lustige Frau kennenzulernen kommt selten vor.
  • Die Entscheidung zum Kind, ist wie die Entscheidung zum Tattoo: Entweder man will es oder man zweifelt. Wenn man zweifelt, sollte man es sein lassen.
Ausserdem gibt die Autorin eine ausführliche Anleitung, wie Frau eine andere Frau kritisieren kann, ohne stutenbissig zu wirken. Sehr hilfreich. Wider erwarten erhalten wir also doch ein paar Lösungen zum Thema. Auf die Frage hin, was denn nun zeitgemässer Feminismus ist, weiss Frau Roten auf jeden Fall eine Antwort: «WIR sind der zeitgemässe Feminismus.»


«Wie Frau sein» von Michèle Roten, erschienen im Echtzeit Verlag (www.echtzeit.ch). Buchvernissage: Freitag, 28. Oktober 2011 um 20.00 Uhr im Kaufleuten in Zürich.





Mittwoch, 26. Oktober 2011

European Super Mom Contest

Nach "Müttergeheimnisse" und "Sarkasmus ade!" ruft rabenmutter.ch-Leserin "Mittelmassmama" zum Supermami-Wettbewerb auf. Auf mama-nagement findet ihr den European-Super-Mum-Contest!!

 

 



Hiermit suche ich die Supermutter!
Die eierlegende Wollmilchmama!
Die Powerfrau, die alles unter einen Hut bekommt, während sie auf Highheels durchs Leben marschierd den Kinderwagen schiebt.
Die Sahneschnitte, die seit Kind #3 30 Kilo mehr wiegt und mit jedem Gramm den Männern den Kopf verdreht.





!!Regeln!!
1. Weiterempfehlungen gelten nicht. 
2. Hier werden nur Teilnehmer akzeptiert, die sich selbst empfehlen!
3. Schreib rauschende Worte, warum DU und nur DU Supermama bist. Rassel mit allem, was Du hast.
4. Überzeuge mich! (Und niemand anders.) An mir mußt Du vorbei!
5. Zeige mir, dass Du Power hast.
6. Konjunktiv, "vielleicht" und ähnliche Stilistika sind strengstens verboten!
Also:
Blas Dich auf. Pimp up your Power. Verlinke, dass die Schwarte kracht.
Mega-Erfolge winken:

!!Preis!!
1. Eine satte Lektion in Selbstdarstellung!
2. Eine super Übung in Selbstmarketing!
3. Jede Menge Leser, die Dich toll finden werden.
4. Und einen guten Korb voll Neider noch dazu, wenn Du Deine Sache ordentlich machst.
Summa summarum: 
Eine geniale Übung, um Dich anschließend im Run auf den besten Job zu bewähren; gegen einen Haufen Männer, die um sich selbst an den Mann zu bringen garantiert keinen auch nur irgend gearteten Contest brauchen.

PS: Na, WER TRAUT SICH!
PPS: Wenn sich bis morgen keiner traut, fange ich an!
PPS: Siehe auch Headline "!! European Super Mum Contest !!"

Dienstag, 25. Oktober 2011

Sarkasmus ade!

Eine gute Mutter hat anscheinend keine Geheimnisse vor den lieben Kindern. Kann das sein?

Eigentlich komme ich selten auf einen Text zurück, den ich hier schon publiziert habe, aber in diesem Fall muss es sein. Vorletzte Woche erschien auf dem Blog von wir eltern „Müttergeheimnisse“, in dem es darum ging, was wir Eltern zwar oft denken, unseren Kindern aber nicht unbedingt gestehen würden. Beispielsweise, dass wir viele Bastelarbeiten oder Zeichnungen nicht so toll finden und sie heimlich entsorgen. Oder dass wir innerlich zugeben müssen, dass unsere Kinder eben nicht die intelligentesten und schönsten sind. Implizieren wollte ich damit, dass es aber trotz allem ok ist und wir unsere Kinder dennoch über alles lieben. Doch das war offenbar nicht verständlich.

Denn viele Mütter scheinen diese Art von Ironie nicht zu verstehen. Wenn es um die lieben Kinder geht, ist nämlich fertig lustig. Den Kommentatorinnen taten meine Kinder einfach nur leid.

Ich kann natürlich nachvollziehen, wenn man den gelesenen Zeilen einfach nichts abgewinnen kann und man sie schlicht und ergreifend nicht witzig findet. Viel interessanter sind jedoch die Kommentare, die darauf abzielen, aus der Autorin eine schlechte Mutter machen zu wollen. Weil sie es wagt, sarkastisch über ihre Kinder und deren Qualitäten und Defizite nachzudenken.

Haben wir zusammen mit der Plazenta damals auch unseren Humor ausgestossen?
Sind uns Kinder so heilig, dass es nicht mehr gestattet ist, Witze über sie zu machen? Zugegeben, auch ich kann nicht über alles lachen, Witze über Pädophile etwa finde auch ich bedenklich. Aber dient Humor nicht dazu, Dampf abzulassen und ehrlich auch die eigenen Defizite zugeben zu können? Kann es wirklich sein, dass die entrüsteten Mütter noch keinen einzigen Tag gedacht haben, Kinder seien das Beste, vor allem wenn sie schlafen? Dass sie ihre Kinder noch nie angelogen haben bezüglich einer Zeichnung, die einen Strich mit Kreis zeigt, aber eben nicht erkannt haben, dass das ein Tyrannosaurus Rex sein soll?

Es ist nicht das erste Mal, dass mir der Mangel an Sarkasmus bei uns Schweizerinnen auffällt. Sobald das Baby da ist, höre ich schnell dieses mitleidige „ohhhh“, wenn Papa einen üblen Witz reisst. Denn Männer sehen es weniger eng. Sie senken ihr Humor-Niveau nicht automatisch auf dasjenige eines Kleinkindes, nur weil sie Nachwuchs haben. Doch die witzige Frau, in die sie sich einmal verliebt haben, „muttiert“ zur fürsorglichen Glucke, die ihre Kinder beschützen will. Auch vor der Ironie einer anderen „bösen“ Mutter. 

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Müttergeheimnisse

Es gibt Dinge, die kann man seinen Kindern nicht sagen. Und wahrscheinlich sollte man das auch nicht.

Heute Morgen stand mein Sohn konsterniert im Wohnzimmer und starrte auf ein leeres Pack Gummibärchen. Er hielt es mir hin, mit einem Blick, der Enttäuschung und Unverständnis ausdrückte, und fragte mich: «Habt ihr das gestern einfach so gegessen? Ohne mich?»

Dazu muss ich gestehen: Die Gummibärchen hatte ihm sein Gotti geschenkt. Und ich hatte sie weggelegt mit der Begründung, abends gäbe es keine Süssigkeiten, er könne morgen welche zum Dessert haben. Als das Gotti dann ging, machten mein Mann und ich uns über die Süssigkeiten her. Nun schäme ich mich. Ein wenig.

Doch es gibt sie, diese Dinge, die man den Kindern einfach nicht sagen kann. Entweder, weil es einfach zu peinlich ist. Oder weil es sie verletzen würde. Oder einfach weil es für Mami Image-schädigend wäre.

Hier eine kleine Liste der Dinge, die wir unseren Kindern beim besten Willen nie sagen werden (oder erst wenn sie älter sind und selber Kinder haben):
  • Wir essen gerne Junkfood, auch wenn wir dauernd predigen, es sei ungesund.
  • Nein, du bist nicht das hübscheste Kind auf Erden.
  • Du bist auch nicht das intelligenteste Kind seit Einstein. 
  • Wahrscheinlich würden sogar die Kinder in Afrika Mamis Suppe «grusig» finden.
  • Ich finde deinen besten Freund total nervig und am liebsten würde ich dir den Kontakt mit ihm verbieten.
  • Es ist oft NICHT okay, dass du so bist, wie du bist. 
  • Wir werfen deine Bastelarbeiten in den Abfall, wenn du gerade wegschaust.
  • Ich sag zwar, dass ich es tue, aber meistens verstehe ich deine Probleme nicht.
  • Deine Geschenke gefallen mir meistens nicht besonders.
  • Am liebsten habe ich dich, wenn du schläfst.
  • «Ich zähle bis drei», aber meistens weiss ich danach nicht, was passieren wird.
  • Euch zu gebären, war ein extrem schmerzhaftes Erlebnis. 
Und was verschweigt Ihr euren Kindern?

Dieser Text wurde erschien letzte Woche auf dem Blog von wir eltern und erntete ausschliesslich harsche Kritik. Nun interessiert mich, was ihr davon haltet. Habe ich den Bogen überspannt? Sind solche Witze über unsere Kinder zuviel des Schlechten? Oder haben rabenmutter.ch Leserinnen mehr Humor? Danke für eure Feedbacks, auch negative!

Freitag, 7. Oktober 2011

Lustig ist das Mutterleben


Liebe Blog-Leserinnen und -Leser

Gerne würde ich heute der Ernsthaftigkeit dieses Blogs einmal den Rücken kehren. Denn Eltern sein ist zwar sicherlich eine ernste und ernstzunehmende Angelegenheit, aber wie wir alle wissen, ist sie ohne Humor kaum zu überleben. Denn die täglichen kleinen und grossen Desaster sind mitunter dazu da, uns früher oder später (je nach Grösse der Sachbeschädigung) zum Lachen zu bringen. Ganz im Sinne von „Weisch no, als der Kleine ganze zwei Stunden nicht auffindbar war, weil er sich versteckt und die Zeit vergessen hatte?“ Oder „Damals, als die Kleine einen Keks in den CD-Player der sauteuren Hifi-Anlage unserer Nachbarn geschoben hat?“

Und weil der Elternalltag einfach besser mit Humor zu bewältigen ist, habe ich folgende Geschichte für Sie:

Eines späten Nachmittags kommt ein Mann von der Arbeit nach Hause und findet das totale Chaos vor. Die Kinder sind noch im Schlafanzug und spielen Wrestling im matschigen Garten. Überall im Gras verstreut liegen leere Guetzli-Packungen und Bonbonpapier. Das Auto seiner Frau steht quer in der Einfahrt und die Haustür ist sperrangelweit offen, der Schlüssel steckt im Türschloss. Der Hund ist nirgendwo zu sehen.

Als der Mann in den Flur tritt, stolpert er über eine umgefallene Stehlampe und wird von dem zusammenknüllten Läufer gestoppt. Im Wohnzimmer plärrt der Fernseher ohrenbetäubend laut und im Esszimmer liegen überall angefangene Joghurts, Spielsachen und Klamotten verstreut. In der Küche stapelt sich das Geschirr in der Spüle, die Reste vom Frühstück stehen noch auf dem Tisch, Hundefutter liegt auf dem Boden, ein zerbrochenes Glas unter dem Tisch und an der Terrassentür liegt ein Hundehaufen.

Der Mann beginnt sich ernsthafte Sorgen zu machen und spurtet die Treppe hoch, um seine Frau zu finden. Er flucht, als er auf einen Playmobil-Polizisten tritt und sich die Füsse in einem Prinzessinenkostüm verfängt. Aus dem Badezimmer läuft ihm Wasser entgegen, dessen Boden ist bedeckt mit einem Haufen nasser Handtücher, Seife und Quietsche-Entchen. Vor der Toilette liegt abgerolltes Toilettenpapier, dass sich bereits vollgesaugt hat und Zahnpasta ist über den Spiegel und über die Wand verschmiert.

Der Mann gerät in Panik, befürchtet das Schlimmste und rast ins Schlafzimmer, wo er seine Frau vorfindet: Im Bett liegend, ein Buch lesend. Sie sieht ihn lächelnd an und fragt, wie sein Tag gewesen ist. Er, vollkommen verwirrt: "Was ist denn heute hier passiert?" Sie lächelt wieder und antwortet: "Jeden Tag, wenn Du nach Hause kommst, fragst Du doch, was ich um Himmels willen den ganzen Tag gemacht habe." "Ja und?" sagt er entsetzt. Sie antwortet: "..heute habe ich mal nichts gemacht.“

Das Mutterleben kann manchmal richtig lustig sein!

Donnerstag, 6. Oktober 2011

Gänseschnäppchen für Rabenmütter

Gänseblume - Fashion for Kids schenkt allen Rabenmüttern 10% auf das gesamte Sortiment!

Stöbert in der hochwertigen Kindermode und mit dem Code "rabenmutter" sind eure Kinder für den Herbst neu gestylt.

Aktion gültig bis 20. November 2011. 

Viel Spass!




Aufruf: Das Schweigen der Mütter

Liebe Rabenmütter

Für einen Blogbeitrag brauche ich eure Hilfe. Gibt es Sachen, die ihr manchmal denkt, es aber den Kindern gegenüber nie zugeben würdet? Oder tut ihr Dinge im Versteckten, damit eure Kids das nicht mitkriegen?

Mir könnt ihr's ja sagen... Auch hier als anonymer Kommentar.

Danke für eure Mithilfe!





Mittwoch, 5. Oktober 2011

Sau(g)stress

So sieht wohl der Kompromiss aus...
Diese Woche ist Weltstillwoche. Ja, und?

Unter den vielen Fragen, die sich eine werdende Mutter stellt, ist die Frage „Stillen: ja oder nein?“ mit die schwierigste. Dank stillfreundlicher Krankenhäuser und Stillverbänden ist die Entscheidung für das Nichtstillen verpönt. Mit einem Ja zum Stillen ist es aber auch nicht getan. Sofort ergeben sich weitere Frage: Wie lange? Ausschliesslich? Nach Rhythmus oder Bedarf? Der heutige Stillzwang und die damit verbundene Wissenschaft erzeugen einen unglaublichen Druck. Sie lösen eher Angst vor dem Stillen aus, als dass sie einen ermutigen. Was uns als himmlischer, natürlicher Zustand verkauft wird, der vor inniger Zweisamkeit und Gesundheit nur so strotzt, sieht in der Realität oft ganz anders aus: Die Mehrheit der Mütter versucht am Anfang zu stillen, aber nicht alle stillen ihr Kind in den ersten sechs Monaten ausschliesslich. Wieso eigentlich? 


Vielleicht bringt sie die Enttäuschung darüber, dass es nicht auf Anhieb klappt, dazu, es lieber ganz sein zu lassen. Oder es geht schlicht und ergreifend nicht. Ich habe eine Freundin, die wenige Tage nach der Geburt mit einer Brustentzündung wieder ins Krankenhaus musste, wo man trotz ihres hohen Fiebers und grässlicher Schmerzen insistierte, sie solle nicht aufgeben und es weiterhin versuchen. Noch heute denkt sie, sie habe versagt, als sie Tage danach eben doch „aufgab“. Eine andere Freundin glaubt noch heute, eine schlechte Mutter zu sein, weil sie damals aufgehört hat zu stillen. Sie konnte das Rauchen nicht lassen und hat sich deswegen für Pulvermilch entschieden. Dass man diesen Frauen einreden will, ihre Kinder seien schlechter dran als gestillte, ist eine Frechheit! Dann müssten die Kinder der Siebzigerjahre – in denen Stillen unpopulär war – eine ausserordentlich bemitleidenswerte, ungeliebte (Stillen fördert die Verbindung zwischen Mutter und Kind), übergewichtige, von Allergien geplagte Generation darstellen. Es wäre interessant, das mal zu erforschen …

Ich hatte mich für das Stillen entschieden – und konnte glücklicherweise beide Kinder problemlos stillen. Ich hätte aber auch nicht lange rumgefackelt, wenn es nicht geklappt hätte. Wer jetzt glaubt, ich sei deshalb offiziell eine gute Mutter, der wird enttäuscht: Ich habe meine beiden Kinder nur je fünf Monate gestillt. Wieso? Weil ich oben erwähnte Punkte (Schmerzen, Müdigkeit, Abhängigkeit) einfach satt hatte. Das würde ich gegenüber den meisten Supermamis natürlich nie zugeben, denn für sie hätte ich dann genauso gut gar nicht erst stillen brauchen. Alles unter sechs Monaten gilt nicht, sozusagen. 

Können wir nicht einfach froh sein, dass es verschiedene Möglichkeiten gibt und Babies auf alle Arten satt werden können? Das einzig Wichtige ist doch, zu sehen, wie dein Kind trinkt, friedlich einschläft und gedeiht. Egal, woher die Milch kommt.

Dieser Text stammt aus meinem  Buch: «Rabenmutter. Die ganze Wahrheit über's Mutterwerden und Muttersein», erschienen im Verlag Walde + Graf.
Weitere Infos zu Autorin und Buch hier.

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