Montag, 30. Mai 2011

"Das Geschlecht ist nicht wichtig"

«Wisst ihr schon, was es ist?» Wie oft ich das während meiner Schwangerschaften gefragt wurde, kann ich nicht sagen. Ich weiss nur noch, dass ich mit der Zeit nur noch «Na, ein Elefant wird's wohl nicht!» antworten wollte. Diese Fixation auf das Geschlecht eines Kindes hat mich damals fasziniert und ich finde sie heute noch befremdend. Macht es wirklich einen Unterschied, ob das neue Familienmitglied ein Junge oder Mädchen ist? Ich habe auch nie verstanden, dass viele werdende Eltern eher zum einen Geschlecht tendieren, ich wollte einfach ein gesundes Kind. Zumindest beim ersten. Denn bei meiner zweiten Schwangerschaft muss ich zugeben, dass ich mich sehr gefreut habe zu erfahren, dass die Zeiten von Superman und Captain Sharky bald vorbei sind. (Wie sehr mir Hello Kitty und Co. auf die Nerven gehen würden, ahnte ich damals ja noch nicht.)

Wieso beissen wir uns eigentlich so daran fest, Menschen durch ihr Geschlecht definieren zu wollen? Das Geschlecht scheint die allererste Schublade zu sein, in den man einen Menschen steckt. Ein Baby hat schliesslich noch keinen ihn definierenden Beruf oder Zivilstand. Doch braucht es diese Schublade überhaupt?

Kathy Witterick und David Stocker aus Toronto in Kanada finden, wir Menschen sollten uns von diesem Genderdenken befreien. Ihre zwei ältesten Söhne werden deshalb genderneutral erzogen, der grössere mag pink und trägt Zöpfe, der kleinere fährt ein violettes Dreirad. Soweit, so nachvollziehbar. Wenn ich meine Tochter anschaue, ist sie auch mehr Raufbold als Barbie, aber das liegt wohl eher am grossen Bruder, als an unserem Erziehungsstil. Obwohl wir es nicht mögen, wenn Jungs in die blaue und Mädchen in die rosa Schublade gesteckt werden, geben wir uns keine sonderliche Mühe dies zu verhindern, genauso wenig, wie wir die Schubladisierung explizit vorantreiben.

Was die Kanadier nun mit ihrem dritten Kind vorhaben, gehört jedoch in eine andere Kategorie der Genderneutralität: Bis heute weiss niemand (ausser ihnen selbst, den grossen Geschwistern und den Hebammen) welchem Geschlecht das letztgeborene angehört. Das Baby mit dem originellen Namen «Storm» ist für die Öffentlichkeit weder Mädchen noch Junge. Ihre Ideologie dahinter: «Wenn du jemanden wirklich kennen lernen willst, ist es unwichtig, was er/sie zwischen den Beinen hat.»
Was nicht nur Nachbarn und Angehörige befremdet ist die Tatsache, dass die Eltern mit dieser Einstellung, ihr Kind später frei «wählen» zu lassen (in Anführungs- und Schlusszeichen, da es sich sein Geschlechtsteil zumindest als Kind ja nicht wegdenken kann), es eigentlich genauso beeinflussen, wie wenn sie ihrer Tochter nur noch rosa Kleider und Puppen kaufen würden. Sie imprägnieren dieses Baby mit ihrer Vision, wir Menschen seien alle gleich und das Geschlecht sei genauso nebensächlich wie die Hautfarbe.
Ich möchte gar keinen Diskurs darüber führen, ob sie recht haben, schliesslich kann man sich solche Ideologien in unserer entwickelten, freien Welt erlauben und jeder soll tun und lassen, was er will. Doch was unterscheidet Eltern, die ihr Kind in die Schublade «neutral und offen für alles» stecken, von Eltern, die ihre vierjährige Tochter zur Miss-Wahl schicken? Was ist schlimmer: Dem Sohn das pinke Prinzessinnenkleid zu verbieten oder das Risiko einzugehen, dass er in diesem Kleid in der Schule gehänselt wird?
Wenn Eltern ihre Ideologien an ihren Kindern «ausprobieren», gleicht dies einem Experiment. Ich bestreite nicht, dass wir alle dazu neigen, unsere Kinder auf die eine oder andere Art zu beeinflussen und natürlich meinen wir das nur gut. Aber aus einem Kind ein soziologisches Experiment zu machen, finde ich trotz aller Toleranz etwas bedenklich. Sie nicht?

Donnerstag, 26. Mai 2011

Kapsel-Hysterie

Kinder ernähren, leicht gemacht! Oder geht die Milch-Kapsel zu weit?

„Wenn Mütter nicht mal mehr Zeit finden um zu stillen oder einen anständigen Schoppen zuzubereiten, dann sollten sie einfach keine Kinder haben!“ So und ähnlich klang es letzte Woche, nachdem Nestlé ihr neues Produkt babyNes vorgestellt hatte.
Die Milch in Kapseln wird mit einer speziellen – von Nestlé verkauften – Maschine zubereitet, genau wie der Kaffee aus demselben Haus. Still-Fundamentalisten gehen jetzt schon auf die Barrikaden, es ist ihnen ein Dorn im Auge, dass das Nicht-Stillen jetzt noch einfacher werden soll. Aber die Empörung über diese „Geldmacherei“ ist auch sonst bei den Konsumenten gross. Nicht nur wegen des Preises, eine Kapsel kostet CHF 2.00, die Maschine CHF 250.00. Keine Aldi-Preise, das ist sicher. Je nach Alter des Babys kostet ein „normaler“ Schoppen nämlich lediglich zwischen 50 Rappen und einem Franken. Stillen ist sogar gratis (wenn man die vertilgte Schokolade der stillen Mutter nicht mit einberechnet).
Um Himmels Willen! Kapsel-Milch? Warum nicht gleich Pulver-Brei? Oder fertig im Glas? Oder gar eine Maschine, die Wäsche wäscht und trocknet? ... Ach so, das gibt es alles schon? Mmmh, und wie wurden diese Neuerungen anfangs empfangen? So, wie alles Neue – vor allem in Sachen Baby-Betreuung und Haushalt angenommen wird – NICHT mit offenen Armen. Die erste Waschmaschine war vor 60 Jahren ein vermeintlicher Beweis dafür, dass Hausfrauen immer fauler werden und bald gar nichts mehr selber tun müssen. Bei der Babynahrung ist die Akzeptanz noch geringer, schliesslich sind wir, die unsere Kinder nicht oder zu wenig lange gestillt haben doch schon lange Rabenmütter. Und jene, die ihren Brei nicht selber und bio kochen, sowieso ein Fall für die Fürsorge.
Und nun die Milch aus der praktischen – wenn auch teuren – Kapsel. Hoffentlich erfinden Sie bald den Kinderwagen, der die Kids selber zum Spielplatz karrt, mit Z’vieri versorgt und dafür sorgt, dass sie sich nicht verletzen. Dann hätte ich endlich Zeit, meinen Kapsel-Kaffee in Ruhe zu trinken!

Montag, 23. Mai 2011

"Plädoyer für schwarze Schafe"


wir eltern über das Buch "Rabenmutter": "Da Mütter in der Retrospektive ihre Mutterschaft gerne schönreden – oder hat Sie Ihre Mutter je davor gewarnt, mit wie wenig Schlaf Sie mit Kleinkind in den ersten Jahren werden auskommen müssen? Eben! –, tut es gut zu wissen, dass da eine Rabenmutter ist, die Tacheles redet."

Die ganze Rezension heute auf dem Blog von wir eltern.

Dienstag, 17. Mai 2011

Stillen macht anständig

Noch eine Studie, die besagt, stillen sei besser für das Kind. Die Begründung ist auch diesmal nervig.

Jetzt haben wir es. Das musste ja kommen! Nachdem uns diverse Stillkampagnen predigen, stillen sei das einzig Wahre für unsere Kleinen, weil gesünder, haben Still-Apostel jetzt einen neuen Grund, allen nichtstillenden Müttern ein schlechtes Gewissen einzureden. Denn gestillte Kinder sind anständiger als Flaschenkinder. Tataaa!

In einer gross angelegten Studie befragten Forscher diverser britischer Universitäten im Jahre 2000 über 10'000 Mütter mit weissem ethnischen Hintergrund, als ihr Baby neun Monate alt war. Dann mussten sie alle zwei Jahre wiederum einen Fragebogen ausfüllen, der Fragen zu Anhänglichkeit, Ängsten, Hyperaktivität und Verhaltensprobleme wie lügen und stehlen, behandelte.

Heraus kam, dass 16 Prozent der flaschen-ernährten Babies später Probleme mit ihrem Benehmen aufwiesen, aber nur 4% der gestillten Kinder. Natürlich wurden andere Einflüsse berücksichtigt, so die Forscher, wie die sozialökonomischen Verhältnisse, die Bildung der Mutter, Alter und Rauchergewohnheiten (dieser letzte Punkt macht mich schon stutzig: Sind Kinder von Raucherinnen jetzt auch problematischer?).

Es gehe den Wissenschaftlern nicht darum, «normale» Trotzreaktionen und Wutanfälle von Kindern zu stigmatisieren. «Probleme gibt es erst, wenn das Verhalten des Kindes der Situation unangemessen ist, über längere Zeit andauert und seine Entwicklung stört.» Und dies soll bei eben 16% der nicht-gestillten Kindern der Fall sein.

Dafür gäbe es zwei Erklärungen: Muttermilch enthält Fettsäuren, die eine wichtige Rolle in der Entwicklungs des Hirnes spielen. Doch da diese von der Milchpulverindustrie längst entdeckt wurden und seit Jahren schon im Schoppen zu finden sind, muss es etwas anderes sein. Und jetzt kommt's, einmal mehr: Gestillte Kinder sind ihrem Mami näher, das «Bonding» findet eher statt, als wenn der Störfaktor «Schoppen» dazwischenfunkt! (Hierzu möchte ich bemerken, dass der die meisten Schoppen doch viel kleiner sind, als stillende Frisch-Mutter-Brüste...) Das soll zu einem besseren Verständnis für anständiges Benehmen führen, weshalb sich nur 4% der gestillten Kinder aufführen wie Chucky, die Mörderpuppe.

Übrigens gilt das alles nur, wenn man mindestens vier Monate gestillt hat, sonst ist die ganze Theorie für die Katz. Beim nächsten Anfall von «unangemessenem» Brüllen, weil sie kein Glace kriegt, werde ich meiner Tochter wohl sagen müssen, sie sei doch sehr undankbar, schliesslich hätte ich sie fünf Monate gestillt und sie dürfe sich deshalb nicht so benehmen! Oder was meinen Sie?

Die Forscher werden jetzt übrigens auch andere ethnische Gruppen befragen, damit ein ganzheitliches Bild der Bevölkerung entsteht. Na hoffen wir, dass die Immigranten anständige Kinder haben!

Montag, 16. Mai 2011

Bedeutungsschwangere Bäuche

Wahlkampf mit Bauch: Ein Trend?

Als ich neulich, anlässlich eines Interviews von einer Journalistin der Frauenzeitschrift „Emma“ gefragt wurde, wieso Kinder haben in den letzten Jahren so öffentlich geworden ist, hatte ich erst einmal keine Antwort. Fakt ist, dass ich schon vor sieben Jahren, bei meiner ersten Schwangerschaft, ziemlich allergisch auf gewisse Fragen und (Re)Aktionen reagierte. Ich sehe bis heute nicht ein, wieso mir wildfremde Menschen an den Bauch hätten fassen dürfen oder wieso mich jeder ungestraft fragen durfte „Was git’s? En Bueb oder es Maitli?“

Doch ich bin nur ich. Keine öffentliche Person, kein Promi, keine First Lady. Anders liegt der Fall bei Bruderer, Wyss und Hutter. Um nur die Schweizerinnen zu nennen, die ihren Bauch in den Wahlkampf geschickt haben oder es demnächst tun. Auch das benachbarte Ausland spart nicht mit Schwangerschaftskampagnen, siehe Ex-Vizepräsidentin des Europarates Koch-Mehrin in Deutschland oder Madame la Présidente Carla Bruni. Schwangersein scheint zur Zeit – zumindest in der Politik – ansteckend zu sein.

Das ist so gesehen kein Problem, schliesslich bin ich Verfechterin der privaten Schwangerschaft, jede soll tun und lassen, was sie will. Aber eben diese Frauen müssen sich in aller Öffentlichkeit dazu äussern, wie lange sie gedenken, Mutterschaftsurlaub zu nehmen, ob sie überhaupt weitermachen, welches Pensum, wohin mit dem Kind, stillen oder nicht stillen etc. Und werden, egal, was sie tun, von rechts bis links (aber natürlich eher rechts) kritisiert. So meinte die ehemalige SVP-Nationalrätin Jasmin Hutter letzten Freitag, sie könne Bruderers Entscheid ja wohl überhaupt nicht nachvollziehen, sie sei seit der Geburt ihres ersten Kindes zu hause geblieben und seither noch viel radikaler geworden. Das sind wir alle, in die eine oder andere Richtung. Nur erzählen wir es nicht jedem Journalisten (zugegeben, uns fragt ja auch keiner) und betreiben damit insgeheim genau denselben Wahlkampf rechts, den sie der Linken mit den schwangeren Bäuchen vorwerfen.

Ob das nun gut oder schlecht ist, als Schwangere Ständerätin werden zu wollen (Bruderer) oder den Bettel ganz hinzuschmeissen (Hutter), ob es besser ist, die Schwangerschaft zu timen (Koch-Mehrin, die Geburt fällt auf die Sommerpause) oder sie erst einmal mit Designer-Garderobe zu kaschieren, wie Madame Sarkozy, kann und will ich nicht beurteilen. Besorgniserregend finde ich jedoch, dass man Bruderer nun Sympathiepunkte anrechnet, WEIL sie schwanger ist. Oder aber sie eine Rabenmutter schimpft, weil sie Kandidatin bleibt. Auch lese ich in der Presse, dass die Schweiz „zum ersten Mal eine Schwangere im Wahlkampf“ erleben wird. Was hat das noch mit Politik zu tun?

In Frankreich wird die Debatte übrigens ad absurdum geführt: Carla Brunis Schwangerschaft soll ihrem Mann (!!) 5% mehr Wählerstimmen bringen! Hoffentlich profitiert die Sängerin wenigstens genauso von dem neuen Baby (sofern sie wirklich schwanger ist) und verkauft mehr Platten. Dasselbe Land kennt paradoxerweise auch eine Ex-Ministerin, die den Namen des Kindsvaters bis heute nicht bekanntgegeben hat. Ob ihr dieses Verhalten geschadet hat, kann nicht genau eruiert werden.

Und solange wir in Bezug auf Frauen in der Politk, ihre Schwanger- und Mutterschaften so denken, so lange werden wir eben nicht gleichberechtigt sein. Oder wissen Sie genau, welcher Politiker wie viele Kinder hat und wann die geboren wurden? Eben!

Samstag, 14. Mai 2011

"Weil Väter immer Männer bleiben"


Wenn  uns Müttern ein Maxi Cosy mit Baby in die Hand gedrückt wird, sind wir total happy und unser gemütliches Kaffeekränzchen mit Freundinnen geht locker vom Hocker weiter wie bisher, die Anwesenheit des Kindes ist allerhöchstens bereichernd!
Kennen Sie diesen wohl dümmsten und sexistischsten Werbespot, der zurzeit über den Bildschirm flimmert? Der Autohersteller Renault will uns mit dieser Story seinen neuen Scénic verkaufen.

Vier Männer und ein Baby sitzen im Wagen, im Radio läuft «I love Rock'n'Roll» von Joan Jett. Die Männer singen zwar mit, aber im Flüsterton, weil das Baby schläft. Nach einer kurzen Fahrt halten sie an, laden den Maxi Cosy aus und drücken ihn eben besagter – vor Glück über beide Ohren grinsender Mutter – in die Hand, brausen davon und singen jetzt aus voller Kehle mit. Der Claim am Ende des Spots: «Weil Väter immer Männer bleiben.»

Ehrlich? Das würde ich sofort unterschreiben. Nur, was macht das aus uns Müttern? Mütter sind eben auch in ihrer Frauenrunde dermassen gerne Mütter, dass sie unbedingt auch die Kleinen dabeihaben wollen? Denn jeder weiss ja, dass Kinder nie stören, wenn Mami mal ungestört plaudern will. Kinder leeren im schicken Kaffee auch keine klebrigen Sirupgläser aus und Kinder sind vor allem leise und diskret. Immer. Wo nun jeder halbwegs erfahrene Elternteil leichthin sagen würde «Weil Kinder immer Kinder bleiben.», kommt uns Renault mit Clichés, die so lahm sind, dass es einem graust. Worin soll sich diese Art Werbung von jener in den Fünfziger Jahren unterscheiden, die unseren Grosseltern vorgaukelte, Frauen seien Püppchen, die putzen und kochen?
Und da ich meine Schreibkarriere ebenfalls in der Werbebranche begonnen habe, kann ich Ihnen prophezeien, wie sich die Automarke «emanzipiert» geben wird: Sie werden einen zweiten Teil produzieren und raten Sie mal, wie der Claim da lauten wird? Genau!«Weil Mütter eben auch immer Frauen bleiben.» Und wahrscheinlich ist unser kleines Pläsierchen irgend etwas Vorhersehbares wie Schuhe-Shopping oder Manicure. Dranbleiben!

Dienstag, 10. Mai 2011

Leseprobe "Rabenmutter"


Meine Mutter sagte schon: "Du musst die Ware testen, bevo du sie kaufst." Sie meinte Männer. Denke, das gilt auch für Bücher. Deshalb hier ein kleiner Vorgeschmack auf das Buch.

Klauen Sie Ihren Kindern den Broccoli!

Der Esstisch gleicht mancherorts einer Kampfzone. Ernährungspsychologe Thomas Ellrott gibt Tipps für einen Waffenstillstand.

Gestern beim Abendessen: Hamburger vom Grill, Baked Potatoe und Grill-Zucchetti. Raten Sie mal, was meine Kinder liegen liessen? Na, bestimmt nicht dem Hamburger! Es ist teilweise unmöglich, sie dazu zu bringen, Gemüse zu essen und es gab Abendessen da waren wir schon kurz davor, die weisse Fahne zu schwingen. Wieso tun sich Kinder so schwer mit gesundem Essen?

Eltern und Schule möchten Kinder zu gesunder Ernährung erziehen. Gleichzeitig gab es noch nie soviel übergewichtige und fettsüchtige Kinder. Was läuft falsch? «Eltern und Lehrer, die es besonders gut meinen, holen gerne die Wissenskeule heraus und halten Kindern Vorträge über gesunde Ernährung.» Das sei der grösste Fehler, so Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe und Institutsleiter des INSTITUTS FÜR ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGIE in Göttingen. Die Wörter «gesund» und «Ernährung» lösen bei den Kindern Widerstand aus, sie würden immer das ungesunde wählen, wenn sie die Wahl hätten.

Im Interview, dass der Experte der «Zeit» gab, gibt er ausserdem zu bedenken, dass wir unsere Ansichten über gesundes und ungesundes Essen wieder etwas dem globalen Bild anpassen müssen. So fand beispielsweise die Nationale Verzehrstudie II der Bundesregierung heraus, dass in Deutschland mehr Kalorien durch Fruchtsäfte als durch Limonaden konsumiert würden. Dies, weil Eltern glauben, Fruchtsaft sei weniger süss und deshalb gesünder.

Dr. Ellrott bestätigt, was Eltern, die nicht fanatisch mit der Bio-Knospen um sich schwingen, schon länger vermuten: «Der Gesamtkonsum über längere Zeit entscheidet darüber, ob man gesund bleibt.» Alles in Massen, dann gibt es keinen Grund zur Sorge.

Konkret lese ich aus dem Interview folgende Tipps heraus:
  • Anstatt dem Kind aufzuzählen, wieso das Rüebli so gesund ist, einfach sagen «Auf dem Teller fehlen noch Farben, so sieht das doch langweilig aus.»
  • Nicht immer gleich reagieren und belehren, wenn das Kind etwas nicht essen will. Manchmal wollen sie nur Aufmerksamkeit.
  • Klauen Sie dem Kind den Broccoli vom Teller weg, so wird es ihn eher haben wollen.
  • Setzen Sie Essen nie als Belohnung oder Bestrafung ein! Die natürliche Regluation von Hunger und Sättigung wird gestört und es setzt falsche Signale.
  • Essen Sie mit ihren Kinder am selben Tisch. So zeigen Sie ihnen, was zusammen speisen noch für weitere, für eine Familie wichtige, Bedeutungen hat: Kommunikation, Toleranz und Bindungen.
  • Reden Sie über das Essen: Woher kommt es? Wo haben wir das schon mal gegessen?
  • Stellen Sie mit der Familie eine Wunschliste auf: Was wollen wir nächste Woche essen?
  • Probieren ist Pflicht. «Hani nöd gärn!» gibt's nicht, solange nicht wenigstens probiert wurde.
  • Wenn gar nichts geht, geben Sie Ihrem Kind jeden Tag, NUR was es mag, bspw. Pasta. Keine Variante, immer dieselbe Sauce. Das Kind wird über kurz oder lang nach Abwechslung verlangen, aber Sie brauchen Durchhaltevermögen!
  • Süsses ist erlaubt, aber nicht immer und auch nicht in beliebigen Mengen. Selbstverständlich sind Süssigkeiten als Hauptmahlzeit oder vor dem Fernseher tabu.
  • Einen Klacks Ketchup auf die Zucchetti oder etwas Zucker auf die Erdbeere hat noch niemandem geschadet! Das gesündeste Lebensmittel nützt nichts, wenn das Kind es nicht isst.
  • «Lösen Sie sich von ideologischen Barrieren.» Werden Sie locker, dann entkrampft sich auch das Verhältnis zum Essen.
Zugegeben, die einen Ratschläge klingen zu schön, um wahr zu sein, und mein Grosser würde einige davon sofort durchschauen, aber versuchen schadet bestimmt nicht. Viel Erfolg!

Freitag, 6. Mai 2011

Zum Muttertag


Der Muttertag ist längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Nichtsdestotrotz sollte sich Mutter feiern lassen. Von Andrea Strahm

Ich habe gespaltene Gefühle dazu, dies gleich vorneweg. Meine Mutter hielt den Muttertag nämlich, dies die offizielle Variante, für reine «Geschäftlimacherei». Inoffiziell wollte sie natürlich gefeiert werden. Bloss war nicht klar, wie. Was wir auch taten, es hatte nicht den gewünschten Erfolg, und machten wir nichts, hatten wir ein schlechtes Gewissen. Irgendwann brachte ich ihr Blumen, aber die waren aus der Migros, und deshalb auch nicht recht. Da gab ich es definitiv auf.
Probleme gab es wieder, als ich Mutter wurde, denn nun sollten wir alle antraben und feiern. Aber da trat ich in Streik. Schliesslich heisst das Ding «Muttertag», nicht «Omatag», und meine Kinder wollten mich bekochen, nicht von der Oma bekocht werden, und ich freute mich darüber.
Anfangs half ihnen der Papi. Dann war der einmal auf Geschäftsreise, und ich sass bibbernd im Garten, derweil sie Ravioli in kochendes Wasser gaben – ich sah mich schon auf der Notfallstation mit verbrühten Kindern. Aber die Ravioli schmeckten grossartig.
Heute ist ihnen der Muttertag nicht mehr so wichtig, und mir ohnehin nicht. Sie kochen eh schon sehr oft, und ich freue mich einfach, wenn sie alle da sind, und zwar das ganze Jahr hindurch.
Was ist der Muttertag nun, Geschäftemacherei? Sicher auch. Aber wir Mütter sind das ganze Jahr hindurch allmächtig und dominant. Dem Kind zu zeigen, dass auch es etwas geben kann, und nicht nur immer in der nehmenden Position ist, stärkt sein Selbstbewusstsein, gibt ihm eine Bedeutung. Sich am Muttertag feiern lassen, heisst Geben durch Nehmen, hat einen erzieherischen Wert.
Also lassen Sie sich feiern, Ihren Kindern zuliebe. Und verbringen Sie den Tag nicht in der Küche, um Ihre Mutter und Ihre Schwiegermutter zu bekochen, denn sonst haben Ihre Kinder am Muttertag keine Möglichkeit, ihre Mami zu feiern. Sie sollen ausspannen, nicht im Vorbeigehen etwas von den Kindern Gebasteltes annehmen und ansonsten durch den Tag hetzen. Die ältere Generation hatte ihre Chance – und wenn sie sie ergriffen hat, versteht sie heute, dass nun Ihre Kinder dran sind. Wenn nicht, machen Sie wenigstens nicht den gleichen Fehler.
In diesem Sinne: Einen schönen Muttertag, Kindern und Müttern!

Donnerstag, 5. Mai 2011

Buch-Vernissage am 31. Mai 2011!

Endlich! Das Buch ist fertig geschrieben, illustriert und befindet sich in der Druckerei! Um es gebührend vorzustellen und zu feiern, lade ich euch herzlich an die Vernissage ein:

Wann: Dienstag, 31. Mai 2011, 18.00 Uhr

Wo: Orell Füssli Kramhof, Füsslistrasse 4, 8001 Zürich

Wir freuen uns sehr auf euch!

Nathalie Sassine-Hauptmann, Autorin
Kati Rickenbach, Illustratorin
Walde+Graf, Verlag







Montag, 2. Mai 2011

Von Raben- und anderen Müttern

Rita Angelone listet Mütter auf: Von Mutter Teresa über die böse Schwiegermutter, da durfte die Rabenmutter wohl nicht fehlen.

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