Dienstag, 10. Mai 2011

Klauen Sie Ihren Kindern den Broccoli!

Der Esstisch gleicht mancherorts einer Kampfzone. Ernährungspsychologe Thomas Ellrott gibt Tipps für einen Waffenstillstand.

Gestern beim Abendessen: Hamburger vom Grill, Baked Potatoe und Grill-Zucchetti. Raten Sie mal, was meine Kinder liegen liessen? Na, bestimmt nicht dem Hamburger! Es ist teilweise unmöglich, sie dazu zu bringen, Gemüse zu essen und es gab Abendessen da waren wir schon kurz davor, die weisse Fahne zu schwingen. Wieso tun sich Kinder so schwer mit gesundem Essen?

Eltern und Schule möchten Kinder zu gesunder Ernährung erziehen. Gleichzeitig gab es noch nie soviel übergewichtige und fettsüchtige Kinder. Was läuft falsch? «Eltern und Lehrer, die es besonders gut meinen, holen gerne die Wissenskeule heraus und halten Kindern Vorträge über gesunde Ernährung.» Das sei der grösste Fehler, so Thomas Ellrott, Ernährungspsychologe und Institutsleiter des INSTITUTS FÜR ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGIE in Göttingen. Die Wörter «gesund» und «Ernährung» lösen bei den Kindern Widerstand aus, sie würden immer das ungesunde wählen, wenn sie die Wahl hätten.

Im Interview, dass der Experte der «Zeit» gab, gibt er ausserdem zu bedenken, dass wir unsere Ansichten über gesundes und ungesundes Essen wieder etwas dem globalen Bild anpassen müssen. So fand beispielsweise die Nationale Verzehrstudie II der Bundesregierung heraus, dass in Deutschland mehr Kalorien durch Fruchtsäfte als durch Limonaden konsumiert würden. Dies, weil Eltern glauben, Fruchtsaft sei weniger süss und deshalb gesünder.

Dr. Ellrott bestätigt, was Eltern, die nicht fanatisch mit der Bio-Knospen um sich schwingen, schon länger vermuten: «Der Gesamtkonsum über längere Zeit entscheidet darüber, ob man gesund bleibt.» Alles in Massen, dann gibt es keinen Grund zur Sorge.

Konkret lese ich aus dem Interview folgende Tipps heraus:
  • Anstatt dem Kind aufzuzählen, wieso das Rüebli so gesund ist, einfach sagen «Auf dem Teller fehlen noch Farben, so sieht das doch langweilig aus.»
  • Nicht immer gleich reagieren und belehren, wenn das Kind etwas nicht essen will. Manchmal wollen sie nur Aufmerksamkeit.
  • Klauen Sie dem Kind den Broccoli vom Teller weg, so wird es ihn eher haben wollen.
  • Setzen Sie Essen nie als Belohnung oder Bestrafung ein! Die natürliche Regluation von Hunger und Sättigung wird gestört und es setzt falsche Signale.
  • Essen Sie mit ihren Kinder am selben Tisch. So zeigen Sie ihnen, was zusammen speisen noch für weitere, für eine Familie wichtige, Bedeutungen hat: Kommunikation, Toleranz und Bindungen.
  • Reden Sie über das Essen: Woher kommt es? Wo haben wir das schon mal gegessen?
  • Stellen Sie mit der Familie eine Wunschliste auf: Was wollen wir nächste Woche essen?
  • Probieren ist Pflicht. «Hani nöd gärn!» gibt's nicht, solange nicht wenigstens probiert wurde.
  • Wenn gar nichts geht, geben Sie Ihrem Kind jeden Tag, NUR was es mag, bspw. Pasta. Keine Variante, immer dieselbe Sauce. Das Kind wird über kurz oder lang nach Abwechslung verlangen, aber Sie brauchen Durchhaltevermögen!
  • Süsses ist erlaubt, aber nicht immer und auch nicht in beliebigen Mengen. Selbstverständlich sind Süssigkeiten als Hauptmahlzeit oder vor dem Fernseher tabu.
  • Einen Klacks Ketchup auf die Zucchetti oder etwas Zucker auf die Erdbeere hat noch niemandem geschadet! Das gesündeste Lebensmittel nützt nichts, wenn das Kind es nicht isst.
  • «Lösen Sie sich von ideologischen Barrieren.» Werden Sie locker, dann entkrampft sich auch das Verhältnis zum Essen.
Zugegeben, die einen Ratschläge klingen zu schön, um wahr zu sein, und mein Grosser würde einige davon sofort durchschauen, aber versuchen schadet bestimmt nicht. Viel Erfolg!

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