Mittwoch, 27. November 2013

«Das kriegen wir schon hin.»



Wenn ein Kind kommt, denken wir das alle. Doch dann kommt es anders: Stress, wenig Schlaf, Beziehungskrise, dringendes Pipi im Feierabendverkehr. Doch will ich mir das im Kino antun?
Viele Filme und Serien haben das Genre schon unter die Lupe genommen. Meist wurde Slapstick daraus, denn die Panik der Eltern vor dem ersten Kind eignet sich nun mal bestens dazu. Wenige Produktionen thematisierten bis heute die stinknormale Familie, wie wir sie sind. Wieso eigentlich?

Wohl deswegen, weil wir es zwar popcorn-schmatzend geniessen, Kriegshelden fallen und Liebesbeziehungen auseinanderbrechen zu sehen. Unser eigenes Leben vorgeführt zu bekommen, ist aber zu schmerzhaft. Und entsprechend langweilig. Auch kann es heikel sein, wenn Mami und Papi den Film zusammen schauen und ihre Defizite von bekannten Schauspielern gespielt sehen.

Oder haben Sie vielleicht «Motherhood» (mit Uma Thurman, 2009) oder «Little Children» (mit Kate Winslet, 2008) gesehen? Sollten Sie aber. Genauso steht es um den neusten in dieser Reihe: «Eltern». Ich gebe aber zu, dass ich die Presse-DVD auch erst einmal drei Tage habe liegen lassen.

«Eltern» möchte gemäss Regisseur Robert Thalheim das «Bermudadreieck von Beruf, Familie und Beziehung» erkunden. Das Bermudadreieck? Soll das heissen, es geht etwas unwiderruflich verloren, wenn man Familie hat? Will man dem Film Glauben schenken, ja. Und zwar so ziemlich alles, was ein Paar mal ausgemacht hat. Oder einen Menschen.

Alles «hinzukriegen» scheint nämlich bei Christine und Konrad mehr Wunsch als Wirklichkeit. Schliesslich fängt er gerade wieder an zu arbeiten, nachdem er sich jahrelang um Kind und Küche gekümmert hat. Der Hausmann und liebender Familienvater freut sich – wer könnte es ihm verdenken – sehr auf seine Arbeit als Theaterregisseur. Doch obwohl seine Ehe bis jetzt wirklich locker und heiter schien – oder wie soll man eine Beziehung nennen, bei dem die Eltern nach dem Kindergeburtstag genüsslich einen Joint rauchen und fast Sex miteinander haben? Fast, weil die Kleine natürlich reinplatzt, what else? – geht es ab seinem ersten Arbeitstag nur noch abwärts.

Das mag daran liegen, dass der tolle Papa seinen Töchtern einfach nichts abschlagen kann. So darf seine 7-Jährige im Auto – weil sie ja sooo dringend muss – in Z’Vieri Tupperware pinkeln...
Sicher nicht förderlich ist Christines Affäre mit einem Arbeitskollegen, der im selben Krankenhaus arbeitet wie sie.
Und vielleicht ist es eben doch keine gute Idee, als Konrad die Kinder mit an den ersten Probetag seines neuen Stückes mitnimmt. Bei den Szenen, als seine Kinder in den Zuschauerrängen miteinander streiten, wurde mir etwas kötzlig. Aus Erfahrung weiss ich nämlich, dass arbeiten mit den Kindern im selben Raum die Hölle ist!

Alles klar, der Alltag als erwerbstätige Eltern ist schwer, so weit so klar (Wasser auf die Mühlen der SVP mit ihrer Familieninitiative). 

Tatsache ist, Erwerbstätigkeit und elterliche Verantwortung beissen sich. Der Job wird NIE WIEDER so sein wie früher. Diese Freiheit, auch mal Überstunden machen zu können, wenn es nötig ist, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ist vorbei. Spontan in die Bar mit den Arbeitskollegen? Over! Überhaupt, ein Leben ohne schlechtes Gewissen? Vorbei! Natürlich stellt sich nun die Frage: Lohnt sich das? Lohnt sich der Stress, seinen Job zu behalten oder wieder aufzunehmen, wenn ich damit das Familiengefüge gefährde? Lohnen sich Blut, Schweiss und Tränen? 

Der Film meint: Unbedingt! Oder wie das Pressebooklet es so schön formuliert: «Was bleibt, ist die Familie.» 

«Eltern» von Robert Thalheim, ab 28. November 2013 in Schweizer Kinos.

Montag, 25. November 2013

Noch 30 Mal schlafen und dann ist Weihnachten!



Als perfekte Einstimmung möchte ich euch deshalb "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens empfehlen. Schwere Kost? Nicht, wenn es von Kindern gespielt wird. Ach ja und vergesst die Taschentücher nicht!...

Eigentlich ohne Überraschung hat das Kinder-Tanztheater Neftenbach auch dieses Jahr wieder ein sensationelles Spektakel auf die Beine gestellt: "Eine Weihnachtsgeschichte". Der englische Klassiker von Charles Dickens wird von Claudia Cortis Schülern und Schülerinnen interpretiert, von denen einige wirkliche Talente sind.

Es ist nicht so, wie ihr vielleicht denkt (das dachte ich beim ersten Mal nämlich auch): Es ist keine Kinder-Aufführung. Da würde es ja keinen Sinn machen, wenn das eigene Kind nicht dabei ist, richtig? Es sind zwar Kinder, die spielen, tanzen und singen, aber das Stück ist so professionell aufgezogen, dass man das ehrlich vergisst und einfach nur das Spektakel geniesst. Und der Auftritt der ganz Kleinen als Engelein darf man einfach nicht verpassen!

Noch dieses und nächstes Wochenende im Stadttheater Winterthur: "Eine Weihnachtsgeschichte".

Hohoho....

Für alle, die kein rosa mögen...



Das Problem wurde vielleicht gelöst. Denn auch mit rosa Plastik-Mist lässt sich offenbar etwas Schlaues für coole Girls erschaffen. Wie ausgerechnet ein Spielzeuganbieter uns darauf aufmerksam machen will. 

GoldieBlox, der von Ingenieurin Debbie Sterling gegründete Spielzeughersteller, macht schon seit einem Jahr in Sachen Girl Power von sich reden. Und die Girls werden immer lauter. Der letzte Coup legt neue Worte über einen alten Song der Beastie Boys. Die drei coolen Mädchen verwandeln einen rosa Prinzessinnen-(Alb)traum in eine unglaubliche Prinzessinnen-Maschine, welche ausschliesslich aus echtem Spielzeug gebaut wurde. Der Text spricht dann für sich:
Zeit für Veränderung! Wir verdienen mehr Bandbreite, denn alle unsere Spielsachen sehen identisch aus, und wir würden gerne unsere Gehirne nutzen. Wir sind mehr als nur Prinzessinnen-Maiden!
So, ich muss jetzt los und meiner Tochter helfen, eine solche Maschine aus all ihrem rosa Müll zu bauen...
Falls Sie sich fragen, wie das Ding gebaut wurde, gibt es hier die Backstage-Szenen zum Clip.

Freitag, 22. November 2013

«Mami kann eben nichts»

 




Ich kann weder kochen noch basteln noch backen. Sind meine Kinder trotzdem stolz auf mich? Gedanken dazu.


Räbeliechtli-Schnitzete. Ein Event, an dem alle Mamis (und ein paar verirrte Papis) sich im Schulzimmer wiederfinden, um ihren Kindern zu helfen, die viel zu harten, stinkenden, Gemüsebälle in Form zu bringen. Seit mein Mann letztes Jahr das Schnitzen übernommen und – als Designer und Zeichner – wunderschöne Räben für unseren Sohn geschnitzt hat, ist er dran. Er muss jetzt jedes Jahr. Denn «meine» Räben wurden eins, zwei, zack, zack jeweils mit ein paar Guetzli-Formen geschmückt und damit hatte es sich. Ich kann das nämlich nicht. Genauso wenig, wie ich nähen, basteln, werken und all die Sachen kann, für die ich meine Kinder eben in den Kindergarten schicke. Er schon.

Also war der Monsieur auch dieses Jahr dabei, und wir teilten uns die Aufgaben auf: Ich höhle aus, er kümmert sich um die Kunst. Eine klare, den Talenten entsprechende, Aufteilung. Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die vielen Bemerkungen, die ich mir deswegen anhören musste. Ich, nicht mein Mann. Natürlich nicht. Für die Mamis ist das ja immer so «herzig!», wenn die Papis mal Hand anlegen und sich den Vormittag frei nehmen, um mit den Kinderlein Räben zu schnitzen. (Dass dann trotzdem keine mit den Papis ein Wort wechselt, ist ein Phänomen, das ich an einer anderen Stelle mal besprechen werden.) Ich hingegen bin einfach eine faule Sau, weil ich die Räben meiner beiden Kinder nicht – wie so viele andere – alleine schnitzen will.

So musste ich mir anhören, dass es eigentlich mein Job wäre, die Räbe zu verzieren. (Offenbar ist Schönes nur Frauen gegeben). Da ich kein Problem habe zuzugeben, dass mein Mann in solchen Sachen einfach stärker ist, glaubte sich ein Vater dazu genötigt, mich zu verteidigen, in dem er zu meinen Sohn meinte: «Dafür kann Mami aber sicher besser kochen.» Worauf mein treuer und loyaler Sohn den Kopf schüttelte. «Nein, das kann Papa auch besser. Mama kann solche Sachen nicht.» Was stimmt. Trotzdem: Autsch!

Seither überlege ich mir, was ich in den Augen meiner Kinder eigentlich kann. Worauf sie eines Tages stolz sein werden, wenn sie an mich denken. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich wollte nie die Mutter sein, bei denen die Kinder ins Schwärmen geraten, weil ich die besten Cakes backe oder die schönsten Weihnachtssterne bastle. So viel war mir immer klar: Darauf werden meine Kinder nie stolz sein.

Doch worauf dann? Was werden sie ihren Freunden erzählen von mir? Und schon kommen die Zweifel und das schlechte Gewissen. Ich bin die Mutter, die viel arbeitet, die nicht viel mit ihren Kindern unternimmt und vor allem haushaltet, wenn wir mal zu Hause sind. Ich bin auch die Mutter, die nicht immer besonders nett zu den Kindern ist, immer ehrlich und manchmal eben etwas schroff. Ich habe noch nie Babysprache mit meinen Kindern gesprochen, einfach weil ich es für respektlos halte, sie wie Minderbemittelte zu behandeln. Doch wissen meine Kinder zu schätzen, wie sehr ich sie als Individuen respektiere? Werden sie das mal verstehen?

Meine Eltern waren übrigens genauso. Sie waren immer sich selber und das war nicht immer angenehm. Aber immer authentisch, wenn ich dieses in der Ratgeberliteratur inflationär gebrauchte Wort einmal mehr bemühen darf. Als ich gestern einen guten Freund fragte, worauf er bei seiner Mutter – zu der er auch heute noch ein hervorragendes Verhältnis hat – stolz ist, meinte er: «Darauf, dass sie immer ehrlich zu mir war, auch wenn es weh tat. Ich kann sie heute noch alles Mögliche fragen und weiss, dass ich eine ehrliche Meinung hören werde. Deshalb frage ich sie ja auch heute noch.»

Genau das möchte ich auch. Ich möchte, dass meine Kinder nicht stolz auf mich als Mutter sind, sondern stolz auf unsere Beziehung, die wir gemeinsam aufgebaut haben. Darauf werde ich jetzt hin arbeiten. Ganz ohne Guetzli backen und mit Räben, denen nicht ich, sondern mein Mann Schönes reingeschnitzt hat. Was soll’s?

Worauf sollen eure Kinder stolz sein, wenn sie später einmal von euch sprechen?

Donnerstag, 21. November 2013

Nein, Mutter sein ist nicht der wichtigste Job der Welt

 



Eine englische Journalistin empfiehlt uns allen, diesen «Slogan» fallen zu lassen. Lesen Sie, weshalb sie Recht haben könnte.

«Mutter sein ist NICHT der wichtigste Job der Welt. Da. Ich hab’s gesagt!» So fängt Catherine Devenys Artikel von letzter Woche im englischen «The Guardian» an. Sie bezieht sich dabei auf eine Umfrage des amerikanischen Elternmagazins «Parents», in dem offenbar 92% der befragten Mütter angaben, Mutter sein sei der wichtigste Job der Welt.

Wieso sie denkt, dieser oft gehörte Satz könne sie so nicht stehen lassen? Hier ihre Argumente:
  • Wenn es der wichtigste Job ist, wieso wird der Satz als Slogan für Klo-Reiniger benutzt?
  • Wieso gibt es nicht mehr Männer, die diesen ach so tollen Job machen möchten? Oder wer hat schon mal einen Mann sagen hören «Vater sein ist der tollste Job der Welt»?
  • Diese Vergötterung der Mutter führt dazu, dass alle anderen Bezugspersonen sich in ihrer Bedeutung minderwertig fühlen müssen. Was bedeutet dieser Satz für alle Homo- und alleinerziehende Väter? Kommen die immer erst als zweiter in der Hitparade?
  • Ausserdem verwirrt sie der Begriff der Mutter: Wird man Mutter mit der Geburt? Oder ist eine Mutter die, die für Kinder sorgt, ohne dafür bezahlt zu werden? Geht es bei diesem Satz darum, die aufgegebene Karriere zu kompensieren? Oder eben den fehlenden Lohn?
  • Wenn Mutter sein ein Job wäre, gäbe es eine Selektion, Bezahlung, Ferien, Rapporte, Qualigespräche, Apéros und man könnte seine Stelle künden und eine andere annehmen, wenn einem die Leute nicht passten.
  • Aber angenommen, es wäre ein Job, dann sicher nicht der härteste. Zumindest nicht verglichen mit einem minderjährigen Arbeiter in einer Kleiderfabrik in Bangladesh zum Beispiel.
  • Der wichtigste Job auf der Welt? Verglichen mit einem Chirurgen, der Leben rettet oder einem Richter, der über das Leben eines Einzelnen entscheidet?
  • Und den Unterschied, den alle (ob bewusst oder unbewusst) machen: Sogenannte Karriere-Mütter sind zuunterst auf der Wichtigkeits-Skala angesiedelt, während Mütter, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, diesen «Job» eben besser machen. Je mehr outgesourced wird – wie Kinderbetreuung oder eine Reinigungshilfe – , desto schlechter die Mutter.
  • Dieser Satz ermutigt Frauen nur dazu, gesellschaftlich und finanziell abhängig zu werden.
  • Er entfremdet die Väter von ihren Kindern.
  • Er untergräbt andere Erwachsenen-Beziehungen zum Kind.
  • Der Slogan erlaubt es Männer weiterhin, sich auf ihren «heteronormativen Privileg-Loorbeeren in der nuklearen Familie» auszuruhen und folglich schränkt er sie ebenfalls in ihrer Wahlfreiheit ein.
Die Autorin schliesst damit ab, dass es in Ordnung sei, die Mutterschaft beizuziehen, wenn es tatsächlich um etwas geht, das direkt mit ihr zu tun hat wie beispielsweise ein Dammriss. Aber «Mutterschaft» dazu zu missbrauchen, um sich damit zu brüsten, man sorge sich mehr um die Menschheit als andere, wenn sie dazu benutzt wird, zu behaupten, man habe mehr Mitgefühl und arbeite härter als das Gegenüber, fordert sie alle Mütter auf «to get over it»!
Schön gesagt. Finde ich. Und ihr?

Donnerstag, 14. November 2013

Genug ist genug!



Die Berichterstattung über die Familieninitiative bringt Kommentare hervor, die einem den Nuggi raushauen.

Mir reicht’s! Nein, nicht meine Kinder oder mein Job veranlassen mich dazu, im folgenden Text mehr als die journalistisch erlaubten Ausrufezeichen zu verwenden. Vielmehr ist es die SVP bzw. ihre Familieninitiative bzw. deren Berichterstattung bzw. deren Kommentatoren, die mich auf die Palme bringen.

Vorneweg: Ich habe GEGEN die Initiative gestimmt (per Post, schon weg, Argumente für ein Ja kommen jetzt also zu spät, besten Dank). Dagegen bin ich aus offensichtlichen Gründen, die ich gerne noch mal zusammenfasse: Eine Steuererleichterung für Eltern, die es sich leisten können, nicht beide zu arbeiten, ist nicht fair. Denn die – und nur die – würden das Steuergeschenk der Partei mit dem Sünneli erhalten (da der Abzug nur auf der direkten Bundessteuer zum Tragen kommt und schlecht Verdienende diese nicht oder kaum bezahlen). Die Familien, die den Abzug gebrauchen könnten, kommen gar nicht in den Genuss. Also NEIN!

Was mir aber in dieser Debatte noch viel mehr auf den Senkel geht als die wirtschaftlichen «Argumente» sind die persönlichen. Es sind die Kommentare, die darauf hinauslaufen, festzustellen, wer die besseren Eltern – bzw. Mütter – sind.

Abgeschobene Staatskinder?
Menschenskinder, wir Eltern, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, sind doch nicht vollkommen auf den Kopf gefallen!! Wir «schieben» unsere «Staatskinder» doch nicht in irgendeine Kinderfabrik, die sich nicht richtig um sie kümmert, ihnen nur ungeniessbaren Frass vorsetzt und nicht beibringt, wie man sich zu verhalten hat! Daran ändern auch die vielen Bildern von weinenden, alleingelassenen Kleinkindern mit Rotznase nichts!

Das Warum und Wieso der Fremdbetreuung ist in jeder Familie ein anderes. Ich arbeite, weil ich arbeiten will und muss, wenn wir uns auch mal etwas leisten möchten. Einige arbeiten, weil sie einen megamässigen Job haben, den sie nicht aufgeben möchten, weil sie befürchten, den Anschluss zu verpassen. Die meisten arbeiten, weil gar nichts anderes in Frage kommt.

Genauso gibt es Eltern/Mütter, die zu Hause bleiben. Aus ganz verschiedenen Gründen. Die einen, weil sie es sich leisten können. Die anderen, weil sie ein Kind haben, dem die Fremdbetreuung vielleicht (noch) nicht gut tun würde. Andere, weil sie schlicht keinen Job finden. Und viele, weil es in der Nähe keine Betreuung gibt.

SO WHAT?!?! Jede Familie funktioniert anders, wer die Wahl hat, soll wählen. (Dass die meisten gar keine Wahl haben, wird in unserem verwöhnten und reichen Land sowieso seit Jahren ignoriert.) Und jeder Mutter, jeder Vater möchte sich so gut sie/er kann, um die Kinder kümmern, für sie da sein. Wir lieben unsere Kinder alle, auch wenn wir am Arbeitsplatz sitzen! Oder liebt eine Hausfrau ihre Kinder etwa nur, wenn sie anwesend sind? Wir sind alles Vollzeitmütter und -väter, nur können wir nicht alle 24/7 um unsere Kinder sein! Das ist alles!

Wenn ich also noch einmal das Wort «Staatskinder» lese, flippe ich aus! Denn, wer schon mal in einem totalitären Staat gelebt hat, weiss, was «Staatskinder» wirklich bedeutet. Alle anderen: Klappe halten!

So, ich glaube, meinen Standpunkt habe ich klar gemacht. Liebe Mütter (denn ja, die ganze Debatte nimmt meist nur die Mütter ins Visier), macht was ihr wollt. Arbeitet ausser Haus, bleibt zu Hause, arbeitet Teilzeit oder geht in die Maniküre. Das ist einzig und alleine eure Sache.
 
Ich hoffe vor allen Dingen, dass der Vater eurer Kinder eure Wahl unterstützt und ihr damit zufrieden seid. Denn nur das zählt.

Montag, 11. November 2013

Von Handy-Eltern und Depro-Kindern



Der Shitstorm von letzter Woche erinnerte mich daran, dass eine ähnliche Eltern-sind-dauernd-am-Handy-Studie bereits vor zwei Jahren ein Thema war. Erinnern Sie sich?

«Eltern ständig am Handy – Kinder werden depressiv». So betitelte die Gratiszeitung reisserisch den Bericht über eine schwedische Studie. Es war weniger der Artikel selber, als die Kommentare dazu, die die (meine) Nerven strapazieren. Weshalb ich daran denken musste, dass wir ähnlich empörte Kommentare schon einmal lesen mussten. Nach dem Shitstorm von letzter Woche im 20 Minuten habe ich es mir deshalb einfach gemacht. Das Thema hatten wir nämlich schon am 10. Juni 2011. Deshalb hier der Text nochmal, denn ja, meine Meinung dazu hat sich auch nach zweieinhalb Jahren nicht geändert:

Wenn ich diese Zeilen fertig geschrieben habe, muss ich noch schnell einen dringenden Anruf erledigen, dann Wäsche falten und Abendessen kochen. Während dieser ganzen Zeit werde ich mich nicht mit meinen Kindern beschäftigen, geschweige denn, mit ihnen sprechen.

«Geht gar nicht!» meinte letzte Woche René Staubli auf diversen News-Kanälen. Der Journalist sollte eine deutsche Studie kommentieren, die besagt, dass Mütter mehr in ihr Handy als mit ihren Kindern reden. Leider ist in dem Artikel weder ein Link zur Studie zu finden, noch ist es ein ernst zu nehmender Kommentar. Herr Staubli versinkt im Pathos: «Die Kleinen müssen sich verloren vorkommen, denkt man, verunsichert, verzweifelt. Sie schaffen es einfach nicht, ihre wichtigste Bezugsperson für sich zu interessieren.» Im Ernst?

Interessieren Sie sich jede Minute Ihres Tages für Ihr Kind? Beschäftigen Sie sich rund um die Uhr mit den Sprösslingen? Sie ahnen es bereits: Ich nicht! Obwohl, «Kinder leiden unter den leeren Augen einer Mutter, die nur halb anwesend ist». «Sicherheit gibt ihnen nur eines: der enge emotionale Kontakt mit nahen Menschen.», Staubli O-Ton. An Letzterem gibt es nichts auszusetzen, emotionaler Kontakt ist für ein Kind lebenswichtig. Doch muss dieser Kontakt 24 Stunden am Tag gleich intensiv sein?

In meinem Bekanntenkreis gibt es Eltern, die ebenfalls meinen, Kinder müssten dauerbeschallt werden. Sie «kümmern» sich ohne Punkt und Komma um ihren Nachwuchs, es wird gefüttert, gespielt, vorgelesen, gerutscht, geklettert, gekuschelt, auf den Schoss gesetzt, bequasselt und erst wenn sie im Bett sind, scheinen Mama und Papa endlich mal Pause zu haben. Was für ein Stress! Wann erholen sich die Kleinen denn mal von der elterlichen Berieselung? Auch erst, wenn sie schlafen? Darf ein Kind nicht auch einfach mal Ruhe haben? Und Langeweile verspüren?

Es ist ja nicht so, dass die Generation unserer Eltern, als es noch keine Handys gab, wirklich präsenter für uns Kinder da gewesen wären. Und auch die Generationen davor nicht. Eine nicht repräsentative Umfrage ergab, dass Mütter sich auch früher – wenn nicht noch mehr als heute – ihre Freiräume schafften. Mütter, die gerne plauderten, hingen dabei halt nicht am Telefon, sondern luden ihre Freundinnen zu sich ein, derweil die Kinder sich alleine beschäftigen mussten. Dies scheint heute in unserer verbildeten, Ratgeber- und Theorie-geplagten Gesellschaft nicht mehr möglich zu sein. Oder wie erkläre ich mir einen Zweijährigen, der gleich nach dem Aufwachen mit Spielsachen am elterlichen Bett steht, weil er gefälligst mit Mami spielen will?

Ich wage zu behaupten, besagter Journalist, und seine vorwiegend männlichen Kommentatoren, haben nie sechs Monate lang 24 Stunden mit einem Baby verbracht. Zwölf mal täglich dieselben Aktionen, wickeln, füttern, herumtragen, um am nächsten Tag wieder von vorne zu beginnen... Wetten, sie würden alle auch gerne mal zum Handy greifen?
Es gibt viele Situationen, in denen wir uns nicht oder nur nebenbei um unsere Kinder kümmern: Waschen, kochen, Wäsche falten, staubsaugen, einkaufen, arbeiten und und und... Sollen wir das alles ebenfalls bleiben lassen, weil sonst der Kontakt zum Nachwuchs leidet? Warten wir doch einfach ab, bis sich die Kinder mit ihren eigenen Handy rächen und UNS vernachlässigen!

Was meinen Sie? Hängen wir zu viel am Smartphone und Co. oder ist das wieder einmal eine dieser Studien, die uns ein schlechtes Gewissen einreden wollen?

Dienstag, 5. November 2013

Genderspezifische Nix-Könner



Weihnachtskataloge flattern uns schon wieder ins Haus. Und werfen Fragen auf.

Juhuiii, Schweizer Einzelhandelsunternehmen sandten auch diesen Oktober wieder Katalog-Heftchen in alle Haushalte. Gefüllt mit Plastik-Spielsachen, schön in Mädchen- (rosa) und Jungs- (blau) Kapiteln geben Sie im Hause Sassine schon wieder Anlass zu wiederholtem, heftigem Kopfschütteln.
Für Sie herausgepickt:
  • ein Plastik-Haarfön, der nicht bläst.
  • ein Barbie-Auto, in das Barbie offenbar gar nicht reinpasst.
  • ein Make-up-Set für 5-Jährige (?!?!)
  • ein Plastik-Staubsauger, der zwar genauso aussieht wie unserer, aber nicht saugt... (das nennen die dann «kindergerechte Funktionen»)
Und so weiter und so fort. Natürlich fällt auf, dass es sich bei den unnützen Geschenken nur um Mädchensachen handelt. Oder liegt es daran, dass ich selber eine Frau bin? Oder anders gesagt, es fällt auf – wie jedes Jahr –, dass diese überhaupt als «Mädchensachen» zu erkennen sind. Die Seiten rosa, die Models weiblich, die Untertitel wie aus den 50ern: «Willst du Mami beim Staubsaugen helfen?» (Papi braucht keine Hilfe, der kann das alleine? Oder weiss Papi erst gar nicht, wie man den Staubsauger bedient?). Nun gehöre ich nicht zu denen, die krampfhaft versuchen, gender-neutrales Spielzeug ans Kind zu bringen, aber das ist sogar mir zu doof.

Auf jeden Fall verstehe ich nicht, wieso ein fünfjähriges Mädchen ein Make-up-Set braucht mit grünem und blauem Lidschatten, pinkem Lippenstift und rotem Nagellack. Ich habe damit gleich zwei Probleme:

1.  Make-up für ein Gesichtchen, das eben noch ganz ohne Make-up zauberhaft aussieht und für eine Haut, die noch nie Chemie erleiden musste?
2.  Wieso soll sich meine Tochter bunt schminken lernen? Damit ich es ihr nachher wieder abgewöhnen muss, weil sie sonst rumlaufen wird wie die Dorf-Puffmutter?
Ich weiss, Kinder verkleiden sich gerne und wir Mütter sind Vorbilder und ja, ich schminke mich auch. Trotzdem habe ich enorme Mühe damit, wenn der Katalog-Text lautet «...alles, was du zum Schminken und Stylen brauchst.» Brauchen? Ein Mädchen braucht Liebe, gutes Essen und warme Kleidung. Aber Make-up?

Nur so tun als ob
Fast noch dümmer finde ich aber den Staubsauger und den Fön. Wenn solche Spielsachen wenigstens einen Nutzen hätten wie das selbständige Saubermachen des eigenen Kinderzimmers bzw. Trocknen der Haare! Aber nein, sie sollen nur so tun als ob. Einverstanden, spielen ist spielen und nicht putzen oder frisieren. Aber tun Kinder nicht auch lieber etwas Richtiges, wenn sie schon ein Utensil haben, das genauso aussieht wie das echte? Ich glaube schon! Wieso sonst würden die meisten Kinder sich mindestens einmal im Leben selber die Fransen schneiden? Nicht mit der stumpfen Bastelschere, am Liebsten mit der Küchenschere, so dass die Fransen WIRKLICH ab sind! Wieso diese Inkonsequenz? Ein echtes Make-up-Set versus ein falscher Staubsauger. Macht irgendwie keinen Sinn, finden Sie nicht?

Spielzeughersteller sollte man sein, dann hätten wir Eltern mehr von den Geschenken, glauben Sie mir. Und nun raten Sie mal, was sich meine Tochter zu Weihnachten wünscht? Genau, den gender-spezifisch genau definierten Staubsauger, der nix kann! Ach ja, und ein lebensgrosses Zwergpony...

Übrigens: Die Kampagne Pink Stinks setzt sich (u.a. mit dem «wir eltern»-Blogger Nils Pickert)  gegen Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien ein, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Diese «Pinkifizierung» trifft Mädchen und Jungen gleichermassen, und Pink Stinks möchte diesem Trend entgegenwirken. Sie werben für ein kritisches Medienbewusstsein, Selbstachtung, ein positives Körperbild und alternative weibliche Rollenbilder für Kinder.

Neben "Pinkstinks" gibt es auch die Initiative "Let toys be toys - For girls and for boys", die sich dafür einsetzt, dass Spielzeuggeschäfte ihre Rayons nicht nach Buben und Mädchen anschreiben, sondern nach Interessengebieten. Es wäre ja schade, wenn Buben nur deshalb nicht Staubsaugen lernten, weil "für Mädchen" an den Dingern angeschrieben ist...
(Danke Katharina für den Hinweis!
)

Montag, 4. November 2013

Beim Sex ist es doch so...




(Erschienen im aktuellen wir eltern, zusammen mit Nils Pickerts Text aus Männersicht.)

Beim Sex ist es doch so: Mit 16 denkt man an nichts anderes und tut alles, um nicht schwanger zu werden. Mit 26 denkt man an nichts anderes und nimmt in Kauf, schwanger zu werden. Mit 36 denkt man an nichts anderes, um endlich doch noch schwanger zu werden. Danach? Denkt man ab und zu daran und fragt sich, wann denn das letzte Mal war. Und ist froh, dass man nie wieder davon schwanger werden wird!

Zugegeben, obiges gilt vielleicht nur für mich. Doch was ich damit sagen will: Sex ist immer präsent, in jeder Phase unseres Lebens. Nach einer Heirat, zwei Kindern, schlaflosen Nächten, leer gesaugten Brüsten und zahllosen Schwangerschaftsstreifen auch. Nur eben anders.

Doch wenn wir dann schon mal das Glück haben, zu zweit ein kinderloses Wochenende geniessen zu dürfen, sollten die Gedanken an Sex nicht eher denen einer 16-jährigen ähneln? Endlich dürfen wir wiedermal? Endlich können wir uns hemmugslos gehen lassen – sowohl physisch wie akustisch -  ohne das geringste Risiko, dabei gestört zu werden! Endlich! Doch aus irgendeinem Grund fühlt sich das nicht wie eine Erleichterung an. Im Gegenteil. Mir fällt dann vielmehr der Queen-Song «Under pressure» ein.

Denn, beim Sex ist es doch so: Jetzt, da wir endlich können, müssen wir auch. So schnell werden wir nicht wieder sturmfrei haben. Ausserdem wurden schon seit Ewigkeiten keine Körperflüssigkeiten mehr ausgetauscht! Also bitte, liebe Libido, stell dich ein!

Die Lust funktioniert aber eben nicht immer nach dem Lust-Prinzip. Die hat nämlich ihren eigenen Kopf. Und wird mit Garantie nicht genau dann aufkreuzen, wenn das Gotti die lieben Kinderlein abgeholt hat und wir jetzt das Haus für uns haben. Denn vorher könnte Mami ja noch die Waschmaschine füllen, den Staubsauger wegräumen und überhaupt hat sie sich die Haare schon lange nicht mehr gefärbt. Alles eine Frage der Prioritäten.

Sage ich mir und stecke mir die Haare hoch, während ich über den Staubsauger steige, um an meine feine Unterwäsche zu gelangen. Denn auch die will eingeplant sein, wer soll sie denn bitteschön sonst bewundern, wenn nicht der Monsieur an einem sturmfreien Abend?

Also wird gestylt, getupft, gelackt, geschminkt und da und dort ein Häärchen gezupft. Fertig! Währenddessen zieht er schnell ein anderes Hemd über (!) und ist ebenfalls fertig! Gehen wir? Einen klitzekleinen Moment überlege ich mir, ob ich ihn ins Schlafzimmer – oder noch besser auf die Couch -  zerren und vernaschen soll. So spontan geht ja sonst gar nie. Doch meine Frisur hält nur dank drei Tonnen Haarlack und ungestümer, spontaner Sex würde sie ruinieren. Ausserdem müsste ich mein ganzes Outfit aus- und wieder anziehen. Inklusive High Heels. Anstrengend. Also später.

Ein gutes Restaurant, guter Wein, noch bessere Gespräche... Toller Abend. Das Gefühl, zueinander zu gehören, ist immer noch da. Das pure Glück! Der Wein steigt in den Kopf. Aber nicht in die Lenden. Leider.

Nun ist man ja schon lange genug verheiratet, um zu wissen, dass der nicht durchgeführte Coitus den Kater am nächsten Morgen verstärken wird. Und ich mich, sobald die Kinder wieder da sind, dafür ohrfeigen könnte, gleich beim Ins-Bett-Gehen eingeschlafen zu sein.

Denn beim Sex mit seiner grossen Liebe ist es doch so: Hätte man Sex gehabt, wäre er gut gewesen. Denn das ist er jedes Mal. Mit 16 war das anders.

Freitag, 1. November 2013

Noch Fragen?



Dagegen ist die Frage, woher die Babies kommen, ein Klacks!

Liebe Eltern, eine Frage: Fürchten Sie sich vor dem Blümchen-Bienchen-Gespräch mit Ihren Kindern? Wenn ja, wieso? Ist es wirklich so schlimm? Oder sagen Ihnen einfach alle, dass es schwierig ist, dieses Thema anzusprechen? Oder vielleicht haben Sie gar keine Angst? Nämlich weil Sie wissen, dass es noch weit beängstigendere Themen gibt, die Sie früher oder später mit Ihren Kids angehen müssen?

Wenn Sie nämlich darüber nachdenken, hatten Sie als Eltern definitiv schon einmal Sex, Sie wissen also, wovon Sie reden. Und wenn Sie «Wie rede ich mit meinen Kindern über Sex» googeln, erscheinen ungefähr 873 Millionen Links, die Ihnen weiterhelfen. Könnte es also nicht sein, dass die Erklärung, wie Babies gemacht werden zu unseren kleinsten Sorgen gehören sollte?

Das zumindest dachte ich nach der Lektüre von «Mom, I’m Not a Kid Anymore» von Sue Sanders, deren Tochter im Teenager-Alter einige Bomben fallen liess. Lassen Sie es mich so sagen: Wir haben ja keine Ahnung, was da auf uns zukommt!

Deshalb habe ich ein wenig rumgefragt, was denn die meist befürchteten Fragen sind, die unser Kind uns je stellen könnte. Eine Auswahl, sozusagen als Vorbereitung für schwierige Zeiten... Viele dieser Fragen können aber auch vor der Pubertät kommen, also Achtung!

  1. «Ich bin schwanger. Was jetzt? (Alternativ dazu: «Mama, meine Freundin ist schwanger, was jetzt?»)
  2. «Mama, darf ich ein Tattoo? Du hast ja auch eins!»
  3. «Papa, wie oft hast du denn gekifft?»
  4. «Wieso sprichst du nicht mehr mit dem Grosi?»
  5. «Ich bin so dick! Darf ich das Essen ausfallen lassen?»
  6. «Wann habt ihr angefangen, Alkohol zu trinken?»
  7. «Seid ihr schon mal betrunken Auto gefahren?»
  8. «Mami, hattest du noch nie unverhüteten Sex?»
  9. «Papa, ich bin betrunken... Holst du mich bitte ab?»
  10. «Was ist an diesen Fotos schon dran? Ich habe ja noch was an!»
Welches sind die Fragen, die Sie befürchten? Oder hat Ihr Kind sie schon gestellt? Wie war Ihre Antwort darauf?

rabenmutter.ch abonnieren