Donnerstag, 14. November 2013

Genug ist genug!



Die Berichterstattung über die Familieninitiative bringt Kommentare hervor, die einem den Nuggi raushauen.

Mir reicht’s! Nein, nicht meine Kinder oder mein Job veranlassen mich dazu, im folgenden Text mehr als die journalistisch erlaubten Ausrufezeichen zu verwenden. Vielmehr ist es die SVP bzw. ihre Familieninitiative bzw. deren Berichterstattung bzw. deren Kommentatoren, die mich auf die Palme bringen.

Vorneweg: Ich habe GEGEN die Initiative gestimmt (per Post, schon weg, Argumente für ein Ja kommen jetzt also zu spät, besten Dank). Dagegen bin ich aus offensichtlichen Gründen, die ich gerne noch mal zusammenfasse: Eine Steuererleichterung für Eltern, die es sich leisten können, nicht beide zu arbeiten, ist nicht fair. Denn die – und nur die – würden das Steuergeschenk der Partei mit dem Sünneli erhalten (da der Abzug nur auf der direkten Bundessteuer zum Tragen kommt und schlecht Verdienende diese nicht oder kaum bezahlen). Die Familien, die den Abzug gebrauchen könnten, kommen gar nicht in den Genuss. Also NEIN!

Was mir aber in dieser Debatte noch viel mehr auf den Senkel geht als die wirtschaftlichen «Argumente» sind die persönlichen. Es sind die Kommentare, die darauf hinauslaufen, festzustellen, wer die besseren Eltern – bzw. Mütter – sind.

Abgeschobene Staatskinder?
Menschenskinder, wir Eltern, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, sind doch nicht vollkommen auf den Kopf gefallen!! Wir «schieben» unsere «Staatskinder» doch nicht in irgendeine Kinderfabrik, die sich nicht richtig um sie kümmert, ihnen nur ungeniessbaren Frass vorsetzt und nicht beibringt, wie man sich zu verhalten hat! Daran ändern auch die vielen Bildern von weinenden, alleingelassenen Kleinkindern mit Rotznase nichts!

Das Warum und Wieso der Fremdbetreuung ist in jeder Familie ein anderes. Ich arbeite, weil ich arbeiten will und muss, wenn wir uns auch mal etwas leisten möchten. Einige arbeiten, weil sie einen megamässigen Job haben, den sie nicht aufgeben möchten, weil sie befürchten, den Anschluss zu verpassen. Die meisten arbeiten, weil gar nichts anderes in Frage kommt.

Genauso gibt es Eltern/Mütter, die zu Hause bleiben. Aus ganz verschiedenen Gründen. Die einen, weil sie es sich leisten können. Die anderen, weil sie ein Kind haben, dem die Fremdbetreuung vielleicht (noch) nicht gut tun würde. Andere, weil sie schlicht keinen Job finden. Und viele, weil es in der Nähe keine Betreuung gibt.

SO WHAT?!?! Jede Familie funktioniert anders, wer die Wahl hat, soll wählen. (Dass die meisten gar keine Wahl haben, wird in unserem verwöhnten und reichen Land sowieso seit Jahren ignoriert.) Und jeder Mutter, jeder Vater möchte sich so gut sie/er kann, um die Kinder kümmern, für sie da sein. Wir lieben unsere Kinder alle, auch wenn wir am Arbeitsplatz sitzen! Oder liebt eine Hausfrau ihre Kinder etwa nur, wenn sie anwesend sind? Wir sind alles Vollzeitmütter und -väter, nur können wir nicht alle 24/7 um unsere Kinder sein! Das ist alles!

Wenn ich also noch einmal das Wort «Staatskinder» lese, flippe ich aus! Denn, wer schon mal in einem totalitären Staat gelebt hat, weiss, was «Staatskinder» wirklich bedeutet. Alle anderen: Klappe halten!

So, ich glaube, meinen Standpunkt habe ich klar gemacht. Liebe Mütter (denn ja, die ganze Debatte nimmt meist nur die Mütter ins Visier), macht was ihr wollt. Arbeitet ausser Haus, bleibt zu Hause, arbeitet Teilzeit oder geht in die Maniküre. Das ist einzig und alleine eure Sache.
 
Ich hoffe vor allen Dingen, dass der Vater eurer Kinder eure Wahl unterstützt und ihr damit zufrieden seid. Denn nur das zählt.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Ich habe auch dagegen gestimmt. Obwohl wir den abzug gebrauchen könnten. Mich ärgert aber die ausage: eltern die es sich leisten können,das ein elternteil zu hause bleiben...... Wir werden von den gegner doch immer als wohlhabend dargestellt. Wenn ich als teilzeit in den verkauf zurück würde, hätte von meinem lohn nach dem bezahlen der kinderbetreung nichts mehr, resp ich müsste noch draufzahlen. Da nützen mir die steuerabzüge auxh nicht viel

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Ich kann diesem sinnlosen und unnützen Mütterbashing überhaupt nichts Positives abgewinnen! Egal, für welches Familienmodell sich die Familien entscheiden, Hauptsache ist und bleibt doch, dass sich alle Beteiligten - Kinder wie Eltern - dabei wohlfühlen, egals was andere darüber denken, schreiben oder gar sagen mögen. Es gibt kein richtig oder falsch, was für die einen stimmt, stimmt für andere wiederum nicht. Egal, ob Vollzeitmutter oder Krippenkindmutter, die Mütter täten endlich besser daran, sich gegenseitig zu unterstützen und unter die Arme zu greifen, statt sich zu "bekriegen" und runterzumachen, schliessen sitzen wir alle im selben Boot! Nur so und mit mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, mit weniger Anfeindungen und Vorverurteilungen, dafür mehr leben und Leben lassen, mehr gegenseitige Toleranz, Akzeptanz, Respekt, Rücksicht, Verständnis, Hilfsbereitschaft und Lockerheit wird das Zusammenleben, gerade auch zwischen uns Müttern, noch viel gemütlicher, einfacher und harmonischer :)!

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