Montag, 4. November 2013

Beim Sex ist es doch so...




(Erschienen im aktuellen wir eltern, zusammen mit Nils Pickerts Text aus Männersicht.)

Beim Sex ist es doch so: Mit 16 denkt man an nichts anderes und tut alles, um nicht schwanger zu werden. Mit 26 denkt man an nichts anderes und nimmt in Kauf, schwanger zu werden. Mit 36 denkt man an nichts anderes, um endlich doch noch schwanger zu werden. Danach? Denkt man ab und zu daran und fragt sich, wann denn das letzte Mal war. Und ist froh, dass man nie wieder davon schwanger werden wird!

Zugegeben, obiges gilt vielleicht nur für mich. Doch was ich damit sagen will: Sex ist immer präsent, in jeder Phase unseres Lebens. Nach einer Heirat, zwei Kindern, schlaflosen Nächten, leer gesaugten Brüsten und zahllosen Schwangerschaftsstreifen auch. Nur eben anders.

Doch wenn wir dann schon mal das Glück haben, zu zweit ein kinderloses Wochenende geniessen zu dürfen, sollten die Gedanken an Sex nicht eher denen einer 16-jährigen ähneln? Endlich dürfen wir wiedermal? Endlich können wir uns hemmugslos gehen lassen – sowohl physisch wie akustisch -  ohne das geringste Risiko, dabei gestört zu werden! Endlich! Doch aus irgendeinem Grund fühlt sich das nicht wie eine Erleichterung an. Im Gegenteil. Mir fällt dann vielmehr der Queen-Song «Under pressure» ein.

Denn, beim Sex ist es doch so: Jetzt, da wir endlich können, müssen wir auch. So schnell werden wir nicht wieder sturmfrei haben. Ausserdem wurden schon seit Ewigkeiten keine Körperflüssigkeiten mehr ausgetauscht! Also bitte, liebe Libido, stell dich ein!

Die Lust funktioniert aber eben nicht immer nach dem Lust-Prinzip. Die hat nämlich ihren eigenen Kopf. Und wird mit Garantie nicht genau dann aufkreuzen, wenn das Gotti die lieben Kinderlein abgeholt hat und wir jetzt das Haus für uns haben. Denn vorher könnte Mami ja noch die Waschmaschine füllen, den Staubsauger wegräumen und überhaupt hat sie sich die Haare schon lange nicht mehr gefärbt. Alles eine Frage der Prioritäten.

Sage ich mir und stecke mir die Haare hoch, während ich über den Staubsauger steige, um an meine feine Unterwäsche zu gelangen. Denn auch die will eingeplant sein, wer soll sie denn bitteschön sonst bewundern, wenn nicht der Monsieur an einem sturmfreien Abend?

Also wird gestylt, getupft, gelackt, geschminkt und da und dort ein Häärchen gezupft. Fertig! Währenddessen zieht er schnell ein anderes Hemd über (!) und ist ebenfalls fertig! Gehen wir? Einen klitzekleinen Moment überlege ich mir, ob ich ihn ins Schlafzimmer – oder noch besser auf die Couch -  zerren und vernaschen soll. So spontan geht ja sonst gar nie. Doch meine Frisur hält nur dank drei Tonnen Haarlack und ungestümer, spontaner Sex würde sie ruinieren. Ausserdem müsste ich mein ganzes Outfit aus- und wieder anziehen. Inklusive High Heels. Anstrengend. Also später.

Ein gutes Restaurant, guter Wein, noch bessere Gespräche... Toller Abend. Das Gefühl, zueinander zu gehören, ist immer noch da. Das pure Glück! Der Wein steigt in den Kopf. Aber nicht in die Lenden. Leider.

Nun ist man ja schon lange genug verheiratet, um zu wissen, dass der nicht durchgeführte Coitus den Kater am nächsten Morgen verstärken wird. Und ich mich, sobald die Kinder wieder da sind, dafür ohrfeigen könnte, gleich beim Ins-Bett-Gehen eingeschlafen zu sein.

Denn beim Sex mit seiner grossen Liebe ist es doch so: Hätte man Sex gehabt, wäre er gut gewesen. Denn das ist er jedes Mal. Mit 16 war das anders.

1 Kommentar:

Tamara hat gesagt…

Bevor wir in den Ausgang gehen ,duschen wir dabei kommt es immer zum GV.Wir lieben unseren GV unter der Dusche.

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