Donnerstag, 21. November 2013

Nein, Mutter sein ist nicht der wichtigste Job der Welt

 



Eine englische Journalistin empfiehlt uns allen, diesen «Slogan» fallen zu lassen. Lesen Sie, weshalb sie Recht haben könnte.

«Mutter sein ist NICHT der wichtigste Job der Welt. Da. Ich hab’s gesagt!» So fängt Catherine Devenys Artikel von letzter Woche im englischen «The Guardian» an. Sie bezieht sich dabei auf eine Umfrage des amerikanischen Elternmagazins «Parents», in dem offenbar 92% der befragten Mütter angaben, Mutter sein sei der wichtigste Job der Welt.

Wieso sie denkt, dieser oft gehörte Satz könne sie so nicht stehen lassen? Hier ihre Argumente:
  • Wenn es der wichtigste Job ist, wieso wird der Satz als Slogan für Klo-Reiniger benutzt?
  • Wieso gibt es nicht mehr Männer, die diesen ach so tollen Job machen möchten? Oder wer hat schon mal einen Mann sagen hören «Vater sein ist der tollste Job der Welt»?
  • Diese Vergötterung der Mutter führt dazu, dass alle anderen Bezugspersonen sich in ihrer Bedeutung minderwertig fühlen müssen. Was bedeutet dieser Satz für alle Homo- und alleinerziehende Väter? Kommen die immer erst als zweiter in der Hitparade?
  • Ausserdem verwirrt sie der Begriff der Mutter: Wird man Mutter mit der Geburt? Oder ist eine Mutter die, die für Kinder sorgt, ohne dafür bezahlt zu werden? Geht es bei diesem Satz darum, die aufgegebene Karriere zu kompensieren? Oder eben den fehlenden Lohn?
  • Wenn Mutter sein ein Job wäre, gäbe es eine Selektion, Bezahlung, Ferien, Rapporte, Qualigespräche, Apéros und man könnte seine Stelle künden und eine andere annehmen, wenn einem die Leute nicht passten.
  • Aber angenommen, es wäre ein Job, dann sicher nicht der härteste. Zumindest nicht verglichen mit einem minderjährigen Arbeiter in einer Kleiderfabrik in Bangladesh zum Beispiel.
  • Der wichtigste Job auf der Welt? Verglichen mit einem Chirurgen, der Leben rettet oder einem Richter, der über das Leben eines Einzelnen entscheidet?
  • Und den Unterschied, den alle (ob bewusst oder unbewusst) machen: Sogenannte Karriere-Mütter sind zuunterst auf der Wichtigkeits-Skala angesiedelt, während Mütter, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, diesen «Job» eben besser machen. Je mehr outgesourced wird – wie Kinderbetreuung oder eine Reinigungshilfe – , desto schlechter die Mutter.
  • Dieser Satz ermutigt Frauen nur dazu, gesellschaftlich und finanziell abhängig zu werden.
  • Er entfremdet die Väter von ihren Kindern.
  • Er untergräbt andere Erwachsenen-Beziehungen zum Kind.
  • Der Slogan erlaubt es Männer weiterhin, sich auf ihren «heteronormativen Privileg-Loorbeeren in der nuklearen Familie» auszuruhen und folglich schränkt er sie ebenfalls in ihrer Wahlfreiheit ein.
Die Autorin schliesst damit ab, dass es in Ordnung sei, die Mutterschaft beizuziehen, wenn es tatsächlich um etwas geht, das direkt mit ihr zu tun hat wie beispielsweise ein Dammriss. Aber «Mutterschaft» dazu zu missbrauchen, um sich damit zu brüsten, man sorge sich mehr um die Menschheit als andere, wenn sie dazu benutzt wird, zu behaupten, man habe mehr Mitgefühl und arbeite härter als das Gegenüber, fordert sie alle Mütter auf «to get over it»!
Schön gesagt. Finde ich. Und ihr?

Kommentare:

SaMaRia hat gesagt…

Wenn Mutterschaft kein Job ist, was ist es dann? Sind Kinder nur noch lässtiges Nebenprodukt? Dann können wir sie auch in der Retorte produzieren und von Robotern aufziehen lassen.

Ich stoße mich ein wenig an den Aussagen dieser Super-Journalistin(nebenberuflich Mutter.
Da die Evolotion wohl noch mehrere Millionen Jahre dafür braucht, die Männer in leidensfähige Geburtstiere umzupolen, werden wohl auch weiterhin die Kinder von Frauen geboren. Warum darf man als Mutter beziehungsweise Vater nicht einfach sagen, dass man sich gern um die Kinder kümmert und dass es ein schöner "Job" ist.
Auch die Ausführungen zum Thema "härtester Job" und "wichtigster Job" finde ich sehr überzogen und zynisch. Klar ist der Job eines minderjährigen Kinderarbeiters viel härter. Sicher ist der Job eines Chirugen viel wichtiger. Aber wenn wir alle so denken, dann gibt es bald wohl noch weniger Kinder und selbst mit erhöhtem Elterngeld lässt sich niemand mehr aus der Reserve locken!
Ich verurteile nicht die Eltern, die ihrer Karriere nacheifern. In gewisser Weise mache ich das ja auch (nur eben halbtags und im Homeoffice - das geht nicht bei jedermann). So kann ich aber für meine und für die Kinder anderer Eltern einstehen, wenn Not am Mann in der Schule oder im Kindergarten ist, wenn mal wieder Eltern zum Waffeln backen gebraucht werden oder Begleitpersonen für einen Schulausflug (weil für mehr Personal ist ja bekanntlich kein Geld da ...).
Alles hat eben seine zwei Seiten, darum empfinde ich die Aussagen dieser Journalistin als zu einseitig! Sie hätte sich besser einen Hund als ein Kind angeschafft ;-)

Viele Grüße aus der Kinderküche
SaMaRia

Rosalie hat gesagt…

Mit seinen Kindern zu Hause sein ist eine eigene Entscheidung und eben auch schön. Aber ein Job ist es nicht. Es ist ja auch nicht der Job einer Frau, eine Frau zu sein. Es ist eben so. Ein Job ist eine bezahlte Arbeit, von der man nach Hause gehen kann. Ehefrau sein, ist auch kein Job, oder Tochter sein etc. Ein Job ist etwas, das man gelernt hat, mit Ausbildung, den man - wie angesprochen - kündigen kann. Eine Frau, die mit Kind zu Hause bleibt geht keinem Job nach. Bei einem Mann ist im Fall genau gleich.
Ich finde den Text sehr zutreffend. Auch weil ich mich sehr daran störe seit ich Kinder habe, dass Kinder offenbar immer für den Rest ihres Lebens im Mittelpunkt der Familie stehen müssen. Ich sehe das anders, denn eine Familie besteht ja nicht nur aus einem Kind. Und ich denke, dass nur Erwachsene, die sich das wirklich leisten können, den ganzen Tag um ihre Kinder rumtanzen. Ich jedenfalls habe auch andere Dinge zu tun. Und meine Kinder im Fall auch...

Lorelai hat gesagt…

Vielleicht sollte man den Satz mal etwas aktualisieren: Elternsein ist der wichtigste (und schwierigste) Job der Welt... dann fallen die lästigen Vater-Argumente schon mal weg!

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Stimmt, grundsätzlich ist Mutter sein kein Job – denn in einem Job geht man normalerweise einer bezahlten Tätigkeit nach. Ich würde Mutter sein – noch besser Eltern sein – daher eher als Berufung, Aufgabe, Herausforderung, Arbeit ansehen. Denn Arbeit kann bezahlt oder unbezahlt (Freiwilligen-Arbeit zB) sein. Als die wichtigste Aufgabe der Welt bezeichne ich das Mutter sein jedoch auch nicht, dies wäre ein Affront gegenüber den ebenso fürsorglichen Vätern wie auch den vielen gewollt und nicht gewollt Kinderlosen. Schliesslich tragen wir alle, unabhängig des Geschlechts, der Herkunft, des sozialen Standes und der Tätigkeit einen sehr wichtigen Teil bei! Doch leider ist es nach wie vor so, dass Mutter sein in der Gesellschaft, sowohl von Männern wie Kinderlosen, oft noch belächelt und gleichgesetzt wird mit „Plöischle, Käfele, faulenzen, in den Tag leben, abhängen, mit den Kindern spielen und bisschen Haushalt. Die abwertende Frage „Arbeitest Du noch, oder bist Du „NUR“ Mutter und Hausfrau“ ist eine Ohrfeige den Müttern gegenüber. Mütter, egal ob ihre Kinder selber oder teilzeit fremdbetreut werden, verdienen mehr Respekt, Anerkennung und Wertschätzung. Nur weil wir Mütter kaum bis wenig Geld verdienen, keinen Lohnausweis mehr besitzen und auch in keiner Gewerkschaft vertreten sind, leisten wir nicht weniger als eine 100% arbeitstätige und Geld verdienende Kinderlose. Im Gegenteil: wir formen in gewisser Hinsicht die nächste Generation, unsere Zukunft :). Dennoch betrachte ich unsere Aufgabe nicht als die wichtigste der Welt, einfach gleich wichtig wie alle anderen Aufgaben und Herausforderungen ;). Aber solange in einer (Hoch)-Leistungsgesellschaft vor allem die zählen, welche Geld – und natürlich viel Geld – verdienen, wird sich diesbezüglich wohl noch lange nicht viel bessern…

Tamara hat gesagt…

Mutter werden ist eine freiwillige Sache.Ich verzichte gerne darauf.Liebe meinen Job,Reisen,meinen Partner ohne Kinderwunsch.Beide sterilisiert.Jeder wie er will!

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