Freitag, 31. August 2012

Danke, ich hab' schon Freunde!





Wieso glauben viele Mütter, sie müssten einen auf beste Freundin machen?


Vor kurzem diskutierte ich mit einer Freundin, die zum Teil in den USA gewohnt hat, diese mühsame Angelegenheit der «Playdates», was wohl mit Spiel-Rendezvous zu übersetzen wäre. Kennen  Sie das? Ihr dreijähriges Kind hat einen besten Freund und weil sie eben noch nicht alleine draussen spielen können bzw. dieser zu weit weg wohnt, muss man einen Termin vereinbaren. Meine Variante des «Playdates» wäre mit Sicherheit die, bei der die Mutter des Freundes lediglich den Chauffeur spielt, den Kleinen absetzt und an einer vereinbarten Zeit wieder abholt. Und während die Kinder friedlich (!) miteinander spielen, falte ich Wäsche und tummle mich auf Facebook. Doch das Leben ist eben keine Werbung für Toffifee, leider.

Denn viele Mütter (mit Vätern hatte ich dieses Erlebnis nie) scheinen das Playdate als Anlass zu nehmen, mit einem käfelen zu wollen. Als mein Sohn kleiner war, kam es öfter vor, dass der Chauffeur «Mami» sich als eigentliche Nervensäge entpuppte, die am helllichten Nachmittag mit Prosecco einfuhr und meine schönen Wäschepläne zunichte machte, weil wir doch soo viel zu bequatschen hätten! Haben wir?

Interessant und anstrengend dabei ist natürlich, wenn das Käfelen nicht einfach nur Geplänkel mit sich bringt. Nein, besagte Mutter schüttete mir bei dieser Gelegenheit auch gerne ihr gebrochenes Herz über den Mistkerl aus, der ihren Kindern als Vater diente. Und darüber, dass sie weder Sex noch Gesprächsthemen miteinander hätten. Als nächstes würde sie mich fragen, ob wir zusammen in die Ferien fahren oder unsere Männer tauschen! Jetzt fragen Sie mich mal, ob ich das alles haben muss. Genau! Nein, danke!

Natürlich stellt sich die Frage: Haben diese Frauen denn keine echten Freunde? Oder zählen sie mich dazu? Da ich aber der Meinung bin, dass Freundschaft auf Gegenseitigkeit beruhen müsste, war mein Impuls stets derselbe: davonlaufen! Doch wenn man in derselben Siedlung wohnt und sich fast täglich sieht, ist das mehr als schwierig. Doch muss ich mit allen Mamis der Freunde meiner Kinder auch befreundet sein? Ich glaube nicht. Was glaubt ihr?

Donnerstag, 30. August 2012

Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

 

Eifersucht lässt friedliebende Menschen Dinge tun, die sie selber nie für möglich gehalten hätten: Dem Partner nachspionieren, die Taschen filzen bis hin zu gewalttätiger Unterdrückung. Darüber, woher dieses Gefühl kommt, sind sich auch Wissenschaftler uneinig.

Täglich werden weltweit zahlreiche Taschen durchsucht, SMS-Nachrichten durchgekämmt, Mails gelesen. Nicht die eigenen, sondern die des Partners. Ein Vertrauensbruch, der Folgen haben kann, denn es ist falsch, verletzend, unnötig. Aber so verlockend.
Ob Promis, Film, Literatur, oder gar die Bibel – von Othello, über Florian Ast, «Fifty Shades of Grey» bis zu Sarah und Abraham: Eifersucht ist der Garn, aus dem Liebegeschichten gestrickt sind. Auch für Johann Wolfgang von Goethe galt bereits vor über 200 Jahren: «Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft». Doch stimmt das? Suchen wir es uns aus, eifersüchtig zu sein? Oder können wir gar nicht anders?

Angeboren oder angelernt?
Wie in den meisten Fragen der Menschheit, neigt man dazu, evolutionsbiologisch eine Erklärung zu suchen, zumal es keinen geschlechtlichen Unterschied im Ausdruck von Eifersucht zu geben scheint, wie auch Paartherapeutin Angela Della Torre auf Anfrage bestätigt: «Männliche Eifersucht äussert sich auf dieselbe Art wie weibliche». Die Forschung ist sich darüber einig, dass Frauen jedoch eher auf emotionalen Betrug reagieren, wogegen Männer eifersüchtig auf den Nebenbuhler im Bett sind. Seit Darwin wissen wir, dass Mann und Frau immer darauf aus sind, ihre Gene möglichst erfolgreich zu verbreiten, weshalb es logisch anmutet, dass Männer mit der genauen Beobachtung der sexuellen Aktivität ihrer Partnerin Kuckuckskinder vermeiden wollen. Andererseits verhindern Frauen mit emotionaler Eifersucht, dass sich ihre Männer zu sehr von der Familie entfernen.

Uneinig sind sich die Wissenschaftler indes darüber, ob Eifersucht angeboren ist oder die familiäre Beziehung die Wurzel für ein späteres eifersüchtiges Benehmen darstellt. 2004 stellten Forscher der Texas Tech University fest, dass bereits Babies mit Weinen versuchen, Mamas Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn diese eine Puppe in den Armen wiegt. Beschäftigte sie sich hingegen mit einem Buch, zeigte das Kleine keine Anzeichen von Eifersucht. Es geht also nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern darum, den Status des einzig Geliebten zu erlangen. Was wiederum nahelegen würde, dass es sich bei Eifersucht nicht um eine erworbene Charaktereigenschaft, sondern um eine angeborene Strategie handelt, um nicht zu kurz zu kommen.

Mord und Totschlag
Rein genetische Ursachen sind gemäss modernen Forschungsergebnissen jedoch eher unwahrscheinlich. In Familien hat sich nämlich gezeigt: Wer von seinen Eltern gleich wie die Geschwister behandelt wurde, zeigt später ein besseres Selbstwertgefühl und fürchtet sich weniger davor, verlassen zu werden. Wessen Kindheit hingegen von Ungerechtigkeit geprägt wurde, neigt hingegen zu mehr Eifersucht. Erstaunlicherweise gilt das auch für die «Bevorzugten», wie eine 2007 durchgeführte Studie der Auburn University in Alabama herausfand.


Forscher der Universität Bielefeld bewiesen ein Jahr später ausserdem den Einfluss kultureller Bedingungen wie Gleichstellung und Bildung. Je besser diese Faktoren gewichtet sind, umso geringer ist der Unterschied zwischen Mann und Frau, egal, ob man von sexueller oder emotionaler Eifersucht spricht.

Die gesamte Forschung kann eines aber nicht erklären: Wieso sowohl Frauen, wie auch Männer aus Eifersucht gewalttätig werden, ja gar töten. Googelt man das Wort «Eifersucht», erscheinen dutzende Seiten, in denen Mord und Totschlag beschrieben werden. Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau ist da – statistisch gesehen – dass Frauen eher ihre Männer und Männer eher ihre Nebenbuhler umbringen.

Bevor es aber soweit kommt, sollte man bedenken: «Eifersucht in einer Partnerschaft ist nicht nur schlecht, sie zeigt einem – solange nicht übertrieben wird – dass der Partner wichtig ist», ist sich Paartherapeutin Della Torre sicher. Ein bisschen Eifersucht ist also auch ein Zeichen für eine gute Partnerschaft. Aber eben nur ein bisschen.

Dieser Artikel erschien heute auf clack.ch.

Montag, 27. August 2012

Die Pille für das aufgeregte Kind



Eine Mutter erzählt ihre Geschichte und gibt der Ritalin-Abgabe ein neues Gesicht.

Die Ritalin Generation. So viel wurde schon gesagt und geschrieben, mittlerweile ist man entweder ein Medikamenten-Taliban, der jedem Klassenclown Drogen verabreichen will oder aber ein Kuschelpädagoge, der Kindern keine Grenzen aufzeigen kann. Kinder werden immer früher abgeklärt, zu Schulpsychologen geschickt und Eltern besserwisserisch zurechtgewiesen.

Letzte Woche schrieb Autorin und Mutter Bronwen Hruska ihre eigene Geschichte in der «New York Times»: Anfangs hätte sie der schulischen Empfehlung nachgegeben und ihrem Sohn Ritalin verabreicht. Bis dieser nicht mehr wollte und mit 11 Jahren ganz gut ohne auskam. In ihrem Artikel «Raising the Ritalin Generation» argumentiert sie damit, wir würden aus etwas Normalem (Kinder, die nicht still sitzen können) eine Pathologie machen. Und dass wir damit aufhören sollten:

«Wenn «beschleunigt» das neue «normal» darstellt, gibt es keine andere Wahl als die Diagnose der «Störung». Anstatt neu nivellieren, verabreichen wir Drogen, damit die Kinder für die Schule fit gemacht werden.
Ausserdem stellen wir auf diese Art sicher, dass sie – einmal aus der Schule raus – dieselbe Reaktion auf Schwierigkeiten haben werden, die wir ihnen beigebracht haben: Der Griff zur Pille.»

Seither stellen sich weltweit Blogs und Kommentatoren die Frage: Hat die Frau am Ende recht? Oder gehört sie einfach zu denen, deren Kind tatsächlich auch gut ohne Ritalin auskommen kann? Verunsichert Bronwen Hruska die Eltern mit ihrer persönlichen Geschichte noch mehr oder hilft es Müttern und Vätern von «unangepassten» Kindern, diese Zeilen zu lesen? Was meint ihr?

Donnerstag, 23. August 2012

Ferien forever!





Das gibt es wirklich. Es nennt sich «Radical Unschooling» und erinnert an die 68er. Aber ist es auch realistisch?


Die Schule hat uns wieder. Ja uns, nicht nur die Schüler. Denn wer schulpflichtige Kinder hat, weiss, dass der Stundenplan nicht nur sie angeht, sondern uns Mütter (und machnmal die Väter) genauso mit einbezieht. Vom anstehenden Elternabend, dem lärmigen Besuchstag, über die nervtötenden Hausaufgaben bis hin zum Schwimmunterricht, für den man das Badezeug eben nicht vergessen sollte.

Wer ausserdem vor den Sommerferien eines dieser wahnsinnig angenehmen Gespräche mit einem Lehrer hatte, bei dem einem nahegelegt wird, das eigene Kind wegen mangelnder schulischer Leistungen doch bitte abklären zu lassen, wünscht sich wohl erst recht gaaaanz lange Ferien.

Montagnachmittag kam unser Sohn bereits wieder mit Hausaufgaben nach Hause. Und leider nicht die beliebte Sorte mit Wörtern und Buchstaben, sondern eben die mit den vielen Zahlen. Bis hundert. Wieso der Kleine Zahlen nicht mag, scheint genetisch gegeben zu sein, wieso sonst würde ich einen schreibenden Beruf und nicht den einer Buchhalterin ausüben? Weil mir (und seinem Vater) Zahlen genauso wenig liegen wie ihm.

Was also klingt in verzweifelten elterlichen Ohren wie ein Segen in Sachen Schule? «Un-Schooling»! Genau! Kinder aus der Schule nehmen und selber lernen lassen scheint doch DIE Lösung.

Keine Zwänge, keine Verbote
Gemäss der Philosophie des «Radical Unschooling» sollten Kinder nicht gezwungen werden, zu lernen. Ganz zu schweigen vom Haare-kämmen, Gemüse-essen oder gar ihre Kleider anzubehalten. Für den «Atlantic» hat eine Mutter, die ihre Tochter zu Hause unterrichtet, das Phänomen näher betrachtet. 

Eigentlich weiss die Forschung – und wir Eltern grundsätzlich auch – dass die Schule, wie wir sie kennen, nicht dem entspricht, wie ein Mensch lernt. Es sind nicht die endlosen Wiederholungen, das Auswendiglernen und das viele Lesen, wodurch wir Dinge lernen. Vielmehr lernt wir durch Leidenschaft, Ausprobieren und Durchhaltevermögen, bis wir ein Problem gelöst haben oder das Interesse daran verlieren. Das wusste schon der amerikanische Lehrer John Holt 1970. 

Wie Quinn Cummings im «Atlantic» schreibt, wissen Eltern schon längst, was die Forschung immer wieder neu entdeckt. So sind Teenager erwiesenermassen keine Morgenmenschen. Obwohl die Versuche, den Schultag später anzusetzen durchwegs Erfolge brachten, haben die wenigsten Oberstufen dieses Prinzip übernommen. Auch standartisierte Tests werden immer wieder angezweifelt, es wird teilweise gar davon abgeraten, weil es Schüler dazu ermutigt, lediglich wiederzugeben, statt für sich selbst zu denken.


Weshalb Cummings sich intensiver für die Spezies der «Radical Unschoolers» zu interessieren begann: Diese Kinder dürfen den ganzen Tag genau das tun, was ihnen gerade gefällt. Sie haben weder Bett- noch Essenszeiten, keine Verbote, frech zu sein oder sonstige Zwänge, die unsere Gesellschaft wie zu oft verlangt. Es geht grundsätzlich darum, einem Kind nicht zuzumuten, was wir auch keinem anderen Erwachsenen zumuten würden. Wenn meine Tochter also beim Haarekämmen brüllt, soll ich es eben lassen und die Mähne zu einem Dreadlock-Knäuel wachsen lassen. Es seien schliesslich ihre Haare und nicht meine. 

In ihrem Artikel beschreibt die Journalistin auch eine Konferenz der «Radical Unschoolers», an der sie teilnahm und die doch sehr an Hippies erinnerte, die weisse Poloshirt-tagende Mütter und Väter bekehren möchten. Nackte Kinder, die lautstark über ihre Genitalien referieren und Mütter, die ihnen ihre Brüste anbieten, um diese stillend zu beruhigen.

Kommen Ungeschulte im Berufsleben zurecht?
Ich weiss nicht, wie es Ihnen geht, aber ich bin bei solchen Theorien immer hin- und hergerissen. Einerseits klingt es toll, unsere Kinder so aufwachsen zu lassen, wie es die Natur eigentlich vorgesehen hat. Ohne Zwänge und ohne nervenaufreibenden Additionen und Subtraktionen. Andererseits muss ich mich natürlich fragen, wie diese Kinder denn später im Berufsleben zurechtkommen werden. Oder züchten sich radikale Unschuler sowieso nur Künstler heran, die eben nichts auf gesellschaftliche Konventionen geben?

Eines ist sicher: Das nächste Mal, wenn mein Sohn mit den Hausaufgaben nicht zurechtkommt, werde ich etwas mehr Geduld mit ihm haben. Denn ob einverstanden oder nicht, in einem haben die «Radical Unschoolers» Recht, Kinder sollten Wissen aufsaugen und nicht damit gemästet werden. Die Umsetzung dieser Erkenntnis hingegen erweist sich in 25-köpfigen Klassen wohl als schwieriger als zu Hause. Leider.

Wie geht es euch dabei, wenn ihr von solchen Bewegungen hören? Haben die am Ende Recht? Oder ist es Unsinn?

Donnerstag, 16. August 2012

Children just don't understand!

Erinnert ihr euch an Will Smith's Song «Parents just don't understand»? Damals waren wir mit ihm einverstanden, heute haben wir selber Kinder. Und empfinden es genau umgekehrt, «Geld wächst schliesslich nicht auf Bäumen und wenn du Dessert willst, iss erst dein Gemüse auf!»




Mittwoch, 15. August 2012

Immer nett sein zerstört die Kindheit



Ein neues Buch stellt abtrünnige Eltern vor, die sich nicht der Nettigkeit ihrer Kinder verpflichtet haben und für die Spielzeugwaffen ein Muss sind.

«Du bisch nüme min Fründ!» oder «Du bisch es Riese-A...loch!» sind Sätze, die wir nicht gerne hören. Vor allem aus den Mündern unserer Kinder. Oder haben Sie etwa noch nie versucht, Ihrem Kind «Fairness» beizubringen mit Zurechtweisungen à la «das kannst du doch so nicht sagen» oder ähnlich? Ich schon. So, wie ich möchte, dass meine Kinder höflich zu Erwachsenen sind, ertappe ich mich manchmal dabei, wie ich dasselbe auch im Umgang mit anderen Kindern verlange. Peinlich, wenn das Gspänli klingelt und der Sohnemann einfach meint «Nein, ich will nicht mit dir spielen!». Das könnte man schliesslich etwas diplomatischer ausdrucken, nicht?

Nein, findet Autorin Heather Shumaker, die ein Buch mit dem vielsagenden Titel «It’s OK Not to Share» (Es ist o.k., nicht zu teilen) geschrieben hat, das diesen Monat erscheint. Wir sollen unseren Kindern ihre Kindheit zurückgeben, mitsamt aller Unhöflichkeiten und Aggressionen, die ihnen zustehen. Das Gegenteil des emotionalen «Helicopter Parentings» sozusagen. Sie stellte in den letzten Jahren nämlich fest, dass wir aus unseren Kindern kleine Büro-Mitarbeiter machen, die vor dem Kindergarten schon lesen und die gesamte Klasse zum Geburtstag einladen sollen, statt ihnen zu gewähren, wild und unbekümmert ihre Kindheit zu geniessen.
Wie sie messerscharf feststellt, «sind wir schliesslich auch nicht alle Freunde», weshalb Streit und Aggressionen nun mal dazugehörten. Und der Umgang damit werde nun mal in der Kindheit erlernt.

Natürliche Neugier und klare Grenzen
So müssten wir unsere erwachsenen Linsen herausnehmen und unsere Kinder wieder altersgemäss behandeln und erziehen. Es gehe ihr nicht darum, gegen Disziplin oder gesundes Lernen anzukämpfen, Shumaker möchte jedoch, dass wir die natürliche Neugier walten lassen und klare Grenzen setzen, ohne die Kinder unnötig einzuschränken.
Es ist nicht das erste Mal, dass wir hören, dass Kinder im Spiel lernen, das Problem dabei ist wohl, dass wir beim Spielen oft in der Nähe sind und deshalb die Gespräche unserer Kleinen mithören. Und das kann mitunter verstören. Weshalb wir dann eingreifen und mahnen, man solle doch bitte friedlich spielen. Nur: Kinder spielen gerne Räuber und Poli oder Schneewittchen gegen die böse Hexe. Es kommt ja nicht von ungefähr, dass die meisten Märchen einen guten und einen schlechten Charakter darstellen, Kinder lieben es, das Böse zu bekämpfen. Aber eben auch mal der Böse zu sein. Dabei lernen sie nämlich, mit Konflikten umzugehen.

Wenn Ihr Kind also das nächste Mal an der Chilbi auf eine Plastikpistole besteht, kaufen Sie sie ihm (oder ihr natürlich). Sagen Sie sich einfach, er könne so seine aggressive Seite ausleben, um sie nicht erst in der Pubertät zu entdecken. Dann werden nämlich ganz sicher Sie die/der Böse sein, soviel steht fest.

Dienstag, 14. August 2012

Zerreissprobe für Familienbanden

Wie sieht die Zukunft der Familie, der kleinsten Zelle der Gesellschaft, aus? Welche Herausforderungen kommen auf die ohnehin schon überforderten Mütter und Väter zu? Eine OECD-Studie gibt Antworten.

Von Nina Toepfer für clack.ch

Wer weiss, ob wir alles haben können. Aber ob man es haben wollen soll oder überhaupt erst kann, darüber kann man streiten. Die Debatte um berufstätige Mütter wird oft geführt, als gäbe es da prinzipiell richtige und falsche Entscheidungen zwischen Job und Familie. Dabei wäre gut zu wissen, wie denn die beste aller Welten aussähe, in der Frauen und Männer überhaupt erst die Möglichkeit hätten, zwischen Beruf und Familie zu entscheiden. (Lesen Sie auch: «Die Kündigung an den Mann»)

Die Protagonistinnen der Diskussion sind hier schon mehrfach erwähnt worden. Nach den Tiger Moms und ihren französischen Gegenspielerinnen erregte Anne-Marie Slaughter damit Aufsehen, dass sie sich als Hillary Clintons Beraterin im Aussenministerium zurückzog, um für ihren Sohn dazusein. (Lesen Sie auch: «Können Mütter alles haben?») Dann kam die neue Yahoo-CEO Marissa Mayer, die Gratulationen zu ihrem Job entgegennahm, sich kurz darauf aber, als sie ihre Schwangerschaft bekannt gab, den Kommentar anhören musste, es wäre doch jetzt wohl eher Zeit für das Kind. Dabei geht unter, dass man sich die Diskussion der Vereinbarkeit erst mal leisten können muss. Viele Frauen arbeiten aus wirtschaftlichen Gründen. Das wird zwar auch schon pflichtbewusst erwähnt, aber oft auch nur am Rand. Wie gut man Familie und Beruf vereinen kann, hängt von der Ökonomie ab, von den Kräften und von dem Netz der Unterstützung, auf das man sich verlassen kann. Im Beruf helfen Dinge wie etwa flexible Arbeitszeiten. Nur: Von welcher Familie ist die Rede?
Mehr offene Formen
Wie die Familie im Jahr 2030 aussehen könnte, hat eine Studie der OECD kürzlich skizziert und ihren «experimentellen» Charakter unterstrichen. Sie hält fest: Patchwork, living apart together, gleichgeschlechtliche Partnerschaften – neue Formen lösen mehr und mehr das Muster der traditionellen Familie ab. Was passiert dabei mit all den familieninternen Bertreuungsjobs und Verpflichtungen, die in einer traditionellen Familie klar zugeordnet waren, von der Erziehung der Kinder bis zur Pflege der Alten – was traditionell den Frauen obliegt? (Lesen Sie auch: «Weibliche Singles: Allein und ganz fröhlich»)
Die Autoren der Studie untersuchen drei Themenkreise: die Konsequenzen der wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung auf Familien mit niedrigem Einkommen und den sozialen Zusammenhalt; das Gleichgewicht zwischen Familie und Arbeit; die Rolle der älteren Familienmitglieder. Entscheidend, wenn auch nicht überraschend: Die wirtschaftliche Situation spielt selbst in Genderfragen eine grosse Rolle. Ein paar Punkte dazu aus der Studie über die Familie bis 2030.
  • Wenn derzeitige Trends anhalten, werden 2030 mehr Menschen dem Risiko der Armut ausgesetzt sein, die Kluft zwischen gut und schlecht Ausgebildeten und gut und schlecht Verdienenden verschärft sich. Vor allem Einpersonenhaushalte, Haushalte mit nur einem Verdiener, Working Poor wegen reduzierter Arbeitsstunden und niedrigem Lohn gelten als dem Risiko der Armut ausgesetzt.
  • Offene Familienstrukturen erhöhen das Risiko von wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie Familienereignissen wie Trennung und Scheidung. (Lesen Sie auch: «10 Warnsignale dafür, dass ihre Partnerschaft bald zerbricht»)
  • Der Trend, dass immer mehr Mütter berufstätig sind, ist unumkehrbar; über 65-Jährigen steht vor allem in Europa und den USA die Berufswelt länger offen.
  • Während einerseits manche Berufstätige immer längere Stunden arbeiten, werden andere immer mehr Teilzeit- und Temporärstellen innehaben, die nicht geregelte und/oder unvorhergesehene Arbeitszeiten mit sich bringen. Was wiederum keine guten Nachrichten sind für die Work-Family-Balance.
  • In einer allgemein günstigen Wirtschaftslage gäbe es eine positive Entwicklung der Work-Family-Balance: Gleichstellung von Männern und Frauen bekäme mehr Gewicht in der Politik und bei den Unternehmen, öffentliche und private Kinderbetreuung würde vermehrt angeboten, grosse Unternehmen würden flexible, familienfreundliche Arbeitszeiten einführen, um gut ausgebildetes Personal zu gewinnen und zu behalten. Als negativ andererseits sieht die Studie auch immer mehr nicht geregelte Arbeitszeiten und lange Arbeitstage kommen, auch Kinderbetreuung wäre für Familien mit kleinem Einkommen nicht immer zugänglich.
  • In einem allgemein weniger günstigen Wirtschaftsszenario drohen anhaltende Langzeitarbeitslosigkeit und knappe öffentliche Budgets. Öffentliche Kinderbetreuung würde zurückgehen, Arbeitsstunden würden länger, Arbeitszeiten unflexibler werden. Was für die genderspezifische Verteilung der unbezahlten Arbeit hiesse: zurück zur traditionellen Rollenverteilung. (Lesen Sie auch: «Was ist mit der guten alten Romantik?»)
Was rechnet sich?
Man hat es sich denken können: Die Work-Family-Balance hängt von der Wirtschaftslage ab. Und davon, wie sich die neuen Familienstrukturen in der Gesellschaft etablieren.
Zum Beispiel sei es nicht wirtschaftlich, wenn sich zwei Erwachsene um ein Kind kümmerten, meinte einer der Autoren, der Soziologe Klaus Haberkern, kürzlich in einem Interview im «Tages-Anzeiger». Er schlug vor, dass sich Familien zusammenschliessen, um Kinder und ältere Familienmitglieder zu versorgen, und wie sie dabei etwa mit Infrastruktur und Betreuungsgeldern unterstützt werden könnten. Gleichzeitig müsse man sich fragen, so Haberkern, wie mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt kommen, denn: «Es ist viel zu teuer, auf all die gescheiten Frauen zu verzichten.»
Es geht ja offensichtlich nicht nur darum, herauszufinden, wer es zwischen Beruf und Familie, zwischen Sorge um die Kids und Sorge um den Job erzieherisch, moralisch, fachlich richtig macht und besser aussieht dabei, sondern auch darum, was sich besser rechnet. «Womenomics» zumindest hat ja schon behauptet, Unternehmen, die von Frauen geführt würden, erzielten die besseren Gewinne.
Links

 

Dienstag, 7. August 2012

Erste Wahl: Second Hand

Second Hand – pardon, Vintage – erlebt eine Imageaufpolierung sondergleichen. Der neuste Trend heisst Re-Commerce und soll das Shoppen aus zweiter Hand erleichtern.


Nicht nur Fernsehserien wie Mad Men, auch die andauernde Wirtschaftskrise, die wachsende Sorge um die Umwelt und die Präsenz der Fair-Trade-Thematik haben in letzter Zeit dazu beigetragen, dass Second Hand immer weniger als Notlösung wahrgenommen wird. Im Gegenteil, wer hip und trendy sein will, trägt mindestens ein Stück «Vintage» Fashion auf sich.
Second Hand Shops gibt es in der (urbanen) Schweiz schon lange, neu am Vintage-Angebot sind die immer zahlreicheren Online-Shops. Ende der Neunziger begann zwar bereits eBay damit, gebrauchte Mode online zu versteigern beziehungsweise zu verkaufen (und ist bis heute mit über zwei Millionen Artikeln die Site mit dem grössten Fashion-Angebot aus zweiter Hand). Das Problem beim Shoppen über eBay oder auch ricardo.ch ist, dass die Suche nach dem richtigen Stück sich als weit schwieriger herausstellt als bei anderen Produkten. Die spezielle Spiegelreflexkamera hat eine genaue Bezeichnung, die man ins Suchfeld eingibt, und entweder hat die Auktionsplattform sie im Angebot oder eben nicht. Das kleine Schwarze ist eben nicht gleich dem kleinen Schwarzen. Und wenn die Verkäuferin keine genauen Angaben – und womöglich auch noch ein schlechtes Foto reingestellt – hat, wird ihr kleines Schwarzes wohl nie gefunden, geschweige denn gekauft werden.
Die Zukunft heisst Re-Commerce
Womit der Erfolg des sogenannten Re-Commerce zu erklären ist: Das Prinzip basiert auf mehr Sorgfalt und Bequemlichkeit. Die Produkte werden sorgfältig vom Plattform-Anbieter ausgesucht, und nur Qualitätsware landet im Online-Angebot. Ausserdem wird der gesamte Verkaufsablauf als eigentlicher Service angeboten, so muss niemand mehr im dunklen Keller Fotos des Vintage-Mantels schiessen. Denn auch wenn der Mantel von hervorragender Qualität ist, das Foto ist es nicht, weshalb er nie gekauft wird. Eine solche Re-Commerce-Plattform wird diesen Monat aufgeschaltet: Materialworld.com, die aus den USA sogar international liefert. Auch 99dresses.com  funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip.
Doch Second-Hand-Schnäppchen über den halben Globus zu schicken, widerspricht gänzlich dem Gedanken, die Umwelt zu schonen, womit sich der ökologische Aspekt des Vintage-Kaufs in Luft auflösen würde. In der Schweiz gibt es überdies einige kleine und feine Second-Hand-Boutiquen, die zum grössten Teil ebenfalls einen Online-Shop zu bieten haben. Hier unsere Auswahl:
Kleidung
Fizzen
Bereits seit zwanzig Jahren zelebriert der Shop Vintage-Kultur mit einem breit gefächertem Sortiment und vereint diese gekonnt mit frisch entdeckten Labels aus der ganzen Welt. Shops in Zürich, Bern, Basel, Luzern und online.

Silvia Freivogel, Designer Second Hand
Sogar schon seit drei Jahrzehnten tätig, findet man hier exklusive Designerstücke in bester Qualität aus der letzten Saison zu erschwinglichen Preisen. Ausserdem bietet die Geschäftsführerin Silvia Freivogel auf Wunsch auch eine persönliche Stilberatung an. Shop in Basel.

Markentussi
Designermode zu humanen Preisen. Die Besitzerin ist gleich ihr bestes Aushängeschild, die Wahlzürcherin war einst Model und merkte eher durch Zufall, dass nicht nur sie auf Marken steht. Termine vereinbart man übers Internet, dafür erwarten einen Tee und Guetzli und eine persönliche Style-Beratung. Shop in Zürich und Online-Shop.

Dotti’s Vintage
Dotti liebt Punkte, schöne und alte Sachen und die Schweiz. Und das merkt man. Kleider, Schuhe, Haar- und sonstiger Schmuck werden auf ihrer Site ansprechend präsentiert. Wer keine Lust hat, sich sein Outfit selber zusammenzustellen, findet ausserdem das «Outfit der Woche», das immer 20 Prozent günstiger als im Einzelverkauf ist. Shop in Zürich und Online.


Accessoires
Second Hand Bags
Secondhandbags ist der erste Onlineshop der Schweiz mit Secondhand Designer Taschen, hundertprozentige Originale von Louis Vuitton, Louis Vuitton, Prada, Gucci, Hermès etc. Onlineshop.

Vintage Now
Das Sortiment von Vintage Now umfasst das gesamte 20. Jahrhundert und ausnahmslos Originale vom Clutch aus Pailletten bis zum Aschenbecher aus den 70-ern. Onlineshop.


Kids
Milomila
Der stilvolle Onlineshop spürt besondere Kleidungsstücke für Knirpse von 0 bis 10 auf: bewährte Labels, Klassiker, kultige Trouvaillen. Das Sortiment besteht aus Markenkleidern in Secondhand-Deluxe-Qualität sowie aus fabrikneuen Schnäppchen von letztjährigen Kollektionen. Neuheiten von Catimini, Petit Bateau, Oilily, Oshkosh etc. gibt es wöchentlich, bis zu 85% günstiger als in der Boutique und portofrei! Onlineshop.

Schtäcketööri
«Wenn der Schuh schon wieder drückt», sehen sich die meisten Eltern gezwungen, bereits nach wenigen Wochen aufs Neue nach bequemen Tretern für ihren Nachwuchs zu suchen. Die erste Schweizer Online-Kinderschuhbörse bietet Markenschuhe zu moderaten Preisen sowie Trouvaillen für die Kleinsten – aber nicht nur: nostalgische Spielsachen, Vintage Geschirr, Schmuck etc. aus alten und neueren Zeiten. Onlineshop.

Wirtschaftsexperten sind sich einig: Re-Commerce wird vermehrt Fuss fassen. Dieses Jahr  werden ungefähr ein Dutzend solcher Plattformen weltweit lanciert. Mit etwas Glück sehen wir der Geburt einer solchen in der Schweiz bereits vor dem Winterschlussverkauf entgegen.

(clack.ch)

rabenmutter.ch abonnieren