Montag, 30. Juni 2014

Generation Bumerang

Sie kommen zurück! Wenn Kinder wieder bei den Eltern wohnen. Und was man dagegen tun kann.

«Bumerang-Kinder zieht’s wieder zu Mama und Papa» titelte 20 Minuten Online letzte Woche. Klar, dass ich das lesen musste. Ich schlage mich gerade damit rum, dass mein 10-Jähriger diesen Sommer ins WWF-Lager geht. Alleine. Er kennt da niemanden. Und wir kennen seine Leiter nicht. Hiiilfe! Dennoch gehöre ich zu der Sorte Eltern, die überzeugt ist, dass es den Kindern gut tut, mal weg von zu Hause, von Mama und Papa, vom Gewohnten zu sein. Das soll sie darauf vorbereiten, dass sie später einmal ausziehen werden, ein eigenes, selbstständiges Leben führen sollen. Und jetzt kommen die von «20 Minuten» und zerstören meine Illusion! In jenem Artikel steht nämlich, dass knappe 75‘000 Elternpaare mit ihren über 25-jährigen Kindern leben. Plus über 41'000 Alleinerziehende mit Kindern in derselben Altersstufe. Das sind über fast 200‘000 Eltern, die ihre Kinder nicht loswerden! 

Das stellt auch Familiensoziologe François Höpflinger fest: «Bumerang-Kinder sind in der Schweiz ein neues Phänomen.» (Anders als in Italien meint er wohl. Da gibt es die Mammoni seit einigen Jahren schon, Wirtschaftskrise sei dank.) Dafür gibt es auch plausible Gründe: «Heutzutage haben die jungen Erwachsenen eine wechselhafte Biographie» und meint damit die längere Ausbildung, Auslandsaufenthalte, Reisen und häufiger Jobwechsel. Das verstehe ich alles. Aber bei seinen  weiteren Gründen läuft es mir doch ein wenig kalt den Buckel runter: «Die hohen Wohnkosten in der Schweiz schrecken viele junge Leute ab.» Ausserdem sei es nicht mehr so uncool wie früher, bei den Eltern zu wohnen. «Dank der antiautoritären Beziehung haben viele eine gute Beziehung zu ihren Eltern.» Gerade die Söhne (!) schätzten es, wenn Mama (!) das Zimmer aufräume und die Wäsche mache. Und jetzt kommt’s: «Sie wissen, dass die Freundin diese Pascha-Allüren nicht tolerieren würde. Für viele ist das Zusammenleben mit Mama attraktiver als mit der Freundin.» !!!!!
GAHT‘S NO? Muss ich euch Eltern wieder mal daran erinnern, dass euer Zuhause kein Hotel ist? Speziell euch Müttern ermahnen, euren Kindern nicht zu dienen? Muss ich wohl. Bitte sehr:
  • Kinder können ab ca. 5 Jahren ihr Zimmer weitgehend selber aufräumen.
  • Mit 9 kann man ihnen beibringen, wie die Waschmaschine, der Tumbler und ein Geschirrspüler funktioniert.
  • Wir haben keine Kinder bekommen, um aus ihnen assistierte Faulenzer zu machen. Sondern selbstständige,  selber denkende Männer und Frauen, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen (wollen).
  • Für die Eltern von Söhnen: Wer will schon einen Mann in die Welt schicken, der lieber mit Mami lebt als mit einer ihm ebenbürtigen Frau?
  • Für Eltern von Töchtern: Achtet bitte darauf, dass sie sich keinen Typen angelt, der lieber mit Mami wohnt! Oder ihm hinterherputzt, -wäscht und -kocht!
So, mit diesen Regeln sollte die Bumerang-Generation bald ausgemerzt sein, was meinen Sie?
 
Ach ja, und was uns das «20 Minuten» nahelegt: Eltern sind nicht verpflichtet, ihre Kinder zurückzunehmen. Keine Rücknahmepflicht sozusagen. Uff! Noch mal Glück gehabt, wie?

Dienstag, 24. Juni 2014

Nur Geimpfte in die Kita?



Deutsche Kinderärzte fordern eine Impfbescheinigung für den Kita-Besuch. Übertrieben?

Deutschland hat die Masern noch immer nicht ausgerottet, weil zu wenige Kinder geimpft sind. Deutsche Kinderärzte fordern nun Impfbescheinigungen als Voraussetzung für den Kita-Besuch. Das Ziel, die Krankheit in Deutschland bis 2015 auszurotten, sei nur mit zusätzlichen Massnahmen zu erreichen, so Wolfram Hartmann,  Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte. «Alle Appelle an Freiwilligkeit in den letzten 20 Jahren haben nicht ausgereicht», ist in der aktuellen «Zeit» zu lesen. «Kinder sollten künftig nur mit einer Impfbescheinigung in Kindertagesstätten aufgenommen werden. Vor allem sehr kleine Kinder seien nämlich ansteckungsgefährdet. Um sie zu schützen, muss ein bestimmter Anteil in der Gesamtbevölkerung immunisiert sein. Derzeit seien aber nur 80 Prozent der Deutschen geimpft. Eine Herdenimmunität sei erst ab einer Impfrate von 95 Prozent in der Bevölkerung gegeben. Nur so lassen sich auch Menschen vor der gefährlichen Infektionskrankheit schützen, die zu schwach für eine Impfung sind oder etwa wegen seltener Allergien keine Vakzine vertragen.» 

Nun kenne ich persönlich ein solche Kind, das sich nicht impfen lassen KANN. Der Kleine wird im Sommer eingeschult und dessen Eltern müssen jetzt darum bangen, dass er sich im Kindergarten nichts einfängt. Schlimm genug, dass viele Eltern ihre Kinder trotz Krankheit (Fieber, Magen-Darm-Virus etc.) trotzdem in den Chindsgi schicken. Schlimm auch, dass es für Krankheiten wie Borreliose noch gar keine Impfung gibt. Aber wenn man sich eigentlich schützen könnte und es nicht tut, ist das einfach nur unverantwortlich! Wie leben in einer Gesellschaft, die davon lebt, dass wir kollektiv funktionieren. Wir bezahlen Krankenkassenprämien, auch wenn wir selber noch nie ins Krankenhaus mussten. Wir bezahlen Steuern, mit denen Infrastrukturen finanzieren, die wir eventuell nie benutzen werden. Und wir sollten uns impfen lassen, damit die, die es nicht können, eben auch geschützt sind! Oder gilt die elterliche Verantwortung etwa nur für das eigene Kind? Ich glaube nicht. 

Natürlich verläuft heute eine Masern-Erkrankung unter Kindern häufiger glimpflich als noch im letzten Jahrhundert, doch können infizierte Säuglinge über Jahre hinweg unter den Folgen leiden, sobald sich die Viren im Hirn einnisten. Das ist selten, bedeutet aber meist nach wenigen Lebensjahren den Tod. Ärzte sprechen von der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis. Wer eine Hirnhautentzündung im Kleinkindalter überlebt, trägt vereinzelt sogar geistige Behinderungen davon. Eine Impfung ist weit weniger gefährlich und hat deutlich seltener Nebenwirkungen. 

Wie sehen Sie das? Geht die Impfpflicht zu weit? Geht es immer nur um das eigene Kind oder sollte man vielleicht auch an die anderen denken?

Freitag, 20. Juni 2014

Co-Piloten: Klappe halten!



Helikopter-Eltern sind nicht das grösste Problem, sondern die Co-Piloten. Eltern, welche die Kinder anderer Eltern überwachen und letztere gar verzeigen. 

Ich gebe ja zu, auch ich habe schon über andere Eltern geurteilt, sei das jetzt, weil sie ihre Kinder verwöhnen, schlecht erziehen oder gar vernachlässigen. Menschen sind nicht davor gefeit, eine Meinung zu haben und diese gar zu äussern. Doch ein Fall ging mir entschieden zu weit.



Salon.com hat letzte Woche eine Geschichte gepostet, welche von einer Mutter handelt, die ihr Kind mit einem iPad im Auto sitzen liess, während sie kurz in einen Laden ging. Draussen herrschten kühle Temperaturen, 10°C, wie Salon schreibt. Gaffer – oder wie würden Sie sie nennen – dachten, es sei eine gute Idee, das Kind im Auto zu filmen und die Mutter bei der Polizei anzuzeigen wegen Gefährdung ihrer Sorgfaltspflicht.
 
Dies ist kein Einzelfall: Immer wieder liest man von Verzeigungen gegenüber Eltern, die mit ihren Kindern nicht korrekt umgehen. So berichtet der Blog «Freerangekids.com», Eltern seien bei der Polizei gemeldet worden, weil ihre Kinder draussen spielten. 
Unbeaufsichtigt. Der Vorwurf? Sie hätten ja entführt werden können!
Ja, dies ist Amerika und wir wissen alle, dass die Amis spinnen... Aber im Ernst: Wer hat sein Kind noch nie kurz im Auto gelassen, um an der Tankstelle zu bezahlen oder Brot beim Bäcker zu holen? Wer beaufsichtigt seine Kinder 24/7?
 
Was mich ausserdem auf die Palme bringt: Wer verzeigt Eltern, bevor sie mit ihnen sprechen? Das kommt mir vor, wie meine psychotische Nachbarin, als ich Studentin war, die bei jeder Grillparty die Polizei rief, anstatt mich darum zu bitten, leiser zu sein.
Und wer gibt irgendwem das Recht, sich einzumischen, solange das Kind nicht wirklich gefährdet ist? Bloss, weil es in der Tat unter Umständen vielleicht im Auto frieren oder vom bösen Mann mitgenommen werden könnte. Niemand! 

Nun wissen wir längst, dass Helikopter-Eltern ihren Kindern keinen Gefallen tun, gerade hat dies der «Tages-Anzeiger» in einem sehr guten Artikel noch mal aufgezeigt. Nun müssen aber offenbar die Eltern, welche sich gegen das ständige Überwachen entscheiden, Angst haben, dass andere Eltern das Helikopter-Fliegen übernehmen. Als Co-Piloten sozusagen. Schöne, neue Welt... 

Was meinen Sie? Einmischen oder nicht?

Donnerstag, 19. Juni 2014

Wenn Papa für Mama bezahlen muss



Der Bundesrat berät diese Woche das neue Unterhaltsrecht, welches regelt, wer nach einer Scheidung oder Trennung wie viel zahlen muss. So weit, so nötig.

Das Problem dabei ist, dass unser Bundesrat nicht gerade viel modernen Zeitgeist zeigt. So legt er dem Parlament einen Entwurf vor, der die traditionelle Rollenverteilung gerade zu zementiert: Papa arbeitet, Mama kümmert sich um die Kinder. Das soll auch bei Unverheirateten gelten. Der getrennt lebende Vater soll also nicht die Kinder, sondern auch die Ex finanziell unterstützen. Das Argument? Jedem Kind, unabhängig davon, ob es unehelich oder nicht zur Welt kam, soll «die Gewährleistung der bestmöglichen Betreuungsverhältnisse ermöglicht werden».
Mein Problem dabei? Verschiedene:
  1. Wieso pochen wir immer noch darauf, dass Mama die Einzige ist, die ihre Kinder richtig betreuen kann und so unterschwellig vermitteln, dass es den Kindern in einer Krippe schlechter geht?
  2. Was soll daran so gerecht sein, wenn Papa 100% (oder noch mehr) ausser Haus und Mama 100% (und meist noch mehr, aber ohne Lohn) zu Hause schuften muss?
  3. Wieso nicht vereinbaren, dass beide Teilzeit arbeiten und die Kinder so von beiden betreut werden können?
  4. Wichtig wäre doch vor allem, dass niemand auf dem Existenzminimum landet, weder Papa noch Mama. Aber jeder muss tun, was er kann.
Gerade zu Punkt 4 kenne ich einfach viele Mütter, die nicht mehr arbeiten wollen, auch wenn sie könnten! Papa soll halt zahlen! Verstehen Sie mich nicht falsch. Je nach Situation ist es durchaus angebracht, beispielsweise wenn er jahrelang auf ihre Kosten (will heissen, sie hat ihm den Rücken freigehalten) studiert und Karriere gemacht hat, ist es nur fair, wenn er dies auf diese Art «zurückzahlt». Aber unter «normalen» Umständen?
Die Vorlage sagt natürlich nicht, dass ausschliesslich Papa für Mama zahlen muss, so wie die Dinge aber heute stehen, läuft es darauf hinaus. Und ich gebe zu, dass dies auch (noch) der Realität entspricht, aber müsste der Bundesrat nicht mithelfen, die Gesellschaft zu verändern?
Was meinen Sie? Ist das gerecht oder hinterwäldlerisch?

Donnerstag, 12. Juni 2014

Der Jolie-Effekt


Der Medien-Coup vor einem Jahr brachte Angelina Jolies amputierte Brust an die Öffentlichkeit. Davon profitieren alle.

Sie erinnern sich bestimmt an den medialen Sturm, den Angelina Jolie vor etwa einem Jahr auslöste, als sie bekannt gab, dass sie sich die Brüste hatte entfernen lassen, da sie genetisch bedingt ein sehr hohes Risiko in sich trug, genau wie ihre Mutter an Brustkrebs zu erkranken? Die Empörung bei vielen Frauen war gross, das Risiko null gäbe es nicht und man solle doch die Natur machen lassen etc. war die meist gehörte Kritik an Jolies profilaktischen OP.

Nicht erst seither, aber durch die Berichterstattung wieder verstärkt, hatte ich mir etwas Ähnliches überlegt: Meine Mutter ist vor ein paar Jahren an Eierstockkrebs erkrankt und hat wie durch ein Wunder überlebt. Eierstockkrebs wird meist sehr spät – zu spät – entdeckt, weshalb es in den meisten Fällen tödlich endet.  Ein Ovarialkarzinom kann genetische Gründe haben, genau wie Brustkrebs. Wieso also nicht untersuchen lassen, ob der Krebs meiner Mutter genetisch bedingt und ich entsprechend gefährdet bin? Und wenn ich den Gedanken weiterspinne, war es für mich ziemlich naheliegend, dass wenn das Ergebnis der Untersuchung positiv und ich gefährdeter sein sollte als der Durchschnitt, ich mir die Eierstöcke entfernen lasse. Wer braucht die schon, wenn die Familienplanung abgeschlossen ist? Die Verhütung wäre so auch gleich geklärt.

Ein Schatten seiner selbst
Bevor Sie mich jetzt dafür kritisieren, dass ich der Natur ein Schnäppchen schlagen wollte: Haben Sie schon mal miterlebt, was Krebs mit einem macht. Hautnah? Die Behandlung macht aus dem Menschen, der man war, ein Gespenst, ein Schatten seiner selbst. Die Nebenwirkungen von Chemotherapien sind für viele genauso schlimm wie der Krebs selbst. So ist beispielsweise der Haarverlust nicht nur eine Frage der Eitelkeit. Die Haare auf dem Kopf büschelweise in der Hand zu halten kommt einer Entblössung gleich, die sehr traumatisierend wirken kann. Ausserdem fallen ja nicht nur die Kopfhaare aus, auch Wimpern und Augenbrauchen sind plötzlich weg und man sieht noch kränker aus, als man sich fühlt. Ganz zu schweigen von der total fehlenden Energie und dem Lebenswillen, der einem zeitweise abhanden kommt. Ich habe das bei meiner Mutter hautnah erlebt und schätze mich glücklich, sie immer noch zu haben. Doch meine Kinder sind definitiv noch zu klein, um diese nagende Angst um Mama haben zu müssen, wenn ich es verhindern kann. Und mit einer OP könnte ich das. Ob mich eine andere Art von Krebs heimsucht, ist dann eine andere Frage, aber ein berechenbares Risiko aus der Welt zu schaffen, scheint mir nur logisch. Oder wieso tragen wir Helme und Sicherheitsgurte?


Gesagt. Getan. Den Test meine ich. Er ist negativ. Will heissen: Der Krebs meiner Mama war nicht genetisch sondern nur Pech. Ich habe die Genmutation also auch nicht und laufe nur minim mehr Gefahr, an dieser Art Krebs zu erkranken, als der Schweizer Durchschnitt. Also keine Eierstock-Entfernung.

Bewusstsein für Brust- und Ovarial-Krebs gefördert
Dennoch bin ich der Jolie dankbar. Dafür, dass sie das Thema an die Öffentlichkeit gebracht hat. Nicht nur, weil wir Frauen uns jetzt vielleicht bewusster abchecken lassen, sondern auch weil die Krankenkassen heute eingesehen haben, dass Prävention besser ist als teure Behandlungen, und die Gen-Untersuchungen bezahlen. Das war nämlich gemäss unserer Genetikerin vor zwei Jahren noch nicht der Fall. Und das sagt nicht nur sie, Onkogenetiker auf der ganzen Welt sind der Meinung, dass Jolies Aussagen dazu beigetragen haben, bei Frauen, die sich vorher nie untersuchen liessen, ein gewaltiges Bewusstsein für Brust- und Ovarial-Krebs gefördert zu haben.


Ob und wie man profilaktisch gegen eine tödliche Krankheit angehen will, ist jeder Frau selber überlassen. Die Möglichkeiten selber sollten aber nicht in die öffentliche Kritik geraten. Fragen Sie doch eine krebskranke Person, wie es ist, die Krankheit zu bekämpfen. Es wird Ihnen die Augen öffnen.

Donnerstag, 5. Juni 2014

Die Ferien-Friends





Warum man mit guten Freunden in die Ferien sollte. Aber nur mit denen.

„Mami, lass uns mit Müllers in die Ferien fahren! Der Kevin ist doch mein Freund!!“ Ich muss leer schlucken. Nicht, dass ich Müllers nicht mag, ich bezeichne sie sogar als unsere Freunde. Wir sehen uns regelmässig, mit und ohne Kids, wir grillieren zusammen, gehen schlitteln und manchmal sind wir alle zur selben Party eingeladen. Wir verstehen uns also eigentlich recht gut.

Aber mit ihnen in die Ferien fahren? Sie, die Mutter, die ihren Kindern auch während des Abendessens befiehlt, sich die Hände waschen zu gehen? Er, der auch bei nicht tolerierbarem Benehmen (beispielsweise, als seine Kinder sich einen Spass daraus gemacht haben, meine meine eben erst blühenden Tulpen auszureissen…!!!) immer wieder damit kommt, „es sind halt Kinder“? Eben diese Kinder, die weder grüssen, noch sich bedanken und schon gar nicht daran denken, beim Essen auf ihrem Stuhl sitzen zu bleiben, sondern viel lieber UNTER dem Tisch verschwinden, um uns Erwachsene an den Füssen zu kitzeln? Ich weiss nicht…

Es ist doch einfach so: Mit anderen Menschen eine solch wichtige Zeit wie die Ferien zu verbringen ist schwierig. Will ich in meinen Ferien darauf Rücksicht nehmen, dass Müllers Kinder erst um 23.00 Uhr ins Bett müssen? Oder in Kauf nehmen, dass der Vater dieser Kinder jeden Abend den Fernseher einschalten muss, um seinen Lieblingsfussballclub spielen zu sehen? Am meisten Mühe habe ich aber damit, dass Mama Müller ihren Kindern keine Essensreste zumutet, so dass für die Kinderlein jeden Tag frisch gekocht werden muss, während wir Erwachsenen die vertrockneten Überreste der Kindermenus verdrücken sollen. Auch will ich mir nicht dauernd anhören müssen, dass zu viel Süsses den Kindern schade und dass ohne Helm gar nichts läuft…

Ich sage ja, Ferien mit anderen Menschen können kompliziert sein. Auch wenn man sich zu Hause gut versteht und eigentlich befreundet ist. Die Ausnahme: Wirklich gute Freunde. Mit ihnen sind Ferien erholsam und gleichen nicht einem Nervenkrieg, nach dem man noch mehr Ferien braucht. Schliesslich kennen die einen wirklich und wissen, wann man in Ruhe Zeitung lesen will, keine Lust hat, Badminton mit dem Göttikind zu spielen und schon gar nicht gewillt ist, die 7-stündige Wanderung mitzumachen, die vorgeschlagen wurde. Gute Freunde akzeptieren einen auch in den Ferien, so, wie man ist. Das tu ich dann übrigens auch. 

Und wer's noch nicht weiss: Die Rabenmutter führt auch ein Reisebüro. Bucht eure Ferien mit Friends also am besten bei webook.ch!

(Dieser Text erschient erstmals als Kolumne im Kids Guide, Juni 2014.) 

Dienstag, 3. Juni 2014

Das Schweigen der Supermütter



Es gibt nur einen Weg, die ewigen Supermütter zum Schweigen zu bringen. Warten. Bis die Kinder zehn sind. Dann interessiert es niemanden mehr, ob Sie eine Rabenmutter sind.

Sind Ihre Kinder Teenager? Gratuliere! Niemand interessiert sich mehr dafür, ob Sie eine Rabenmutter sind! Als Mutter eines 10-Jährigen kann ich mich nämlich kaum erinnern, wann ich das letzte Mal für meinen Erziehungsstil kritisiert wurde. Oder wann mir jemand gesagt hat, ich solle den Kleinen wärmer anziehen, ihm sei doch sicher kalt (ausser meine Mutter, die wird kaum je damit aufhören). 

Meine Beobachtungen haben gezeigt, dass sich der grosse Teil Supermütterkritik im Kleinkindalter abspielt. Wohl deshalb, weil Supermutti Angst hat, das Kind sterbe, wenn es mal etwas Süsses essen darf oder 5 Minuten unbeaufsichtigt im Garten spielt. Denn, wenn etwas Dummes passieren sollte, können sie ja sagen «ich hab’s ja gesagt!». 

Liebe Eltern von Babies und Kleinkindern, ihr könnt einem Leid tun. Jede(r) sagt euch, was ihr falsch macht, was ihr besser machen solltet. Aber Geduld! Denn sobald Ihr Kind ein gewisses Alter erreicht hat, gehören Sie zu dem Bund der Eltern, «die es bis hierhin geschafft haben». Anstatt einander zu veurteilen und zu kritisieren, werden Sie dann gemeinsam die Augen rollen, seufzen und sich darüber beklagen, wie anstrengend grosse Kinder sein können. 

Denn die Chancen stehen gut, dass wenn Ihr Kind frech ist und glaubt, cool zu sein, es Ihrem Gegenüber genauso geht.
Ihr Sohn ist ohne Helm Velo gefahren, obwohl das schon hundert Mal Gegenstand von lautstarken Diskussionen war? Na und? Meine Tochter pappt sich Rouge auf die Wangen, sobald ich nicht hinschaue. Ihr Kind weigert sich, den Abfall rauszutragen? Meines weiss nicht einmal, wo der Container steht! Der haarige und riechende Teenager kriegt einen Buckel, weil er nur noch auf sein Smartphone glotzt? Mein haariger und riechender Teenager simst sogar beim Abendessen! Willkommen im Club! 

Es ist, als würden wir plötzlich merken, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und bedanken uns beim lieben Gott, dass es allen genau gleich geht. Anstatt die Nase zu rümpfen und damit zu prahlen, was wir besser machen als andere Eltern, klatschen wir gemeinsam high five. Hiermit erkläre ich die Mütterkriege für beendet. 

(Habe ich schon erwähnt, dass meine Tochter erst 5 ist? Ich werde die Supermütter-Sprüche wohl noch etwas länger ertragen müssen...)

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