Freitag, 20. Juni 2014

Co-Piloten: Klappe halten!



Helikopter-Eltern sind nicht das grösste Problem, sondern die Co-Piloten. Eltern, welche die Kinder anderer Eltern überwachen und letztere gar verzeigen. 

Ich gebe ja zu, auch ich habe schon über andere Eltern geurteilt, sei das jetzt, weil sie ihre Kinder verwöhnen, schlecht erziehen oder gar vernachlässigen. Menschen sind nicht davor gefeit, eine Meinung zu haben und diese gar zu äussern. Doch ein Fall ging mir entschieden zu weit.



Salon.com hat letzte Woche eine Geschichte gepostet, welche von einer Mutter handelt, die ihr Kind mit einem iPad im Auto sitzen liess, während sie kurz in einen Laden ging. Draussen herrschten kühle Temperaturen, 10°C, wie Salon schreibt. Gaffer – oder wie würden Sie sie nennen – dachten, es sei eine gute Idee, das Kind im Auto zu filmen und die Mutter bei der Polizei anzuzeigen wegen Gefährdung ihrer Sorgfaltspflicht.
 
Dies ist kein Einzelfall: Immer wieder liest man von Verzeigungen gegenüber Eltern, die mit ihren Kindern nicht korrekt umgehen. So berichtet der Blog «Freerangekids.com», Eltern seien bei der Polizei gemeldet worden, weil ihre Kinder draussen spielten. 
Unbeaufsichtigt. Der Vorwurf? Sie hätten ja entführt werden können!
Ja, dies ist Amerika und wir wissen alle, dass die Amis spinnen... Aber im Ernst: Wer hat sein Kind noch nie kurz im Auto gelassen, um an der Tankstelle zu bezahlen oder Brot beim Bäcker zu holen? Wer beaufsichtigt seine Kinder 24/7?
 
Was mich ausserdem auf die Palme bringt: Wer verzeigt Eltern, bevor sie mit ihnen sprechen? Das kommt mir vor, wie meine psychotische Nachbarin, als ich Studentin war, die bei jeder Grillparty die Polizei rief, anstatt mich darum zu bitten, leiser zu sein.
Und wer gibt irgendwem das Recht, sich einzumischen, solange das Kind nicht wirklich gefährdet ist? Bloss, weil es in der Tat unter Umständen vielleicht im Auto frieren oder vom bösen Mann mitgenommen werden könnte. Niemand! 

Nun wissen wir längst, dass Helikopter-Eltern ihren Kindern keinen Gefallen tun, gerade hat dies der «Tages-Anzeiger» in einem sehr guten Artikel noch mal aufgezeigt. Nun müssen aber offenbar die Eltern, welche sich gegen das ständige Überwachen entscheiden, Angst haben, dass andere Eltern das Helikopter-Fliegen übernehmen. Als Co-Piloten sozusagen. Schöne, neue Welt... 

Was meinen Sie? Einmischen oder nicht?

Kommentare:

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Diese voreiligen Einmischer und Fremderziehe gehen mir auch auf den Keks. Denn nicht immer ist eine Situation so wie sie auf den ersten Blick scheinen mag. Sich interessieren und anständig bei den Eltern ja, auf jeden Fall, aber bitte ohne belehrenden Unterton oder noch schlimmer mit dem Gang zur Polizei! Am meisten ärgere ich mich über die besserwisserischen, lehrmeisterlichen, rechthaberischen und belehrenden Vorwürfe, Kritiken, Anschuldigungen, Vorurteile und „Ratschlägen“ von Kinderlosen, die von Kinder kriegen und erziehen keine Ahnung haben und trotzdem meinen, die Weisheit mit dem Löffel gefressen zu haben und alles besser zu wissen. Rechtzeitig Einschreiten ist vor allem dann wichtig, richtig und nötig, wenn Gewalt im Spiel ist, Kinder von Eltern und/oder anderen erwachsenen Personen geschlagen, misshandelt und missbraucht werden. Da ist unverzüglich Zivilcourage gefragt und tatenlos weg- bzw. hinschauen völlig fehl am Platz und feige. Doch wenn es in solchen Momenten darauf ankommt, schweigen die sogenannten Besserwisser, Fremderzieher und Einmischer oftmals lieber statt tatkräftig einzugreifen und aktiv etwas gegen die Missstände zu unternehmen…

Anonym hat gesagt…

Hmm... ich hasse diese Leute auch und es gibt sie auch hier. Meine Kollegin hatte die Polizei vor der Haustüre nach dem sie ein einziges mal, weil das Baby wieder dermassen schrie (und das tat es immer im Auto), im Tragetuch eine kurze Strecke nach Hause fuhr. Prompt hat das jmd gesehen und die Polizei gerufen. Klar, es ist gefährlich und das wusste sie auch aber sie war verzweifelt und hat es vorher und nachher nie (wieder) getan... und sie ist nicht die einzige. Mit einem schreienden Kind Auto zu fahren ist nicht weniger gefährlich und es gibt nun mal Babys, die eine Zeit lang nicht gerne Auto fahren...

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