Donnerstag, 29. November 2012

«Ich liebe dich, aber ich muss jetzt den Kleinen füttern»



Die Prioritäten einer Mutter liegen bei den Kindern. Hier ein paar Tipps, damit die Beziehung trotzdem nicht einschläft.

Als Mutter kann es durchaus vorkommen, dass man vergisst, Ehefrau zu sein. Viele Mütter – vielleicht die meisten – vernachlässigen ihren Partner und ihre Beziehung. Gestohlene Küsse, angeregte Gespräche, Sex an ungewöhnlichen Orten, Sex überhaupt, romantische Spaziergänge.... Das alles kommt zu kurz, sobald Kinder da sind. Kurze Nächte, lange Tage und die kindlichen Bedürfnisse haben in den ersten paar Jahren Priorität. Wie könnte man es einer Mutter verdenken? Wenn das Baby schreit, muss Papa halt warten! 

Nun beobachte ich in letzter Zeit immer mehr Menschen, die das schon hinter sich haben und Neulingen erklären, das sei nur eine Phase, es gehe vorbei. Von alleine? Wirklich? Dann hatten diese Mütter und Väter aber grosses Glück. Oder waren zu müde, um zu merken, dass ihre Beziehung keine mehr war. Gratuliere! 

Nur noch Mami und Papi
Doch bei den meisten ist die Gefahr doch sehr gross, dass aus Frau und Mann Mami und Papi werden – und das für immer. In der Schweiz gehen immer noch fast 50 Prozent der Ehen in die Brüche, viele davon in den ersten paar Jahren, nachdem die Kinder da sind. Der Zusammenhang scheint klar. 


Freunde von uns haben eine süsse kleine Tochter, die aber einiges an Aufmerksamkeit fordert. Wenn sie etwas will, dann sollen Mami und Papi gefälligst alles stehen und liegen lassen und sich um sie kümmern. Wenn man sich nun zum gemütlichen Abendessen trifft, ist es für besagte Eltern eben selten gemütlich. «Könntest du bitte auch mal schauen?» «Aber ich habe sie gerade gewickelt!» «Und ich ihr den Schoppen gemacht!» Kennen Sie das? Die unsichtbare Liste, die man im Hinterkopf führt? Darüber, wer was tut und was nicht und wer jetzt dran wäre? 

Es geht vorbei
Da erstaunt es doch kaum, wenn man keinen Kopf mehr für die Beziehung hat. Geschweige denn für’s Epilieren, Haare waschen und verstohlene Zungenküsse. Was wiederum noch weniger Lust macht auf den anderen. Der klassische Teufelskreis. Auch die Eltern der fordernden Kleinen bestätigten mir das: Die Partnerschaft muss hinten anstehen. 


Der geht zwar vorbei, aber nur, wenn man ihn auch erkennt und etwas dagegen tut. Es hilft sicherlich, zu wissen, dass die Beziehung wieder an Priorität gewinnt, wenn die Kinder grösser sind. Doch bis dahin vergehen vielleicht drei Jahre und da kann viel passieren.
Gerade jetzt in der Adventszeit leidet die Beziehung am meisten. Zu viel los, zu wenig Zeit, weshalb Intimität gerade jetzt wichtig scheint. Hier ein paar Tipps aus einer amerikanischen Studie, um die Partnerschaft nicht erlahmen zu lassen: 

1. Machen Sie klare Ansagen. Der Partner kann keine Gedanken lesen, gerade in Stresszeiten noch weniger. Frauen neigen dazu zu denken: «Das müsste er doch verstehen!» Tut er nicht. Also sagen Sie klar, was Sie wollen. Und was nicht. 

2. Sie sind die Lösung. Erwarten Sie nicht vom anderen, etwas zu ändern, damit Sie mehr Lust auf ihn haben. Wenn Sie sich mehr Hilfe von ihm wünschen, damit sie weniger müde sind, wird er wiederum erwarten, dass sie etwas weniger mürrisch sind, damit er ihnen hilft. Das hört nie auf. Womit wir wieder bei Punkt 1 wären. 

3. Erfinden Sie Neues. Sex im Ehebett, nachdem die Kinder darin gestillt und gewickelt wurden, geschlafen und gekotzt haben, ist wenig prickelnd. Immer dasselbe Restaurant, in dem Sie immer denselben Fisch bestellen, ebenso wenig. Wagen Sie Neues, es muss ja nicht gleich Bungy Jumping sein. 

4. Bleiben Sie in Blickkontakt. Anziehung spielt sich vor allem über Blicke ab. Vergessen Sie also nicht, Ihrem Partner ab und zu in die Augen zu schauen. Nicht nur dann, wenn er den Müll wieder einmal nicht rausgetragen hat und Sie ihn böse anfunkeln. 

5. Denken Sie mit. So, wie Sie von ihm erwarten, dass er Ihnen mehr im Haushalt hilft (ich bemühe hier das Cliché), so dürfen Sie nicht vergessen, dass er auch gearbeitet hat. Zwar ohne Kindergeschrei und Auf-Lego-Steine-Treten-Schmerz, aber vielleicht war sein Tag auch nicht besonders toll. Wenn wir wollen, dass der andere anerkennt, was wir den ganzen Tag tun, sollten wir das eben auch. 

Und wie halten Sie Ihre Ehe in Schwung? Weitere Tipps nehmen wir gerne entgegen!

Freitag, 23. November 2012

Advent, Advent, nicht eine Mutter pennt...





Oder was macht ihr nachts? In der Vorweihnachtszeit sind die Nächte kurz. Und die To-do-Listen lang. 


Es ist neun Uhr abends. Erschöpft liege ich auf dem Sofa und schaue irgend etwas im Fernsehen, an das ich mich nächstentags nicht mehr erinnern werde. Das hat einerseits mit der grausigen Qualität der meisten Sender zu tun, andererseits aber vor allem damit, dass ich nicht ganz anwesend bin. Das wiederum hat einerseits damit zu tun, dass ich einfach zu hundemüde bin, um mich für die Heldin im Film und ihre Sorgen zu interessieren. Vor allem aber damit, dass ich selber Sorgen habe. Luxus-Sorgen, wohlgemerkt, aber Sorgen halt.

Zurzeit arbeite ich nämlich dauernd an einer To-do-Liste. Diese beinhaltet sämtliche Tätigkeiten, die in den nächsten sechs Wochen bis Weihnachten erledigt werden müssen. Und ein paar für Januar. Nicht nur to-dos, auch to-buys, to-fix, to-learn, to-read und – das ist zwar das ganze Jahr hindurch so – to-write.
 
Tagsüber Listen zu führen, ist ja nichts Weltbewegendes, alle tun das, sogar unsere Kinder. Mühsam wird es dann, wenn wir nachts aufwachen und die mentalen To-dos weiterführen. Und entsprechend nicht mehr einschlafen. Eine Umfrage im Bekanntenkreis ergab, dass ich nicht die einzige Mutter bin, deren Liste immer länger und vorwiegend nachts ergänzt wird.
 
1. Geburtstag Tochter- Zutaten Kuchen
- Geschenk einpacken
- Deko: Alles Samstagabend vorbereiten, damit sie Sonntagmorgen die Überraschung erlebt.
- Hoffen, das an besagtem Tag alles gut geht, sie höflich danke sagt und alle happy sind. 


2. Besuchstag Schule Sohn- Babysitter für Tochter organisieren
- Artikel vorschreiben, da an besagtem Tag keine Zeit. - Haare am Abend vorher waschen, morgens zu stressig 


3. Adventskalender organisieren (ja, das ist schon schuurig bald!)
 
4. bis XXX Einladungen, Apéros, Arztbesuche, Verwandtendiskussionen, Chauffeur spielen und so weiter, und so weiter.
 
Schon für Weihnachten alleine könnte ich drei A4-Seiten mit To-dos und To-Think-Abouts füllen! 
 
Einfach eine Nacht durchschlafen, wäre wiedermal nett. Aber dann könnt ihr sicher sein, dass unsere Kleine einen Alptraum hat und unbedingt bei Mami und Papi schlafen muss. Quer im Bett liegend, versteht sich. Na dann, gute Nacht!
 
Wie handhabt ihr eure Listen? Schön eins nach den anderen? Alles im Kopf oder auf ausgetüftelten Excel-Files? Oder lasst ihr euch gar nicht stressen von der Vorweihnachtszeit?

Donnerstag, 15. November 2012

Das aktive Kind



Müssen Kinder Hobbies haben? Und wenn ja, wieviele?

Der Klassiker. Mein Sohn wollte Fussball spielen, nicht erst seit der EM, aber seit es den Film «Die wilden Kerle» gab. Sprich: Schon immer! Also meldeten wir ihn im Nachbardorf beim Fussballclub an. Die grosse Aufregung! Das Outfit musste her (ich weiss, es heisst im Fussball nicht Outfit, aber was ist es anderes als die passende Kleidung? Eben!), die Schuhe, es wurde rund um das Training rumorganisiert. Wer bringt in wann, wer holt ihn ab, wann hat er Zeit, um etwas zu essen, was machen wir mit der kleinen Schwester währenddessen etc.?

Denn bereits Erstklässler bzw. Junioren F haben zweimal die Woche Training. Ganz ehrlich? Wenn ich das beim Anmelden gesehen hätte, hätten wir es sein lassen. Denn neben Schule, Flöte, Hausaufgaben und Freunde treffen, waren zwei Trainigseinheiten pro Woche viel. Zu viel, wie sich herausstellte. Nach dreiviertel Jahr mussten wir den kleinen Grossen wieder abmelden. Nicht nur, weil Mami keine Lust mehr hatte, den gestressten Sohnemann vier Mal die Woche hin- und herzufahren und sich andere «Soccer-Moms» anzutun. Auch - und vor allem – weil bei ihm ziemlich bald total die Luft raus war.
Sein Montag sah nämlich beispielsweise wie folgt aus: Schule bis Mittag, nach Hause kommen, essen, nachmittags wieder in die Schule. Kaum wieder zu hause, z'Vieri, eine halbe bis eine Stunde Hausaufgaben (je nach Tagtraumpegel), danach gleich ins Fussball-Trikot stürzen und weiter ins Training. Abends erst um 19 Uhr wieder zu hause, duschen, essen und ab ins Bett. Die zweite Trainingseinheit fand jeweils am Mittwoch statt, nach einem freien Nachmittag, den wir nie wieder auswärts verbringen konnten, schliesslich musste er bereits wieder um 17 Uhr auf dem Platz stehen.

Kinder sollten fertigbringen, was sie angefangen haben, so das Erziehungsmantra. Die Angst, unsere Kleinen zu faulen Erdenbürgern heranzuziehen, die sich nicht «durchbeissen», ist bei uns Eltern gross. Schliesslich liest man überall, Kinder bräuchten Freizeitbeschäftigungen, damit sie nicht vor dem Computer vereinsamten, dick und aggressiv würden. Weshalb auch wir uns die Frage stellen: Was nun? Soll er einen anderen Sport in Angriff nehmen, damit er «etwas tut»? Einen Sport, der uns ein Mehrfaches der Mitgliedschaft im Fussballclub kosten wird (denn Fussball ist immer noch eines der günstigsten Kinderhobbies)? Doch tut er sonst wirklich nichts?

Die Schule bietet dreimal die Woche Sportunterricht, einmal alle paar Wochen gehen sie schwimmen, in den Pausen und in der Freizeit wird Fussball gespielt und den Rest der Zeit verbringt unser Sohn auf dem Velo oder mit dem Trotti. Einmal die Woche wird die Natur der Umgebung erkundet. Ist das nichts? Kaum ein Erwachsener wird sich so viel bewegen, richtig?

Nun haben wir das Glück (zumindest in diesem Bereich), auf dem Land zu wohnen. Unsere Kinder müssen ein Treffen nicht telefonisch vereinbaren, damit wir Mütter immer genau wissen, wo sie sich befinden. Bei uns gehen die Kids – wie wir damals – einfach bei einem Freund vorbei und wenn dieser da ist, wird gespielt, gefahren, geplaudert. Wenn nicht, «Nächster!».

Trotzdem fühlen wir uns unter Druck gesetzt, spätestens wenn wir Leute treffen, die uns fragen: «Und, macht der Kleine etwas?». Ganz viel, aber reicht das?

Was denken Sie, wie viel Freizeitaktivitäten sollte ein Kind haben? Und müssen diese immer organisiert sein?

Dienstag, 13. November 2012

Sex? Nein, danke!

In unserer hypersexualisierten Zeit können Frauen und Männer im Bett tun, was sie wollen. Verdächtig ist erst, wenn sie im Bett nur schlafen.

«Suche Partner für platonischen Austausch. Sexuell Interessierte bitte gar nicht erst melden.» Ein Inserat, das keinen Seltenheitswert hat. Nicht einmal im sinnesfreudigen Frankreich, dessen Bewohner in Sexumfragen regelmässig zu den Europameister gehören und es gut und gerne dreimal pro Woche tun.  Einer Umfrage des französischen Dating-Services parship.fr zufolge, könnte jeder vierte Befragte ohne Probleme auf Sex verzichten. Darunter erwartungsgemäss etwas mehr Frauen.

Ist in unserer hypersexualisierten Gesellschaft vielleicht Abstinenz der neue Trend? Die  Verkaufszahlen von Sophie Fontanels eben auf deutsch erschienenem Buch «Das Verlangen» könnte das suggerieren. Immerhin führte ihr  Bericht über eine zehnjährige sexuelle Auszeit wochenlang die französischen Bestsellerlisten an. Das Buch muss einen Nerv getroffen haben.

Nicht nur für Kleriker
Und weckte erstaunliche Reaktionen: «Danke, Sophie!», «So wahr!» oder «Endlich!» konnte man letztes Jahr gleich nach Erscheinen der französichen Ausgabe von «L’Envie» auf ihrem Blog lesen. Offenbar teilen viele Franzosen das «Schicksal» der 50-jährigen Journalistin und Bloggerin, die kein bisschen langweilig oder verbittert wirkt: Sex ist nicht das einzig Wahre, man kann auch darauf verzichten und trotzdem glücklich sein.

Abstinenz, das zumindest zeichnet sich ab, ist im neuen Jahrtausend nicht mehr Klerikern oder Einsiedlern vorbehalten. Sie ist auch nicht mehr eine Frage des Alters oder der (negativen) Erfahrung. Ob temporär, chronisch oder langfristig, die Absenz von Sex gibt es überall, wenn auch diskret gelebt. Denn noch immer gilt: kein Sexualleben zu haben, oder - noch schlimmer - gar keines zu wollen, ist das letzte Tabu unserer hypersexualisierten Zeit.
Sextoys, SM, bi-, poly- oder homo-amoureuse Beziehungen gehören zu modernen Gesellschaften, wie Autos, Handys und Mikrowelle. Aber ein Leben ohne Sex? Unvorstellbar! So musste sich Fontanel mehr als einmal anhören, ob mit ihr alles o.k. sei, ob sie vielleicht lesbisch sei oder sich sogar von einem Fernsehmoderator vorwerfen lassen, sie habe wohl kaum freiwillig auf Sex verzichtet, wahrscheinlich wollte sie einfach keiner haben. Sie hätte sogar Liebhaber «erfunden», damit ihre Freunde nichts merkten, wie sie in ihrem Buch gesteht.
Asexuelle gab es schon immer
Das Unverständnis im Umfeld ist gross, wenn jemand es wagt, sich als sexlos lebend zu outen: Im besten Fall wird einem der Prüderie-Vorwurf gemacht, im schlimmsten Fall aber, gilt vorab Frau als Heuchlerin, die den Mangel an Sexpartner zum freiwilligen Verzicht hochstilisiert. Dabei ist Asexualität die vierte sexuelle Orientierung neben der hetero-, der homo- und der bisexuellen. Und ähnlich wie Schwule und Lesben müssen Asexuelle als Minderheit um Anerkennung kämpfen. So beschrieb es zumindest der Sexualforscher Volkmar Sigusch letztes Jahr in der NZZ.
Im übrigen  ist Asexualität nichts Neues. Bereits Alfred C. Kinsey stellte dieses «Phänomen» in seinem berühmten Rapport vor mehr als 50 Jahren fest. Doch diese sexuelle Orientierung wurde gerade in den folgenden, freizügigen Sechzigern komplett ignoriert. Betroffene suchten die Schuld bei sich selber oder in der Beziehung. Erst nach 1990 brachte das Internet erste private Seiten zum Vorschein, auf denen Menschen sich zu «No Sex» bekannten. Doch Namen wie «Leather Spinsters» (Lederne Jungfern) oder «Heaven for the Human Amoeba» (Der Himmel für die menschliche Amöbe) geben Einblicke in ein soziales Denken, das Asexualität immer noch als etwas Seltsames ansah. Seither findet ein regelrechtes Coming-Out statt, wenn auch nur ein sehr langsames.
So stellt das 2001 gegründete Internetforum AVEN ((«Asexuality Visbility and Education Network») Menschen, die auf Sex verzichten, bis heute eine Plattform für Diskussion und Austausch zur Verfügung. AVEN macht auch medial auf die vierte sexuelle Orientierung aufmerksam. Genau wie  Sophie Fontanel wehren die Initianten sich gegen die Abwertung des sexlosen Lebens in einer platonischen Beziehung. Und somit gegen das letzte Tabu.

Geschrieben für clack.ch

Freitag, 9. November 2012

Die wunderbarsten zwei Stunden



Was tun, wenn man spontan zwei Stunden für sich alleine hat? 

Heute erzähle ich Ihnen etwas, wofür ich mich eigentlich etwas schäme. Doch irgendwie habe ich die wage Vermutung, dass ich nicht die Einzige bin, die so was tut. Letzte Woche geschah etwas, was nicht oft vorkommt. Meine Tochter wurde von der Grossmutter abgeholt, um ganze 24 Stunden dort zu verbringen. Alle freuten sich darüber, sie, ich und die Nonna. Wunderbar! 

Nun habe ich ja zwei Kinder. Und einen ganzen Nachmittag lang nur den Sohn zu haben, ist auch mal schön. Für ihn bedeutet es immer, «wie früher» zu sein und mit Mami zu reden, ohne dauernd von der nervigen kleinen Schwester unterbrochen zu werden. Auch wunderbar! 

Aber wissen Sie, was noch wunderbarer war? Als er zum Sport musste und ich volle zwei Stunden ganz für mich alleine war! 120 Minuten Me-Time! 7'200 Sekunden, in denen niemand etwas von mir will, ich ganz alleine mit mir selber, «wie früher»! Wunderwunderbar! 

Ganz früher nämlich, als ich jeden Tag tun und lassen konnte, was ich wollte, wie ich wollte und mit wem ich wollte. Zugegeben, damals habe ich ausser Haus gearbeitet, so frei war ich gar nicht. Aber ich war eben nur ich. Ausser bei der Arbeit erwartete niemand etwas von mir, keine Mittagessen kochen, keine Räben schnitzen, keine Hausaufgaben überprüfen. Ich, verantwortlich nur für mich. 
Nun könnte man meinen, ich hätte die zwei Stunden weiss ich wie toll ausgenutzt. Doch wenn Sie jetzt denken, ich hätte in der Zeit ein neues Buch zu schreiben angefangen, Pilates geübt oder gar endlich das Fotoalbum unserer Hochzeit vor 12 Jahren fertiggestellt, irren Sie sich. Bekannt dafür, ein Champion in der Disziplin «Extrem-Abhängen» zu sein, habe ich mir eine Flasche Wein aufgemacht (es war immerhin «schon» 17.30 Uhr), auf unser Sofa gesetzt und den kultigen Film «Singles» geschaut, den ich bereits vor zwanzig Jahren toll fand, als ich eben dies noch war: ein Single. Wunderwunderwunderbar! 

Übertreibe ich nun masslos, wenn ich sage, diese 120 Minuten waren für mich wunderbar, weil selten? Hätten Sie die Zeit besser genutzt? Das ist nämlich die vage Vermutung, von der ich sprach: Ich glaube, vielen Müttern und Vätern ginge es ganz ähnlich, wenn sie spontan zwei Stunden für sich hätten. Sie würden sie verplempern und einfach nur die Zeit geniessen, nichts tun zu müssen, nur zu dürfen. Oder irre ich mich?

Dienstag, 6. November 2012

Wie im Film





Kinderproduktionen sind meist dilettantisch. Und - seien wir ehrlich - langweilig. «Miss Biancas Abenteuer» ist anders.


Fussballturnier, Flötenkonzert, Musical. Wenn die eigenen Kinder ein Hobby haben, das sie an einem solchen Event vorführen können, schauen wir uns das an. Manchmal nur, weil das Kind das von uns erwartet und es sich so freut, uns sein Können auf einer Bühne oder einem Sportplatz zu präsentieren. Natürlich gehen wir da hin, sind manchmal stolz, manchmal weniger. 

Wenn man an eine solche Vorstellung eingeladen wird, ohne dass ein eigenes Kind mitmacht, wird es schon schwieriger. So ging es mir vor Kurzem, als mein Sohn mich bat, ins Theater zu gehen, um die Produktion «Miss Biancas Abenteuer» zu sehen. 150 Kinder und Jugendliche würden da auf der Bühne stehen, unter anderem seine Freundin. Da wir letztes Jahr schon versagt hatten, versprach ich ihm hinzugehen, und besorgte mir Karten. 

Das verschneite Wochenende lud nicht gerade dazu ein, das Haus zu verlassen, um in ein Theater zu sitzen. Vor allem nicht, wenn die Produktion mit Sicherheit mittelmässig ausfallen würden. Oder was konnte man sonst von 150 Halbwüchsigen erwarten? 

Sehr viel, wie sich herausstellte. Das Musical – das Original zur Disney-Verfilmung «Bernhard und Bianca» – ist an sich schon wunderbar. Die Geschichte und die Musik erinnern an Fred Astair und Ginger Rogers. Dass die Kinder dabei ebenfalls steppen, überrascht und gefällt. 

Was Claudia Corti mit ihrer Tanzschule da im Winterthurer Stadttheater auf die Beine gestellt hat, ist wirklich einmalig. Diese Kids sind richtig gut! Sie haben dafür viel gearbeitet und das sieht man auch. Die Kostüme sind der Hammer und jede Altersgruppe hat – der Klasse entsprechend – tolle Auftritte. Von den graziösen Ballerinas auf Spitzenschuhen, über die süsse kleine Libelle, bis hin zu den kleinsten Knöpfen, den Schnecken, die über den Bühnenboden kriechen, als hänge die ganze Show von ihnen ab. Wir haben gelacht, geklatscht und geweint, als Penny ihr Waisenkind-Lied sang. Man sitzt im Publikum und wähnt sich in einem Disney-Film in Grossformat. 

Was ich damit sagen will? Hingehen, anschauen, weinen, lachen, klatschen. Unbedingt! 

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Donnerstag, 1. November 2012

Französische Erziehung in der Schweiz





Franzosen erziehen besser. Möchten wir ja auch, aber schliesslich sind wir nicht alleine.


«Mamiiii, dürfen wir jetzt endlich raus in den Schnee? Und wo sind meine Skihosen? Ich finde nur einen Handschuh!!!» Aaaahhhhh!! Ja, es ist Wochenende und es hat zum ersten Mal geschneit. Meine Kinder standen bereits um 7.00 Uhr stramm und wollten raus. Da sie mir nicht garantieren konnten, draussen nicht vor Freude rumzukreischen, bat ich sie noch etwas zu warten und nahm mir genüsslich das neue «Magazin» im Tages Anzeiger vor. Kaffee schlürfend las ich Miklòs Gimes’ Artikel über die Franzosen und ihre Erziehungsmethoden.
Denn Franzosen erziehen anders. Besser. So zumindest der Tenor in vielen Artikeln, die – wie das «Magazin» auch – Pamela Druckermans Buch «French Children Don’t Throw Food» kommentieren.  Gemäss Druckermann werfen französische Kinder nicht nur nicht mit dem Essen, Französinnen erlangen nach der Geburt auch ihr Vorgeburtsgewicht wieder. Und  jene vorschwangerschaftliche Identität. Maman ist eben nicht nur Mutter, sondern Frau geblieben.

Wo kann ich bitte unterschreiben? Bin sofort dabei! Einerseits bin ich selber so aufgewachsen (in Frankreich geboren und in frankophonen Gefilden gelebt), meine Mutter hat noch nie einen Spielplatz von Nahem gesehen. Andererseits versuchen wir selber, unsere Kinder auf diese Art zu erziehen. Wir sind nicht nur ihre Eltern, wir sind auch Mann und Frau. Und nicht nur, wenn die Kinder ausser Haus sind. Doch oft bleibt es beim Versuch, gelingen tut es uns nicht immer. So zum Beispiel nicht, wenn ich am Telefon bin und nicht merke, dass mich meine Tochter im Minutentakt unterbricht, um mir irgendwelchen Mist zu erzählen, der mich ehrlich gesagt nicht die Bohne interessiert! Oder wenn mein Sohn mich sonntagmorgens weckt, um mir etwas gaaaanz Wichtiges mitzuteilen und dann auch noch beleidigt ist, wenn ich ihn fluchend rausschmeisse. 


Die Erziehung ist das Eine – wir arbeiten daran. Das andere ist aber das Umfeld. Ich kann noch lange meine Kinder dazu erziehen, bei Tisch nicht reinzureden und um Acht ins Bett zu gehen. Wenn wir aber Gäste haben und die sehen das nicht genauso, dann geht die französische Erziehung flöten. Zumindest sind wir da nicht konsequent genug, wie mir scheint. 

Eine Einladung ohne Kinder?
Denn in der Schweiz ist es doch so: Wir laden Freunde mit Kindern zum Essen ein. Diese Freunde hatten wir schon vor den Kindern und damals verbrachten wir nette Abende mit viel Wein und guten Gesprächen. Heute schleppen die ihre Kinder an, der Abend wird laut und hektisch, weil der Eine dies, die Andere das nicht mag, in ein fremdes Bett wollen sie auch nicht und bleiben entsprechend solange auf, bis die Eltern sich irgendwann entschliessen, nach Hause zu fahren. Oder noch schlimmer: Die Eltern richten sich nach den Bettzeiten der Kinder und verlassen uns um 20.30 Uhr bereits wieder... Da ist nix mit tollen Gesprächen, von viel Wein kann schon gar nicht die Rede sein. 


Nun habe ich mir mal überlegt, es zu wagen, unsere Freunde ohne die Kinder einzuladen. Doch darf man das überhaupt? Das käme wohl sehr schlecht an, oder nicht? In der Schweiz ist man ja schon entrüstet, wenn eine Einladung zum 40. ins Haus flattert, auf der es heisst, man solle die Kinder doch bitte lieber nicht mitbringen. Da sind die meisten Eltern doch persönlich beleidigt, als hätte man sie gebeten, an der Party bitte nicht zu stinken. Ein Abendessen mit erwachsenen Freunden ohne Kinder? Vergessen Sie’s! 

Wenn Sie nicht wissen, was ich meine: Schauen Sie sich den französischen Film «Le Prénom» im Kino an. Fünf alte Freunde treffen sich zum Abendessen und besprechen den Vornamen des Kindes, das demnächst auf die Welt kommen soll. Was mir an diesem Film am besten gefiel (Abgesehen von der Story und den sensationellen Schauspielern)? Die Gäste kamen erst, als die Kids der Gastgeber schon im Bett waren. Oder zumindest auf ihren Zimmern. Kein Gequengle, kein «darf ich noch ein Dessert?», keine Gute-Nacht-Geschichte. Wie früher, wissen Sie noch? 

So, jetzt muss ich meiner Tochter endlich zuhören, die seit Minuten «Maaamiiii» schreit, sie hat mir etwas gaaaanz Wichtiges zu erzählen... 

Wie handhaben Sie solche Einladungen? Mit oder ohne Kinder? Und wie lange bleiben Ihre Gäste?

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