Freitag, 9. November 2012

Die wunderbarsten zwei Stunden



Was tun, wenn man spontan zwei Stunden für sich alleine hat? 

Heute erzähle ich Ihnen etwas, wofür ich mich eigentlich etwas schäme. Doch irgendwie habe ich die wage Vermutung, dass ich nicht die Einzige bin, die so was tut. Letzte Woche geschah etwas, was nicht oft vorkommt. Meine Tochter wurde von der Grossmutter abgeholt, um ganze 24 Stunden dort zu verbringen. Alle freuten sich darüber, sie, ich und die Nonna. Wunderbar! 

Nun habe ich ja zwei Kinder. Und einen ganzen Nachmittag lang nur den Sohn zu haben, ist auch mal schön. Für ihn bedeutet es immer, «wie früher» zu sein und mit Mami zu reden, ohne dauernd von der nervigen kleinen Schwester unterbrochen zu werden. Auch wunderbar! 

Aber wissen Sie, was noch wunderbarer war? Als er zum Sport musste und ich volle zwei Stunden ganz für mich alleine war! 120 Minuten Me-Time! 7'200 Sekunden, in denen niemand etwas von mir will, ich ganz alleine mit mir selber, «wie früher»! Wunderwunderbar! 

Ganz früher nämlich, als ich jeden Tag tun und lassen konnte, was ich wollte, wie ich wollte und mit wem ich wollte. Zugegeben, damals habe ich ausser Haus gearbeitet, so frei war ich gar nicht. Aber ich war eben nur ich. Ausser bei der Arbeit erwartete niemand etwas von mir, keine Mittagessen kochen, keine Räben schnitzen, keine Hausaufgaben überprüfen. Ich, verantwortlich nur für mich. 
Nun könnte man meinen, ich hätte die zwei Stunden weiss ich wie toll ausgenutzt. Doch wenn Sie jetzt denken, ich hätte in der Zeit ein neues Buch zu schreiben angefangen, Pilates geübt oder gar endlich das Fotoalbum unserer Hochzeit vor 12 Jahren fertiggestellt, irren Sie sich. Bekannt dafür, ein Champion in der Disziplin «Extrem-Abhängen» zu sein, habe ich mir eine Flasche Wein aufgemacht (es war immerhin «schon» 17.30 Uhr), auf unser Sofa gesetzt und den kultigen Film «Singles» geschaut, den ich bereits vor zwanzig Jahren toll fand, als ich eben dies noch war: ein Single. Wunderwunderwunderbar! 

Übertreibe ich nun masslos, wenn ich sage, diese 120 Minuten waren für mich wunderbar, weil selten? Hätten Sie die Zeit besser genutzt? Das ist nämlich die vage Vermutung, von der ich sprach: Ich glaube, vielen Müttern und Vätern ginge es ganz ähnlich, wenn sie spontan zwei Stunden für sich hätten. Sie würden sie verplempern und einfach nur die Zeit geniessen, nichts tun zu müssen, nur zu dürfen. Oder irre ich mich?

Kommentare:

Lorelai hat gesagt…

Irrtum! Die meisten Mütter brauchen mehr als 2h denn wenn sie erst mal aufgeräumt, geputzt, vorgekocht und Mails gecheckt haben, sind die 2h um!

cat hat gesagt…

mir ging es immer genau so. endlich ein-zwei stunden für mich, in denen ich alles mögliche tolle hätte machen können - und dann hab ich nur herumgehangen. und es war so erholsam!

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