Freitag, 26. April 2013

Mami streikt!



Irgendwann reicht es nämlich. Auch einer liebenden Mutter.

Kennt ihr diese Tage, an denen ihr gefühlte 475 Mal wiederholt, die lieben Kinderlein sollen HERRGOTTNOCHMAL endlich ihre Schuhe wegräumen, zum x-ten «NEIN, es gibt nicht noch ein Glacé!» greift und kopfschüttelnd «Wieso um Himmels willen soll ich wissen, wo dein Mathebuch ist, wenn du es selber nicht weisst???» fragt? Natürlich kennt ihr sie.

Ich hatte kürzlich so einen Tag. Nachdem ich die letzten Wochen immer wieder solche durchleben durfte. Und dann hat es mir gereicht. Endgültig.

Das spielte sich dann wie folgt ab: Die Kindern nervten den lieben langen Tag, weil sie UNBEDINGT baden wollten, es war ja so unglaublich heiss (23°C...)!!! Und obwohl ich ihnen bereits mehrmals (und letztes Jahr ja auch schon) gesagt hatte, sie dürften nicht barfuss durch’s Dorf, waren sie keine 30 Sekunden später ohne Schuhe unterwegs. Und zwar, weil sie ihre Flip Flops im Keller nicht finden konnten («Mami, chasch du mal luege?»). Ach ja, und das Zimmer, das aufgeräumt hätte werden sollen (so viele Konjunktive!), war es natürlich nicht die Bohne! Aber wenn man sie zum x-ten Mal dazu auffordert, dann rollen Augen und Luft wird stossartig durch die geschürzten Lippen gepresst. «Oh Mann!» Ja, Mami ist immer so unfair. Dauernd will sie was von uns. Und verbietet uns alles.

Wenn ich das jetzt so aufzähle, merke ich selber, wie läppisch es klingen mag. «Sooo schlimm ist das jetzt wirklich nicht, was die Sassine da runterleiert.» Stimmt. So schwarz auf weiss finde auch ich die «Verfehlungen» nicht sonderlich tragisch. Trotzdem. Erzählt  mir nicht, dass ihr noch nie wegen weniger schlimmen Sachen ausgeflippt seid und euren Mutter- (oder Vater-) Job am liebsten gekündigt hätten. Nur kurz, versteht sich. Also für ein paar Tage, meine ich.

Und genau das habe ich meinen Kindern dann auch – ganz ruhig und beherrscht, in einer «Sitzung» sozusagen – gesagt: «Mami reicht es. So geht das nicht mehr. Wenn ihr in Zukunft nicht zuhört und einfach macht, was ihr wollt, tu ich das auch. Dann kocht ihr euer Mittagessen selber, wascht eure Wäsche und sorgt selber dafür, dass der Laden hier läuft. Mami macht indessen Ferien. Capisch?!»

Nun reden unsere Politiker von Steuerabzügen für Kinderbetreuung und «Herdprämien» für daheimbleibende Mütter. (Die tun ja alle so, als könnten wir erwerbstätigen Mütter Millionen von den Steuern abziehen, was bekanntlich total lächerlich ist). Ich schlage etwas viel Effektiveres vor, von dem die ganze Familie profitieren könnte: Wenn es uns Müttern wieder einmal reichen sollte, wäre es schön, wenn wir mit unseren Steuergeldern eine Streik-Hilfe beanspruchen dürften. Jemand, der unsere Kinderlein versorgt, während wir eine Woche verschwinden, in die Karibik, in die Berge, wo auch immer es uns hinzieht. Irgendwohin, wo uns niemand fragt, wo die VERDAMMTEN Socken sind! Mami? Maaaamiii!!!

Oder was meint ihr?

Dienstag, 23. April 2013

«Weil sie es können»

Je besser die Ausbildung einer Frau, umso eher gibt sie ihren Job auf, sobald sie Mutter wird. Warum ist das so?

Wenn eine Wissenschaftlerin sich über das Ergebnis ihrer eigenen Studie «fürchterlich aufregt», muss dieses schon aussergewöhnlich sein. Doch das kann tatsächlich passieren, vor allem wenn man sich wissenschaftlich mit der weiblichen Erwerbstätigkeit auseinandersetzt. Das ging auch Joni Hersch, Vanderbilts Jus- und Wirtschaftsprofessorin mit ihrer neuen Studie so.

Diese fand nämlich heraus, dass sehr gut gebildete, studierte Frauen, die eine  Elite-Universität besucht haben, viel öfter aus ihrem Job aussteigen, als solche, die an durchschnittlichen Instituten abschliessen. Sie benutzt dafür den Begriff «Lean out»  in Anlehnung an Sheryl Sandbergs «Lean In»-Theorie. Hersch begann bereits 2003 zu recherchieren und nahm das Ergebnis 10 Jahre später mit Schrecken und Empörung zur Kenntnis, wie sie dem «Wall Street Journal» erzählt.

Nur gerade 45 Prozent der Mütter, die eine Elite-Universität abgeschlossen haben, arbeiten Vollzeit, während es bei den anderen Uni-Abgängerinnen immerhin 57 Prozent sind. Bei verheirateten Müttern mit MBA war der Unterschied gar noch grösser.

Wieso geben diese Akademikerinnen so schnell auf? Hersch: «Ganz einfach. Weil sie es können.» Ihre Familien sind wohlhabend und sie heiraten oft in ebenfalls reiche Familien ein. Sie können es sich schlicht leisten, aus der Arbeitswelt auszusteigen, während andere weder auf ein dickes Bankkonto, noch auf einen reichen Ehemann zurückgreifen können.

Das beeinflusst den amerikanischen Arbeitsmarkt massiv, wie auch das «Wall Street Journal» zusammenfasst: «Elite Unternehmen stellen Elite-Universitäts-Abgänger ein, aber Frauen bleiben ihnen offenbar nicht lange genug erhalten. Das limitiert die Talente-Pipeline für Führungspositionen stark.»

Über die Gründe, wieso so viele Frauen überhaupt ihren Job, bzw. ihre Karriere aufgeben, gibt die Studie keine Auskunft. Ob es die Doppelbelastung oder familiäre Erwartungen sind, oder ob die Mutterschaft enfach dazwischenkommt, wird Teil einer weiterführenden Untersuchung sein. Wenn man den Kommentatoren– sowohl in den USA als auch anderswo – glauben will, ist es offensichtlich: «Women can’t have it all.» Denn die reichen Männer, meist selber Absolventen von Elite-Unis, sind offenbar auch heute noch nicht gewillt, ihre Karriere zugunsten der Familie zurückzustellen. Also gehen die Frauen an den Herd. Auch wenn sie eine Haushaltshilfe und einen Koch haben.

Dieser Artikel erschien gestern auf clack.ch.

Donnerstag, 18. April 2013

Liebe Eltern: Haltet endlich die Klappe!

Eltern reden gerne über ihr Elternleben. Auch online. Leider.



Und das von einer Bloggerin, die ihren Lebensunterhalt damit verdient, über ihr Leben als Mutter zu schreiben? «Frechheit!» werden Sie jetzt denken. Doch nicht ich bin der Meinung, dass Eltern die Klappe halten sollten (also manchmal schon), sondern die Bloggerin Blair Koenig, die es mit ihrem Blog «STFU, Parents» (Shut The Fuck Up) bis in die Schweiz geschafft hat.
 
Was sie an Eltern stört? Dass sie alles, aber auch ALLES über sich, ihr Leben und vor allem ihre Kinder mitteilen müssen. Vorwiegend auf Facebook. Der Furz als Statusmeldung... Und das nervt sie. Tierisch! Ach ja, sie hat übrigens keine Kinder, falls daran noch ein Zweifel bestand.
 
Nun muss ich gestehen: Ich finde die Dame zum Schiessen. Sie bringt so vieles auf den Punkt, dass unsereins (sogenannte Mommyblogger – wie ich diesen Ausdruck hasse ) eigentlich gleich einpacken könnte und irgendwie gar nichts mehr sagen möchte. Bis auf den Hinweis, ihr Buch zu kaufen. Darin geht es nämlich darum, was Eltern alles NICHT teilen sollten und warum die elterlichen Statusmeldungen (kinderlose) Leser so unglaublich nerven. Hier ein paar Beispiele:
 
1. Identitätsverlust 
Das ist natürlich nicht bei allen so, aber wie viele Mütter und Väter kennen Sie, die ihr Facebook-Bild mit dem ihres Kindes (oder zusammen mit ihrem Kind) ersetzt haben? Und deren Berufsbezeichnung plötzlich «Windelwechsler, Multitasker, Kinderfütterer und Sich-Wiederholer» heisst? Eben! 

2. Schwangerschaft & Geburt LIVE-Ticker
Bei denen weiss man schon, was für Online-Eltern sie sein werden. «Erste Wehen: Spital oder nicht Spital?». «Die Gebärzimmer in der Klinik XY sind toll!» «Susi macht das toll, jetzt noch den Endspurt!». So in etwa klingen dann deren Statusmeldungen und man fragt sich nur noch, wieso die Hebamme ihnen das nicht einfach verbietet. Zu viel Information, findet Koenig.
 
3. Heilige Mutter
«Heute waren wir zum ersten Mal im McDonald’s.» Wer dieser Mutter auf Social Networks folgt, weiss, dass ihr Kind bereits sechseinhalb ist. Die (nicht ganz) versteckte Info? Dass sie Supermom ist, die ihr Kind bisher gesund und Bio und was-weiss-ich ernährt und den bösen, bösen Junkfood gemieden hat. Eine Welle für die heilige Mutter!
 
4. Martyrium
«Wieso müssen die doofen Presslufthammer genau dann am lautesten hämmern, wenn Klein-Britney ihren Mittagsschlaf macht? Armes Baby. Und armes Mami, die ohne Mittagsschlaf auskommen muss.» Jede Mutter, die schon auf diesen verzichten musste, kann ihr zwar nachfühlen. Die Freunde aber, die im Büro sitzen, werden sie demnächst aus ihrer Liste löschen. So viel Zynismus in einer einzigen Statusmeldung hält ja keiner aus. 
 
5. Unangebrachte Meldungen
«Erwischte die Kleine heute dabei, wie sie auf unseren Kondomen rumkaute. Schön, dass wenigstens sie einen Nutzen dafür fand.» Ob das die Kleine auch so schön fand? 
 
6. Im Bad
«Hei, war das ein grosser Gaggi!» Gut, dass ich zu Mittag sowieso nichts essen wollte... Mir ist auch klar, dass wir nie wieder so viel über Fäkalien reden werden, wie als unsere Kinder noch klein waren und wir – Windel sei dank – jeden «Outcome» mitbekamen. Aber online? Nein, danke!
 
7. Anspruchsberechtigte Eltern
«Heute musste ich mit Baby im Regen 200 Meter weit laufen, weil das doofe Restaurant mich nicht vor dem Haus parken liess. Da gehe ich nie wieder hin!» Es sind dieselben Eltern, die den Behindertenparkplatz gerne für sich beanspruchen würden. Einfach weil sie Eltern sind. Sprich: Kinder haben. Und die sollen um Gottes willen nicht nass werden!
 
Von meiner Seite möchte ich noch folgende Kategorie hinzufügen:
 
8. Eltern im Ausgang
Wir Eltern gehen selten aus, sicherlich. Doch muss es sein, dass wir jeden Drink, jedes Hors d’Oeuvre fotografieren und online stellen müssen? WÄHREND wir im Restaurant sitzen? Oder noch schlimmer: Uns selbst fotografieren, um das Bild dann mit ganz vielen Herzli zu posten? «Endlich wieder mal nur wir zwei.» Und ein paar hundert Friends auf Facebook... Also, wenn ich mit meinem Mann ENDLICH wieder mal ausgehen darf, dann mache ich das gerne offline. Und Sie?
 
Übertreibt Blair Koenig? Kennen Sie solche Eltern? Oder sind Sie gar selber so?

Donnerstag, 11. April 2013

Der schwerste Job



Lehrer sein ist heutzutage ein harter Job. Nicht wegen der Kinder. Sondern wegen deren Eltern.

Vor kurzem fand in der dritten Klasse meines Sohnes Folgendes statt: Er hatte zwei Seiten Hausaufgaben gemacht (Mathematik, unser aller Lieblingsfach! Scherz, lass nach...) und brachte sie in die Schule. Bei Abgabe stellte die Lehrerin fest, dass die Blätter nicht angeschrieben waren, worauf sie sie zerriss und der Junge die Aufgaben noch mal machen sollte. So seine Version der Dinge. 

Gleichentags erhielten wir in der Elternpost ein Schreiben, das uns darüber informierte, dass die Kinder der dritten Klasse ab sofort Kommunikations- und Verhaltenstraining erhielten, damit sie lernten, Konflikte verbal und zivilisiert zu führen. 

Merken Sie, worauf ich hinaus will? Einerseits will man den Kindern anständige Kommunikation beibringen, andererseits werden Hausaufgaben zerrissen? Genau! Irgendwie nicht ganz koherent, richtig? Das fand ich eben auch, weshalb ich mich durchrang, die Lehrerin anzurufen. Und das ist der Punkt: Immer, wenn ich ein «Problem» mit der Schule habe und verstehen will, was sie sich bei gewissen Regeln gedacht haben, fühle ich mich wie die hysterische Tigermom, die ihr Kind vor den bösen, bösen Lehrern beschützen will.
 
Also geht es ans diplomatische Formulieren: «Ich will Ihnen überhaupt nicht reinreden, aber ich verstehe nicht ganz, wieso man ein Blatt gleich zerreissen muss, um den Kids beizubringen, dass sie gopfertelli nomal ihre Hausaufgaben anschreiben sollen? Ich bin wirklich die Erste, die versteht, wies mühsam und nervenaufreibend es ist, den Kindern IMMER WIEDER dasselbe zu predigen. Und trotzdem.» Allen Versuchen zum Trotz, vernünftig und unterstützend zu klingen, hörte ich mich eigentlich nur dauernd sagen «Was soll der Sch...?» Und genau DAS wollte ich doch nicht! 

Denn Lehrer werden – das zumindest höre ich ständig von Freunden, die diesen wunderbar anstrengenden Beruf gewählt haben – dauernd von Eltern gemassregelt. Wegen der Noten, der Bestrafung, der Schulreise, der Hausaufgaben  und und und. Lehrer müssen also nicht nur die Kinder im Griff haben, sondern auch deren Eltern, für die das Kind schon lange zum Projekt mutiert ist, welches es durch die Schule zu boxen gibt, koste es, was es wolle. Aber ich bin doch nicht so! Oder? 

Ich hoffe wirklich, die Lehrerin denkt jetzt nicht, ich sei ein Tigermami! Inzwischen überlege ich mir ein paar weitere Formulierungen, für den Fall, dass der Junge wiedermal heulend nach Hause kommt... 

Wie handhaben Sie das, wenn Sie die Lehrer etwas fragen bzw. Sie etwas verstehen wollen? Oder ist Ihnen das egal, was die Schule denkt? Tipps?

Freitag, 5. April 2013

Eltern machen alles falsch!



Ihr denkt, das sei übertrieben? Dann lest bitte weiter.

Als mein erstes Kind auf die Welt kam, hätte ich so vieles gerne gewusst. Nicht nur, dass es einem normal erscheint, in regelmässigen Abständen am Hintern des eigenen Kindes zu riechen. Auch nicht, dass einem vor Müdigkeit schlecht werden kann. Oder dass man sich Ratschläge von wildfremden Personen wird annehmen müssen, die man überhaupt nicht kennt. Das alles auch, aber was ich am liebsten gehört hätte – denn das hätte mir am meisten genützt –, wäre das gewesen, was ich jetzt allen frisch gebackenen Eltern sagen werde: 

Egal was ihr tut, es wird immer jemanden geben, der es falsch/schlecht/gefährlich/unvernünftig findet

Ihr wollt Beweise? Könnt ihr haben:

Wenn du...Dann...
ausschliesslich stillst.wird dein Kind nie durchschlafen, deine  Nippel werden abfallen und daran bist du selber schuld!
ausschliesslich Pulvermilch gibst.vergiftest du dein Kind, du Monster!
einen Schlafrhythmus einführen willst.entziehst du deinem Kind deine Liebe und es wird nie fähig sein, eine Beziehung zu anderen Menschen zu haben.
nicht an Schlafrhythmus glaubst.bist du eine Glucke (gilt auch für Väter) und dein Kind wird sein Leben lang abhängig von dir sein.
ein Familienbett hast.wird das Kind später sexuelle Probleme haben. Falls du es nicht als Säugling schon im Familienbett erdrückt hast.
deinem 4-monatigen Baby feste Nahrung gibst.
willst du wohl, dass es daran erstickt.
deinen 1-Jährigen noch mit Brei fütterst.
bist du ein totales Weichei.
deinen eigenen Brei herstellst.
oh, verstehe, Gläschen für Normalsterbliche sind für deinBaby wohl nicht gut genug, wie?
Gekauften Brei verfütterst.
vergifte dein Kind weiterhin, du Monster!
Wegwerfwindeln benutzt.
bist du alleine für die Zerstörung unseres Planeten verantwortlich.
Stoffwindeln benutzt.
badest du wohl gerne in der Sch...., du Hippie!

Wieder ins Berufsleben einsteigst.

wird dein Kind dich bald beim Vornamen nennen und die Tagesmutter mehr lieben als dich.

Zu Hause bei den Kindern bleibst.
du hast es wohl nicht nötig, zu arbeiten. Oder bist du einfach zu faul?

Mit deinem Kind spielst.
sabotierst du das kindliche Bedürfnis, selbständig sein zu wollen.

Nicht mit deinem Kind spielst.
bist du ein faules Monster, dass seine Zukunft sabotiert!
DAS wären Tatsachen, die ich gerne gewusst hätte, bevor ich mich – so oder so – wie ein Monster fühlen musste, das wahlweise seine Kinder vernachlässigt oder verhätschelt. 

Habe ich etwas vergessen? Was machen wir Eltern noch so alles falsch?

rabenmutter.ch abonnieren