Dienstag, 23. April 2013

«Weil sie es können»

Je besser die Ausbildung einer Frau, umso eher gibt sie ihren Job auf, sobald sie Mutter wird. Warum ist das so?

Wenn eine Wissenschaftlerin sich über das Ergebnis ihrer eigenen Studie «fürchterlich aufregt», muss dieses schon aussergewöhnlich sein. Doch das kann tatsächlich passieren, vor allem wenn man sich wissenschaftlich mit der weiblichen Erwerbstätigkeit auseinandersetzt. Das ging auch Joni Hersch, Vanderbilts Jus- und Wirtschaftsprofessorin mit ihrer neuen Studie so.

Diese fand nämlich heraus, dass sehr gut gebildete, studierte Frauen, die eine  Elite-Universität besucht haben, viel öfter aus ihrem Job aussteigen, als solche, die an durchschnittlichen Instituten abschliessen. Sie benutzt dafür den Begriff «Lean out»  in Anlehnung an Sheryl Sandbergs «Lean In»-Theorie. Hersch begann bereits 2003 zu recherchieren und nahm das Ergebnis 10 Jahre später mit Schrecken und Empörung zur Kenntnis, wie sie dem «Wall Street Journal» erzählt.

Nur gerade 45 Prozent der Mütter, die eine Elite-Universität abgeschlossen haben, arbeiten Vollzeit, während es bei den anderen Uni-Abgängerinnen immerhin 57 Prozent sind. Bei verheirateten Müttern mit MBA war der Unterschied gar noch grösser.

Wieso geben diese Akademikerinnen so schnell auf? Hersch: «Ganz einfach. Weil sie es können.» Ihre Familien sind wohlhabend und sie heiraten oft in ebenfalls reiche Familien ein. Sie können es sich schlicht leisten, aus der Arbeitswelt auszusteigen, während andere weder auf ein dickes Bankkonto, noch auf einen reichen Ehemann zurückgreifen können.

Das beeinflusst den amerikanischen Arbeitsmarkt massiv, wie auch das «Wall Street Journal» zusammenfasst: «Elite Unternehmen stellen Elite-Universitäts-Abgänger ein, aber Frauen bleiben ihnen offenbar nicht lange genug erhalten. Das limitiert die Talente-Pipeline für Führungspositionen stark.»

Über die Gründe, wieso so viele Frauen überhaupt ihren Job, bzw. ihre Karriere aufgeben, gibt die Studie keine Auskunft. Ob es die Doppelbelastung oder familiäre Erwartungen sind, oder ob die Mutterschaft enfach dazwischenkommt, wird Teil einer weiterführenden Untersuchung sein. Wenn man den Kommentatoren– sowohl in den USA als auch anderswo – glauben will, ist es offensichtlich: «Women can’t have it all.» Denn die reichen Männer, meist selber Absolventen von Elite-Unis, sind offenbar auch heute noch nicht gewillt, ihre Karriere zugunsten der Familie zurückzustellen. Also gehen die Frauen an den Herd. Auch wenn sie eine Haushaltshilfe und einen Koch haben.

Dieser Artikel erschien gestern auf clack.ch.

1 Kommentar:

woloer hat gesagt…

also - gefällt mir eigentlich nicht, aber gut geschrieben. Entspricht leider wohl den Tatsachen. Genauso wie, dass wer immer von den Eltern beruflich zurücksteckt, bei der Arbeit weiterhin das Gleiche leisten muss (mengenmässig) wenn mit Kinderlosen Mitbewerber(inne)n verglichen wird. Die Mehrbelastung wird nicht honoriert.

Fazit für mich:
- ich kann entweder tatsächlich zeitlich reduzieren, werde dann aber über längere Dauer "absteigen", da es immer Kollegen geben wird, welche 100% arbeiten und welche entsprechend "besser dastehen"
- ich kann prozentual reduzieren und entsprechend weniger Lohn erhalten, reibe mich aber auf (und arbeite de facto gleich viel wie vorher, mit z.B. einem "offiziellen" Freitag zur Kinderbetreuung), um auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu bleiben

Na, wer da mal nicht auf der Strecke bleibt über längere Zeit...

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