Freitag, 29. August 2008

Baby-Tagebuch: Hormon-Zapping

So muss es sich anfühlen, wenn man in einer Nussschale auf offener See treibt. Die Wellen werfen einen hin und her, zwischendurch ist alles wieder ruhig, ein wenig, wie die Ruhe vor dem Sturm. Ach so, worauf ich hinaus will? Meine Hormone spielen verrückt! Und zwar interessanterweise meist vor dem TV.

So habe ich mich nicht mehr gefühlt seit der sechsten Klasse, als Martin H. zwar mit mir gehen wollte, aber keiner sollte es erfahren… Ich bin gleichzeitig überglücklich und dauernd am flennen. Keine Folge von “Without a trace”, in der ein Kind vorkommt, ohne dass ich eine ganze Kleenex-Schachtel aufgebraucht habe und meine Augen aussehen wie die von Rocky Balboa. Ganz zu schweigen von der “Merci”-Werbung. Diese Geschichte zwischen Tochter und Vater ist doch soo rührend, auch wenn sogar mir klar ist, wie ungeschickt der junge Vater auf alt getrimmt wurde.

Ganz schlimm wird es natürlich bei der Sendung “Mein Baby”. Denn da geht es ja genau um den Event, der mich in ein paar Monaten auch erwartet. Da wird mit Emotionen geworfen, als Schwangere ist das kaum auszuhalten. Frauen, die ihre Männer während der Geburt anschnauzen, Männer, die beim Anblick des schrumpeligen Töchterchens ein Tränchen verdrücken müssen und Hebammen, die Schwangere anfeuern wie Köbi seinerzeit sein Team. Meine Nerven liegen jedesmal blank.

Ich muss mir wohl angewöhnen, nur noch emotionsfreie Sendungen anzusehen. Mehr als die „Meteo“ liegt einfach nicht drin.

English for little girls

Deutsch als Zweitsprache, Integration, zu viele Ausländer, blablabla... die Probleme kennen wir, Lösungen sind auf dem Weg. Wer aber denkt an die Eltern, die zwar vielleicht Deutsch, aber kein Englisch können?

So erging es mit Sicherheit den Eltern dieses Mädchens, dass jetzt das erste Chindsgijahr mit einem oberpeinlichen T-Shirt verbringen muss. Schön rosa ist eben nicht immer nur schön. Und wer bitte stellt T-Shirts für Kinder mit solch derben Sprüchen her?

Also, liebe Rabenmütter, kauft nur T-Shirts, von denen ihr ganz sicher seid, dass ihr versteht, was draufsteht. Anfragen nehmen wir an dieser Stelle ebenfalls konstenlos entgegeben...

Die Aufschrift auf dem T-Shirt bedeutet übrigens "Barbie ist eine Schlampe." Damit das auch geklärt ist.

Donnerstag, 28. August 2008

Baby-Tagebuch: Geschichten, die die Welt nicht braucht

Jetzt geht’s los. Kaum haben wir die freudige Nachricht verkündet, bombardiert mich die halbe Welt mit Horrorgeschichten über Geburten (die Mütter), schlaflose Nächte (die Väter) und sonstige Tragödien (die Anderen).

Kommen wir erst einmal zu den Ersteren. Was ist es, dass uns Mütter reitet – denn zugegeben, ich bin keinen Deut besser –, sobald wir von einer Schwangerschaft hören. Wir müssen die Geschichte unserer eigenen Entbindungs-Apokalypse loswerden. Notfallkaiserschnitte, nicht funktionierende PDA’s, extreme Schwangerschaftsverläufe schiessen sofort schwallweise aus uns heraus. Wie wenn unsere – vorwiegend die schlechten – Erfahrungen für eine Schwangere irgend etwas Positives hätten. Doch Mütter, lasst euch gesagt sein, das haben sie nie!

Wenig erheiternd ist ebenfalls das sogenannte Mitgefühl der Väter. „Oh, da könnt ihr euch ja auf was gefasst machen.“ Oder ähnliche geistreiche Bemerkungen fallen gerne, um daran zu erinnern, wie schwierig die erste Zeit mit einem Säugling sein kann. Was sie vergessen zu erwähnen, ist dass die schlaflosen Nächte doch vorwiegend ihre Frauen betrafen...

Aber die allerschlimmsten sind die Geschichten kinderloser Freunde. Die schlimmen Erzählungen, die sie von der Nachbarin der Cousine der Frau des Chefs gehört haben. Also, was die erlebt hat! Totgeburten, behinderte Kinder, Vierlinge.

Ich wische mir den Angstschweiss von der Stirn, bevor ich im Wartezimmer meines Gynäkologen der Schwangeren neben mir den schlechten Heilungsprozess meiner Kaiserschnittnarbe schildere...

Studie bringt (keine) Erkenntnisse

Eine neue – 12 Mio. schwere – Studie soll neue Erkenntnisse über unsere Kinder bringen. Zu strenger oder zu lascher Erziehungsstil soll die Kinder in ihrem Leben, besonders in der Schule, schwächen. So die Ergebnisse des zum Nationalen Forschungsprogramms 52. Es propagiert einen partizipativen Erziehungsstil, die Kinder sollen lernen, dass ihre Meinung auch etwas gelte und Mitspracherecht haben. Dann sind sie auch besser in der Schule. Ahnten wir es nicht schon? Oder hättet ihr soviel Geld liegen lassen, um zu erfahren, was wir sowieso schon wussten: Der goldene Mittelweg ist das Ziel.

Aber lest selber auf NZZ Online inkl. Kommentare.

Und Michael Winterhoff weiss es erst Recht: "Warum unsere Kinder Tyrannen werden."

Freitag, 22. August 2008

Schlagende Argumente

Kinder sind dafür da, uns bloss zu stellen. Das gefürchtete "Du, Mami, wieso isch dä Maa so dick?" im Tram kommt bestimmt, früher oder später. Schlimm genug, wenn es um andere geht. Aber wie gehe ich damit um, wenn mein Sohn mich persönlich blamiert? So geschehen unlängst in der Bibliothek.

Mittwoch Nachmittag in der überfüllten Quartier-Bibliothek. Mütter, die ihre Kinder davon abhalten, sämtliche DVD's nach nicht altersgerechten Helden zu durchwühlen, Erwachsene, die in Ruhe den neusten Henning Mankell quer lesen möchten und Babies, die schreien, weil es ihnen zu heiss ist.

Eigentlich ist eine Bibliothek ein Ort der Ruhe. Aber nicht Mittwoch nachmittags. Soweit so gut. Als mein kleiner Grosser jedoch lauthals anfängt, mein Gottemeitli zu beschimpfen, wird es auch mir zu bunt. Um nicht durch die ganze Bibliothek brüllen zu müssen, winke ich ihn, relativ ruhig (ich übe noch), zu mir zu kommen, ich müsse ihm etwas sagen. Wie nicht anders zu erwarten, sträubt er sich erst einmal. Mein Blick wird intensiver, meine Stimmer forscher und ich winke vehementer, er solle SOFORT zu mir kommen.

Er setzt sich zwar in Bewegung, jammert jedoch lautstark durch den Raum "Aber nöd haue!". Das sitzt. Die anderen Mütter schauen betreten zu Boden. Mein Sohn hat mich soeben als "Jack-the-Ripper der Rabenmütter" hingestellt. Als würde ich ihn bei jedem kleinsten Anlass schlagen.

Was macht man in so einer Situation? Sich gleich bei allen Anwesenden profilaktisch entschuldigen? Erklärungen abgeben, wieso der Sohn solchen Mist erzählt? Die Situation ignorieren und weitermachen, als wäre nichts? Keine Ahnung!

Ich bin selten sprachlos, aber letzten Mittwoch wusste ich wirklich nicht mehr, was ich sagen soll. Mir war das soooo peinlich, ich fand keine Worte. Die seltenen Male, die der Kleine wirklich mal eins auf den Po gekriegt hatte, waren erst nach mehrmaligem ermahnen und drohen passiert. Ihr kennt das, irgendwann muss man die Drohung durchziehen, sonst wirkt man unglaubwürdig. Aber ich bin keine schlagende Mutter!

Das wollte ich nur gesagt haben.

Feng Shui im Kinderzimmer

Ich kann es kaum erwarten, das Baby-Zimmer fertig einzurichten. Die Wand ist bemalt, die Möbel auch, der grosse Bruder durfte sogar helfen. Fehlt nur noch der Wickeltisch, den wir mit so viel Freude in den Keller gestellt hatten. Aber wird sich unser Baby denn darin wohl fühlen? Und wenn das Bett ganz falsch steht? Oder der Abfalleimer? Ich verstehe ja nichts von Feng Shui, Barbara Rüttimann und Gergina Hristova jedoch schon. Die haben sogar einen Test entwickelt.


Das Kinderzimmer ist Ausdruck des Wachstums eines Kindes und soll über mehrere Jahre hinweg die unterschiedlichen Entwicklungsphasen des Kindes unterstützen.

Allen Bedürfnissen entsprechen
Im Kinderzimmer wird mit Geschwistern oder Freunden gespielt, hier werden Hausaufgaben gemacht, hier wird geschlafen. Allen Bedürfnissen muss dabei durch die entsprechende Ausstattung, Farben und Materialien entsprochen werden.

Entwicklung des Kindes unterstützen
Durch die Arbeit mit Feng Shui im Kinderzimmer kann das Kind in seiner Entwicklung massgeblich unterstützt werden. Feng Shui greift hier mit einfachen Mitteln ein und liefert wertvolle und praktische Tipps, wie die unterschiedlichen Anforderungen an den Raum optimal umgesetzt werden können.

Für mehr Harmonie im Kinderzimmer
Machen Sie unseren Test und finden Sie heraus, in wieweit das Kinderzimmer in Ihrem Heim mit den Bedürfnissen Ihres Kindes harmoniert und was Sie noch optimieren könnten.

Zum Test «Feng Shui im Kinderzimmer»

Habe den Test selber durchgeführt. Fazit: Die Schweiz ist definitiv ein Luxus-Land! Es gibt auf der Welt nämlich auch Kinder, die überhaupt kein eigenes Zimmer haben. Geschweige denn ein Feng Shuiges...

Sonntag, 17. August 2008

Lady First

Auch wenn wir uns im Schweizer Ländli vorwiegend mit einem laschen Bundesrat und einer lahmen Familienpolitik auseinandersetzen müssen, schauen wir doch immer gerne über die Grenzen (zumindest hoffe ich das). So lässt uns der US-Wahlkampf alle vier Jahre keinesfalls kalt. Und dieses Jahr erst recht nicht. Ein nicht alltäglicher Afro-Amerikaer will Präsident werden. Die Qualität seines Programms sei mal dahingestellt, sein Charisma steht ausser Frage. Was uns aber viel mehr interessiert ist seine Frau. Denn, haben wir es nicht schon immer geahnt? Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine Frau. In seinem Fall ist sie Lady First. Und nicht (nur) umgekehrt.

Von Steffi Kammerer
: Auch der grösste Hoffnungsträger kann nicht alles alleine tragen. Ein Glück für Barack Obama, ist seine einstige Chefin seine Frau geworden. Denn Michelle Obama ist besser als nur First und mehr als eine Lady.

Das Magazin: Ganzer Artikel "Yes, she can!"

Dienstag, 12. August 2008

Baby-Tagebuch: Alles ganz anders – oder fast.

Wie versprochen hier also jeweils mein Schwangerschafts-Tagebuch. Und zwar die nicht redigierte Version, d.h. im wir eltern lest ihr nicht genau denselben Text. Los geht's!


Ich bin wieder schwanger. Zum zweiten Mal. Das muss ich speziell erwähnen, denn wider Erwarten ist diesmal alles anders.

24 Stunden nach dem Test ist mir bereits schlecht, ich glaube, ich werde nie wieder essen können, geschweige denn etwas für die Familie kochen. Ganz anders als bei meiner ersten Schwangerschaft, ist mein Bauch bereits ein paar Tage nach dem Test schon so gross, wie sonst erst im sechsten Monat. Die Folge davon ist, dass ich in der fünften Schwangerschaftswoche am liebsten nur noch watscheln würde und den Gedanken an Leggings – die grösste modische Sünde überhaupt - gar nicht mehr so unmöglich finde. Da ich jedoch beim letzten mal eine Winter-Schwangere war, geht es ab zum Einkaufen, denn neue, leichte Sommerhosen müssen her!

Shopping im Einkaufszentrum: Was mir unter normalen Umständen meine Pulsfrequenz erhöht, fühlt sich “unter anderen Umständen” wie Folter an. Denn ich bin müde. Nicht einfach nur etwas erschöpft oder schlaff. Ich bin so müde, dass ich schon beim Betten beziehen eingeschlafen bin und seit ein paar Wochen täglich das Ende der Tagesschau verpasse, da ich um die Zeit schon träume …

Aber schwanger sein hat auch Vorteile. Ich werde wieder verhätschelt und soll nicht schwer tragen. Obwohl, auch das war bei der ersten Schwangerschaft anders. Schliesslich habe ich kürzlich Sofas rumgeschoben. Und mein Mann war weit davon entfernt, mich davon abzuhalten…

Eltern haben Kinder im Griff

Mütter und Väter kommen mit der Erziehung offenbar besser klar als angenommen - Studie über das neue Lebensgefühl der Familien in Deutschland. Trotzdem auch für die Schweiz aufschlussreich.


Berlin - Wer die kulturpessimistischen Diskussionen über "Erziehungsnotstand" und "Bildungsmisere" verfolgt und sich zudem in regelmäßigem Abstand von TV-Krisenpädagogin Katharina Saalfrank alias "Super Nanny" in die verwahrlosten Wohnzimmer dieser Republik entführen lässt, bekommt ein düsteres Bild geliefert. Immer mehr Eltern, so scheint es, sind mit ihrer Aufgabe heillos überfordert.

Ein alarmistischer Grundtenor, der mit der Selbstwahrnehmung der meisten Familien offenbar wenig zu tun hat: Die meisten Eltern in Deutschland kommen nach eigener Einschätzung mit der Erziehung ihrer Kinder gut klar. Das geht aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der Zeitschrift "Eltern" hervor, die jetzt in Berlin vorgestellt wurde. Demnach haben 47 Prozent der 1000 befragten Mütter und Väter von Kindern unter elf Jahren eine klare Vorstellung von der Erziehung und setzen sie meistens problemlos um. 41 Prozent der Eltern gaben zu, hin und wieder Zweifel zu haben und Rat bei Freunden, Familienmitgliedern oder in Erziehungsbüchern zu suchen. Nur fünf Prozent gaben an, schon einmal professionelle Hilfe bei Erziehungsexperten gesucht zu haben.

"Viele Eltern haben den Eindruck, vor allem als überforderte Problemgruppe wahrgenommen zu werden", sagt "Eltern"-Chefredakteurin Marie-Luise Lewicki. Das Ergebnis der Umfrage gebe Anlass zur Kollegenschelte, so die Journalistin: "Die Eltern fühlen sich in Sippenhaft genommen." 72 Prozent der Befragten räumten zwar ein, dass die schwierige Lage von Familien mittlerweile ins Bewusstsein der Öffentlichkeit vorgedrungen sei, 65 Prozent kritisierten jedoch, dass in der öffentlichen Darstellung zu schnell Rückschlüsse von negativen Einzelfällen auf alle Eltern gezogen würden. Unter ihnen gebe es ein breites Unverständnis für diesen medial befeuerten Negativbefund. "Die meisten Eltern machen unter schwierigen Bedingungen einen sehr guten Job. Die Anerkennung in der Gesellschaft sei für sie aber nicht spürbar", so Lewicki.

Die Studie, die dem derzeitigen Lebensgefühl junger Eltern erstmals auf solider empirischer Grundlage nachgeht, dürfte in der familienpolitischen Debatte für einiges Aufsehen sorgen. Denn auch zum ewigen Zankapfel des gesellschaftspolitischen Gestaltungswillens, dem Rollenverständnis der Geschlechter, wurden die Eltern befragt. Offenbar ist auch hier die Unzufriedenheit nicht so groß wie oftmals behauptet.

62 Prozent der Befragten wünschen sich eine Familie, in der beide berufstätig sind und sich die Kinderbetreuung teilen, nur 29 Prozent gaben aber an, dass dieses Modell der aktuellen Arbeitsteilung in der Familie entspreche. Gleichermaßen überraschend wie erfreulich ist jedoch, dass diese unleugbare Diskrepanz zwischen Wunsch und Wirklichkeit den Eltern offenbar kaum Kopfschmerzen bereitet: Demnach sind 97 Prozent der Männer und 87 Prozent der Frauen mit ihrer jetzigen Arbeitsteilung zufrieden. Dabei sind die Familienmodelle etwa gleich stark vertreten: 30 Prozent der Befragten leben das "traditionelle" Familienmodell (der Mann ist berufstätig, die Frau kümmert sich vorrangig um die Kinder). Bei 29 Prozent der Befragten sind beide Eltern berufstätig und kümmern sich gleichermaßen um die Kinder. "Mit der Geburt des Kindes setzt ein Traditionalisierungsschub ein", erläutert Beate Minsel, Psychologin am Staatsinstitut für Frühpädagogik. Die Familien finden sich nach der Geburt ihres Kindes wegen der Rahmenbedingungen in traditionelleren Rollenverteilungen wieder, obwohl sie zuvor andere Vorstellungen hatten. Die Idealvorstellungen blieben auch erhalten, so die Psychologin, dennoch seien die meisten nicht unzufrieden, sondern pragmatisch - nicht zuletzt weil sie Freude am Heranwachsen ihrer Kinder hätten.

Weniger rosig sehen die Eltern dagegen ihre finanzielle Situation. Insgesamt befand ein gutes Drittel der Befragten, dass man in Deutschland mit Kindern nicht gut leben kann. Als Hauptgrund nannten sie zu hohe Lebenshaltungskosten, 82 Prozent beklagten zu wenig finanzielle Entlastung durch den Staat. Die 189 Milliarden Euro, die der Staat jährlich für Leistungen wie Ehegattensplitting und Kindergeld ausgibt, "kamen offensichtlich bei den Familien nicht an - zumindest nicht im Bewusstsein", meint "Eltern"-Redakteurin Anke Willers.

Auch in puncto Vereinbarkeit von Beruf und Familie sorgt die Umfrage für eine Akzentverschiebung: Während in der familienpolitischen Diskussion das Beispiel des hoch qualifizierten Doppelkarriere-Paars bemüht wird, lenkt die Forsa-Umfrage den Blick auf Geringverdiener und weniger Qualifizierte. So gaben 57 Prozent an, sie hätten gerne mehr Zeit mit ihren Kindern, aber die Arbeitswelt habe hierfür kein Verständnis. Deutlich größer als der Durchschnitt war der Anteil aber unter den Befragten mit Hauptschulabschluss (68 Prozent). Der Spagat zwischen Beruf und Familie ist wohl alles andere als ein Luxusproblem von Karrierefrauen.

Quelle: Welt Online
Text: David Deissner

Samstag, 2. August 2008

Egoismus = Harmonie

Haben wir's doch gewusst: Eine gesunde Portion Egoismus ist eben doch gesünder! Lasst euch nicht unterkriegen und meldet eure Bedürfnisse an. Eure Familie wird schon merken, dass es mehr bringt und ihr zufriedener seid. Lest den Artikel aus dem Migros-Magazin:

Egoisten seien rücksichtslos, sagt man. Doch wer seine Bedürfnisse wahrnimmt, ist zufriedener und davon profitiert das Umfeld. Wie gesunder Egoismus gelebt werden kann, zeigt die Aargauer Familie Weber-Scherrer.

Im Garten des orangen Einfamilienhauses im ländlichen Zufikon AG herrscht Harmonie. Mutter Margrit Weber-Scherrer (50), von Beruf Coach und Mediatorin, Vater Ulrich (56), selbständiger Unternehmens-berater und die beiden Kinder Myriam (16) und Manuel (14) sitzen gemütlich beisammen, legen Bratwürste auf den Grill und erzählen von ihrem Tag. «In einer Familie prallen stets unterschiedliche Bedürfnisse aufeinander, und diese muss man unter die Lupe nehmen», sagt Margrit Weber-Scherrer. Nur wenn man diese kenne, könne man sich abgrenzen und gleichzeitig mit anderen verbunden sein. Ein wenig Egoismus, hat die Familie herausgefunden, tut deshalb dem Zusammenleben ganz gut.

Alle dürfen ihre Bedürfnisse ausleben
Beide Elternteile setzen sich dafür ein, dass die Sprösslinge ihre Sehnsüchte ausleben können. Die Kantonsschülerin Myriam geht zweimal wöchentlich ins Judo, ihr Bruder Manuel musiziert und spielt Fussball. Vater Ulrich Weber kehrt hin und wieder zu später Stunde nach Hause zurück, die Mutter führt abends oft Kurse durch. Nicht immer fällt es der Familie deshalb leicht, ein gemeinsames Abendessen einzuplanen. «Aber dank gegenseitiger Rücksichtnahme gelingt es uns doch, regelmässig an einem Tisch zu sitzen», sagt Sohn Manuel. Er schätzt diese Abende.

Dass die engagierten Familienmitglieder gelernt haben, trotz unterschiedlicher Bedürfnisse aufeinander einzugehen, führen sie auf ihre Art der Kommunikation zurück. Dazu gehört unter anderem, dass man Wünsche klar formuliert und Konflikte aus dem Weg räumt, indem man offen und einfühlsam darüber spricht.

Auch Wut, Frust und Trauer zulassen
«Es geht auch darum, aufgrund eines konkreten Ereignisses herauszufinden, welches Bedürfnis nicht befriedigt wurde», erklärt Margrit Weber-Scherrer. «Es handelt sich aber nicht um eine Streichelzoosprache», räumt sie ein, «denn Wut, Frust und Trauer sind starke Gefühle, die zum Ausdruck gebracht werden sollen.» Sie haue auch mal mit der Faust auf den Tisch, und es könne vorkommen, dass eines der Kinder die Türe hinter sich zuknalle.

Immer nur das Ego durchsetzen geht natürlich nicht. Das weiss auch Vater Ulrich Weber. Der 56-Jährige fährt gerne Motorrad und war kürzlich während einer Woche allein mit seinem Lieblingsfahrzeug unterwegs. Dafür tauscht er hin und wieder den Anzug gegen die Jogginghose und hält sich gemeinsam mit Tochter Myriam fit, begleitet Sohn Manuel zum Fussballmatch, plant mit seiner Frau eine Walkingrunde ein.

Wichtig ist zu wissen, was man braucht
Die ganze Familie ist sich einig: Seine eigenen Bedürfnisse zu kennen und sich nach ihnen zu orientieren, ist die Basis für ein glückliches Zusammensein. Und Margrit Weber-Scherrer doppelt nach: «Leider ist das in unserer Kultur häufig mit Schuldgefühlen behaftet, was in unserer Familie glücklicherweise kein Thema ist.» Trotzdem läuft auch bei der Zufiker Familie nicht immer alles harmonisch ab. Margrit Weber-Scherrer erzählt: «Meine Tochter ist einmal davongelaufen, ohne mir zu sagen, wohin. Ich habe ihr via SMS mitgeteilt, dass mir Vertrauen wichtig ist und ich sehr enttäuscht bin.» Zunächst rechtfertigte sich Myriam nur, doch schliesslich antwortete sie: «Ich verstehe, dass du traurig bist, aber ich bin auch traurig. Lass uns darüber reden.» Zum Glück, sagt Margrit Weber-Scherrer, greife ihr Mann ihr immer wieder unter die Arme. «Zum Beispiel, wenn ich für meine vielfältigen Arbeiten zugunsten der Familie zu wenig Wertschätzung bekomme.»

Kompromisse müssen erarbeitet werden
Myriam und Manuel sind nicht immer gleicher Meinung wie ihre Eltern – vor allem, wenn es darum geht, wie lange sie am Wochenende abends wegbleiben dürfen. Meist findet sich jedoch ein Kompromiss. Und auch der muss erarbeitet werden. Die Familienfrau erklärt: «Wenn die Emotionen den Zenit erreicht haben, sind die Menschen sehr bedürftig, und in diesem Moment gelingt es ihnen nur schwer, aufeinander einzugehen.» Zu einem späteren Zeitpunkt kann das Gespräch mit folgenden Fragen fortgesetzt werden: «Was ist dir wichtig, und was ist mir wichtig?»

Das Experteninterview (nach unten scrollen)

Literatur zum Thema

Text: Nathalie Zeindler


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