Schlagende Argumente

Mittwoch Nachmittag in der überfüllten Quartier-Bibliothek. Mütter, die ihre Kinder davon abhalten, sämtliche DVD's nach nicht altersgerechten Helden zu durchwühlen, Erwachsene, die in Ruhe den neusten Henning Mankell quer lesen möchten und Babies, die schreien, weil es ihnen zu heiss ist.
Eigentlich ist eine Bibliothek ein Ort der Ruhe. Aber nicht Mittwoch nachmittags. Soweit so gut. Als mein kleiner Grosser jedoch lauthals anfängt, mein Gottemeitli zu beschimpfen, wird es auch mir zu bunt. Um nicht durch die ganze Bibliothek brüllen zu müssen, winke ich ihn, relativ ruhig (ich übe noch), zu mir zu kommen, ich müsse ihm etwas sagen. Wie nicht anders zu erwarten, sträubt er sich erst einmal. Mein Blick wird intensiver, meine Stimmer forscher und ich winke vehementer, er solle SOFORT zu mir kommen.
Er setzt sich zwar in Bewegung, jammert jedoch lautstark durch den Raum "Aber nöd haue!". Das sitzt. Die anderen Mütter schauen betreten zu Boden. Mein Sohn hat mich soeben als "Jack-the-Ripper der Rabenmütter" hingestellt. Als würde ich ihn bei jedem kleinsten Anlass schlagen.
Was macht man in so einer Situation? Sich gleich bei allen Anwesenden profilaktisch entschuldigen? Erklärungen abgeben, wieso der Sohn solchen Mist erzählt? Die Situation ignorieren und weitermachen, als wäre nichts? Keine Ahnung!
Ich bin selten sprachlos, aber letzten Mittwoch wusste ich wirklich nicht mehr, was ich sagen soll. Mir war das soooo peinlich, ich fand keine Worte. Die seltenen Male, die der Kleine wirklich mal eins auf den Po gekriegt hatte, waren erst nach mehrmaligem ermahnen und drohen passiert. Ihr kennt das, irgendwann muss man die Drohung durchziehen, sonst wirkt man unglaubwürdig. Aber ich bin keine schlagende Mutter!
Das wollte ich nur gesagt haben.
Kommentare
Cristina, wie bist du denn mit der Situation umgegangen? Ich will das nämlich nicht zu sehr zum Thema machen, sonst sagt er solche Sachen am Ende noch mit Absicht/Berechnung! Danke!
Am besten nicht grossartig reagieren. Sonst sieht er ja dass die Situation für Dich unangenehm ist und hat fürs nächste mal wieder ein Druckmittel. Jaja, ich weiss, ist in der Theorie sehr einfach...
habe einen süssen, manchmal sehr trotzigen 2 1/4jährigen und ein 6 monate altes baby, und der ältere provoziert manchmal schrecklich.
Also, und es ist mir, seid unser zweiter sohn auf der welt ist, nun doch ein paar mal passiert, dass ich den älteren angebrüllt habe und ein paar mal hat er einen klaps auf die finger gekriegt. zb wenn er trotz ermahnungen es nicht lassen konnte, an giftigen beeren rumzuzupfen oder auf die heisse herdplatte zu fassen, muss zugeben, es gab auch schon geringere anlässe. es ist manchmal einfach schwierig, mit baby auf dem arm einen zweijährigen alles-entdecker im zaum zu halten.
ich finde es total schlimm zu brüllen. auch wegen der klapse auf die finger habe ich immer ein sooooo schlechtes gewissen. ich bin keine schlagende mutter, und diese grenzsituationen sind klar in der minderheit. kommen aber vor.
eben. und kürzlich sagte er doch zu mir, die und die person sei eine ganz liebe, die tue nicht hauen...
ich bin fast zerflossen vor rabenmutter-gefühlen.
berechnung? vielleicht tatsächlich. manchmal habe ich den eindruck, dass die kleinen sehr schnell die knöpfchen zu drücken wissen.
ich versuche auch auf solches nicht allzu sehr einzugehen. vielleicht sollte man auch einen klaps gar nicht allzusehr thematisieren vor dem kind.
ich habe den fehler gemacht, das sich mich jeweils bei ihm entschuldigt habe für so einen ausrutscher. aus lauter schlechtem gewissen meinerseits, ich denke aber, das sich ihn so vermutlich erst recht überfordere.