Samstag, 29. Mai 2010

It's fun! Is it?

„Everyday creativity – like cooking with your children. It’s fun!“

So der Playreport von IKEA zum Thema Kreativität und Spiel. Gute Sache, dieser Playreport. Nach 11'000 Interviews mit Eltern, Kindern, Bloggern und Experten stelle sich heraus, dass Kinder lieber mit ihren Eltern spielen als fern zu sehen. Überrascht euch nicht? Mich schon! Ich bin überzeugt, mein Sohn würde lieber Ben Ten schauen, als mit mir ein Memory zu spielen!

Doch Eltern – und da zähle ich mich ebenfalls dazu – haben wenig Zeit und Musse, mit ihren Kindern zu spielen. Also schlägt die Studie vor, mit den Kindern zu kochen, das mache doch Spass!

Heute feiert mein Grosser seinen 6. Geburtstag und hat seine Freunde eingeladen. Er will unbedingt den Kuchen mit mir zusammen backen. Was mich ziemlich schnell von meinem noblen Vorhaben abbringt, den gewünschten Zitronenkuchen von vorn bis hinten selber zu backen. Denn ihr müsst wissen, ich bin in der Küche unbegabt. Nicht nur nicht besonders einfallsreich oder mässig gut, ich bin als Köchin sauschlecht. Einen „echten“ Kuchen zu backen, macht mich schon 48 Stunden vor dem Happening nervös, ein ganzes Essen zu zaubern raubt mir gar während zwei Wochen den Schlaf.

Also hilft mir Dr. Oetker, den Kuchen für meinen Sohn zuzubereiten. Die Ehrlichen unter euch wissen, dass die Backmischungen nur noch 3 Eier und 150 Gramm Butter benötigen. (Die anderen behaupten nämlich, sie hätten noch nie eine fertige Backmischung benutzt.) Wir machen uns also an das gemeinsame Backen, dass so viel Spass machen soll...

Schon beim ersten Ei geht die Hälfte daneben, die Ablage, der Küchenboden, die Hose und das Hemd profitieren so ebenfalls von unserem "Back-Spass". Ist die Bedienung eines Handmixers von einem 6-jährigen zuviel verlangt? Denn den Nebel, der die Backmischung beim Rühren verursacht, husten wir Stunden später noch aus unserer lädierten Lunge heraus. Zu allem Übel gibt das Gerät auch noch mitten in der Misch-Session den Geist auf und klingt wie ein alter Fiat kurz vor der Verschrottung! „Das kannst du doch von Hand mischen, Mami!“ Klar, Supermami hat nämlich einen integrierten, elektrischen Schwingbesen im rechten Arm wie Inspector Gadget! Nach vielen "Iiiks" und "Wäääks" seitens meines Hilfskochs, gelingt es uns, einen einigermassen ansehnlichen Zitronencake zu zaubern (der Zuckerguss ist zwar ein Witz, die Smarties retten die Optik jedoch ein bisschen). Und dieses Jahr ist er sogar essbar!

Dieser Playreport von IKEA ist eine wirklich gute Sache. Seriöse Studie, die ausnahmsweise auch die persönlich Betroffenen, nämlich die Kinder befragt hat. Doch die Tipps solltet ihr vielleicht nicht immer befolgen. Ausser, ihr habt sowieso vor, eure Küche zu renovieren.

Den Playreport gibt es auf Facebook und Youtube.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Von abwesenden Blackberry-Müttern

Anwesende Mütter können offenbar nicht anwesend genug sein. Ausser sie hantieren ausschliesslich mit Staubsauger und Waschmaschine. Sollten sie es jedoch wagen, per Internet eine Welt ausserhalb des trauten Heims erreichen zu wollen, werden sie nun - einmal mehr - zurückgepfiffen. Es lebe die Psychologie!

Von Nicole Althaus für mamablog.ch

Gut ein Jahrzehnt ist es her, dass die ersten Zeitungen und Zeitschriften das Loblied auf eine Zeit anstimmten, in der jede und jeder dank Laptop und Co. arbeitet, wann und wo er will. Teleworking wurde zum neuen Hoffnungsträger der Multioptionsgesellschaft, die «digitale Bohème» zu Trendsettern des neuen Jahrtausends hochstilisiert. Der Begriff entstammte einem Buch mit dem Titel «Wir nennen es Arbeit» von Holm Friebe und Sascha Lobo, das als Manifest der neuen Internetgeneration Furore machte. Das Leben jenseits von Grossraumbüros und Festanstellung versprach Abenteuer, Unabhängigkeit und vorab die Möglichkeit endlich die berühmte und niemals eingelöste Life-Work-Balance hinzukriegen.

Kein Wunder setzten vorab Mütter grosse Hoffnungen in das digitale Arbeitskonzept. Erstmals schien die Vereinbarkeit von Kind und Karriere nicht mehr von gesetzlichen Paragraphen und unflexiblen 9-5-Jobs abzuhängen. Tatsächlich waren es die Frauen, welche das Teleworking am meisten nutzten und die Frauen, sehr oft Mütter, sind es auch, welche dies- und jenseits des Atlantiks die Zahlen der Kleinunternehmen hochpushen. Kein Frauenmagazin, das solche Mutter-Chefinnen in den letzten Jahren nicht ausführlich vorgestellt und als Wegbereiterinnen der Moderne porträtiert hätte.

Seit der Finanzkrise nun sind die Kehrseiten der digitalen Revolution ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt: Der «Spiegel» widmete ihnen vor Kurzem unter dem Titel «Ära der Unsicherheit» ein ganzes Heft. Und seit dem White House Forum zum Thema «Work-Life-Flexibilität in der Arbeitswelt» Ende März hat auch Amerika die Verlierer der schönen neuen digitalen Welt entdeckt: Es sind dort jedoch nicht die Billigjobber und Ewigvolontäre – sondern unserer Kinder!

So fragte die nationale amerikanische Tageszeitung «USA Today» letzte Woche: «Ist Heimarbeit familienfreundlich?», und liess Psychologen, Soziologen und Demographen das dreifache «Nein» jeweils ausführlich begründen: Zwar hätten Eltern im letzten Jahrzehnt mehr Zeit mit den Kindern verbracht als je zuvor, doch Black Berrys und Co. machten diese für den Nachwuchs unerreichbar. Mit anderen Worten: Mama und Papa sitzen zwar in der Stube, lassen aber ihre Kids links liegen. Die zitierten Experten kamen nicht nur zum Schluss, dass die «Quality-Time», die Eltern mit den Kindern verbrachten, abgenommen habe, sondern behaupteten gar, dass eine Generation von Internetmüttern am Entstehen sei, welche ihre Kinder statt in der Krippe im Kinderzimmer parkierten:

«Eine Mutter, die kocht, putzt oder die Wäsche macht, während das Kind spielt, ist nicht dasselbe wie eine Mutter, die derweil am Computer E-Mails liest. Kinder wissen dann genau: Mama ist im La-la-Land.»

Prompt wandert der Black-Berry-Nachwuchs durch die Blogosphäre. Klar, auch ich kenne die Last neben der Lust als Mamabloggerin und selbständige Journalistin durchaus. Auch ich laufe ab und zu Gefahr zur virtuellen Mama zu mutieren, auch ich finde die digitale Anbindung an die Welt hat durchaus Schattenseiten. Die permanente Erreichbarkeit halte ich für die dunkelste.

Allerdings nervt mich die Art und Weise, wie diese gesellschaftliche Debatte nun neu lanciert wurde: Kommt Mama dank Selbständigkeit oder Heimarbeit für die Präsenz im trauten Heim brav auf, genügt ihr Dasein plötzlich nicht mehr. Reflexartig wird wieder diese unsägliche Quality-Time aus dem Neunziger-Jahre-Gender-Diskussionsfundus hervorgezaubert. Haben nicht gerade die Vertreter der klassischen Rollenteilung immer argumentiert, es gäbe keine Quality-Time? Was Kinder bräuchten, seien anwesende Mütter? Genau dieselben Experten werfen nun Müttern vor, zwar präsent zu sein, aber nicht wirklich da.

Das vorläufige Fazit der Debatte, liebe Mütter, passt bestens in die 50er-Jahre: Den Staubsauger, das Bügeleisen, die Waschmaschine dürft ihr brauchen so lange und so oft ihr wollt, aber wehe, wenn ihr den Laptop einschaltet (und damit das Interesse an einer Welt jenseits der Küche hochfahrt), dann fühlen sich die armen Kinder sofort vernachlässigt!

Und schon ist eine an sich interessante Diskussion um die Folgen der digitalen Revolution für die Familie zur obligaten und pauschalen Schuldzuweisung an die Mütter mutiert. Das ist doch ärgerlich, oder nicht?

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