Montag, 24. September 2012

Pippi und Prinz Lillifee



Wieso sind freche Mädchen cool und freche Jungs einfach nur anstrengend? Ein Plädoyer fürs Umdenken.

Immer wieder lese und höre ich über die ach so schwer zu erziehenden Jungs, die nicht denken, bevor sie handeln, die nicht still sitzen können, die sich mindestens einmal täglich prügeln müssen und die mit Vorlieben das eigene Heim Schritt für Schritt zerstören. Ach ja, und es sind ja auch die Jungs, die so schlecht in der Schule sind!
Nun bin ich ja mit einem Sohn gesegnet. Und einer Tochter. Und lassen Sie mich eines klarstellen: Das einzige Kind, dass bei uns, ohne zu denken, vor sich hinlabert, das Haus (und ihre Mutter) täglich von Neuem auf eine harte Probe stellt, nicht still sitzen kann und sich gerne lautstark streitet, ist weiblich! Schulische Leistungen können wir noch nicht kommentieren, sie ist erst vier. Aber das Alphabet konnte ihr Bruder in dem Alter schon.


Nun gehört unsere Tochter zwar zur Sorte «alles muss rosa sein, sonst ziehe ich es nicht an» und findet, sie sei seit ihrem neuen Haarschnitt (der ihr von ihrer Freundin verpasst wurde) noch viel schöner als vorher, doch sonst? Sonst hat sie alle Attribute, die man einem Jungen zugesteht. Mein Sohn hat sich noch nie Zahnpasta, Stempelfarbe oder sonstige Flüssigkeiten ins Gesicht, die Haare und an verschiedenen Orten seines Kinderzimmers gestrichen. Auch hat er noch nie verbotenerweise die Siedlung verlassen, um dann einer fragenden Mutter lügenderweise zu versichern, doch, doch, Mami wisse Bescheid, dass er hier sei. Auch ist unser Junge noch nie viermal während des Abendessens vom Tripp Trapp gefallen, bloss weil er nicht auf seinen Backen sitzen bleiben wollte. Meine Tochter schon. Nicht nur einmal.


Jetzt hätte ich aber gerne gewusst, wieso solche Anekdoten bei den Zuhöhern (und oft auch bei den betroffenen Eltern) meist ein Schmunzeln hervorrufen, während dieselben Episoden – hätte eine Junge sich das alles erlaubt – meist nur Kopfschütteln und tiefe Seufzer auslösen. Freche Mädchen, die sich einen Dreck um Regeln scheren, sind cool. Jungs anstrengend. Das ist wie fussballspielende Girls: Toll, dass es so viele davon gibt! Ballet-tanzende Knaben? Weniger hip, nicht? Aus diesem Grund gibt es wohl auch Fernsehserien wie «Rote Zora» und «Pippi Langstrumpf». Doch können Sie sich einen Serienstar vorstellen, der daherkommt wie die Prinzessin Lillifee? Eben.


Diese Genderfrage ist doch bei Erwachsenen schon langweilig. Frauen sind sozial kompetent und Männer Testosteron-getrieben etc. Kein Wunder, wenn man ihnen dieses Image bereits als Kind überstülpt.
Wieso tun wir das? Fühlen sich Jungs in der Schule nicht schon genug unter Druck, ohne dass man ihnen auch noch einen Stempel aufdrückt? Sollten wir nicht einfach die Stärken unserer Kinder fördern und nicht auf deren Schwächen herumreiten? Ich muss jetzt los, im Zimmer meiner Tochter ist es gerade etwas zu ruhig...

Freitag, 14. September 2012

Weniger Putzen, besserer Sex

Weshalb ein Paar heute mindestens zwei Wohnungen braucht. Insbesondere dann, wenn die Frau nicht auf den Kopf gefallen ist.

Laut Bundesamt für Statistik hat sich die Quote der Einpersonenhaushalte in den letzten siebzig Jahren vervierfacht. Schaut man sich die Single- und Scheidungs-Statistik an, könnte man tatsächlich annehmen, es handle sich dabei um alleinstehende Frauen und Männer. Doch dieser Schluss wäre zu einfach. «Wir betrachten hier nicht das Phänomen einer wachsenden Singlegesellschaft, sondern das einer mobileren und flexibleren Gesellschaft mit starker Tendenz hin zur Individualisierung» meint Dr. Wiebke Neberich gegenüber der Partnervermittlung eDarling, die der Sache nachging.  Es sei nicht mehr so unorthodox, dass sich Paare in einer funktionierenden Beziehung entschieden, getrennt zu leben. Moderne Kommunikationsmethoden und eine zunehmend tolerante Gesellschaft schafften bessere Bedingungen für unkonventionelle Beziehungsformen. Auch solche auf Distanz.

Für Indivudalisten
Dieses sogenannte «LAT» - Living Apart Together – ist nicht wirklich neu. Der Begriff wurde vom holländischen Journalisten Michel Berkiel bereits 1978 geprägt. Damals war die Beziehung von Woody Allen zu Mia Farrow im Gespräch, die einander 13 Jahre lang gegenüber wohnten – mit dem New Yorker Central Park dazwischen. Diese räumliche Distanz sollen sie gelegentlich sogar mit einem Fernglas überbrückt haben. Dennoch war sich Allen damals sicher: «Dass es in unserer Beziehung immer noch eine gewisse Spannung gibt, verdanken wir dem Umstand, dass wir nicht zusammen wohnen und jeder sein eigenes Leben führt». Doch braucht es dazu neuerdings separate Häuser?
Vielleicht. Prominente LAT-Beziehungen gab es allerdings schon in den konservativen Fünfzigern: Die Vorreiter in Sachen Neuverteilung der Rollen von Mann und Frau – der französische Philosoph Jean-Paul Sartre und seine langjährige Lebensgefährtin und Feministin Simone de Beauvoir lebten damals in Paris das New Yorker Modell von Allen und Farrow vor. Sartre zog erst zu ihr, als er schwer krank und pflegebedürftig wurde.

Das zurzeit bekannteste LAT-Paar sind wohl der Kult-Regisseur Tim Burton und Schauspielerin Helena Bonham Carter, die mit ihren drei Kindern in drei Londoner Häusern wohnen. Drei Küchen, drei Wohnzimmer, ein Hauseingang.

Tendenz steigend
Grossbritannien übernimmt ohnehin seit ein paar Jahren die Führung im «Living Apart Together». Eine Studie der Universität Leeds stellte bereits 2007 fest, dass sich eines von 20 britischen Paaren  für getrennte Wohnungen entschied, darunter übrigens auch der Londoner Bürgermeister Boris Johnson und seine Frau Marina. Doch auch in anderen Ländern lebt man gerne einig getrennt: 14 Prozent der Schweden und 8 Prozent der Kanadier fallen ebenfalls in die Kategorie der LATs. In Deutschland, wo die meisten sozialwissenschaftlichen Studien – wie auch in der Schweiz – lediglich Partnerschaften im selben Haushalt untersuchen, hat sich der Berliner Psychologe der Berliner Humboldt-Universität Jens Asendorpf mit dem Thema beschäftigt. Interessant bei seiner Untersuchung war das Alter der getrennt Lebenden. Die meisten waren nämlich über 40. Denn während jüngere offenbar immer noch das traditionelle Beziehungsmodell vorziehen, geben ältere – und somit erfahrene – Menschen ihrer persönlichen Freiheit mehr Priorität als räumlicher Zweisamkeit.

Wem schon der Trend zu getrennten Schlafzimmern zu weit geht, wird sich jetzt fragen, warum ein Paar, dessen Beziehung gut funktioniert, zwei Wohnungen braucht? Das kann gemäss den Untersuchungen vielerlei Gründe haben: So stehen negative Erfahrungen mit dem Zusammenleben zuoberst auf der Rangliste, handelt es sich bei vielen dieser Paare doch selten um die erste Beziehung. Auch die Angst vor Monotonie im Alltag und sozialer Kontrolle sind Faktoren, die für ein getrenntes Zusammenleben sprechen.

Weniger Putzen, besserer Sex
Und die Genderfrage? Männer sind schliesslich dafür bekannt, nicht gerne alleine zu leben. Diesbezüglich kamen zwei deutsche Studien zum selben Schluss: Es sind tatsächlich die Frauen, die das getrennt leben bevorzugen. Sie sind in LAT-Beziehungen glücklicher als Frauen in klassischen Haushalten. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: In der eigenen Wohnung liegen nur die die eigenen Socken rum, ist nur der eigene Abwasch nicht erledigt. In den meisten Partnerschaften bleibt der Haushalt an den Frauen hängen, ganz zu schweigen von der Kinderbetreuung- und erziehung. Ein gutes Einkommen garantiert einer Frau heute eine Selbständigkeit, die sie so schnell nicht mehr aufgeben möchte. Seltenere Streitereien sind nur ein weiterer Pluspunkt im Plädoyer für das LAT.

Nicht zuletzt haben getrennt wohnende Paare den Untersuchungen zufolge zwar nicht den häufigeren, aber den besseren Sex. Dass dieser jedoch nicht von einer definitiven Trennung abhält, ist auch hiermit wieder einmal bewiesen: LAT-Beziehungen sind der Berliner Untersuchung zufolge im Schnitt nämlich instabiler, die Hälfte von ihnen zerbricht innerhalb von sechs Jahren. Doch auch hier gibt es Ausnahmen: Simone de Beauvoir und Jean-Paul Sartre waren 50 Jahre ein Paar. Wenn auch ein unkonventionelles.

 

Donnerstag, 13. September 2012

"Ich bin Mutter!"

Sie sind Mutter und glauben das macht Sie schon zu was Besonderem? Dann werden Sie gleich eines Besseren belehrt.

Sind Sie Mutter? Nein? Dann brauchen Sie auch kein einziges Wort weiterzulesen. Nein, nein, das ist gar nicht böse gemeint. Es ist nur einfch so, dass Sie all das, was kommt gar nicht verstehen werden. Sie sind ja keine Mutter.

So ungefähr beginnt ein brillanter Essay von Jenny Allen im New Yorker, in dem die Autorin den Muttertotalitarismus auf die Schippe nimmt. Schon der Titel sagt alles: «I'm a mom» -das muss reichen. Und das reicht auch- etwa für Anne Romney, die Präsidentschaftskandidatenehefrauundmutter, die zwischen den Zeilen in jeder ihrer Reden behauptet, dass erst die Geburt eines Kindes, eine Frau zu einem Menschen macht.

Oh nein, natürlich behauptet Mrs Romney nicht, dass Mütter besser sind als andere Menschen, nur ein bisschen  anders halt, irgendwie speziell. Denn ehrlich, so argumentiert die Autorin, was haben den die kinderlosen Frauen schon geleistet? Kommt ihnen was wirklich Grosses in den Sinn? Ich meine, was so grosses wie eine Geburt? Oder die selbstlose Hingabe einer Mutter für die Kinder - sprich für die künftigen Bürger, für das Vaterland? Hand aufs Herz: Amerika - und klar doch auch die kitzekleine Schweiz - die gibts doch nur wegen uns Müttern, oder? Kinderlose Frauen, die verdienen Geld ja und zahlen vielleicht sogar Steuern - aber vom wirklichen richtigen Leben hat doch gar keine Ahnung, wer statt verkotzte Betten zu wechslen, das Single-Leben geniesst und den freien Sex. Und deshalb hätte Amerika - und ja die ganze Welt - gar nicht all die Probleme, wenn es keine Frauen gäbe, die der Mutterschaft ausweichen. Dann wüssten endlich wieder alle wo ihr Platz ist.

Recht hat die Autorin? Dann lesen Sie den Artikel unbedingt zu Ende. Und denken Sie dran: Sie sind zwar Mutter und haben die edelste Aufgabe der Welt auf sich geladen - aber ein bisschen Ironie stärkt den Charakter und Lachen ist gut für den Beckenboden. Sie sind nicht Mutter und bis hier vorgestossen? Dann klicken Sie unbedingt auf den Link: Denn brillanter hat noch niemand den  Subtext der amerikanischen Präsidentschaftsdebatte analysiert.

Dieser Kommentar erschien gestern auf clack.ch und ist leider nicht von mir.

Lesen Sie das Original im New Yorker.

Montag, 10. September 2012

Ein Mann über Mutterkühe und Stillnazis





Kennen Sie den Quotenmann? Nicht? Dann sollten Sie das unbedingt nachholen, er ist zurzeit nämlich die beliebteste Zielscheibe Schweizer Mütter.


Das hat er sich nun wirklich selber zuzuschreiben. Ein Mann, der es wagt, im Internet über den «esotherischen Mutterwahn», wie er es nennt, herzuziehen, der muss ja wohl bestraft werden, oder nicht?
Der Quotenmann hat sich an ein Thema gewagt, dass nicht einmal Mütter antasten dürfen: Frauen, die Mütter werden, ändern ihre Meinung. Über vielerlei Dinge: Geburt, Stillen, Erziehen, Frausein. Das Interessante dabei ist, dass sie selber das gar nicht so sehen, sondern so tun, als hätten sie noch nie anders argumentiert, als mit dem Kindeswohl und den Naturvölkern. So werden aus emanzipierten, weltoffenen Frauen, esotherische Mütter, deren vereinbarten Betreuungspläne mit dem Partner unter den Tisch fallen, weil das Kind doch nicht ohne die Mutter kann!


Man mag sich darüber streiten, ob ein Mann qualifiziert ist, über «Mutterkühe» zu urteilen, die «ihr früheres Selbstverständnis als emanzipierte Frau mit ihrer neuen esotherisch/biologischen Reduziertheit als Übermutter unter einen Hut bringen. Und andere Mütter, die vielleicht ein wenig pragmatischer mit der Beziehung zum Nachwuchs umgehen», von oben herab bemitleiden oder verachten.


Doch die Reaktionen auf diese Kolumne waren zahlreich. Und emotional geladen. Mütter, die sich von Bezeichnungen wie «Stillnazis» und «Gebärmaschinen» angegriffen fühlten, wehrten sich dagegen, ihre Sicht der Dinge anderen Müttern aufoktroyieren zu wollen. Und taten in ihren Kommentaren genau das. Stillende Mütter gegenüber Schoppen-Mamis. Hausfrauen vs. Berüfstätige Mütter etc. Immer dasselbe Spielchen. Da half auch nichts, dass es die Kolumne über das Wochenende sogar in die «Emma» schaffte, deren Kommentare natürlich eher kontra «Heimchen am Herd» waren.


Doch eines hat mich stutzig gemacht: Mehr als eine Kommentatorin versicherte dem Quotenmann, sie habe noch nie von Müttern gehört, die andere verurteilten, bloss weil sie eine andere Meinung übers Stillen/Tragen/Erziehen hätten. Wirklich? Kann es sein, dass es Frauen gibt, die das noch nie erlebt haben? Oder sind es gerade diese Frauen, die selber urteilen und sich nicht um die Gründe für andere Lebenseinstellungen kümmern?


Auf jeden Fall hat der Artikel einmal mehr gezeigt, dass die Emanzipation, welche in den Siebzigern für die Wahlfreiheit stand, leider versagt hat. Denn heute gilt wie damals: «Jede Wahl ist richtig, solange es die meine ist.» Schade, nicht?

Donnerstag, 6. September 2012

Wann ist Mami die Beste?





Gute Mütter gibt es haufenweise. Was fehlt, sind zufriedene Mütter. Und das hängt eben nicht davon ab, ob Mami zu hause oder im Büro ist. Könnte man aber meinen.


Letzte Woche las ich auf clack.ch einen interessanten Artikel darüber, dass es im «Mütterkrieg» neue Fronten gäbe. Schluss mit Karriere-Mama gegen Vollzeit-Mutter: «Die Demarkationslinie des Mutterglücks verläuft nämlich längst nicht mehr entlang des ausserhäuslichen Beschäftigungsgrades. Entscheidend für ihr Wohlbefinden ist vielmehr, wie viel Arbeit und Stress für die Mutter anfallen.» Das hätte wohl jede unterschrieben. 

Meist spricht man zwar über das Wohl der Kinder, da die Kinder ihre eigene Mutter aber wohl immer als die Beste bezeichnen würden (das hoffen wir zumindest alle, nicht?), würden sie als Schiedsrichter in der Frage nichts taugen. «Wer sich hingegen für das Wohlbefinden der Mütter interessiert, der findet einige gute Gründe, um das Kriegsbeil zu begraben.» 

Schön, nicht? Das Kriegsbeil begraben klingt doch wunderbar. Zitiert wird eine brandneue Langzeitstudie, die im kommenden Dezember im amerikanischen «Journal of Health and Social Behaviour» ausführlich gewürdigt werden soll. Dabei wurden 2500 Frauen, die zwischen 1978 und 1995 geboren haben, bis zu ihrem 40. Geburtstag begleitet und befragt. «Das auffälligste Resultat: Frauen, die kurz nach der Geburt ihrer Kinder ihre Berufstätigkeit wieder aufgenommen haben, fühlten sich deutlich häufiger mobil, energiegeladen und gaben seltener an, unter depressiven Stimmungen zu leiden. Bevor jetzt einige das Kriegsfeuer gleich schüren, hier die interessanteste Erkenntnis der Studie: Als Gegengruppe stachen den Studienleitern nicht die klassischen Hausfrauen ins Auge. Unzufriedenheit nämlich bekundeten vorab die Mütter, die zu Hause sassen, aber eigentlich arbeiten wollten.» 

Es geht also eigentlich gar nicht darum, ob man Mutter ist oder nicht, sondern darum, dass man mit dem Leben, dass man gerade führt, nur mässig zufrieden ist. Richtig? 

Auf der Facebook-Seite eines Familienportals ignorierte man das Ergebnis der Studie jedoch gänzlich, anders kann ich mir die dämliche Frage, die daraufhin gestellt wurde, nicht erklären: «Welche Mütter sind die besten? Vollzeit-Mütter oder berufstätige Mütter?», um dann genau diese Studie zu zitieren! 

Im Ernst? Graben wir das Kriegsbeil mit zwei Sätzen wieder aus? Noch schlimmer als die Frage auf Facebook, sind aber – wie so oft – die Kommentare. Denn hier wird bewiesen, dass die Fronten genau dieselben geblieben sind. Die meisten Kommentatorinnen outen sich als Vollzeit-Mütter, die sich um ihre Kinder kümmern wollen. Als ob das berufstätige Mütter nicht täten. Diese haben aber wohl keine Zeit, um auf Facebook fragwürdige Kommentare zu posten. Und ja, der immer wiederkehrende Vorwurf, der bereits in den Fünfzigern deplatziert war, taucht auch hier wieder auf: «Ich verstehe nicht, wieso eine Frau, die Vollzeit arbeiten will, überhaupt Kinder hat. Sie hat ja dann gar nichts von ihnen.» 

Mmmmh. Was vom Kind haben. Was heisst das eigentlich? Streicheleinheiten? Ginge das nicht auch mit einer Katze? Oder meint die Kommentatorin eher, dass Mami halt alles mitverfolgen kann, was das Kind lernt und kann? Was ist denn mit den Vätern, die kriegen ja auch nicht so viel mit? Macht das aus ihnen schlechte Väter? 

So begeistert ich über die Erkenntnis bin, dass es im Leben einer Mutter darum geht, «ob sie genug Geld verdient, ob sie die nötige Entlastung in der Kinderbetreuung bekommt, ob der Job sie befriedigt», und weniger darum, wie sie ihr Leben mit Kindern gestaltet, so enttäuscht bin ich über die frappante Realität. Die wahren Probleme, die im Artikel geschildert werden, werden ignoriert und das Spielchen «Wer ist die bessere Mama» wird weitergespielt. Von den Müttern selbst! Jetzt habe ich auch mal eine Frage: Wie lange noch?

Dienstag, 4. September 2012

WTF?

 

Mit einem sowohl grafisch wie auch verbal auffälligen Plakat wollen Abtreibungsbefürworter gegen den Berliner «Marsch für das Leben» protestieren. Und machen gleichzeitig Werbung gegen die eigenen Interessen.



Der «Marsch für das Leben» ist eine Antiabtreibungsdemonstration, welche am 22. September 2012 in Berlin stattfinden wird. Der christlich geprägte «Bundesverband Lebensrecht» will damit für ein generelles Verbot und die strafrechtliche Verfolgung bei Abtreibungen demonstrieren, um ungeborenen Kindern «Lebensschutz» zu gewähren, da sie jeden Schwangerschaftsabbruch als «vorgeburtliche Kindstötung» erachten.


Mit sogenannten «Gehsteigberatungen» werden Deutsche Frauen, die Abtreibungskliniken aufsuchen möchten, davon abgehalten. Ähnlich wie in den USA werden Ärzte, die Abtreibungen vornehmen, beschimpft und bedroht. Die deutsche Bahn sorgte kürzlich ausserdem für aufgeregte Diskussionen, als sie bekanntgab, den «Marsch für das Leben» mit vergünstigten Zug-Tickets zu unterstützen.


Nun regt sich Widerstand gegen diesen Marsch. Die Betreiber des Blogs «No218NoFundis» rufen zur Gegendemonstration auf: Mit einem Plakat «Marsch für das Leben – What the Fuck» sind sich die Initianten der Aufmerksamkeit vieler Deutschen sicher. Schliesslich wollen sie einiges verändern. Denn entgegen der allgemeinen Annahme, ist Abtreibung in Deutschland nach wie vor verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Nur wer sich von staatlich anerkannten Stellen beraten lässt, darf – drei Tage später – abtreiben, sofern es «erlaubt» wurde. Für die Blogbetreiber kommt dies einer «staatlich institutionalisierten Entmündigung von Frauen gleich, die nicht selbst über ihren und ihre Lebensplanung entscheiden dürfen.»
Ob dafür oder dagegen: Mit dem Protest im Internet und vor Ort – auch gegen die Deutsche Bahn – kommt die fundamentalistische Kundgebung gegen Abtreibung zu einer Werbung, die sie ansonsten wohl kaum gehabt hätte.

Montag, 3. September 2012

Wofür der Vaterschaftsurlaub nicht steht





Er wäre gerecht und logisch. Doch nicht jedes Argument ist auch wirklich eins.


Zurzeit wird der Vaterschaftsurlaub wieder heiss diskutiert. Diverse Vorstösse, meist aus dem linken Lager, möchten Väter die Möglichkeit geben, nach einer Geburt länger als den bisher gesetzlich vorgeschriebenen Tag (!) bei Frau und Kind bleiben zu dürfen.


Argumente dafür gibt es genug, allen voran wirtschaftliche, wie auch Präsident von männer.ch Markus Theunert nicht müde wird zu wiederholen: «Mehr Output, mehr Effizienz, weniger Fehltage, weniger Fluktuation und generell höhere Loyalität dem Betrieb gegenüber.»
Doch auch abseits der beruflichen und wirtschaftlichen Aspekte, glaubt beispielsweise Nationalrätin Valérie Piller Carrard (SP), Väter bräuchten Zeit, um «eine Beziehung zu dem Neugeborenen aufzubauen»; schliesslich hätten sie das Kind «nicht unter dem Herzen getragen». So erklärt sie ihre im Juni eingereichte Motion für einen 20-tägigen Vaterschaftsurlaub.


20 Tage. Vier Arbeitswochen. Wunderbar. Natürlich hätte ich es toll gefunden, wenn man mein Mann ganze vier Wochen bei uns geblieben, mitgeholfen, rumgetragen, gekocht, geputzt und Kinderwagen geschoben hätte. (Zugegeben, vielleicht hätte ich ihn auch nach zwei Wochen rausgeschmissen, je nach dem.)


Doch reicht diese Zeit aus, um eine bessere Beziehung zum Baby aufzubauen, statt wie bisher nur abends und am Wochenende? Wahrscheinlich ändert es tatsächlich etwas an der Qualität der Vater-Kind-Bindung. Heisst das, Kinder, die nicht davon profitieren konnten, haben eine schlechtere Bindung zu ihrem Papi? Und was ist mit der Feststellung, Väter hätten das Kind nicht unter dem Herzen getragen? Gestillt haben sie ja auch nicht! Wenn man dieser Logik folgt, haben Väter von Natur aus die schlechteren Karten beim Kind. Die Erfahrung zeigt, dass das Bindungsargument keines ist, diese kann auch über die Jahre gestärkt werden. Wird sie auch meistens.
Ausserdem: Was bringen 20 Tage Urlaub für die Erwerbstätigkeit der Mutter? Die Einführung eines Vaterschaftsurlaubes wird nur dann Erfolg haben, wenn er wirtschaftlich Sinn macht. Doch wie lange müsste ein solcher Vaterschaftsurlaub dauern, damit Mami mit weniger Einschränkungen wieder arbeiten kann und der Volkswirtschaft ihr Potential zur Verfügung stellt? Bis das Kind sich das Mittagessen selber kochen kann?


Ich würde sofort für einen Vaterschaftsurlaub stimmen, glauben Sie mir. Leider ist weder Politik noch Wirtschaft so romantisch und familienfreundlich, wie wir das gerne hätten. Ganz zu schweigen von den Vätern selber, die nicht immer gewillt sind (Siehe Kommentare auf diese Analyse). Weshalb ich in diesen Krisenzeiten daran zweifle, in der Schweiz bald mehr Kinderwagenschiebende Väter zu treffen. Schon gar nicht mit solchen Argumenten. Oder liege ich falsch?

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