Donnerstag, 29. Dezember 2011

Was sie sagt und er versteht

Männer und Frauen sprechen verschiedene Sprachen. Vor allem während der Schwangerschaft.
Als ich schwanger war, wollte mein Mann partout nicht begreifen, dass „Mir ist schlecht“ nicht hiess „Mach mir bitte einen Tee, dann lege ich mich hin und dann wird’s schon wieder.“ Nein, „Mir ist schlecht“ hiess für mich damals: „Geh mir aus dem Weg, ich muss SOFORT ins Bad, mich übergeben!“ 
Nicht nur, aber vor allem während der Schwangerschaft, sprechen Mann und Frau verschiedene Sprachen. Sie glaubt dann, er wolle nicht verstehen, er hingegen findet, ihre Hormone drehen mit ihr durch. Sprich: Sie spinnt! 
Hier also ein kleine „Übersetzungshilfe“, damit die neun Monate nicht zum Kommunikationsdisaster werden:

Sie sagt: „Ich habe Hunger!“
Sie meint: „Jetzt! Sofort! Ein Steak bitte!“
Er versteht: „Lies deine Mail ruhig fertig und spiel noch etwas Playstation, bevor du dich endlich daran machst, ein Menu auf die Beine zu stellen, wofür du noch drei Stunden in der Küche stehen musst.“

Sie sagt: „Das sage ich jetzt nicht nur, weil ich schwanger bin.“
Sie meint: „Wirklich!“
Er versteht: „Das sage ich übrigens NUR weil ich schwanger bin, also nimm mich bitte nicht ernst, es sind die Hormone.“

Sie sagt: „Ich muss pinklen.“
Sie meint: „Ich habe da einen Babykopf, der gegen meine Blase drückt und wenn wir nicht SOFORT eine Toilette finden, mache ich mir in die Hose!“
Er versteht: „Ich muss SCHON WIEDER pinkeln, obwohl ich gerade vor sieben Minuten schon auf der Toilette war und in fünfeinhalb Minuten noch mal werde gehen müssen.“

Sie sagt: „Ich bin müde.“
Sie meint: „Ich bin so müde, ich möchte mich hinlegen und schlafen, bis das Baby kommt. In 14 Wochen.“
Er versteht: „Ich verwandle mich in deine Grossmutter, möchte um acht ins Bett und werde nie wieder Sex mit dir haben.“

Sie sagt: „Ich hätte Lust auf saure Gurken und Schokocrème.“
Sie meint: „Gurken und Schokocrème sind das einzige, wovon mir zurzeit nicht schlecht wird.“
Er versteht: „Bitte besorg mir das, obwohl ich morgen früh behaupten werde, dass ich so was nicht essen kann und dass mir davon schlecht wird.“

Sie sagt: „Sehe ich schwanger aus?“
Sie meint: „Sehe ich ENDLICH schwanger aus, oder einfach nur fett?“
Er versteht: „Egal, was du sagst, du findest mich fett und ich werde losheulen und beleidigt sein.“

Sie sagt: „Meine Brüste tun mir weh.“
Sie meint: „Meine Brüste tun mir EXTREM weh!“
Er versteht: „Meine Brüste sind zwar riesig, aber du darfst trotzdem nichts mit ihnen anstellen.“

Hormone sind während einer Schwangerschaft an vielem Schuld. Aber oft sind es eben doch die Männer, die uns nicht verstehen. Oder etwa nicht?

Dienstag, 27. Dezember 2011

Willst du ein Kind?

Wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? Ein paar Hinweise.

Über den richtigen Zeitpunkt, um Kindern zu kriegen, haben viele von uns nachgedacht, abgewogen und meist ist es dann doch einfach passiert. „Drauf ankommen lassen“ nannten wir es.

Ich fand es also umso interessanter, als das NEON letzte Woche titelte „Willst du Kinder?“ und ein Paar seine Überlegungen zum Thema schilderte. 
Spannend daran waren nicht nur die Gedankengänge (bei ihr war es erwartungsgemäss die biologische Uhr, die rational nicht nachvollziehbar ist), sondern die Tatsache, dass es der Mann war, der die eigentlich relevaten Fragen stellte. Den Katalog, den er sich anlegte, um zu eruieren, ob er Kinder wollte und auch dazu bereit war, sah wie folgt aus (er stellte sich die Fragen zwar erst NACH Ansicht der zwei Striche auf dem Test, gut sind sie allemal):

-    Wird das Kind genug zu Essen haben?
-    Und warme Klamotten?
-    Sind seine Eltern drogenabhängig?
-    Oder verrückt?
-    Wird das Kind – Stand jetzt – etwas erben?
-    Wird es eine Privatschule besuchen können?
-    Will ich, dass es eine Privatschule besucht?
-    Kann ich dem Kind erklären, was falsch und was richtig ist?
-    Wird es geliebt werden?
 
Wenn man sich fragt, ob man Kinder will, geht es ja nicht nur um eben dieses. Das eigene Leben wird schliesslich auf den Kopf gestellt. So hat der Autor auch Fragen zu seinem eigenen Leben:

-    Finde ich meine Freundin noch attraktiv, wenn sie mehr Kugel als Frau ist?
-    Kann ich mir vorstellen, mit dieser Frau auch noch in 50 Jahren zusammen zu sein?
-    Kann ich mir eine bessere Mutter für mein Kind denken?
-    Will ich mit anderen Frauen schlafen?
-    Will ich mit anderen Frauen schlafen, wenn sie nach Brei riecht und       stumpfes Haar hat?
-    Wirklich nicht?
-    Kann es sein, dass wir uns aus heute unbekannten Gründen irgendwann trennen?
-    Sind wir dann immer noch die bestmöglichen Eltern?
-    Haben wir grossartige, hilfsbereite Familien?
-    Werde ich überfordert sein?
-    Wird meine Freundin überfordert sein?
-    Werden wir über uns lachen?
-    Werde ich beruflich zurücktreten können?
-    Werde ich noch ab und zu völlig dicht im Sonnenaufgang nach Hause kommen können?
-    Klingt es schlimm, mitten in der Nacht aufstehen zu müssen?
-    Gibt es Dinge, die ich mit Kind nicht machen kann?
-    Ehrlich?
-    Kann das Kind reisen?
-    Ist die Welt, in die das Kind hineingeboren wird, eine schlechte?
-    Bin ich mit meinem eigenen Leben manchmal überfordert?
-    Kann ich sagen, was in zwei Jahren ist?
-    Werden wir es hinkriegen?

Ganz schön viele Fragen, nicht? Es geht dem Autor, Patrick Bauer, übrigens in seinem Text nicht darum, alle Fragen mit Ja beantworten zu können. Vielmehr schildert er, welche Themen auf einen zukommen und welche Wichtigkeit man ihnen einordnet. Die Beantwortung ist dann jedem selbst überlassen.
Sollten Sie also jüngere Paare kennen, die sich fragen, ob nun der richtige Zeitpunkt für Kinder wäre, schlagen Sie ihnen diesen Fragenkatalog vor, hilft’s nichts, schadet’s bestimmt auch nicht.

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Frohe Weihnachten an alle Rabenmütter und Supermamis!





Liebe Leserinnen und (die paar) Leser


2011 geht zu Ende. Für die Rabenmutter war es ein besonderes Jahr und das nur dank euch! Deshalb danke ich euch von ganzem Herzen für das Lesen (und kaufen) meines Buches, die vielen (positiven) Kommentare und für das Weiterempfehlen (wie sonst erkläre ich mir die wachsende Anzahl Leserinnen?)!

Natürlich hoffe, ich das nächste Jahr wird genauso toll und wünsche euch allen ein ebensolches 2012!

Ihr müsst aber nicht bis nächstes Jahr warten, nach Weihnachten gibt's wieder Neues auf rabenmutter.ch.

So, macht euch keinen allzu grossen Stress, Weihnachten KANN nicht perfekt sein. Es kann aber easy sein, zumindest wenn Mami ein Glas Prosecco zur Hand hat. Und für die Supermamis unter euch: Nehmt euch doch zum Vorsatz, das nächste Jahr etwas weniger perfekt zu sein. Ihr werdet sehen, es macht Spass!

In diesem Sinne, Prost und frohe Festtage!

Eure Rabenmutter, Nathalie Sassine-Hauptmann



Der Feministinnen-Frühling

«Ich bin zwar keine Feministin, aber...» Wetten, dass...?

Als ich aufwuchs, gehörte Feminismus nicht zum Familien-Wortschatz. Nicht, dass meine Eltern konservativ gewesen wären, im Gegenteil. Sie hatten zwar die klassischen Rollen inne – Vater verdient die Brötchen, Mamma macht damit Sandwiches für die Familie –, trotzdem lebte mir meine Mutter von Anfang an vor, was eine starke Frau zu sein hat. Sie war meinem Vater nie untergeordnet, sagte ihre Meinung (mehr als ihm lieb war) und vertrat auch sonst feministische Ansichten, ohne diese so zu nennen. Zugegeben, sie war eine Schönwetter-Feministin, Militärdienst und Reifen wechseln waren für sie ganz klar männliche To-Do’s, ansonsten stand sie der 70er-Jahre-Bewegung jedoch in nichts nach. Im Gegenteil, ich empfand ihren Willen, sich freiwillig für diese Rolle entschieden zu haben, in einer Zeit, in der es verpönt war, der «nur» Hausfrau und Mutter zu, als extrem stark. Und feministisch.

Mehr Vrenelis im Mathebuch?
Am 14. Juni 1991 streikten die Frauen in der Schweiz zum ersten Mal. Mit damals 18 war ich Feuer und Flamme und hatte grosse Erwartungen an die Rednerinnen in der Kanti-Mensa. Doch ich wurde enttäuscht. Das Einzige, was mir von diesem Tag wirklich geblieben ist, ist eine Mathematiklehrerin, die sich über die fehlenden Mädchen in den Sätzchenaufgaben der Mathebücher beklagte. Da ich das überhaupt nicht so empfand und es mir schlicht schnurzpiepegal war, ob es mehr Fritzlis oder Vrenelis mit Äpfeln und Birnen zu berechnen gab (weil ich, typisch Frau, schlecht in Mathe war), entschied ich für mich, dass Feminismus mich nichts angeht. Ich und eine ganze Generation Frauen mit mir. 
Denn – so eine nicht repräsentative Umfrage meinerseits über Facebook – meine Generation empfindet dieses Wort heute als negativ. Michèle Roten beschreibt es in ihrem Buch «Wie Frau sein» so: «Feminismus, wäh!» Denn wir, die ein paar Jahre nach der Einführung des Fraunstimmrechts geboren wurden, verbinden Feminismus immer noch mit haarigen Achselhöhlen, baumelnden Brüsten und lila Latzhosen. Männer? Ein notwendiges Übel, das PatriarchatDIESEN Feminismus wollen wir nicht. Was wollen wir dann?
 
Feminismus, Individualismus, Egoismus?
Wie bei allem anderen auch, wollen wir heute den Feminismus individuell definieren können. Ich bin sowohl feministisch, wenn ich mich für die Mutter-Rolle entscheide, als auch, wenn ich im Beruf Erfolg haben will. Die grössten Feministinnen sind heute wohl die, die alles wollen. Kind, Karriere und Kaviar (na ja, frau will hoch hinaus). Der Feminismus ist nicht nur individueller geworden, sondern auch egoistischer. «Meine Art zu Leben ist für mich die richtige. Alles andere sind Notlösungen.»
 
Fragt man Frauen diverser Generationen, hört man nur vermeintlich unterschiedliche Definitionen von Feminismus. Feminismus bedeutet aber für die meisten nach wie vor: Der Kampf für die Rechte der Frauen. Und da jede Frau anders ist und anders lebt, sind auch diese Rechte anders gewichtet. Für die eine Frau ist ihr Mann, der nicht im Haushalt mithilft ein „Eheproblem“. Eine andere bezeichnet hingegen die Schläge, denen sie von ihrem Partner täglich ausgesetzt ist, als «Eheproblem». Der Kampf ist derselbe: «Ich bin ein Mensch und möchte als solcher behandelt werden.» Feminismus ist somit nicht in Stein gemeisselt, sondern eine laufende Diskussion. Nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern auch unter Frauen.
 
Die patriarchalischen Medien werden umschifft
Diese Diskussion wird immer kräftiger unterstützt durch die neuen Medien. Noch nie durften so viele Frauen ihre Meinung offen sagen, ohne von (teils männlich regierten) Medien abgekanzelt zu werden. Das Web revolutioniert seit ein paar Jahren nicht nur unser Leben, sondern auch unsere Sicht auf den Feminismus und somit auf Frauen. Neben den negativen Effekten wie Sexting und Pornographie, garantiert das Internet eine noch nie dagewesene Meinungsäusserungsfreiheit! Und viele wissen davon zu profitieren. 

Heute können sich Mädchen und Frauen online eine Identität bauen, die sie offline nach aussen tragen. Sie vertreten Meinungen, die teils weder ihre Familie, noch ihre Freunde oder gar ihre Regierung mit ihnen teilt. Betrachtet man die Bloggerinnen des arabischen Frühlings oder die diesjährigen Friedensnobelpreisträgerinnen, so kann niemand mehr behaupten, der Feminismus sei ein alter Hut. 
 
Aber nicht nur solche Grossereignisse zeigen auf, wie omnipräsent die Frauenbewegung heute noch ist, die Bloggerszene bewegt auch im kleineren Rahmen. Der Blog "Her Bad Mother"Motherlode der New York Times und Fuckermothers aus Deutschland, sie alle sind heute Meinungsmacherinnen, die sich nicht scheuen, auch mal zu sagen, dass es durchaus nerven kann, eine Frau zu sein. Oder eine Mutter. Dass es aber ebenfalls grossartig ist, heute dem weiblichen Geschlecht anzugehören. Oder dass man keinen Broccoli mag. Oder Vergewaltiger. Wir dürfen sagen, was wir wollen. Und gelesen wird es auch noch! Die Statistiken bestätigen diesen Trend ohne Zweifel. 

Das Thema der Mutterschaft scheint übrigens eines der wenigen zu sein, das sich seit der ersten Feminismus-Welle grundlegend geändert hat. War eine Frauenrechtlerin früher der Meinung, Kinder seien der Inbegriff der Unfreiheit, so kämpfen moderne Feministinnen dafür, dass sie Kinder UND Karriere haben können. Und auch hier sind die Digital Moms nicht unschuldig dran. 

Leider widersprechen wir Frauen uns oft selber, wenn wir behaupten «Ich bin zwar keine Feministin, aber...». Egal, wie wir uns nennen, ob Pipilottas, Stinktiere oder Superwomen. Hauptsache, wir geben den Kampf nicht auf. On- und Offline.
 
Welche anderen Mütterblogs kennen Sie? Wir entdecken immer gerne Neues.

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Partnerwahl for Beginners

Andrea Strahm erklärte uns letzte Woche auf dem Blog von wir eltern, wie Frau Mr. Right ausfindig macht. Aber auch Mrs. Right ist nicht einfach zu finden. Ein Vater erklärt seinem Sohn, worauf es zu achten gilt.

Letzte Woche erfuhren wir, was wir unseren Töchtern unbedingt auf den Weg mitgeben müssen, bzw. worauf sie achten sollen, um zu erfahren, ob ihr Freund das Zeug zum „Mann für’s Leben“ hat. 

Nun, ich habe auch einen Sohn. Und der hat einen Vater, der, als er erwähnten Artikel las, etwas pikiert meinte: „Also ich hätte da auch ein paar Dinge, die ich einem jungen Mann sagen würde, der eine Frau für’s Leben sucht.“ Na, da sind wir ja mal gespannt:  

- Wenn du diese Frau nicht als "Freund" bezeichnen kannst, lass es lieber bleiben. Die Beziehung mit einem Vorzeigepüppchen ist nichts für’s ganze Leben. 

- Eine Frau, die im Restaurant nur Salat und Wasser bestellt, ist keine Geniesserin und wird es auch nicht zulassen, dass du einer bleibst. 

- Wenn ihr deine roten Hosen und dein Parfum nicht gefallen, lass sie dir etwas Style beibringen. Meist kann es nicht schaden. Beim Bart hört der Spass aber auf. 

- Wenn sie deine Freunde nicht mag und sie sie auch nicht, hat es keine Zukunft. Daran ist nichts zu ändern, sorry. 

- Bei vielen Frauen kannst du davon ausgehen, dass sie wie ihre Mutter werden. Ist dir diese ein Graus? Dann weisst du, was du zu tun hast. 

- Sie wird sich laufend ändern wollen. Das ganze Leben lang. Und sie wird von dir erwarten, dass du dich auch weiterentwickelst. Sei darauf vorbereitet. 

- Am besten testest du eine Beziehung in den Ferien. Wenn ihr euch nach ein paar Tagen schon nicht mehr riechen könnt, ist der Fall klar.  

- Lass die Finger von Frauen mit Ehemann und Kindern, sie verlassen diese nur höchst selten. Und du wirst nicht der Grund für eine kaputte Familie sein wollen.  

- Wenn du ihretwegen dein Hockeytraining und den Abend mit Freunden streichen musst, hat das auf die Länge keine Chance. Jeder Mensch braucht Freiraum, sie übrigens auch. 

- Deine Frau muss Humor haben und Ironie verstehen, sonst macht’s einfach keinen Spass! 

So, Sohnemann ist ausgerüstet. Oder hat der Papa noch was vergessen?

Dienstag, 20. Dezember 2011

Der fast perfekte Mann

Was Frauen an Männern lieben, wissen wir schon. Eine englische Umfrage listet nun auf, was Frauen beim Partner nicht dulden. Es sind keine Kleinigkeiten.

Die Studie auf clack.ch

"Die Mama terrible der Mütterblogs"


Ihr könnt euch vorstellen, wie mir diese Benamsung gefallen hat: Ganz toll! Auch der Rest des Interviews, das familienleben.ch mit mir gemacht hat, ist lesenswert. Viel Spass!

«Natürlich ist eine Rabenmutter keine schlechte Mutter» Interview auf familienleben.ch


Montag, 19. Dezember 2011

Mädchen können's eben doch

Der alte Mythos wird über den Haufen geworfen. Mathematik ist keine Sache der Chromosome.

Obwohl wir immer wieder welche lesen, bleiben wenige Studien so sehr haften, wie die von Harvard Präsident Lawrence Summers 2005. (Eine weitere war übrigens die, dass eine Frau über 30 eher von einem Tiger gebissen wird, als dass sie einen Mann findet. Dies wurde leider bis heute nicht widerlegt). Summers Studie besagte, dass Jungs einfach besser in Mathe sind, weil sie, eben, Jungs sind. Viele sahen dies damals zum Anlass, Frauen wieder an den Herd zu schicken oder an die Schreibmaschine, auf jeden Fall nicht in ein Studium der Wissenschaften. 
Die American Mathematical Society straft Summers heute Lügen mit einer neuen Studie, die besagt, dass Mädchen sehr wohl mathematisch begabt sind. Zumindest nicht weniger als Jungs. Sofern sie jedoch – und das besteht der grosse Unterschied zu Summers Untersuchung, die nämlich nur amerikanische Kinder berücksichtigte – sofern sie in einem Land aufwachsen, in dem Frauen gleichgestellt sind. Da wären wir ja nie darauf gekommen, nicht? 
Jane Mertz, Autorin dieser neuen Studie erklärt es sich mit der heutigen Gesellschaft. Sie nennt sie die «Barbie doll society», die Mädchen weismachen will, dass sie den Jungs zwar unterlegen sind, es aber eben o.k. ist, kein Algebra zu beherrschen. Dieser Glaube, unsere Töchter seien in Mathematik und Naturwissenschaften weniger begabt, hindert sie daran, solche Studienrichtungen überhaupt einzuschlagen. 
Oder ist es Zufall, dass Harvard erst nach 375 Jahren eine Professorin für Mathematische Forschung eingestellt hat?

Freitag, 16. Dezember 2011

Immigrantin, Karrierefrau, Alleinerziehend

Erinnert ihr euch an Rachida Dati? Frankreichs ehemalige Justizministerin, die sich schon immer einen Dreck um die Meinung anderer geschert hat? Die den Vater ihre Kindes nicht presigeben wollte? Dieselbe, die nach einer Speedy Gonzalez Babypause wieder auf dem Regierungsteppich stand? 

Lange war es still um sie. Jetzt ist sie zurück. Mit einem Kampf für Frauen und Minderheiten. Denn trotz SVP-Schlappe in den Ständerats- und Bundesratswahlen stellen wir fest: Europa ist rückwärtsgerichtet. und sie tritt dagegen an.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Die Relevanz der Väter

Zum Kinderkriegen sind Männer heute (fast) überflüssig. Aber sind sie deshalb gesellschaftlich irrelevant?

Die Ehe verabschiedet sich langsam aus der Gesellschaft. Frau braucht keinen Mann mehr, um eine Familie zu gründen. Zumindest braucht sie ihn oft nicht mehr, um eine zu ernähren. Und da, wo noch Mami UND Papi mit den Kindern leben, hat der Vater oft nichts zu sagen, er ist ja den ganzen Tag bei der Arbeit.
Viele sehen das so. Ich habe jedoch ehrlich gesagt ganz andere Beobachtungen gemacht. Als TV-Fan (ich hätte fast-Junkie geschrieben...) stelle ich immer wieder fest, dass Produktionsfirmen auf jeden Zug aufspringen, den sie für gesellschaftlich relevant, bzw. einfach trendy, halten. Vampire, Fantasy, Sixties und – worauf ich natürlich hinaus will – Väter. Süsse, liebe, miterziehende Väter, deren Fehler man ihnen einfach nachsehen muss, sie geben sich doch solche Mühe. Väter werden im TV und der Werbung dargestellt, als könnten sie nicht viel anderes als ihre Socken rumliegen lassen, Playstation spielen und vergessen, den Müll rauszubringen. Trotzdem sind für ihre Kinder unentbehrlich, weil sie ja selber noch grosse Kinder sind. Dies alles trifft natürlich vor allem auf amerikanische Produktionen zu, aber sind wir ehrlich: Welche Serien und Filme schauen wir uns auch hierzulande mit Vorliebe an? Eben!
Werden Väter in den Medien stereotypisiert? Natürlich werden sie das. Genauso wie Mütter  auch. Aber kann man daraus schliessen, dass ein Vater bloss ein weiteres Kind in der Familie darstellt, und dass ohne Mami eben doch nichts läuft? Um diese Frage zu beantworten, hier ein paar relevante Fakten, aufgezeichnet vom amerikanischen Dad-Blogger Ron Mattocks :
  • 2005 befand das amerikanische Parents Television Council, dass 87% der Fernsehprogramme Väter involvieren, 15% sogar alleinerziehende Väter zeigten und nur gerade 13% gar keinen Vater miteinbezogen.
  • Im Wall Street Journal konnte man lesen, dass Produktionsfirmen noch nie so viele Vorschläge für TV-Serien erhielten wie diese Jahr, in denen die verändernden Lebenumstände von Vätern aufgezeigt wurden.
  • Im selben Artikel war zu lesen, dass der neue Sitcom-Mann «selbstbewusst, der Familie ergeben, im Haushalt helfend und ein ziemlich guter Erzieher» und meist hauptsächlicher Ernährer ist.
  • Der kommerzielle Erfolg von Büchern (Go the fuck to sleep, Papa steht seinen Mann), Filmen (The Change-Up) und Serien (Up all night) spiegeln die Überlegungen und Frustrationen von Vätern in Erziehung und ihrer Work-Life-Balance wieder.
  • Auch Marken wie Proctor & Gamble, Kellog’s und Renault entwickeln zunehmend Kampagnen, die sich an Väter richten (nachdem sich viele Väter beklagten, in der Werbung zu wenig repräsentiert zu sehen).
  • Die Science Daily meldete, dass es für 77% der Männer heute wichtiger ist, als guter Vater wahrgenommen zu werden, als eine steile Karriere aufzuweisen (nur 49%).
Zurück zu meiner Frage: Sind Väter kulturell relevant? Und wie! Viele halten dies jetzt wahrscheinlich für oberflächlich, doch Tatsache ist, dass keine Produktionsfirma und kein Brand ohne Marktforschung auskommen. Denn in eine Zielgruppe wird viel Geld investiert, also will gut überlegt sein, wen man ansprechen will.  (Natürlich hängt es auch damit zusammen, dass Männer - entgegen langjährigen Meinungen - nach neusten Studien eben doch die Kaufentscheide fällen.) Deshalb ist es sehr wohl ein guter Indikator, was wir im TV und in der Werbung sehen. Es spiegelt das echte Leben, nicht im Detail, aber in den kulturellen und gesellschaftlichen Tendenzen. Oder sehen Sie das anders?

Donnerstag, 8. Dezember 2011

Recht auf Kinder oder Kinderrechte?

Soll ein Kind wissen, wenn es vom Samenspender abstammt? Unbedingt! Inzucht könnte sonst die Folge sein.

Wie fast jeden Tag, spielen meine Kinder draussen mit einem halben Dutzend anderer Kinder aus der Nachbarschaft. Ich schaue ihnen zu und manchmal ertappe ich mich dabei, sie mir als Jugendliche, ja gar als Erwachsene vorzustellen. Sie kennen diese Situation, nicht wahr? Aber haben Sie sich dabei schon gefragt, ob diese Kinder irgendwie verwandt sein könnten? Und wenn sie sich als junge Erwachsene verlieben, gar Inzucht betreiben würden? Wohl kaum.

Würden Sie jedoch in Kalifornien wohnen, wäre diese Befürchtung gar nicht so weit her geholt. Samenspende sei dank bangen die Behörden in gewissen kalifornischen Städten seit einiger Zeit um die Volksgesundheit. In einem Land, in dem die Samenspende lukrativ (sowohl für den Spender als für die Bank) und banal geworden ist, befürchtet man heute, es seien zu viele Kinder einer selben Stadt miteinander verwandt. Und somit steigt die Gefahr der genetischen Krankheiten im Falle von ungewollter Inzucht. Die ethische Debatte ist (wieder) lanciert.

Denn im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind auch die Samenspenden meist unbegrenzt. Schätzungen zufolge werden in den Staaten pro Jahr 30'000 bis 60'000 Kinder dank Samenbanken und deren Spender geboren. Und nur die wenigsten davon begrenzen die Anzahl ihrer Spenden. Für alle anderen sind Viel-Spender sehr lukrativ, wieso sollte man also die Maschinerie stoppen? Jeffrey Harrison, ein Hippie, der in einem Camper am Venice Beach lebt, erzählt im Dokumentarfilm Donor Unknown (bei uns zu sehen auf Arte, Frühling 2012), er habe in den Achtzigern während zwei Jahren seinen Lebensunterhalt dank Samenspenden finanziert. Heute ist er der biologische Vater einer ganzen Horde kleiner Kalifornier.

Naomi Cahn, Autorin von Test Tube Families: Why the Fertility Market Needs Legal Regulation (Reagenzglas-Familien: Wieso der Fruchtbarkeitsmarkt rechtliche Regeln benötigt) bemängelt genau dies. „Wenn ein und derselbe Spender 50 oder 150 Kinder in ein und derselben Gemeinde zeugen kann, sind die Gefahren für Inzucht und genetische Krankheiten nicht zu unterschätzen. Vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten Kinder ihre Herkunft nicht kennen, also nicht einmal ahnen, dass Papa nicht der biologische Papa ist und die Nachbarskinder Halbgeschwister sind.“ Sie prangert die Gesetzgebung an, dem Recht auf Kinder mehr Gewicht zu geben als den Kinderrechten.

In den USA ist die Samenspende schon lange nicht mehr überall anonym. Die Sperm Bank of California beispielsweise erlaubt es den Kindern nach ihrem 18. Geburtstag, ihren biologischen Vater zu kontaktieren, wenn auch ohne Recht auf irgendwelche Forderungen. Viele Familien machen von dieser Möglichkeit Gebrauch, da sie glauben, ein Kind habe ein Recht darauf, zu wissen, wo es herkommt.

Die Schweiz ist diesbezüglich viel strikter. Auch bei uns ist Samenspende weit verbreitet, über tausend Inseminationen finden jährlich in Schweizer Kliniken statt. Die Samenspende ist bei uns im Fortpflanzungsmedizingesetz geregelt. Gemäss EJPD schützt dieses die Gesellschaft vor Missbrauch mit den Genen und hält fest, dass ein Schweizer Spender höchstens acht Kinder zeugen darf, um eben genau dieses Risiko zu mindern, dass sich später zwei Halbgeschwister verlieben und fortpflanzen. Auch muss er viele Kriterien wie Alter, Ausbildung und Gesundheit erfüllen. Dasselbe Gesetz erklärt das „Kindeswohl zum obersten Grundsatz“. Deshalb ist es auch verboten, anonym zu spenden. Das Kind muss in der Schweiz von Gesetzes wegen die Möglichkeit haben, seine Herkunft zu erfahren. Das Kindsrecht scheint bei uns offensichtlich wichtiger zu sein als das Recht auf Kinder.

Wie man seinen Kindern beibringt, dass der Papa ein Reagenzglas war, steht natürlich auf einem anderen Blatt.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Frohe Weihnachten. Oder so.

Kennt ihr familianistas.ch? Familianistas sind Eltern,  die den Spagat zwischen einem angeregten Berufsalltag und einem inspirierten Familienleben elegant meistern. Die eben alles wollen. Auch schöne Weihnachten feiern zum Beispiel. Deshalb durfte ich für sie diesen Artikel schreiben:

Es ist nun nicht mehr zu übersehen: Weihnachten steht vor der Tür. Auch wenn der Schnee noch lange auf sich warten lässt, es rieselt gute Ratschläge. Die Medien sind voll davon: Die schönsten Geschenke, die feinsten Weihnachtsmenus und natürlich die immer wiederkehrenden Listen, wie Weihnachten „stressfrei“ zu überstehen ist. All diese Listen werfen nur noch mehr Fragen auf, weshalb wir hier ein paar Antworten liefern möchten:

1. Müssen Erwachsene sich an Weihnachten gegenseitig beschenken?

 Nein, müssen sie nicht, die Kinder natürlich ausgenommen. Vorausgesetzt, alle halten sich an das Verbot. Denn es ist nicht „herzig“, wenn die Oma doch noch mit einem „Isch nur öppis chliises“-Geschenk kommt und wir als Gastgeber nichts für sie haben! Vor allem wenn das Geschenk ein Rezept für das Weihnachtsmenue ist…

2. Wie lange muss ich die Schwiegereltern aushalten?

 
Fiese Frage. Eigentlich ja nur während des Weihnachtsessens, bspw. an Heiligabend. Was aber, wenn es draussen so sehr schneit (man hat sich ja weisse Weihnachten gewünscht), dass die Verwandten nicht mehr nachhause fahren können/wollen? Dann wird natürlich das Bettsofa aufgeklappt… Und man wird sie bis zum nächsten Mittagessen nicht mehr los.

3. Meine Eltern leben getrennt, mit wem soll ich Weihnachten feiern?

 Da wünsche ich jedem einen solchen Vater wie meinen. Der schert sich seit Jahren einen Dreck um Weihnachten und ist froh, mit dem ganzen Hype nichts zu tun zu haben. So darf Mamma uns für sich haben (ausser die Schwiegereltern beanspruchen uns natürlich) und die Welt ist in Ordnung. Allen anderen wünsche ich einfach vernünftige Eltern, die nicht eifersüchtig sind, wenn sie sich die Kinder teilen müssen. Die haben sich das schliesslich nicht ausgesucht.

4. Darf ich Freunde nervig finden, die behaupten, bei ihnen sei Weihnachten „total friedlich“?

 
Ich finde schon. Denn bei mir war Weihnachten noch nie einfach nur friedlich. Entweder stritten meine Eltern, nach der Scheidung waren die Festtage einfach nur traurig und seit ich verheiratet bin, gibt es Stress zwischen den Familien, weil uns alle bei sich haben möchten. „Total friedlich“… Pffff!

5. Darf man nach dem Weihnachtsessen noch mal ausgehen?

 
Klar! Wenn man an Heiligabend einen gewillten Babysitter findet, nach dem Gelage überhaupt noch fähig ist zu gehen und um 23.00 Uhr (vorher starten die Parties ja nicht) nicht schon auf dem Sofa eingeschlafen ist.

6. Muss man an Ritualen festhalten?

 
An welchen? Die meiner Mutter, meines Vaters? Künstlicher Baum mit blinkenden Lichtern und lange Gesichter? Oder die meines Mannes? Stundenlanges Singen und seliges Beisammensein? Schweizer Rituale, italienische oder deutsche? Heutige Familien sind derart heterogen, dass man seine eigenen Rituale erfinden muss. Und das ist gut so.

7. Wie soll das Weihnachtsmenu aussehen?

 
Der Einfachheit halber hätte ich immer gerne Raclette gehabt, den meisten ist das aber zu wenig festlich. Andererseits bin ich die Letzte, die Lust hat, den ganzen Tag in der Küche zu stehen. Und Pizza geht irgendwie auch nicht, oder? Deshalb das öde Fondue Chinoise (macht keine Arbeit), jedes Jahr dieselbe Diskussion.

8. Ab wann müssen die Eltern bei den Kindern feiern?

 
Oh du Schreckliche. Wieso sehen viele Eltern nicht ein, dass es für uns heute genauso ist, wie für sie damals? Irgendwann haben sie ja auch aufgehört, bei ihren Eltern zu feiern. Und jetzt sind wir dran, also bitte nicht jedes Jahr jammern, wir hätten schon lange nicht mehr bei euch gefeiert!

9. Muss es an Weihnachten friedlich sein?

 
Ja, muss es. Das Paradoxe ist, dass es genau an Weihnachten so viele Reibungspunkte gibt, wie sonst im ganzen Jahr nicht. Runterschlucken und sich auf Silvester freuen!

10. Darf ich ein Geschenk ablehnen, weil es meinen Erziehungsprinzipien nicht entspricht?

 
Es gibt Grenzen. Die fangen bei den Fingerfarben an und hören beim Luftgewehr auf. Ansonsten sollten wir Eltern froh sein, wenn wir unseren Prinzipien treu bleiben können und die pädagogisch unkorrekten Geschenke vom Opa kommen.

11. Muss ich mich über selbstgemachte Geschenke besonders freuen?

 Unbedingt! Und dann soll man sich merken, dass die eigenen Kinder nie im Leben Geschirr bemalen oder selbstgemachte Bilder verschenken sollten. Lieber etwas, dass konsumiert werden kann, wie Chili-Öl, Guetzli oder Marmelade.



 12. Gibt es an Heiligabend Tabuthemen um den Esstisch? 

Dieselben wie das im restlichen Jahr: Politik, Religion und Kindererziehung. Das garantiert schon fast ein friedliches Fest!


 

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Auf familianistas.ch findet ihr übrigens auch tolle Weihnachtsgeschenke. Für eure Lieben oder für euch selber. Unbedingt reinklicken!

Dienstag, 6. Dezember 2011

Überstundenabbau

Männer tun im Haushalt noch weniger als vor drei Jahren. Das sollten wir Frauen auch.

OMG, wie konnte es nur so weit kommen? Männer machen heute noch weniger im Haushalt als vor ein paar Jahren! Ui nai! Das Staunen über die neue Hausarbeitsstudie des Bundesamtes für Statistik ist gross, die Empörung vielleicht noch grösser. Jetzt geben wir uns doch alle Mühe, die Geschlechterrollen aufzubrechen und dann so was! Männer arbeiteten 2010 zehn Prozent weniger im Haushalt als noch drei Jahre zuvor. Das macht 16 Stunden wöchentlich!

Tja, nicht jede hat einen Bänz Friedli zu hause. Doch immer, wenn ich solche Statistiken lese, wundere ich mich, wie viel generell offenbar im Haushalt gearbeitet wird. Mir war nicht einmal bewusst, dass ich überhaupt auf 16 Stunden fegen, kochen und Fudi putzen aufwende. Doch gemäss dieser Studie verbringen wir Frauen mit Kindern von 0 bis 6 Jahren durchschnittlich 56 Stunden mit Hausarbeit in der Woche!!! So viel habe ich nicht einmal zu meinen anstrengendsten Zeiten in einem internationalen Informatik-Konzern gearbeitet! Natürlich ist das ein Durchschnitt, aber auch wenn ich, sagen wir mal, nur die Hälfte davon in die Hausarbeit stecke, sind das ja immer noch 28 Stunden pro Woche. Für eine normale Arbeitswoche dürfte ich entsprechend eigentlich nur noch 12 Stunden erwerbstätig sein. Bin ich aber nicht. Sondern eben ca. 20 Stunden. Das geht irgendwie nicht auf, richtig?

Schuld daran ist – wie alles zur Zeit – die Wirtschaftskrise. „Die Anforderungen an die Männer sind gestiegen.“ so Karin Schwitter vom basler Zentrum Gender Studies in der letzten Sonntagszeitung. „Sie müssen mehr arbeiten und mehr leisten.“ Interessant. Und wir Frauen arbeiten ausschliesslich in Unternehmen, die von der Krise nicht betroffen sind, nicht wahr?

Ist es nicht faszinierend, wie unterschiedlich nach wie vor die Arbeitsaufteilung in den Köpfen ist? Natürlich sind 88% der Väter vollzeiterwerbstätig und somit für den Familienunterhalt zuständig, wogegen lediglich 16 von hundert Mütter ihre Familie ernähren. Doch auch Teilzeitarbeit ist gefährdet, mehr denn je! Also müssen doch auch Mütter mehr arbeiten und mehr leisten, oder etwa nicht?

Trotzdem muss ich gestehen, dass ich die Studie vollkommen nachvollziehen kann und sie mich in keinster Weise empört. Denn einerseits ist es meines Erachtens nur logisch, dass ich als Teilzeit-Arbeitende, im Haus mehr erledige, ich sehe den Dreck ja viel öfter und im Zweifelsfall produziere ich auch mehr davon. (Den meisten Dreck produzieren sowieso die Kinder, aber das ist ein anderes Thema.) Das ist kein veraltetes Rollendenken, wie Julia Onken in derselben Sonntagszeitung behauptet, sondern modernes Praxisdenken. Ausserdem müssen wir einfach gestehen, dass wir selbst schuld sind, wenn wir im Ernst denken, unser Haus könne trotz Kleinkindern länger als 17 einhalb Minuten sauber bleiben, es jeden Tag staubsaugen und zweimal täglich saisonal bio kochen müssen. Ich habe nämlich den Verdacht, dass wir Mütter uns das Leben nicht selten selber schwer machen mit der Hausarbeit. Oder wer von Ihnen hat sich nicht schon über den eigenen Mann aufgeregt, der zwar gekocht hat, jedoch danach eine Küche hinterliess, die an den Tahrir-Platz nach der Revolution erinnerte?

Und das ist mein zweiter Punkt, wieso ich diese Studie als nicht besonderns schockierend empfinde: Die meisten Frauen, die ich kenne, argumentieren nämlich damit, dass ihre Männer den Haushalt sowieso nicht so erledigen wie sie, weshalb Frau es dann doch lieber selber macht.

56 Stunden pro Woche? Ich plädiere ganz einfach für weniger Hausarbeit. Somit wäre allen gedient. Ausser dem Bänz. Der kann nämlich nicht anders.
Bänz Friedli ist übrigens mit seinem neuen Buch "Wenn die mich nicht hätten" on tour.

Montag, 5. Dezember 2011

Göttliches Gemetzel

Was passiert, wenn Eltern einen Kinderstreit "zivilisiert" besprechen wollen? Es wird unschön.

Zwei Jungs zünden sich gegenseitig verbal an, der eine angefeuert von seiner «Gang». Dem anderen wird es zu bunt, und er drischt mit einem Stock auf den Anführer ein. Diese Szene könnte in Kabul, Palermo, Pfungen oder New York zu beobachten sein. Was danach geschieht ist übrigens genauso universal.

Roman Polanski inszeniert in «Carnage» (Der Gott des Gemetzels) ein Theaterstück der Spitzenklasse. Darin treffen sich die Eltern der prügelnden Jungs, um die Sache zivilisiert aus der Welt zu schaffen. Das gelingt ihnen genau 10 Minuten lang, bis ihnen die Schuldfrage in die Quere kommt und die ersten spitzen Bemerkungen fallen.

Denn Eltern sind wie Kinder. Oder Politiker. Und Diktatoren. Sie vertreten immer die eigenen Interessen. Im Falle von Papa und Mama heissen diese Interessen eben «mein Kind». Es gibt wohl kaum eine Mutter, einen Vater, die nicht schon mal gedacht haben, dass das Gspänli von nebenan mit der frechen Klappe doch einfach nur ein kleines A...loch ist. Seien Sie ehrlich!

Und so geht es eben auch Penelope Longstreet, eine politisch korrekte Supermami aus New York, gespielt von Jodie Foster. Sie ist zwar die Initiantin dieses Gesprächs unter zivilisierten Erwachsenen, schliesslich «gehören wir alle einer globalen Gemeinde an» und der Weltfrieden ist ihr oberstes Ziel. Doch auch sie verliert zusehends die Contenance, spätestens als die Frage auftaucht, wieso ihr Sohn eigentlich Prügel bezogen hat. Er wird den Täter ja wohl provoziert haben, oder nicht? Ihr Mann, gespielt von John C. Reilly, verschlimmert das Ganze mit seiner pseudoneutralen Art, indem er es wagt, die These «Jungs sind halt so» in die immer aufgebrachtere Runde zu werfen.

Wie nicht anders zu erwarten war, sind es anfangs vor allem die Mütter, die sich in die Diskussion einbringen und ihre Kinder – sachte zuerst, immer vehementer zum Schluss – verteidigen. Das Muttertier stellt sich lange schlafend. Bis Kate Winslet, die vordergründig sensible Upper Class Mom, die vor lauter Aufregung schon bald auf den Clubtisch kotzt, sich lautstark empört, als ihr Mann sich nicht vollkommen und uneingeschränkt für ihr Kind – den vermeintlichen Täter – einsetzt. Christoph Waltz brilliert in der Rolle des arroganten Vaters, der für solchen Unsinn eigentlich gar keine Zeit hat, schliesslich ist er ein wichtiger Anwalt der Pharmaindustrie und muss etwa alle fünf Minuten ein Telefongespräch führen, das sein Desinteresse für seine Mitmenschen immer wieder auf ein Neues demonstriert.

Der Film hiesse nicht Carnage (zu deutsch: Gemetzel), wenn das Echtzeit-Gespräch nicht vollkommen ausarten würde. Ohne die Handlung vorwegnehmen zu wollen, verrate ich Ihnen nun, was wir aus diesem Film lernen:
  • Alkohol macht uns zu ehrlicheren Eltern/Menschen.
  • Männer sind objektiver und vernünftiger, oder haben Sie schon mal das Wort «Vatertier» gehört?
  • John Wayne hat als Vorbild für Väter und Söhne auch 2011 noch nicht ausgedient.
  • Die Solidarität eines Elternpaares weicht früher oder später der Geschlechtersolidarität.
  • Kinder scheren sich keinen Deut um die Meinung ihrer Eltern.
Fazit: Babysitter besorgen und ab ins Kino!
"Carnage" von Roman Polanski, zur Zeit in Schweizer Kinos.

Freitag, 2. Dezember 2011

Liebe Kinder: Ich outsource meinen Job als Mutter

E-Mail an meine Kinder: Welche Mutter hat sich nicht schon gewünscht, den Job zu outsourcen? Ich tu's!  

(Freie Übersetzung aus dem englischen "1000 perplexing things about parenthood" von Ellen Seidman)



Empfänger:     Meine Kinder

Absender:      Mami



Betreff:      Mutter-Job Outsourcing
Liebe Kinder

Wie ihr vielleicht gehört habt, outsourcen zahlreiche Unternehmen gewisse Aufgaben nach Indien oder andere Länder. Obwohl diese Praxis oft kritisiert wird, weil es Arbeitsplätze ins Ausland verfrachtet, sollte es in Sachen Mutterschaft kein Problem darstellen, da es sich ja nicht um eine bezahlte Arbeit handelt. Eigentlich bin ich überrascht, dass vorher keiner darauf gekommen ist, schliesslich scheint es eine Rettung für die geistige Gesundheit sehr effizient zu sein.

Keine Angst, ich habe mich über Outsourcing informiert: Die Hauptkriterien sind:

-   Es muss ein Routine-Job sein

-   Die Aktivität darf für den Profit nicht zentral sein

-   Obwohl die Aktivität In-House billiger zu haben wäre, können die Ressourcen so besser genutzt werden

Ich bin total geeignet! Deshalb werde ich ab sofort den Mami-Job outsourcen und zwar an eine liebenswürdige Frau namens Chandraleksha. Das nächste Mal, wenn ihr etwas von mir braucht, wählt ihr einfach 0800 CYBRMOM. Chandraleksha sollte euch ohne Probleme weiterhelfen können, ausser sie hat Ferien.

Wenn morgens das Telefon zweimal klingelt, ist das euer Zeichen, aufzustehen. FYI, Telefone hören nicht auf „Nur noch fünf Minuten!“-Bitten.

Wenn es nachmittags dreimal klingelt, ist es Chandraleksha, die euch anweisen will, eure Hausaufgaben zu machen. Sollte das Telefon endlos klingeln und ihr geht nicht ran, ist es wiederum Chandraleksha, die euch anhalten wird, den Fernseher endlich auszuschalten und eure Hausaufgaben zu machen!

Klingelt das Telefon vier Mal am frühen abend: Baden! Danach geht ihr bitte auf Skype und wählt Chandralekshas Nummer, damit sie euch eine Gute-Nach-Geschichte vorliest.

Was das Essen betrifft, wird sie Mahlzeiten nach Hause liefern lassen, die Papa dann problemlos aufwärmen kann. Falls er es doch nicht auf die Reihe kriegt, gebt ihm Chandralekshas Nummer 0800-CYBRMOM.

Ausserdem:

-   Falls ihr zum Fussball oder Ballet gefahren werden müsst, kann Chandraleksha das organisieren.

-   Wenn ihr eine Unterschrift für ein Schulpapier braucht, sie hat eine Faxnummer! Oder ihr schickt ihr ein pdf.

-   Chandraleksha ist per E-Mail erreichbar, bspw. für wichtige Anfragen wie das neue Wii Game oder die Turnschuhe, die ihr unbedingt haben MÜSST. Sie wird eingehend darüber nachdenken und euch ihre Entscheidung nach spätestens 48 Stunden mitteilen.

-   Für den Elternabend achtet bitte darauf, dass sie die genaue Uhrzeit kennt und euer Lehrer vertraut ist mit videoconference.com. Sollte er wissen wollen, wer Chandraleksha ist, sagt ihm einfach, sie sei eure Outsource-Mutter.

-   Falls ihr eure Taucherbrille oder euer Lieblings-T-Shirt nicht finden könnt, zögert nicht, Chandraleksha anzurufen, sie wird ungefährt dieselbe Vorstellung davon haben, wo es sich befinden könnte wie ich.

-   Auch für die sich anhäufende Wäsche greift ihr auf Chandraleksha zurück. Sie wird euch Schritt-für-Schritt-Anweisungen durch das Knöpfe-Drücken an diesen zwei grossen weissen Apparaten geben – auch bekannt als Die Waschmaschine und Der Tumbler. Ähnliche Erklärungen kann sie euch auch für Den Geschirspüler geben und sie stellt gerade diverse youtube-Tutorials zusammen, damit ihr 24 Stunden am Tag auf dem Laufenden seid.

-   Chandraleksha kann euch auch beim WWF-Briefmarkenverkauf über Twitter behilflich sein.

-   Immer, wenn ihr euch über etwas beklagen möchtet, ruft ihr sie an. Sie wird wohl – nicht so wie ich – kaum „Hör emal uf motze!“ brüllen, aber auch wenn sie es tut, wird es bei euch wohl kaum jahrelange Pschotherapie nach sich ziehen.

-   Sollte sich die Mutter eures Vaters über die „abwesende Mutter“ beklagen, schlagt ihr doch einfach vor, 0800-CYBRMOM anzurufen.

Seht ihr? Ich hab’ an alles gedacht!

Natürlich werde ich für Ferien, Geburtstage, Kranheitstage, Bobos, Küsse und Kuscheleinheiten für euch da sein.

Bitte behandelt Chandraleksha mit Respekt. Sie ist eure "Mom away from mom".

In Liebe

Mami

CC: Chandeleksha

Donnerstag, 24. November 2011

Kinder wollen's wissen

Sexualisierung der Schule, wo man hinblickt. Eltern habe ihre liebe Mühe damit. Und die Kinder?

Ob Sexboxen im Kindergarten (nicht am Sihlquai) oder Lehrer, die «pornographische» Literatur unterrichten, überall liest man, die Schule werde sexualisiert. Die Kinder würden zu früh mit dem Thema konfrontiert und überhaupt sei es Sache der Eltern, ihren Nachwuchs aufzuklären.

Nun haben die Franzosen beispielsweise keine Sexboxen im Kindergarten. Ob sie Lehrer haben, die anrüchige Texte lehren, kann ich nicht sagen, gehe aber davon aus, dass wenn wir Schweizer Kinder 37,2° le matin von Philippe Djian lesen mussten, es den kleinen Franzosen kaum vorenthalten wird.

Eine Studie ergab indes, dass die Anzahl Abtreibungen bei jungen Französinnen in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt ist. «Die meisten hatte man vermeiden können, wenn die Mädchen besser aufgeklärt wären.», so Dr. Israël Nisand des Uni-Spitals in Strassburg.

Befragt man die Schüler anlässlich einer Infoveranstaltung an diversen französischen Schulen, so trauen sich die meisten schlicht nicht, mit ihren Eltern darüber zu reden. Sei das jetzt aus religiösen Gründen oder einfach weil das kein Thema ist, dass sie mit Mama und Papa besprechen wollen. An der Infoveranstaltung selber sind die Kinder nach anfänglicher Scheu hingegen sehr gesprächig. Die Mädchen erzählen, dass viele Jungs ihnen ewige Treue schwören und deshalb nicht unbedingt verhüten möchten. Den Jungs hingegen ist das Überstreifen eines Kondoms nur peinlich. Und die, die verhüten, wissen oft nicht ganz wie es geht und nehmen die Pille auch einmal ein paar Tage nicht.

Nun setzen sich französische Politiker von rechts bis links für einen frühen Sexualunterricht in der Schule ein. Und werden wohl bald über dieselben Hindernisse stolpern, wie wir in der Schweiz. Oder sie sind schlauer und fragen eben auch einmal die Kinder. Denn die sind neugierig und wollen wissen, wie es läuft. Auch die ganz jungen schon. Oder haben ihre Kinder noch nie gefragt, woher Babys kommen? Und wie das Baby bitteschön in Mamas Bauch gelangt ist?

Ein schönes Beispiel für die unerschöpfliche kindliche Neugier ist dieses Gespräch zwischen Frau Mutter und ihrem Fünfjährigen:

Wo die kleinen Babys herkommen

Irgendwann kommt sie, die unangenehme Unterhaltung über die Bienchen und die Blümchen mit Deinem 5jährigen Kind. Man sollte möglichst ehrlich und unverkrampft an die Sache gehen und die Bienen und Blumen beim Namen nennen.
Bei uns ist das vor Kurzem so abgelaufen:

«Mami, wie war das, als das Baby aus Deinem Bein rausgekommen ist?»
«Nein, also weisst Du, das Baby kam ZWISCHEN meinen Beinen raus!»
«Häääää?»
«Ja, also ein Baby kommt aus der Vagina der Mama raus, zwischen den Beinen sozusagen.»
«Das DARF das Baby nicht! Ausserdem hat Papa ja Deinen Bauchnabel aufgemacht und dann ist das Baby da reingesaust.»
«Mhh, also, ja, äh… Weisst Du, so ein Baby entsteht aus dem Ei der Mama und dem Samen des Papas. Beide kommen zusammen und dann ensteht ein Baby.»
«Wo wohnt der Samen?»
«Der wohnt ….im Pipimann. Also quasi da in der Nähe… rechts….äh… also hinter dem Pipimann im …Nebenhoden, glaube ich» (hier hatte ich zwischenzeitlich Wikipedia zu Rate gezogen).
«Wo wohnt das Ei?»
«Im Bauch von Mama.»
«Der Pipimann wohnt in der Unterhose, das weiss ich!»
«Richtig, da hat er es sich gemütlich eingerichtet!»
«Wie kommt der Samen aus der Unterhose in den Bauch von der Mama?»
«Äh, …also…., das schafft der schon, also… mhh…der bahnt sich schon seinen Weg…der ist sehr schlau.»

«Und dann isst das Baby im Bauch den Blutkuchen auf!»
«Den MUTTERkuchen!»
«Sind da Smarties drauf?»
«Nein, natürlich nicht!»
«Da war das Baby bestimmt traurig!»

Hier habe ich die Konversation abgebrochen, vielleicht kann ja der Kindergarten die Aufklärung übernehmen.


Das finde ich eben auch. Und Ihr?


Frau Mutter
nennt sich "eine mütterliche Satirikerin und eine satirische Mutter". Sie findet, dass man der Lebensaufgabe der Kinderaufzucht am besten mit Humor begegnet und schreibt in ihrem Blog über den alltäglichen Wahnsinn. Frau Mutter wohnt im Berliner Südwesten, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

Mittwoch, 23. November 2011

"Die spinnt doch!"

Eine Frau erwartet ihr 20. Kind. Mir fehlen die Worte. Aber nicht ganz.

Sagt euch der Name Michelle Duggar etwas? Die Dame hat zusammen mit ihrer Familie eine US-TV Show und bereits ein paar Bücher veröffentlicht. Soweit nichts aussergewöhnliches, bleibt dem Zuschauer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten ja kaum etwas an Reality erspart. Das besondere an den Duggars? Sie sind 21. Mitglieder. Zwei Eltern, 19 Kinder. 19!!!
Und damit nicht genug: Die konservative baptistische 19-fache Mutter aus dem Bundesstaat Arkansas erwartet ihr zwanzigstes Kind.
20 Kinder. Das sind (zusammen mit den Eltern) zwei Fussballmannschaften. Eine Schulklasse. Ein voller Monat in Arbeitstagen. Als ich diese Nachrichten las, dachte ich als allererstes: „Die spinnt doch! Sind 19 Kinder wirklich nicht genug?“ Sieht man sie reden, revidiert man diese Meinung, sie ist nämlich eine dieser netten Amerikanerinnen, denen man irgendwie nicht böse sein kann. Und doch...
Wenn ich mir überlege, dass sie praktisch 21 Jahre ihres Lebens (sie ist heute 45) schwanger war, denke ich schon wieder „Die spinnt doch!“. Auch wenn man annehmen kann, dass sie ein paar Jahre Pause hatte, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie als Nicht-Schwangere ihre Füsse auf den Tisch gelegt, Soaps geschaut und sich mit Süssigkeiten vollgestopft hat. Als gute Christin war sie wohl mit backen (für Weihnachten), basteln (für Ostern UND Weihnachten) und mit singen (wann immer sich die Gelegenheit bietet) beschäftigt. Im Ernst, die Kinder waren  Arbeit genug, so etwas wie Freizeit hat sie wohl kaum gekannt.
Wenn ich mir überlege, womit sie die letzten 21 Jahren gekämpft hat, wird mir etwas schwindlig:

-    Blähungen, unbeabischtigten Rülpsern, überdimensionalen Brüsten und elefantöse Waden (all diese Symptome werden mit den Jahren ja nicht besser).

-    Sie musste über zwei Dekaden lang Umstandskleider tragen, die seit 1991 sicherlich hübscher geworden sind. Aber so hübsch auch wieder nicht. Irgendwas mit Gummizug hatte sie zumindest immer an.

-    Sie wechselte mindestens 69'000 Windeln, stillte im Minimum während 55'000 Stunden. Meine Brüste bräuchten bereits nach zwei Kindern ein Lifting, wie ist das bloss bei 18 weiteren?

-    Wäsche waschen: Das kann ich gar nicht erst ausrechnen... Und vom Wäsche falten sprechen wir gar nicht erst!

-    Kochen. Schon bei zwei Kindern brauche ich 45 Minuten zum Kochen, 20 Minuten für's Essen und danach räume ich eine Stunde auf. Und die vielen Teller? Wie kocht man für so viele? WAS kocht man für all die verschiedenen Geschmäcker? Macht sie ein Buffet? Wenn die sich alle noch höflich den Kartoffelgratin (stellen Sie sich mal die Ofenform vor!) reichen müssen, schmeckt der doch beim 19. Kind nach Scheibenkleister!

-    Hausarbeit. Nachdem sie gestillt, gewickelt, gewaschen und gekocht hat: Hat der Tag da überhaupt noch Stunden? Ich gehe natürlich schwer davon aus, dass die grossen Kinder helfen, aber diese Organisation!

-    Pausen? Lesen, fern sehen, stricken, Sex? Den hatte sie offensichtlich, aber vielleicht auch nur einmal im Jahr, dann war sie ja schon wieder schwanger! Von der Lust ganz zu schweigen. Nachdem sie 19 Kinder bemuttert hat, kann ich mir nicht vorstellen, dass sie abends als erstes ihren Jim-Bob bespringen möchte.

-    Und ach ja, wie sich das für religiöse Familien in den USA gehört, werden die Kinder natürlich ge-home-schoolt. Sie bringt ihnen den Schulstoff bei und die Kids sind somit IMMER daheim!

-    Flippt die Frau auch mal aus? 19 Kinder und ein Mann müssen sie doch manchmal auf die Palme bringen? Ich käme nie wieder runter von dem Baum!

-    Ich hab’s! Sie schläft nicht! Diese Frau schläft nie!
Nicht vergessen: Dies alles tat sie während 20 Schwangerschaften!

Es gibt Tage, da fühle ich mich vollkommen unfähig. Als Mutter, Hausfrau, Ehefrau, im Job. Nach diesen Zeilen ist unfähig nicht mehr das richtige Wort. Ich setz’ mich jetzt mal.

Montag, 21. November 2011

Weihnachts-Ideen #1

Wenn ihr nicht total blind und blöd seid, habt ihr wohl bemerkt, dass Weihnachten naht. Und da die Rabenmutter es nicht so mit dem Basteln hat, werde ich euch hier in loser Abfolge ein paar Tipps für Weihnachtsgeschenke geben: Für Kind, Kegel, Mann oder euch selber. Ok? Gut. Hier mein erster Tipp:




Moshiki-Wickelröcke

Jeder Wickelrock ist ein Unikat, jede Stoffkombination kommt nur einmal vor. Tragbar über Hosen, Jeans, Leggins oder einfach so.
Die Wickelröcke sind so konzipiert, dass sie, aufgrund der variablen Druckknöpfe, auf fast alle Grössen passen ( Gr. 36-44).
Die Röcke sind aus 100% Baumwolle und in einer hohen Qualität gefertigt.

Die Wickelröcke aus der Reihe Mocha und Caramel sind aufwändig vernäht mit unterschiedlichen Stofmustern. Die seitlich angebrachte Tasche lässt sich mit dem praktischen Klettverschluss öffnen und schliessen.

Die Wickelröcke können auch in Dättlikon angeschaut und probiert werden. 

Bestellen bei hits4kids.ch

Samstag, 19. November 2011

Sind Homos egoistischer als Heteros?

Aus aktuellem Anlass (die Petition wurde von der Rechtskomission des Ständerates ohne Gegenstimme angenommen):

Der Kinderwunsch bei Lesben und Schwulen gilt oft als egoistisch. Wieso?

Nicht erst seit Elton John (63) letzte Woche Vater wurde, wird Kritik laut. Kritik an immer älteren Vätern, Kritik an der Reproduktionsmedizin (John und sein Partner hatten eine Leihmutter) und vor allem hören wir vermehrt Kritik an homosexuellen Paaren, die Kinder wollen. Sie seien egoistisch, denn für das Kindeswohl sei es im Zweifelsfalle schädlich, gleichgeschlechtliche Eltern zu haben. Die EVP-Nationalrätin Maja Ingold meinte in der NZZ letzten Sommer, die «männlich-weibliche Doppelstruktur» sei Voraussetzung für die gesunde mentale Entwicklung eines jungen Menschen.

Die Politik verhilft Schwulen und Lesben nicht nur in der Schweiz zu einem schlechten Ruf in Sachen Kinderkriegen. Mit seinen Äusserungen über die Familienplanung schwuler und lesbischer Paare hat auch Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) kurz vor Weihnachten in Deutschland für Empörung gesorgt. Er hatte der «Berliner Zeitung» gesagt, er «glaube nicht, dass sich Kinder wünschen, in einer homosexuellen Partnerschaft aufzuwachsen». Die Bedürfnisse homosexueller Paare müssten in diesem Punkt hinter dem Kindeswohl zurückstehen.

Letztes Jahr fand das Thema auch im Film Anklang: «The kids are allright», der Ende 2010 in den Schweizer Kinos lief, wies einige egoistische Züge auf: Bis zu ihrer Volljährigkeit wussten die Kinder nicht, wer ihr Vater ist und den beiden Müttern wäre es am liebsten gewesen, wenn das so geblieben wäre. Sie wollten ihre Kinder für sich, und nur für sich.

Tatsache ist, dass es keinen vernünftigen Grund gibt, Kinder zu wollen. Weder bei Heteros noch bei Homos. Und schon gar nicht geht es beim Kinderwunsch darum, es für das Kind zu tun. Jeder Kinderwunsch ist an sich egoistisch. Die Gründe sind vielfältig: Meine biologische Uhr tickt, ich bin in einer Grossfamilie aufgewachsen und will deshalb auch Kinder, ich bin ein Einzelkind und will eine grosse Familie oder ich habe endlich den perfekten Vater für mein Kind. Es läuft immer auf dassselbe hinaus: Ich, ich, ich!

Es ist die Natur, die uns den Kinderwunsch diktiert, in erster Linie uns Frauen. Also kommt es vor, dass wir uns von einem Tag auf den anderen in dieses Jöh-Monster verwandeln, das bei jedem Kinderwagen feuchte Augen kriegt und nur noch schwangere Frauen sieht. Hormone lassen sich nun mal schlecht steuern.

Und nun meine Frage: Wieso sollte das bei Schwulen und Lesben anders sein? Wieso erachten wir ihren Wunsch nach Nachkommen als egoistisch und unterstellen ihnen, das Kindeswohl zu vernachlässigen? Haben sie eine andere Biologie, weil sie mit Gleichgeschlechtlichen koitieren? Sollten wir als Gesellschaft und der Staat als Gesetzgeber nicht einfach dafür sorgen, dass Kinder zu ihrem Recht kommen und auch Homosexuelle als «echte» Eltern angesehen werden, anstatt sie zu verurteilen? Was meinen Sie?

rabenmutter.ch abonnieren