Donnerstag, 24. November 2011

Kinder wollen's wissen

Sexualisierung der Schule, wo man hinblickt. Eltern habe ihre liebe Mühe damit. Und die Kinder?

Ob Sexboxen im Kindergarten (nicht am Sihlquai) oder Lehrer, die «pornographische» Literatur unterrichten, überall liest man, die Schule werde sexualisiert. Die Kinder würden zu früh mit dem Thema konfrontiert und überhaupt sei es Sache der Eltern, ihren Nachwuchs aufzuklären.

Nun haben die Franzosen beispielsweise keine Sexboxen im Kindergarten. Ob sie Lehrer haben, die anrüchige Texte lehren, kann ich nicht sagen, gehe aber davon aus, dass wenn wir Schweizer Kinder 37,2° le matin von Philippe Djian lesen mussten, es den kleinen Franzosen kaum vorenthalten wird.

Eine Studie ergab indes, dass die Anzahl Abtreibungen bei jungen Französinnen in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt ist. «Die meisten hatte man vermeiden können, wenn die Mädchen besser aufgeklärt wären.», so Dr. Israël Nisand des Uni-Spitals in Strassburg.

Befragt man die Schüler anlässlich einer Infoveranstaltung an diversen französischen Schulen, so trauen sich die meisten schlicht nicht, mit ihren Eltern darüber zu reden. Sei das jetzt aus religiösen Gründen oder einfach weil das kein Thema ist, dass sie mit Mama und Papa besprechen wollen. An der Infoveranstaltung selber sind die Kinder nach anfänglicher Scheu hingegen sehr gesprächig. Die Mädchen erzählen, dass viele Jungs ihnen ewige Treue schwören und deshalb nicht unbedingt verhüten möchten. Den Jungs hingegen ist das Überstreifen eines Kondoms nur peinlich. Und die, die verhüten, wissen oft nicht ganz wie es geht und nehmen die Pille auch einmal ein paar Tage nicht.

Nun setzen sich französische Politiker von rechts bis links für einen frühen Sexualunterricht in der Schule ein. Und werden wohl bald über dieselben Hindernisse stolpern, wie wir in der Schweiz. Oder sie sind schlauer und fragen eben auch einmal die Kinder. Denn die sind neugierig und wollen wissen, wie es läuft. Auch die ganz jungen schon. Oder haben ihre Kinder noch nie gefragt, woher Babys kommen? Und wie das Baby bitteschön in Mamas Bauch gelangt ist?

Ein schönes Beispiel für die unerschöpfliche kindliche Neugier ist dieses Gespräch zwischen Frau Mutter und ihrem Fünfjährigen:

Wo die kleinen Babys herkommen

Irgendwann kommt sie, die unangenehme Unterhaltung über die Bienchen und die Blümchen mit Deinem 5jährigen Kind. Man sollte möglichst ehrlich und unverkrampft an die Sache gehen und die Bienen und Blumen beim Namen nennen.
Bei uns ist das vor Kurzem so abgelaufen:

«Mami, wie war das, als das Baby aus Deinem Bein rausgekommen ist?»
«Nein, also weisst Du, das Baby kam ZWISCHEN meinen Beinen raus!»
«Häääää?»
«Ja, also ein Baby kommt aus der Vagina der Mama raus, zwischen den Beinen sozusagen.»
«Das DARF das Baby nicht! Ausserdem hat Papa ja Deinen Bauchnabel aufgemacht und dann ist das Baby da reingesaust.»
«Mhh, also, ja, äh… Weisst Du, so ein Baby entsteht aus dem Ei der Mama und dem Samen des Papas. Beide kommen zusammen und dann ensteht ein Baby.»
«Wo wohnt der Samen?»
«Der wohnt ….im Pipimann. Also quasi da in der Nähe… rechts….äh… also hinter dem Pipimann im …Nebenhoden, glaube ich» (hier hatte ich zwischenzeitlich Wikipedia zu Rate gezogen).
«Wo wohnt das Ei?»
«Im Bauch von Mama.»
«Der Pipimann wohnt in der Unterhose, das weiss ich!»
«Richtig, da hat er es sich gemütlich eingerichtet!»
«Wie kommt der Samen aus der Unterhose in den Bauch von der Mama?»
«Äh, …also…., das schafft der schon, also… mhh…der bahnt sich schon seinen Weg…der ist sehr schlau.»

«Und dann isst das Baby im Bauch den Blutkuchen auf!»
«Den MUTTERkuchen!»
«Sind da Smarties drauf?»
«Nein, natürlich nicht!»
«Da war das Baby bestimmt traurig!»

Hier habe ich die Konversation abgebrochen, vielleicht kann ja der Kindergarten die Aufklärung übernehmen.


Das finde ich eben auch. Und Ihr?


Frau Mutter
nennt sich "eine mütterliche Satirikerin und eine satirische Mutter". Sie findet, dass man der Lebensaufgabe der Kinderaufzucht am besten mit Humor begegnet und schreibt in ihrem Blog über den alltäglichen Wahnsinn. Frau Mutter wohnt im Berliner Südwesten, ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

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