Montag, 27. Juni 2011

Learning by watching

Sie kommen! Die bösen, gierigen, baby-verschlingenden TV-Macher, die unsere Kinder zu tumben, glotzenden Couch-Potatoes verwandeln, die bald so süchtig nach der Kiste sein werden, dass sie sogar vergessen, mit ihren geliebten pädagogisch wertvollen Holzwürfeln zu spielen!

So, oder fast, klingt es zur Zeit in der Presse, die uns die Ankunft von Baby TV und ähnlichem in der Schweiz ankündigen. „Ärzte, Psychologen und Medienpädagogen sind über den Trend besorgt.“ Schrieb auch die Sonntagszeitung. TV für Säuglinge, wo gibt’s denn so was? Na überall, ausser hier. Bis jetzt. Die Zielgruppe ein- bis dreijähriger Säugling wurde schon vor ein paar Jahren entdeckt, heute erreicht der israelische Sender „Baby TV“ rund 40 Millionen Haushalte weltweit!

Was Erfolg hat, muss aber noch lange nicht gut sein. Kinder unter zwei Jahren sollten nicht fern sehen, warnen Kinderärzte explizit. Sie könnten noch nicht zwischen Fiktion und Realität unterscheiden und müssten ihre Welt erst „live“ erleben, bevor man sie vor den Fernseher setzen darf. Klingt vernünftig.

Nun muss ich ehrlich gestehen, dass meine Kinder schon vor ihrem zweiten Geburtstag fern sehen durften. Ich nutzte die mediale Nanny in Form einer Pingu-DVD, wenn ich mal duschen wollte, was ja schon lange nicht mehr jeden Tag vorkam. Doch soll ich Ihnen mal was sagen? Meine Kinder machten mir einen gehörigen Strich durch die Rechnung, weil sie sich in dem Alter schlicht kein bisschen für den Kasten vor ihnen interessierten! Sie kamen viel lieber mit Mami ins Badezimmer, probierten den Seifenspender aus oder versuchten, sich mit der Klobürste die Zähne zu putzen. Ich musste sie also zum TV erziehen, um meine Umwelt nicht mit Körpergerüchen zu belästigen.

Und Erziehung ist meines Erachtens auch bei diesem Sturm im Wasserglas wieder einmal das einzig wahre Problem: Es kann doch so viele Babysender geben, wie es Babies gibt, aber wenn die Eltern kontrollieren, ob, wie lange und was das Kind schaut, sind diese genauso gut oder schlecht, wie Bilderbücher. Denn auch diese sind auf Kinder ausgerichtet und bezwecken einen gewissen pädagogisches Ziel. „Wie macht die Kuh?“ oder „Der Ball ist rund.“ sind nicht per se schlechte Informationen, bloss weil sie im Buch oder Fernseher zu sehen sind. Schliesslich haben die wenigsten von uns eine Kuh zur Hand. 
Auch das Programm von Baby TV möchte unseren Kindern etwas beibringen. Dass dies nicht über lange Zeit und von den Eltern unkontrolliert geschehen darf, ist wohl selbstredend. Meiner Erfahrung nach, dürfte ein solches Programm sowieso genau eine Sendung wieder und wieder spielen, die Kleinen wollen nun mal alles hundertmal wiederholt sehen. Das sehen wir jeden Abend bei der Gute-Nacht-Geschichte. Deshalb sollten wir dem Aufschalten dieser Sender mit Gelassenheit entgegensehen. Und den Fernseher mit Verstand einschalten. Oder eben nicht. Denn auch dieser Konsum will gelernt sein.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Verdammtes Einschlafritual!

Ein Kinderbuch für Erwachsene wurde über Nacht zum Bestseller.

«Verdammte Scheisse, schlaf endlich ein!» Nein, nicht mal ich rede so mit meinen Kindern. Gedacht habe ich es aber schon mehr als einmal. Wenn der Grosse zum x-ten Mal aus dem Zimmer kommt, weil der Kasper fertig ist. Oder die kleine abermals ruft, sie müsse jetzt noch mal auf’s Klo. Oh ja, wie oft ich schon dachte «Verdammte Scheisse, schlaf endlich ein!»
Und ich bin bestimmt nicht die Einzige, richtig? All die Abende, an denen Sie müde nach Hause kommen, zu Abend essen und ihre Kinder mehrfach ermahnen, die Erwachsenen beim reden nicht zu unterbrechen. Die Abende, an denen sie dieselben Kindern fünf Mal auffordern müssen, endlich die Zähne zu putzen und das Pyjama anzuziehen. Die Geschichten, die sie bereits 39587 Mal vorgelesen haben und trotzdem jeden Abend «Nomal!» hören müssen. Ja, auch Sie haben an solchen Abenden bestimmt schon gedacht, sie sollen jetzt – verdammte Scheisse noch mal! – endlich schlafen gehen.

Denn heute gehen Kinder nicht mehr ins Bett, sie werden gebracht. Bis in ein Alter, in dem sie schon längst selber lesen können, wird ihnen vorgelesen, sie werden zugedeckt und beschmust. Und wie Kinder eben sind: Gibt man ihnen den kleinen Finger, nehmen sie den ganzen Arm. Will heissen: Hat man sie einmal auf diese Art ins Bett gebracht, weil man gerade Sehnsucht nach ihnen hatte, ein schlechtes Gewissen, weil man zuviel arbeitet oder man hat sie beim Abendessen angeschnauzt und will es wieder gut machen, so wollen sie ab sofort IMMER mit Geschichte, schmusen und noch mal Geschichte in den Schlaf verabschiedet werden. Und das kann mitunter nerven.

So erging es auch Adam Mansbach, liebender und Gute-Nacht-Geschichten-vorlesender Vater mit Facebook-Account, als er eines Abends, nachdem die Tochter nach langem Hin und Her endlich eingeschlafen war, er auf seine Pinnwand schrieb, er werde bald das Buch «Go the fuck to sleep» schreiben. Zwar nicht ernst gemeint, erhielt er derart viele Reaktionen darauf, dass er sich alsbald tatsächlich ans Werk machte. So entstand das nicht ganz kindergerechte, illustrierte Buch «Go the fuck to sleep», ein innerer Monolog eines Vaters, der seinen angesammelten Frust dampfend ablässt. Ganz im Sinne der modernen «Seien wir ehrlich und sagen wie es ist»-Literatur, die Mütter und Väter derzeit auf den Buchmarkt bringen.

Die in Versen geschriebene Geschichte vermittelt immer wieder eine träumerische, kindergerechte Sprache, die spätestens im letzten Satz einer unterdrückten Aggressivität Platz macht, dass man sich das Lachen kaum verkneifen kann. Ein Genuss für jede Mutter, jeden Vater, die sich in Selbstironie üben wollen. Aber nichts für Kinder.

Nun warte ich auf die Fortsetzungen «Iss verdammt noch mal dein Gemüse!»und «Vergiss es, Mami gibt dir nichts von ihrem Kuchen!» Sehnlichst.
 Das Buch erscheint im Dumont Verlag. «Verdammte Scheisse, schlaf ein!»

Dienstag, 14. Juni 2011

Rabenmutter on tour in Zürich



Freitag, 17. Juni 2011, 19.00

Details findest du hier.

Mama zieht aus

Kramer gegen Kramer: Sie zieht aus. Schockierend?
Es war einmal eine Frau, die hatte eine Familie. Drei Kinder, Mann, Haus und Hund. Der Mann verdiente gut, er war ein guter Vater und Ehemann, das Haus war schön, der Hund stubenrein. Doch die Frau wollte nicht so richtig glücklich sein. Es war ihr alles zu perfekt. Die Perfektion ihres Lebens konnte auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie sich eingesperrt fühlte in eben diesem Leben.
Ihr fehlte die Spontanität, ihre Sachen packen zu können und in den Amazonas zu reisen, statt täglich Wäsche zu waschen. Oder einfach nur eine Nacht durchzutanzen, statt zum vierzehnten Mal geweckt zu werden, weil eines der Kinder was wollte. Kurz: Sie wollte wieder Macht über ihr eigenes Leben haben. Doch niemand verstand ihr Problem, sie hatte doch alles und ihr Mann war doch so lieb! Wie konnte sie es wagen, sich zu beklagen?
Eines Tages mochte sie nicht mehr. Sie mochte nicht mehr die liebe Mama sein, die geduldige Zuhörerin, die bastelnde Entertainerin, die Pflästerli-klebende, Geburtstagskuchen-backende Übermutter. Sie wollte wieder frei sein! Tun und lassen, was sie wollte, wann sie wollte und mit wem sie wollte! Sie nahm sich eine Wohnung und war von nun an wieder frei!
Papa blieb indes zu hause bei den Kindern, und wenn er nicht gestorben ist, kocht, putzt und tröstet er heute noch.

Die Schweiz kennt eine Scheidungsrate von ca. 50 Prozent. Meist sind es die Männer, die im Trennungsfall ausziehen, die Kinder nur noch am Wochenende sehen und weiterhin grösstenteils für die Familie aufkommen. Die Mütter bleiben zusammen mit den Kindern im alten Zuhause, kümmern sich alleine um sie und müssen zuschauen, wie sie sich organisieren. Was, wenn die Sachlage mal umgekehrt wäre? Mama zieht aus und Papa bleibt bei den Kindern? Ist es Ihnen bei obiger Geschichte auch so ergangen wie mir? Die Tatsache, dass die Mutter die Familie verlässt hat mich schockiert. Nicht nur, weil die Kinder sie jetzt nur noch sporadisch sehen, das wäre bei Auszug des Vaters ja umgekehrt genauso gewesen, beides ist für die Kinder nicht ideal.
Es ist vielmehr dieses Gefühl – und glauben Sie mir, ich wehre mich auf jeder Ebene dagegen, beruflich wie auch privat – dass die Kinder doch ihre Mutter brauchen! Und zwar mehr als ihren Vater! Die kann doch nicht einfach abhauen! Dass Väter dies täglich tun, scheint auf einem anderen Blatt geschrieben zu stehen. Auch bei mir mir, zumindest im ersten Moment. 

Natürlich wurden bei der Geschichte viele Faktoren nicht berücksichtigt, wie die finanzielle bzw. berufliche Situation der Eltern und die Frage, was in der Ehe falsch lief und wie sich die Kinder dabei fühlen. Doch die Frage bleibt: Wieso denken wir so? Wieso ist es 2011 immer noch schockierender, wenn eine Mutter ihre Koffer packt, als wenn ein Vater ein neues Leben beginnt? Statistisch betrachtet, sind 85% der Alleinerziehenden Mütter. Es gibt immer mehr Wochentagsväter, was spricht also gegen Wochenend-Mütter? 
Oder was halten Sie von einer Mutter, die bei Trennung auszieht?

Freitag, 10. Juni 2011

Handy-Mütter und Depro-Kinder

Mütter vernachlässigen ihre Kinder für das Handy. Oder so.

Wenn ich diese Zeilen fertig geschrieben habe, muss ich noch schnell einen dringenden Anruf erledigen, dann Wäsche falten und Abendessen kochen. Während dieser ganzen Zeit werde ich mich nicht mit meinen Kindern beschäftigen, geschweige denn, mit ihnen sprechen.

«Geht gar nicht!» meinte letzte Woche René Staubli auf diversen News-Kanälen. Der Journalist sollte eine deutsche Studie kommentieren, die besagt, dass Mütter mehr in ihr Handy als mit ihren Kindern reden. Leider ist in dem Artikel weder ein Link zur Studie zu finden, noch ist es ein ernst zu nehmender Kommentar. Herr Staubli versinkt im Pathos: «Die Kleinen müssen sich verloren vorkommen, denkt man, verunsichert, verzweifelt. Sie schaffen es einfach nicht, ihre wichtigste Bezugsperson für sich zu interessieren.» Im Ernst?

Interessieren Sie sich jede Minute Ihres Tages für Ihr Kind? Beschäftigen Sie sich rund um die Uhr mit den Sprösslingen? Sie ahnen es bereits: Ich nicht! Obwohl, «Kinder leiden unter den leeren Augen einer Mutter, die nur halb anwesend ist». «Sicherheit gibt ihnen nur eines: der enge emotionale Kontakt mit nahen Menschen.», Staubli O-Ton. An Letzterem gibt es nichts auszusetzen, emotionaler Kontakt ist für ein Kind lebenswichtig. Doch muss dieser Kontakt 24 Stunden am Tag gleich intensiv sein?
In meinem Bekanntenkreis gibt es Frauen, die ebenfalls meinen, Kinder müssten dauerbeschallt werden. Sie «kümmern» sich ohne Punkt und Komma um ihren Nachwuchs, es wird gefüttert, gespielt, vorgelesen, gerutscht, geklettert, gekuschelt, auf den Schoss gesetzt, bequasselt und erst wenn sie im Bett sind, scheint Mama endlich mal Pause zu haben. Was für ein Stress! Wann erholen sich die Kleinen denn mal von der mütterlichen Berieselung? Auch erst, wenn sie schlafen? Darf ein Kind nicht auch einfach mal Ruhe haben? Und Langeweile verspüren?

Es ist ja nicht so, dass die Generation unserer Eltern, als es noch keine Handys gab, wirklich präsenter für uns Kinder da gewesen wären. Und auch die Generationen davor nicht. Eine nicht repräsentative Umfrage ergab, dass Mütter sich auch früher – wenn nicht noch mehr als heute – ihre Freiräume schafften. Mütter, die gerne plauderten hingen dabei halt nicht am Telefon, sondern sie luden ihre Freundinnen zu sich ein, derweil die Kinder sich alleine beschäftigen mussten. Dies scheint heute in unserer verbildeten, ratgeber- und theorie-geplagten Gesellschaft nicht mehr möglich zu sein. Oder wie erkläre ich mir einen Zweijährigen, der gleich nach dem Aufwachen mit Spielsachen am elterlichen Bett steht, weil er gefälligst mit Mami spielen will?

Ich wage zu behaupten, besagter Journalist, und seine vorwiegend männlichen Kommentatoren, haben nie sechs Monate lang 24 Stunden mit einem Baby verbracht. Zwölf mal täglich dieselben Aktionen, wickeln, füttern, herumtragen, um am nächsten Tag wieder von vorne zu beginnen... Wetten, sie würden alle auch gerne mal zum Handy greifen?
Es gibt viele Situationen, in denen wir uns nicht oder nur nebenbei um unsere Kinder kümmern: Waschen, kochen, Wäsche falten, staubsaugen, einkaufen, arbeiten und und und... Sollen wir das alles ebenfalls bleiben lassen, weil sonst der Kontakt zum Nachwuchs leidet? Oder wir warten, bis sich die Kinder mit ihren eigenen Handy rächen und UNS vernachlässigen!

Mittwoch, 8. Juni 2011

Bist du eine Rabenmutter?



Kennt ihr das? Ihr habt euer Kind heute morgen in die Krippe gebracht, obwohl es gestern noch Fieber hatte? Einfach weil ihr arbeiten müsst, oder den Tag für euch braucht? Oder ihr habt behauptet, euch nicht wohl zu fühlen, um keinen Sex haben zu müssen? Und wie sieht's aus mit "wir sind in den Mac Donalds, weil ich keine Lust hatte, zu kochen"? Soll ich euch mal was sagen? Ihr seid nicht alleine!


Hier könnt ihr anonym (oder auch nicht) eure Sünden loswerden. Sei es betreffend Kinder, Beziehung, Job, was immer ihr auf dem Herzen habt, schreibt es nieder und schon ist es nur noch halb so schlimm!

Benutzt hierfür die Kommentarfunktion gleich unter diesem Text.

Das ist doch besser als zehn Ave Marias beten oder?



Also: Du bist eine Rabenmutter, wenn....

Montag, 6. Juni 2011

Vatertag verpasst?

Stell dir vor, es ist Vatertag und keiner merkt's.

Gestern war Vatertag, wussten Sie das? Leider gibt es keine Statistik darüber, doch mich würde interessieren, wie viele Mütter gestern Blumen gekauft, Frühstück gemacht und Geschenke gebastelt haben. Denn das alles wird schliesslich von den Vätern (zusammen mit den Kindern) erwartet, wenn die ganze Nation Muttertag feiert. Der Vätertag geht hingegen total unter. Kein Blumenladen hat spezielle Öffnungszeiten, keine Confiserie führt eigens dafür entwickelte Pralinen, die Kinder werden höchstens angehalten, eine Zeichnung für Papa zu kritzeln. Wenn überhaupt.

Wo bleibt denn da die Gleichberechtigung? Einerseits wollen wir neue Väter, die miterziehen, waschen, wickeln, kochen sollen, andererseits glänzen wir mit Abwesenheit, wenn es darum geht, sie zu feiern.
Wenn es nach mir ginge, sollte man auch den Muttertag abschaffen und dafür Sorgen, dass Mütter das ganze Jahr beachtet und gelobt werden. Das würde uns auch die ganzen Diskussionen ersparen, ob man jetzt auch die Grossmütter einladen und feiern soll. Doch solange dieser Marketing-Tag weiter existiert, sollten wir die Väter bitte auch gebührend feiern. Wenn sogar die Politik langsam merkt, dass Väter für unsere Kinder wichtig sind und ihnen einen Vaterschaftsurlaub mittels Sparplan anbieten will, sollten wir Mütter sie wenigstens ein Mal im Jahr zum Helden machen. Ich sage «wir», weil ich gestern auch nicht in aller Früh raus bin, um Blumen zu besorgen. Sie etwa?

Donnerstag, 2. Juni 2011

Du bist eine Rabenmutter, wenn...


Du deine Kinder fremdbetreuen lässt, um an die Buchervernissage von "Rabenmutter" zu kommen.

Vielen Dank allen Rabenmüttern, -vätern und sonstigen Vögeln, die da waren! 


Weitere Daten mit Lesungen etc. werden hier oder auf Facebook publiziert. 


Hier noch ein paar Goodies von Rita Angelone.

Und wann wart ihr das letzte Mal eine Rabenmutter?

Mittwoch, 1. Juni 2011

Babyblues

Was tun, wenn sie will und er nicht? Gehen oder bleiben und leiden?


Meine Generation (ich bin Jahrgang 1973) denkt erst spät(er) an Kinder. Beziehungsweise daran, welche in die Welt zu setzen. Nun werde ich dieses Jahr 38 (ich muss seit meinem Dreissigsten immer nachrechnen, wenn man mich nach meinem Alter fragt) und die biologische Uhr tickt immer lauter. Es hört sich mittlerweile natürlich mehr nach einer tickenden Bombe als nach einer harmlosen Tissot an. 

Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt vielleicht „Moment mal, hat die Sassine denn nicht schon zwei Kinder?“. Hat sie. Um sie geht es heute auch nicht. Ich möchte vielmehr über die vielen 38-jährigen Frauen sprechen, die eben (noch) keine Kinder haben. Aber sonst alles, was es dazu bräuchte.

Einen guten Job, den sie im Idealfall sogar gerne machen. Einen Partner, den sie – ebenfalls im Idealfall – über alles lieben. Was sie nicht haben: Nachwuchs. Obwohl sie eigentlich gerne welchen hätten. Oder doch nicht?
Meine Frage heute: Was tun, wenn ich eigentlich Kinder will, mein Partner mir aber klipp und klar mitteilt, dass er darauf verzichtet? Denn diese Frage stellen sich eine grosse, statistisch leider nicht belegte, Anzahl Frauen um die vierzig. So auch meine Bekannte. Nennen wir sie Karin.

Karin ist verheiratet, hat eine Stelle im Marketing, wird für diesen Job gut bezahlt und geht gerne arbeiten. Ihr Mann, ebenfalls ein Marketing-Mensch, hatte vor der Hochzeit einmal geäussert, er wolle mal Kinder haben, wann sei ungewiss. Heute sieht er das anders. Sein Leben gefällt ihm so, wie es ist, er mag keine Veränderungen. Und ein Kind, das wissen sogar Kinderlose, verändert ALLES.
Seine Begründung für diesen Richtungswechsel: Er habe über die Jahre seine Freunde beobachten können, wie sie sich „dank“ ihrer Kinder entwickelt haben. So definiert er Elternsein als „Mangelerscheinung“. Denn, mit der Bereicherung der Kinder tauchen gleichzeitig grosse Mängel auf: Mangel an Zeit (für Freunde), Schlaf (in den ersten zwei Jahren sicher), Interessen (zumindest frühere) und nicht zuletzt Mangel an Sex. Diese selbst durchgeführte Studie hat ihn dazu gebracht, sich der Kinderzeugung vollends zu entziehen.

Und sie? Seine Frau? Karin hört seine Argumente, versteht seine Einwände und ist vernünftig genug zu wissen, dass er in vielem Recht hat. Doch sie will ein Baby! Sie sieht nur noch schwangere Frauen und kinderwagenschiebende Mütter und Väter! Statt der letzten Manolo-Kollektion bewundert sie im Schuh-Shop die neusten D&G Kinderschuhe und als sie letzte Woche bei uns zu hause war, befürchtete ich einen Moment lang, sie würde meine Tochter kidnappen. Als ich mit ihr über meinen Eindruck spreche, fragt sie mich gerade heraus: „Was soll ich denn tun?“
Meine Antwort kam ehrlich, wenn auch unüberlegt, wie aus der Pistole geschossen: „Verlass ihn. Mit etwas Glück kannst du dich neu verlieben und doch noch ein Kind haben.“ Ich erschrak selber ein wenig ab meiner vehementen Reaktion (nicht, dass ich den Ruf hätte, besonders diplomatisch zu sein, aber trotzdem).

Doch bei näherer Betrachtung bleibe ich dabei. Denn kann dieser Mann wirklich die grosse Liebe sein, wenn er mit ihr kein Kind haben will? Obwohl sie ursprünglich unter dieser Prämisse geheiratet haben? Und kann eine Frau wirklich glücklich werden, wenn sie auf etwas so Grundsätzliches wie ein Baby verzichtet? Er kann seine Meinung ja nochmal ändern und ein Geriatrie-Daddy werden, sie nicht!

Und gleichzeitig frage ich mich natürlich, wie ehrlich eine Frau zu sich selber sein kann, wenn sie sich „neu verlieben“ soll. Wird sie einfach einen potentiellen Papi suchen oder wirklich offen für eine neue Beziehung sein?

Was hätten Sie meiner Bekannten geraten?

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