Mittwoch, 1. Juni 2011

Babyblues

Was tun, wenn sie will und er nicht? Gehen oder bleiben und leiden?


Meine Generation (ich bin Jahrgang 1973) denkt erst spät(er) an Kinder. Beziehungsweise daran, welche in die Welt zu setzen. Nun werde ich dieses Jahr 38 (ich muss seit meinem Dreissigsten immer nachrechnen, wenn man mich nach meinem Alter fragt) und die biologische Uhr tickt immer lauter. Es hört sich mittlerweile natürlich mehr nach einer tickenden Bombe als nach einer harmlosen Tissot an. 

Der aufmerksame Leser fragt sich jetzt vielleicht „Moment mal, hat die Sassine denn nicht schon zwei Kinder?“. Hat sie. Um sie geht es heute auch nicht. Ich möchte vielmehr über die vielen 38-jährigen Frauen sprechen, die eben (noch) keine Kinder haben. Aber sonst alles, was es dazu bräuchte.

Einen guten Job, den sie im Idealfall sogar gerne machen. Einen Partner, den sie – ebenfalls im Idealfall – über alles lieben. Was sie nicht haben: Nachwuchs. Obwohl sie eigentlich gerne welchen hätten. Oder doch nicht?
Meine Frage heute: Was tun, wenn ich eigentlich Kinder will, mein Partner mir aber klipp und klar mitteilt, dass er darauf verzichtet? Denn diese Frage stellen sich eine grosse, statistisch leider nicht belegte, Anzahl Frauen um die vierzig. So auch meine Bekannte. Nennen wir sie Karin.

Karin ist verheiratet, hat eine Stelle im Marketing, wird für diesen Job gut bezahlt und geht gerne arbeiten. Ihr Mann, ebenfalls ein Marketing-Mensch, hatte vor der Hochzeit einmal geäussert, er wolle mal Kinder haben, wann sei ungewiss. Heute sieht er das anders. Sein Leben gefällt ihm so, wie es ist, er mag keine Veränderungen. Und ein Kind, das wissen sogar Kinderlose, verändert ALLES.
Seine Begründung für diesen Richtungswechsel: Er habe über die Jahre seine Freunde beobachten können, wie sie sich „dank“ ihrer Kinder entwickelt haben. So definiert er Elternsein als „Mangelerscheinung“. Denn, mit der Bereicherung der Kinder tauchen gleichzeitig grosse Mängel auf: Mangel an Zeit (für Freunde), Schlaf (in den ersten zwei Jahren sicher), Interessen (zumindest frühere) und nicht zuletzt Mangel an Sex. Diese selbst durchgeführte Studie hat ihn dazu gebracht, sich der Kinderzeugung vollends zu entziehen.

Und sie? Seine Frau? Karin hört seine Argumente, versteht seine Einwände und ist vernünftig genug zu wissen, dass er in vielem Recht hat. Doch sie will ein Baby! Sie sieht nur noch schwangere Frauen und kinderwagenschiebende Mütter und Väter! Statt der letzten Manolo-Kollektion bewundert sie im Schuh-Shop die neusten D&G Kinderschuhe und als sie letzte Woche bei uns zu hause war, befürchtete ich einen Moment lang, sie würde meine Tochter kidnappen. Als ich mit ihr über meinen Eindruck spreche, fragt sie mich gerade heraus: „Was soll ich denn tun?“
Meine Antwort kam ehrlich, wenn auch unüberlegt, wie aus der Pistole geschossen: „Verlass ihn. Mit etwas Glück kannst du dich neu verlieben und doch noch ein Kind haben.“ Ich erschrak selber ein wenig ab meiner vehementen Reaktion (nicht, dass ich den Ruf hätte, besonders diplomatisch zu sein, aber trotzdem).

Doch bei näherer Betrachtung bleibe ich dabei. Denn kann dieser Mann wirklich die grosse Liebe sein, wenn er mit ihr kein Kind haben will? Obwohl sie ursprünglich unter dieser Prämisse geheiratet haben? Und kann eine Frau wirklich glücklich werden, wenn sie auf etwas so Grundsätzliches wie ein Baby verzichtet? Er kann seine Meinung ja nochmal ändern und ein Geriatrie-Daddy werden, sie nicht!

Und gleichzeitig frage ich mich natürlich, wie ehrlich eine Frau zu sich selber sein kann, wenn sie sich „neu verlieben“ soll. Wird sie einfach einen potentiellen Papi suchen oder wirklich offen für eine neue Beziehung sein?

Was hätten Sie meiner Bekannten geraten?

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Vielleicht sollten Mütter mit Babyblues mehr Shoppen. Wie zum beispiel im Babyshop www.littlemonkey.ch so können Sie sich ablenken und machen noch etwas für das Kind.

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