Donnerstag, 8. Dezember 2016

Das beste schlimme Weihnachtsgeschenk



Du möchtest jemanden ärgern und seinem Kind ein richtig mühsames Geschenk machen? Hier ein paar Ideen.

Ich tummle mich auf Facebook gerne in Müttergruppen rum, da man da die besten Einblicke erhält, was Mütter wirklich beschäftigt und was gerade unter den Nägeln brennt. Dort gibt es sehr oft auch richtig gute Tipps und Diskussionen, weshalb ich solche Gruppen wirklich empfehlen kann.

Auch ein paar englisch sprechende bzw. schreibende MomGruppen sind darunter. Da bin ich unter anderem dabei, weil diese extrem gegensätzlichen Seiten der Mutterschaft zeigen. Sie sind nicht so konsens-süchtig wie wir Schweizerinnen. In diesen Gruppen tummelt sich alles Mögliche, von englischen Müttern mit tollem schwarzem Humor über (meist eher amerikanische), welche ihren Humor mit der Plazenta ausgestossen haben und sich gerne darüber aufregen, dass wir hier in Europa unseren Kindern zu viele Freiheiten gewähren.
In einer dieser englisch-sprechenden Gruppen lass ich am Sonntag folgendes: «Ich suche nach Empfehlungen für das ärgerlichste Geschenk für ein zweijähriges Mädchen. (Rache für eine gute Freundin, welche meinen Jungs immer wieder unangebrachte Geschenke macht.) (...) Etwas, in das sich das Mädchen verlieben wird und immer damit spielen will.»
Gewagt, nicht? Wir alle haben schon mal gedacht «DAS zahle ich dir heim». Damals, als die Nonna dem Kleinen das Spiel-Schlagzeug geschenkt hat. Oder der Götti die Fingerfarben.

Nun, damit ihr auch etwas davon habt, habe ich die besten schlimmsten Geschenke zusammengetragen und kommentiert.
  • Ein elektronisches Schlagzeug-Set (Da habe ich Erfahrung. Ist fast nicht zu toppen)
  • Den FURBY Party Rocker (Mit Langlebebatterie)
  • Ein Furz-Gewehr (soll es geben...)
  • Disney’s Eiskönigin Karaoke-Maschine (wenn man den Volume-Knopf noch abschraubt, ist es noch effizienter)
  • Glitzerstaub!!! (Sackweise!)
  • Ein Barbie-Mikrophon mit integriertem Sound und Sprüchen (Welche super sexistisch sind. Das beste Geschenk für die feministische Mutter)
  • Die singende Eiskönigin-Puppe (Ein Lieder. Wieder und wieder.)
  • Ein Hamster (Nein, im Ernst, tut das nicht. Aber lustig wär’s, nur um das Gesicht der Mutter zu sehen.)
  • Schuhe mit Quietsch-Einlage («So weisst du immer, wo die Kleine ist»)
  • Ein glitzerndes, grellrosa Prinzessinnen-Kostüm (Das sie nie wieder ausziehen will, nicht einmal zum baden)
  • Das «Ele-Fun»-Spiel (Plastik-Stückli, ÜBERALL!)
Noch ein Tipp zum Schluss: Sollte euch jemand so etwas schenken, sagt ihr eurem Kind einfach, es dürfe natürlich damit spielen. Beim Grosi (oder wer immer die Person mit dem unmöglichen Geschenk war).
Habt ihr noch mehr Ideen für fürchterliche Geschenke! Her damit!

Freitag, 4. November 2016

«Berufstätige Eltern geben ihren Kindern Medis zum schlafen»



So in etwa klang es letzte Woche in den Medien. Der Aufreger der Woche!

Ja, bei mir klingeln alle Glocken. Schon wenn eine Gratiszeitung titelt «Eltern stellen Babys mit Medikamenten ruhig», erhöht sich meine Herzfrequenz. Denn wahrscheinlich kommt das vor. Der Mensch tut nichts, was es nicht gibt. Und ja, es ist schlimm. Sehr schlimm sogar. Die meisten Medikamente werden nämlich nicht für Kinder getestet oder einfach zweckentfremdet. Ich werde diese hier nicht auflisten, ich bin keine Apothekerin.

Aber genauso schlimm finde ich es, wenn man dieses gruselige Phänomen auf berufstätige Eltern schiebt. Die Frankfurter Allgemeine – welche von 20 Minuten zitiert wird – hat nämlich Therapeutinnen befragt, die den Grund für diese unsägliche Praxis bei den kurzen Babypausen und dem Wiedereinstieg der Mütter sehen.
So meint Dagmar Ambass, Psychotherapeutin bei der Stiftung Mütterhilfe, die Toleranz für schreiende Babys habe abgenommen. Heute seien oft beide Elternteile berufstätig und Mütter würden meist früh und mit hohen Stellenprozenten in den Job zurückkehren. «Wenn das Baby in der Nacht mehrheitlich schreit, sind viele Eltern nicht mehr fit für die Arbeit.»
Ja, auch das stimmt. Nichts Schlimmeres, als wenn das Baby nicht schläft und ich am nächsten Tag einen strengen Tag habe. Aber macht die Berufstätigkeit einen solch grossen Unterschied? Meine Babypause dauerte bei beiden Kindern ein Jahr. Der totale Luxus. Aber fand ich es während dieser Zeit deshalb easy, wenn die Tochter jede Nacht mehrmals bis zu einer Stunde schrie? Hätte ich mich einfach am nächsten Tag auf’s Ohr legen können, um die schlaflose Nacht nachzuholen? Nein, konnte ich nicht. Schliesslich hatte ich noch ein grosses Kind, für das ich da sein musste.

Und wenn man schon berufstätige Eltern beschuldigt, nicht 24 Stunden für das Kind, mit dem Kind und überhaupt nur rund um’s Kind da zu sein, wieso kommt keiner auf die Idee, Hilfe anzubieten? Eltern, die zu Medikamenten greifen sind verzweifelt, aber keine schlechten Menschen!
Die Kritik in den Kommentaren zeigt aber auch wieder einmal auf, wie elterliche Berufstätigkeit in der Schweiz akzeptiert wird. Nämlich gar nicht. Mami soll sich schliesslich nur um’s Kind kümmern und fertig. Dass eventuell der Mutterschaftsurlaub schlicht für viele zu kurz ist, jedoch viele frecherweise finden, Mami soll gefälligst länger zu Hause bleiben, treibt mich zur Weissglut. Ist es denn wirklich noch nicht überall angekommen, dass 80% der Eltern arbeiten MÜSSEN?
Dass Schlafmangel Folter ist, weiss jede Mutter, jeder Vater, die/der das schon erlebt hat. Wenn man nicht mehr weiter weiss, ist es aber wohl auch sehr schwer, sich an jemanden zu wenden, da man damit rechnen muss, als karrieregeile, sich selbst verwirklichende Rabenmutter angesehen zu werden.
Oder wie seht ihr das? Glaubt ihr auch, dass das vorwiegend berufstätige Eltern betrifft? Welche Erfahrungen habt ihr selber gemacht?

Erstmals auf wireltern.ch erschienen.

Donnerstag, 20. Oktober 2016

Beruf: Mutter?



Bist du Mutter? Wann wurdest du das letzte Mal gefragt, was du im Leben machst? Lange her, wie?

Vor Kurzem waren wir bei Freunden in Frankreich, wo wir viele neue Leute kennenlernten. Bei diesen Gesprächen mit Menschen, denen ich vorher noch nie begegnet bin, war irgendetwas anders, lange konnte ich aber nicht sagen, was es war.

Die Gespräche verliefen anders, spannender, vielseitiger. Erst als wir am ersten Abend müde ins Bett fielen, ging mir ein Licht auf. Man wird von anderen Eltern (denn die meisten hatten Kinder) gefragt, was man im Leben mache. Männer UND Frauen! Nicht nur «wie viele Kinder, wie alt und wo wohnt ihr?». Nein, auch «Und was machst du im Leben?». Nicht «und was machst du SONST im Leben?», als wäre Kinder haben ein Job. Die Frage bezieht sich auf deine Tätigkeit in deinem Leben. Denn das Leben besteht bei den Franzosen eben nicht aus Eltern sein.
Eltern sein ist ja einfach ein Zustand. Wie blond sein. Oder sportlich sein. Das ist kein Job, kein Beruf. Für manche ist es eine Berufung. Zu denen gehören wir aber nicht, weder wir noch unsere Freunde. Und offenbar auch nicht diese neuen Leute, die uns da vorgestellt wurden. Finde ich persönlich sehr sympathisch.
Denn es geht natürlich, eine Weile über die Kids zu plaudern. Ist ja auch ganz lustig der Nachwuchs. Aber eben: Das Thema ist nicht abendfüllend. Die Tatsache, dass ich so verwundert darüber bin, dass man mich als Mutter danach fragt, was ich im Leben mache, sagt viel über die Kultur hierzulande aus. Die Mutter-Kultur vor allem. Väter werden auch an hiesigen Parties gefragt, was sie im Leben machen. Da werden gar Business-Tipps und Visitenkarten ausgetauscht. Nicht selten hat mein Mann als Freelancer so neue Aufträge reingeholt.

Ich auch. Vor den Kindern. Seit ich Mutter bin, ist es nicht so, dass ich nicht gerne über meinen Beruf reden würde, im Gegenteil! Es fragt mich nur keiner danach! Ausser an so definierten Networking-Events, ist mir schon lange keine andere Mutter, kein anderer Vater begegnet, der mich bspw. am Elternabend oder Dorffest fragt, was ich tue. Oder die, die es schon wissen, wie das Geschäft laufe.
Für viele bin ich einfach die, die mit ihrer Firma ihr Ego auslebt (auf Kosten des Ehemannes) und ihren eigentlichen Job, nämlich «Mutter sein» vernachlässigt. Dann tut es schon gut, Gleichgesinnte zu treffen, die sich für dich als Frau, als Mensch interessieren und nicht nur die Mutter deiner Kinder in dir sehen. Oder was meint ihr?

Dieser Text erschien erstmals auf wireltern.ch

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Feminismus braucht's nicht mehr?



«Ach, ihr Frauen habt doch alles erreicht, was wollt ihr denn noch?» Das Erreichte nicht verlieren.

Denn dieser Trend zeichnet sich je länger je mehr aus. Erreichte Freiheiten werden überall auf der Welt wieder in Frage gestellt. So zum Beispiel in Polen, wo die Abtreibungsgesetze restriktiv sind und schon immer waren. Die katholische Kirche hat in diesem ehemals kommunistischen Land viel Macht und wo die Kirche ist, fehlt bekanntlich das Recht auf Abtreibung. Deshalb gingen letzte Woche tausende Frauen und Männer auf die Strasse: Sie protestierten gegen die freiheitsraubenden Abtreibungsgesetze, die neu nicht einmal Rücksicht darauf nehmen, wie das Kind entstanden ist. Bei einer Vergewaltigung zum Beispiel.

Das ist euch zu weit weg? Sind wir ehrlich. Hierzulande gibt es auch genügend christliche oder anders geprägte Gruppierungen, die es gerne sehen würden, wenn unsere Rechte auf unseren Körper ein wenig beschnitten würden. Und da liegt genau das Problem. Ja, wir (bzw. unsere Mütter) haben viel erreicht. Wahl- und Stimmrecht (in Polen haben Frauen dieses übrigens bereits seit 1918, also auch da kein Garant), Mutterschaftsurlaub, wir dürfen ganz alleine darüber entscheiden, ob wir arbeiten dürfen, Auto fahren undundund. Aber wirft man einen Blick über die Grenzen, sieht man, wie immer öfter immer mehr Freiheitsrechte beschnitten werden.
Nicht nur in arabischen Ländern, wo die Religion ebenfalls eine (zu) grosse Rolle spielt. Auch in sogenannt christlichen Ländern will man zurück zu den guten alten Gesetzen, welche vor allem von reichen, weissen, Männern definiert werden. Ich hoffe ja immer noch, dass man Trump in einem halben Jahr vergessen haben wird, dennoch bringt er auch diese Seite der Menschen zum Vorschein: Er und seine Anhänger finden schliesslich auch, Frauen, die abtreiben, müssten auf irgendeine Art und Weise bestraft werden.
Wenn mich also jemand fragt, was ich denn noch wolle mit dem Feminismus und ich junge Frauen höre, wie sie meinen, sie seien keine Feministinnen, dann koche ich innerlich. Denn Feminismus ist leider (Gottes hätte ich fast geschrieben) überhaupt keine etablierte Errungenschaft. Sie steht auf wackeligen Beinen, wird täglich in Frage gestellt, unterwandert, teilweise abgeschafft, mit Füssen getreten. Nein, die Emanzipation der Frau ist noch lange nicht «geschafft», genauso wenig wie jene der Ausländer, Homosexuellen, ja sogar die der Kinder.Was wir in der Schweiz als selbstverständlich erachten, ist in zu vielen anderen (ebenfalls europäischen) Ländern noch ein trauriger Kampf. Zu glauben, dass uns das nicht passieren kann, ist naiv.

Als Mutter einer Tochter werde ich ihr auch genau dies beibringen: Weitermachen, nichts für gegeben betrachten. Als Mutter eines Sohnes übrigens erst recht. Das Ergebnis in Polen gibt mir recht: Das Polnische Parlament hat das Abtreibungsverbot nach den Protesten gekippt. Ein grosser Erfolg für die Gegner dieses frauenfeindlichen Gesetzes!
Was meint ihr? Ist der Feminismus erreicht, die Gleichberechtigung Alltag? Oder was sagt ihr euren Kindern?

Text erstmals auf wireltern.ch erschienen.

Dienstag, 4. Oktober 2016

Bezahlbare Kinderbetreuung für... niemanden



Nach einer Woche habe ich die letzte Abstimmung verdaut. Oder fast.

Ich musste das erst einmal setzen lassen. Am 25. September 2016 durften wir Schweizer und Schweizerinnen darüber abstimmen, ob wir Kinderbetreuung bezahlbar machen wollen.Ob wir gewährleisten wollen, dass es sich für Eltern lohnt, einer bezahlten Tätigkeit nachzugehen, ohne dass der Krippenplatz den grössten Teil eines Lohnes frisst.

Dafür aufkommen sollten die Unternehmen, die ja davon profitieren, wenn mehr Arbeitskräfte (e.g. Mütter) zur Verfügung stehen. Als Unternehmerin bin ich die erste, die ein grosses Interesse daran hat, dass Mütter und Väter in der Schweiz arbeiten können, es sich leisten können, einem Beruf nachzugehen, der sie nicht nur ernährt, vielleicht sogar einen, der ihnen wirklich gefällt.
Falsch gedacht. Gegen diese Initiative waren in erster Linie die Unternehmer selber. Das koste zu viel. Es sei Sache der Gemeinden, sich um die Kinderbetreuung zu kümmern (im Kindergarten nannten wir das «Nei, du!»). Für Unternehmer ist es offenbar logischer, auf fast 50% der Arbeitskräfte zu verzichten, weil es sie zu teuer kommt. Meine Rechnung – immer noch als Unternehmerin – geht da ein wenig anders: Es kostet mich mehr, wenn eine Mutter immer wieder zu Hause bleiben muss, weil bspw. das Grosi eben nicht mehr so fit ist und das Kind gerade eben doch nicht hüten kann. Es kostet mich auch mehr, wenn der Vater gestresst ist, weil er weiss, dass er diesen Monat mit der Zahnspange und der Autoreparatur Mühe haben wird, die Krippenrechnung zu bezahlen. Auch kostet es mich viel, wenn ich schlicht keine Arbeitnehmer/innen finde, die ihre Kinder vernünftig betreuen lassen, weil es sich finanziell schlicht nicht lohnt.
Was ist denn da die Lösung? Arbeitnehmer aus dem Ausland holen? Lustigerweise sind es ja parteipolitisch dieselben, die vordergründig auch das bekämpfen wollen und sich darüber beklagen, wenn einer am Telefon einen fremdländischen Akzent hat. Was ich damit sagen will: Es sind doch die Unternehmen, die am Meisten davon profitieren, wenn unsere Kinder vernünftig betreut werden.

So, und was nun? Wie soll es weitergehen? Mit der ewig gleichen Schiene, dass Mami zu Hause bleibt, kocht, putzt, Kindernasen wischt und Papa sich auswärts hin zum Burnout schuftet? Oder gehen in diesem Land nur diejenigen Abstimmen, für die sich die Kinderbetreuungs-Kosten-Frage gar nicht stellt? Entweder, weil sie sich diese einfach leisten können oder weil eben ein Lohn für's Leben reicht?
Ich weiss es nicht. Ich verstehe es nicht. Und ich bin gespannt, was es konkret heisst, wenn die Kinderbetreuung «Sache der Gemeinden» ist. Das ist es ja jetzt schon. Jedoch gibt es noch lange nicht genug Betreuungsplätze (auf dem Land hinken wir ca. ein Jahrhundert hinterher) und schon gar keine bezahlbaren. Wie lösen wir das? Wenn ich mir die 70% Nein-Stimmen anschaue wohl gar nicht. Denn Mami gehört offenbar immer noch zum Kind und nicht ins Büro. Zumindest in 70% der Köpfe...

Dieser Text erschien erstmals auf wireltern.ch

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