Mittwoch, 18. Oktober 2017

Bloss keinen Harvey!



Mehr als über den Täter wird wieder über die Opfer gelästert. Das muss endlich aufhören!

Ich gebe es zu. Ich habe mich dabei ertappt, wie ich dachte «meine Tochter muss stark werden». Sie soll kein Opfer sein. Sie darf sich nicht von solchen Schweinen unterkriegen lassen. Ja, es geht um die Affäre Weinstein. Die unsägliche – obwohl doch allseits bekannte – Tatsache, dass Männer mit Macht Frauen mit weniger Macht ausnutzen (den umgekehrten Fall gibt es mit Sicherheit auch, jedoch sind Frauen mit Macht derart in der Minderheit, dass er einfach nie zur Sprache kommt, nehme ich an).

Ich ertappe mich also dabei, mir zu überlegen, was ich meiner Tochter sagen kann, damit ihr so etwas nie passiert. Sie sich wehrt. Signale aussendet, die sagen «vergiss es, leg dich nicht mit mir an, das wird nicht funktionieren». Ich wünsche mir sehr, dass aus ihr eine starke, selbstbewusste Frau wird, die alles andere als «Opfer» ausstrahlt.

Daran ist kaum etwas auszusetzen, richtig? Natürlich nicht. Ausser vielleicht.... dass sie – also Frauen – hier nicht das Problem sind! Wieso falle ich – als Frau! – darauf rein, dem Opfer die Verantwortung zu überlassen, ob ihr «so etwas» passieren wird, oder eben nicht? Oder wie Bettina Weber es letzte Woche nannte: Das «Ja-Aber-Opfer»...

Schliesslich habe ich auch einen Sohn! Statistisch gesehen ein potentieller Belästiger, ein potentieller Täter. Müsste ich mir nicht vielmehr überlegen, wie ich aus ihm einen Mann mache, der Frauen nicht als Ware, nicht als verfügbares Etwas anschaut? Natürlich sollte ich! (Habe ich auch schon, siehe «Oper-Erziehung»)

Diese Männer, die Frauen belästigen – im Tram, am Arbeitsplatz, im Ausgang – haben schliesslich auch alle Eltern, die sich das vielleicht nie überlegt haben. Meine eigene Mutter sagte immer: «Ich lasse meinen Hahn laufen, passt ihr mal auf eure Hühner auf». Angeblich ein italienisches Sprichwort. Heute noch behauptet sie, Männer seien halt so, wir Frauen müssten uns schützen und behaupten. Von den Männern könne man kaum verlangen, sich zu beherrschen, wenn eine junge Frau in aufreizender Kleidung vor ihnen tanze oder die Bürokollegin einen tiefen Ausschnitt zeige. Diese Meinung hört man oft, nicht zuletzt im Fall «Weinstein und die Schauspielerinnen...»

Es geht also wiedermal darum: Frauen sind selbst schuld. Und wieso haben sie auch so lange geschwiegen? Und überhaupt, wie ist es mit weiblicher Solidarität? Tatsache ist, dass Belästigung vor allem etwas mit dem Machtgefälle zu tun hat. Dass dieses zugunsten des gruseligen Harvey ausfällt, ist wohl jedem klar. Dass sexuelle Belästigung für Frauen oft das kleinere Übel ist, als die Karriere auf’s Spiel zu setzen, übrigens auch. Nicht nur möchte frau vergessen, was passiert ist. Aber wieso sollte ich wieder als Kellnerin arbeiten gehen, bloss weil mein Boss seine Hormone nicht im Griff hat? Soll ich etwa zweimal bestraft werden? Finde ich nicht. Also weitermachen. 

Aber dieser Logik folgen die wenigsten. Die Vorwürfe, die Frauen hätten sich halt wehren oder zumindest früher mit den Anschuldigungen rausrücken sollen, sind schon längst in aller Köpfe.

Deshalb hier mein Aufruf an alle Eltern mit Söhnen: Lasst uns die Generation sein, die ihren Jungs beibringt, dass Frauen sich nicht wappnen müssen, sich nicht besonders anziehen müssen oder bitte nicht so aufreizend lächeln sollen. Sondern dass, wenn sie es tun, die Männer, die sie bald sind, das nicht als Zeichen verstehen, ihre Macht (ob physische, soziale oder finanzielle) auszunutzen. Sondern den Frauen auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. Erst das macht doch aus einem Mann einen echten Mann: wenn er nicht denkt, er könne alles haben, bloss weil er ein Mann ist. Und natürlich werde ich auch meine Tochter darin bestärken, sich möglichst nichts gefallen zu lassen. Aber das Eine schliesst das andere ja nicht aus, oder?

Dieser Text erschien erstmals auf wireltern.ch

Dienstag, 12. September 2017

Wie wir unseren Planeten schützen. Jeden Tag.



Jede und jeder kann dazu beitragen, dass wir unseren Kindern einen gesunden Planeten hinterlassen. 5 Tipps für den Alltag.


Ich erinnere mich noch gut daran, wie vor 30 Jahren das Recycling in der Schweiz eingeführt wurde. Viele Leute (v.a. der Generation unserer Eltern) meinten «Sonen Seich!». Und heute? Abfalltrennung ist uns ins Blut übergegangen und unsere Kinder wissen ganz genau, was wohin gehört bei der Entsorgungsstelle. Und dass man die Pet-Flasche erst zerdrücken muss, bevor sie entsorgt wird. Das beweist: Irgendwo muss man anfangen. Tatsache ist, dass der Recycling-Erfolg hierzulande über das Portemonnaie gesteuert wurde: Plötzlich waren Abfallsäcke gebührenpflichtig. Recycling war zunächst mal eine Entlastung für den Geldbeutel. Aber seien wir ehrlich: Sollten wir nicht alle längst begriffen haben, dass unser Planet vor die Hunde geht, wenn wir nicht aktiv werden?


Ich erinnere mich noch gut daran, wie vor 30 Jahren das Recycling in der Schweiz eingeführt wurde. Viele Leute (v.a. der Generation unserer Eltern) meinten «Sonen Seich!». Und heute? Abfalltrennung ist uns ins Blut übergegangen und unsere Kinder wissen ganz genau, was wohin gehört bei der Entsorgungsstelle. Und dass man die Pet-Flasche erst zerdrücken muss, bevor sie entsorgt wird. Das beweist: Irgendwo muss man anfangen. Tatsache ist, dass der Recycling-Erfolg hierzulande über das Portemonnaie gesteuert wurde: Plötzlich waren Abfallsäcke gebührenpflichtig. Recycling war zunächst mal eine Entlastung für den Geldbeutel. Aber seien wir ehrlich: Sollten wir nicht alle längst begriffen haben, dass unser Planet vor die Hunde geht, wenn wir nicht aktiv werden?



  1. Verkehr: Nicht jeden Tag das Auto nehmen. ÖV oder Velo fahren, im Home Office arbeiten oder einfach wenigstens am Wochenende nicht auch noch rumfahren: Jedes Auto weniger auf der Strasse verpestet auch weniger. Bei einem Autokauf darauf achten, welche Modelle zur Zeit als besonders sparsam und wenig luftverpestend gewertet werden. Wobei ich ehrlicherweise sagen muss, dass es Familienkutschen leider fast nie in die Top 100 schaffen... Noch etwas: Dass ihr eure Kinder nicht in die Schule fährt, sondern sie selbstständig gehen lässt, ist euch klar, oder?
  2. Reisen: Als Reisebüroinhaberin darf ich das fast nicht laut sagen: Weniger ist mehr. Wir Schweizer sind ein reisefreudiges Volk, was selbstverständlich viele positive Aspekte hat: Die Kinder erhalten in fremden Ländern quasi kostenlosen Unterricht in Geographie, Religion und Kultur und in Sprachen sowieso. Ihr Horizont wird erweitert und sie lernen, dass es anderswo eben anders läuft. Den ökologischen Fussabdruck, den wir jedoch mit Fernreisen hinterlassen, kann und will ich nicht schönreden. Deshalb: Vielleicht nur einmal im Jahr weit weg, dafür länger (Kurztrips ans andere Ende der Welt werden von Umweltorganisationen als besonders schädlich erachtet). Dafür öfter die Umgebung bei uns entdecken, campen, lokale, nachhaltige Unterkünfte ausprobieren. Wo ihr diese findet und worauf ihr achten sollt, sagt euch gerne euer Reisebüro. Auch findet ihr schöne, nachhaltige und einzigartige Unterkünfte in der Travelife Collection und auf Goodtravel.
  3. Essen: Man kann es nicht oft genug wiederholen. Kauft wenn möglich lokal ein! Beim Bauern, im Volg (der oft auch lokal verkauft), am Markt. Ist eine Budgetfrage, ich weiss. Doch oft meint man, die Fertiglasagne aus dem Supermarkt sei günstiger. Ist sie aber nicht. Und gesund sowieso nicht. Dasselbe gilt übrigens für Getränke. Süssgetränke haben eine grässliche Klimabilanz. Nicht nur wegen der Zutaten, auch wegen der Herstellung, des Transports und, und, und. Also Eistee und Fruchtsäfte lieber selber machen. Oder Wasser trinken. Leitungswasser natürlich.
  4. Einkaufen: Fängt man an, darauf zu achten, ist es einfach nur unsäglich, wieviel Verschwendung mit Verpackungen betrieben wird. Frische Tomaten, in Plastik abgepackt, eingeschweisste Gurken, ganz zu schweigen von all den Tüten, welche in Kartonschachteln stecken, welche wiederum in einen Plastiksack gesteckt werden (man denke da an Frühstücksflocken etc.). Das reinste Babuschka-Spiel! Tipp: Nehmt eure eigenen Beutel und Tragetaschen mit (erhältlich bspw. bei Waschbär) zum Einkaufen. Wählt unverpackte Gemüse und Früchte. Nehmt nur einfach verpackte Lebensmittel mit, wenn es dann unbedingt sein muss. So umgeht ihr schon mal den gröbsten Verpackungsblödsinn. Wer es ganz ohne Verpackung will: Unter unverpackt.ch findet ihr sämtliche Läden in der Schweiz, die gänzlich auf Verpackung verzichten.
  5. Mode: ein leidiges Thema. Die Billigmarken (Link fürsind ethisch und ökologisch kaum vertretbar (die Luxusmarken aber übrigens auch nicht). Bio-Mode ist entweder auf der teuren Seite oder sie hat noch den Reformhaus-Touch, der an die 80iger-Jahre Birkenstock-Generation denken lässt. Was den Preis anbelangt: Ich behaupte mal, ab einem gewissen Alter (ich bin 44, das fing aber bestimmt schon mit 32 an), hat man seinen Stil gefunden. Natürlich geht dieser mit der Mode, aber er ändert sich kaum mehr grundlegend. Wieso also nicht auch einmal mehr in ein T-Shirt oder einen Mantel investieren? Wenn das Stück dafür nachhaltig produziert wurde? Meine Erfahrung zeigt, dass solche länger halten, die Qualität einfach besser ist und ich rein aus Gründen des Gewissens länger Freude daran habe. Schöne Fairtrade-Mode gibt es in der Schweiz zugegebenermassen nur begrenzt. Aber mir gefallen bspw. Favorite Fair oder Rrrevolvesehr gut. Aber auch bei den grossen Online-Shops kann man mittlerweile nachhaltige Labels bestellen.
Das sind fünf Bereiche im Alltag, in denen wir einfach handeln können. Wertvolle Inspiration und täglich neue Tipps zum Thema liefert übrigens die Site utopia.deAm Ende geht es um die Zukunft unseres Planeten. Und mit ihr um die unserer Kinder. Wer will schon nicht das Beste für den eigenen Nachwuchs? Deshalb unterstütze ich gerne die neue WWF-Kampagne, die diesen Aspekt schön aufzeigt. Lasst sie uns Motto für die nächsten Jahre sein: «Schütze die Welt, in die unsere Kinder geboren werden» #forgenerationstocome

Auch meine Kollegin Eliane vom Blog «Mint und Malve» hat was zum Thema #forgenerationstocome zu sagen. Was genau, lest ihr hier. Wir freuen uns über weitere Tipps in den Kommentaren oder auf unserer Facebook-Seite!

Dieser Text erschien heute erstmals auf wireltern.ch

Mittwoch, 28. Juni 2017

Güte Väter, schlechte Väter



Sind Väter mit Vollzeitjob automatisch abwesende Väter? Das möchte ich aus Erfahrung vehement verneinen.

Immer wieder taucht die Frage auf: Muss ein Vater seine Stellenprozente reduzieren, um ein guter Vater zu sein? Die heutigen Diskurse unter Freunden, in den Medien und der Politik scheinen sie mit «Ja» zu beantworten. Mindestens ein «Papitag» (unsägliches Wort!) müsse sein, um eine gute Vater-Kind-Beziehung aufzubauen.

Als Tochter eines viel reisenden Geschäftsmannes (Mama war bis ich 13 war Hausfrau) in den 80igern, muss ich da entschieden widersprechen. Einen «Papitag» gab es nicht, mein Vater war manchmal 2 Wochen am Stück verreist und auch sonst nur abends und am Wochenende zu Hause. Unsere Beziehung über die Jahre? Spitze! Ich war und bin eine Papitochter und daran haben seine vielen Abwesenheiten nichts geändert. Denn wenn er da war, war er da. Für mich, für die Familie. Wir unternahmen viel, redeten noch mehr und er hat mich in jeder Hinsicht sehr geprägt. Als Vater, als Mann, als Vorbild.

Nun, für mich als Mutter sieht die Sache natürlich etwas anders aus. Denn ich habe schlicht keine Lust, den gesamten Haushalt und die Organisation inklusive Kinderbetreuung alleine zu stemmen. Deshalb wäre eine Teilzeitstelle meines Mannes sehr willkommen. Hat es auch schon gegeben in den 13 Jahren die wir Eltern sind. Wie auch Arbeitslosigkeit, Selbständigkeit und Vollzeit-Job. Wir hatten schon so ziemlich jedes Modell. Ich Hausfrau, er 100% Job. Er Teilzeit, ich Teilzeit. Er Hausmann, ich 100% Job. Heute arbeite ich 80-90%, er 100% mit mindestens einem Tag Home Office. Ist zur Zeit perfekt. Als Eltern muss man bekanntlich flexibel bleiben...

Das Argument der Mütter ist ja oft, dass Papa eben auch mal sehen soll, was der Alltag mit Kindern bedeutet. Für die Kinder kochen («Hani nöd gäärn!»), putzen, Wäsche waschen, Kindergeburtstag organisieren undundund. Aber es gibt keinen Grund, dass ein Vollzeit arbeitender Vater nicht auch mal abends eine Wäsche anwirft, auf dem Heimweg einkauft oder der Kindergeburtstag an einem Samstag stattfindet.

Das Problem ist unsere Schweizer Einstellung zum Begriff «Alltag». Denn, was heisst genau Alltag? In der Schweiz: Die Kinder kommen mittags nach Hause, jemand bekocht sie und je nach Alter sollen sie bitteschön nachmittags auch noch bespasst werden. Eltern-Alltag in der Schweiz.

Anderswo ist Alltag eben nicht = zu Hause sein. Alltag in Frankreich bspw. bedeutet: Kids in der Schule oder Kita, Eltern bei der Arbeit. Man sieht sich zum Frühstück (wenn das geht) und abends beim Abendessen wieder. Und natürlich am Wochenende. Haben nun all diese Kinder eine schlechte Beziehung zu Vater UND Mutter? Wohl kaum.

Obwohl ich das andere Unwort im Zusammenhang mit Elternschaft, nämlich «Quality-Time» gerne vermieden hätte, komme ich nicht drum rum, es hier zu verwenden. Denn wir (wie auch mein Vater damals), geniessen die Freizeit mit den Kids. Beim Frühstück, Abendessen, Freunde besuchen, Badi, Ausflüge, Reisen, gaanz viele Reisen... Der Alltag bewegt sich bei uns zwischen Schule, Tagesschule, Nonna (unsere Stütze in so vielen Bereichen), Jobs und zu Hause. Aber letzteres bestimmt den Alltag keineswegs alleine. Entsprechend haben unsere Kinder diverse Bezugspersonen und sind nicht auf uns fixiert. Und schon gar nicht auf mich.

Mein Fazit: Wer kann und will, soll unbedingt Teilzeit arbeiten (egal ob Mütter oder Väter), wenn das die einzige Möglichkeit scheint, Alltag mit den Kids zu haben. Aber, liebe Eltern (und eben nicht nur Väter), wenn das nicht geht, weil der Chef nicht will oder es der Job nicht erlaubt: Macht euch keinen Kopf! Ihr seid für eure Kinder dennoch gute Eltern! Sofern ihr euch dann eben in der Freizeit auch wirklich mal mit ihnen beschäftigt und euch die Aufgaben mit euren Partnern teilt. Ich spreche heute noch fast täglich mit meinem Vater und das, obwohl er am anderen Ende der Welt lebt. Oder anders gesagt: Es kommt alles gut.

Dieser Text erschien erstmals auf wireltern.ch


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