Montag, 16. Dezember 2013

Last-Minute-Geschenke für Faule

https://encrypted-tbn1.gstatic.com/images?q=tbn:ANd9GcTaKP4A__3JSdc8IV2nPG6cbna7UIAWlbfnt1FJkG07GUZykZEdWA


Wenn du auf diesen Post geklickt hast, gehörst du wahrscheinlich zu den verzweifelten, die noch kein Weihnachtsgeschenk für die Schwägerin oder den Göttibueb. Oder vielleicht findest du, deine Kids könnten an Weihnachten ruhig mal etwas anderes tragen als Leggings und T-Shirt. Dann habe ich das Richtige für dich.

Je nach dem, wie ihr das mit den Geschenken handhabt, kommt jedes Jahr ganz schön was zusammen. Und da kann es auch passieren, dass jemand vergessen geht. Meist denkt man an die eigenen Kinder und den Partner, alle anderen kommen da an zweiter Stelle. (Ausser du hast zwei Kinder, wie ich und die Anzahl Geschenke stimmt nicht überein, so dass du dann doch noch ein weiteres für deinen Sohn brauchst, um Eifersüchteleien zu vermeiden...)

Wie auch immer, hier ein paar Last-Minute-Ideen für die Lieben:

http://lasticot.com/media/custom/banners/File-1377758654.jpg 
L'asticot - Swiss Ethical Kids Design
Denn wir sind uns alle einig: Kleider aus bangladeshi Kinderhänden gefertigt sind Mist. aber billig. Doch zu weihnachten dürfen es wohl ruhig etwas edlere Stoffe sein, die mit Garantie in der Schweiz verarbeitet wurden. Das Ergebnis: Hervorragende Qualität, ethisch korrekt hergestellt. Und schööööne Sachen haben die!

http://www.wuschelkiste.ch/tl_files/content/bilder/Fingerfertigkeit01.jpg 

Wuschelkiste
Für Bastelfans (oder solche, die eben selber keine Ideen haben, wie ich), ist die Wuschelkiste das ideale Kindergeschenk! Drin sind alle "Zutaten" mit Anleitung für eine gelungene Bastelidee, die das Kind am Ende am Liebsten selber behält, auch wenn es zum Verschenken gedacht war! Super Idee, als Abo erhältlich!


http://isda.ch/resources/Gold_Edition_3_gr1.jpg
ISDA - Interior Style Design Ambiance
Weil auch Erwachsene beschenkt werden wollen. Für Designfans und Liebhaber ausgefallener Möbel, Lampen und Wohnaccessoires.  Kurz: Für alle, die Alessi schon in den 90ern nicht mehr sehen konnten! (Und wann bitteschön kann man eine goldene Lomo verschenken, wenn nicht an weihnachten?)

So, jetzt aber hopp, damit das Paket noch vor Weihnachten ankommt!




Montag, 2. Dezember 2013

Nein, wir sind nicht alle gleich



Wenn wir mit Kindern über Rassismus reden, lügen wir sie an. Weshalb wir damit aufhören sollten.
«Mami, ist Rebekka eigentlich mit Schokolade überzogen?» fragte mich mein damals Dreijähriger, als ich ihn in seiner Multi-Kulti-Krippe abholte. Hin- und hergerissen zwischen Empörung und Schmunzeln, habe ich ihm erklärt, was es mit der Hautpigmentierung von Menschen afrikanischer Abstammung auf sich hat. «Aber sonst ist sie genauso wie du.» Natürlich konnte ich mir diese li(e)berale Allerwelts-Antirassismus-Floskel nicht verkneifen. Schliesslich bin ich mit links-denkenden Eltern aufgewachsen, die jede Art von Xenophobie auf's Höchste verurteilten. Und immer noch tun. 

Damit Sie mich richtig verstehen: Meine Familie ist auch Multi-Kulti: Italien, Deutschland, Frankreich, Libanon, Schweiz, Japan, Indien, China.... Das sind ein paar der Nationalitäten, von der meine Grossfamilie abstammt. Ich kann getrost behaupten, dass Rassismus mir fremd ist und ich die Ansichten meiner Eltern bis heute lebe. 

Doch tun wir unseren Kindern wirklich einen Gefallen, wenn wir ihnen weismachen wollen, dass wir alle gleich sind? Kann ein Dreijähriger wirklich etwas damit anfangen, wenn wir ihm sagen, Mahmoud sei genauso wir wir? Obwohl er einen anderen Znüni isst, anders spricht und anders lebt als wir? Ich glaube nicht. 

Im Gegenteil, ich glaube, es ist schlicht kontraproduktiv, wenn wir unseren Kindern erzählen, wir seien alle gleich und die Welt sei heil. Spätestens seit dem Minarettverbot, der Ausschaffungsinitiative, den News letzten Sommer über Oprah Winfrey und Asylanten in der Schweiz – die leider auch um die Welt gingen – zeigen uns, dass dem nicht so ist. Jede zweite Initiative der SVP beweist uns, dass es nicht der Realität entspricht, zu behaupten, wir seien alle gleich. Und schon gar nicht, wir seien alle willkommen...

Wir sind nicht alle gleich, angefangen bei Äusserlichkeiten. Das wäre abstrakt, wie in einem Science Fiction Film. Doch Kinder verstehen keine Abstraktion. Und farbenblind sind auch die wenigsten unter ihnen. Anders als wir, wissen Afroamerikanische Eltern das offenbar und handeln danach. So fand man in einer Studie heraus, dass sie ihre Kinder bereits als Dreijährige über die Rassismus-Problematik auf dieser Welt aufklären. Nach und nach wird ihnen bereits im Kleinkindalter verständlich gemacht, dass es unterschiedliche Menschen gibt. Weisse Eltern reden offenbar erst mit ihren bereits pubertierenden Kindern darüber. Noch Fragen? 


Doch was sage ich meinem weissen Schweizer Kind über die Nachbarn, deren Haut nach Schokolade schmecken könnte, wenn nicht, dass sie selbstverständlich genauso sind wie wir? Dass sie nur anders aussehen, zum Beispiel, aber deswegen genauso wie wir, manchmal nett und manchmal doof sein können. Manchmal beste Freunde und manchmal Nervensägen. Dass sie – in diesem speziellen Fall – von einem wunderschönen Kontinent abstammen, der leider viele Leute vertrieben (oder verkauft) hat, sei es aus Hungersnot oder wegen diverser Kriege, weshalb ein paar nun bei uns ein Zuhause gefunden haben.

Es reicht nämlich nicht, wenn man nur gewisse abwertende Wörter nicht mehr sagen darf. Oder Kinderbücher entsprechend neu aufgelegt werden (was ich durchaus richtig finde, wie hier schon mal erklärt). Das ist das eine. Was mir fast noch wichtiger ist – und da werde ich mit dem Alter immer untoleranter – ist, dass sie sich wehren sollen, wenn jemand in ihrem Umfeld rassistische Sprüche macht. Nicht wie viele von uns – mich eingeschlossen – höflich schweigen und hoffen, dass das Thema bald gewechselt wird. Nein! Auf den Tisch hauen und der Person sagen, wie dumm sie ist, wenn sie wirklich glaubt, sie dürfe von ihrem hohen weissen Pferd herunter predigen, Asylanten sollen nach Hause, statt bei uns Drogen zu dealen! Das wünsche ich mir am allermeisten von meinen Kindern: Nicht nur, dass sie keine Rassisten werden, sondern auch, dass sie den üblichen Rassisten über ihr fieses Maul fahren. 
 
Ach ja, fast hätte ich es vergessen: Unser Dorf muss in Zukunft 4 ½ Asylanten aufnehmen (was immer der Halbe bedeuten mag). Die Diskussion ist meines Erachtens also noch lange nicht beendet. 

Wie gehen Sie mit dem Thema Rassismus bei Ihren Kinder um?

Mittwoch, 27. November 2013

«Das kriegen wir schon hin.»



Wenn ein Kind kommt, denken wir das alle. Doch dann kommt es anders: Stress, wenig Schlaf, Beziehungskrise, dringendes Pipi im Feierabendverkehr. Doch will ich mir das im Kino antun?
Viele Filme und Serien haben das Genre schon unter die Lupe genommen. Meist wurde Slapstick daraus, denn die Panik der Eltern vor dem ersten Kind eignet sich nun mal bestens dazu. Wenige Produktionen thematisierten bis heute die stinknormale Familie, wie wir sie sind. Wieso eigentlich?

Wohl deswegen, weil wir es zwar popcorn-schmatzend geniessen, Kriegshelden fallen und Liebesbeziehungen auseinanderbrechen zu sehen. Unser eigenes Leben vorgeführt zu bekommen, ist aber zu schmerzhaft. Und entsprechend langweilig. Auch kann es heikel sein, wenn Mami und Papi den Film zusammen schauen und ihre Defizite von bekannten Schauspielern gespielt sehen.

Oder haben Sie vielleicht «Motherhood» (mit Uma Thurman, 2009) oder «Little Children» (mit Kate Winslet, 2008) gesehen? Sollten Sie aber. Genauso steht es um den neusten in dieser Reihe: «Eltern». Ich gebe aber zu, dass ich die Presse-DVD auch erst einmal drei Tage habe liegen lassen.

«Eltern» möchte gemäss Regisseur Robert Thalheim das «Bermudadreieck von Beruf, Familie und Beziehung» erkunden. Das Bermudadreieck? Soll das heissen, es geht etwas unwiderruflich verloren, wenn man Familie hat? Will man dem Film Glauben schenken, ja. Und zwar so ziemlich alles, was ein Paar mal ausgemacht hat. Oder einen Menschen.

Alles «hinzukriegen» scheint nämlich bei Christine und Konrad mehr Wunsch als Wirklichkeit. Schliesslich fängt er gerade wieder an zu arbeiten, nachdem er sich jahrelang um Kind und Küche gekümmert hat. Der Hausmann und liebender Familienvater freut sich – wer könnte es ihm verdenken – sehr auf seine Arbeit als Theaterregisseur. Doch obwohl seine Ehe bis jetzt wirklich locker und heiter schien – oder wie soll man eine Beziehung nennen, bei dem die Eltern nach dem Kindergeburtstag genüsslich einen Joint rauchen und fast Sex miteinander haben? Fast, weil die Kleine natürlich reinplatzt, what else? – geht es ab seinem ersten Arbeitstag nur noch abwärts.

Das mag daran liegen, dass der tolle Papa seinen Töchtern einfach nichts abschlagen kann. So darf seine 7-Jährige im Auto – weil sie ja sooo dringend muss – in Z’Vieri Tupperware pinkeln...
Sicher nicht förderlich ist Christines Affäre mit einem Arbeitskollegen, der im selben Krankenhaus arbeitet wie sie.
Und vielleicht ist es eben doch keine gute Idee, als Konrad die Kinder mit an den ersten Probetag seines neuen Stückes mitnimmt. Bei den Szenen, als seine Kinder in den Zuschauerrängen miteinander streiten, wurde mir etwas kötzlig. Aus Erfahrung weiss ich nämlich, dass arbeiten mit den Kindern im selben Raum die Hölle ist!

Alles klar, der Alltag als erwerbstätige Eltern ist schwer, so weit so klar (Wasser auf die Mühlen der SVP mit ihrer Familieninitiative). 

Tatsache ist, Erwerbstätigkeit und elterliche Verantwortung beissen sich. Der Job wird NIE WIEDER so sein wie früher. Diese Freiheit, auch mal Überstunden machen zu können, wenn es nötig ist, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben, ist vorbei. Spontan in die Bar mit den Arbeitskollegen? Over! Überhaupt, ein Leben ohne schlechtes Gewissen? Vorbei! Natürlich stellt sich nun die Frage: Lohnt sich das? Lohnt sich der Stress, seinen Job zu behalten oder wieder aufzunehmen, wenn ich damit das Familiengefüge gefährde? Lohnen sich Blut, Schweiss und Tränen? 

Der Film meint: Unbedingt! Oder wie das Pressebooklet es so schön formuliert: «Was bleibt, ist die Familie.» 

«Eltern» von Robert Thalheim, ab 28. November 2013 in Schweizer Kinos.

Montag, 25. November 2013

Noch 30 Mal schlafen und dann ist Weihnachten!



Als perfekte Einstimmung möchte ich euch deshalb "Eine Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens empfehlen. Schwere Kost? Nicht, wenn es von Kindern gespielt wird. Ach ja und vergesst die Taschentücher nicht!...

Eigentlich ohne Überraschung hat das Kinder-Tanztheater Neftenbach auch dieses Jahr wieder ein sensationelles Spektakel auf die Beine gestellt: "Eine Weihnachtsgeschichte". Der englische Klassiker von Charles Dickens wird von Claudia Cortis Schülern und Schülerinnen interpretiert, von denen einige wirkliche Talente sind.

Es ist nicht so, wie ihr vielleicht denkt (das dachte ich beim ersten Mal nämlich auch): Es ist keine Kinder-Aufführung. Da würde es ja keinen Sinn machen, wenn das eigene Kind nicht dabei ist, richtig? Es sind zwar Kinder, die spielen, tanzen und singen, aber das Stück ist so professionell aufgezogen, dass man das ehrlich vergisst und einfach nur das Spektakel geniesst. Und der Auftritt der ganz Kleinen als Engelein darf man einfach nicht verpassen!

Noch dieses und nächstes Wochenende im Stadttheater Winterthur: "Eine Weihnachtsgeschichte".

Hohoho....

Für alle, die kein rosa mögen...



Das Problem wurde vielleicht gelöst. Denn auch mit rosa Plastik-Mist lässt sich offenbar etwas Schlaues für coole Girls erschaffen. Wie ausgerechnet ein Spielzeuganbieter uns darauf aufmerksam machen will. 

GoldieBlox, der von Ingenieurin Debbie Sterling gegründete Spielzeughersteller, macht schon seit einem Jahr in Sachen Girl Power von sich reden. Und die Girls werden immer lauter. Der letzte Coup legt neue Worte über einen alten Song der Beastie Boys. Die drei coolen Mädchen verwandeln einen rosa Prinzessinnen-(Alb)traum in eine unglaubliche Prinzessinnen-Maschine, welche ausschliesslich aus echtem Spielzeug gebaut wurde. Der Text spricht dann für sich:
Zeit für Veränderung! Wir verdienen mehr Bandbreite, denn alle unsere Spielsachen sehen identisch aus, und wir würden gerne unsere Gehirne nutzen. Wir sind mehr als nur Prinzessinnen-Maiden!
So, ich muss jetzt los und meiner Tochter helfen, eine solche Maschine aus all ihrem rosa Müll zu bauen...
Falls Sie sich fragen, wie das Ding gebaut wurde, gibt es hier die Backstage-Szenen zum Clip.

Freitag, 22. November 2013

«Mami kann eben nichts»

 




Ich kann weder kochen noch basteln noch backen. Sind meine Kinder trotzdem stolz auf mich? Gedanken dazu.


Räbeliechtli-Schnitzete. Ein Event, an dem alle Mamis (und ein paar verirrte Papis) sich im Schulzimmer wiederfinden, um ihren Kindern zu helfen, die viel zu harten, stinkenden, Gemüsebälle in Form zu bringen. Seit mein Mann letztes Jahr das Schnitzen übernommen und – als Designer und Zeichner – wunderschöne Räben für unseren Sohn geschnitzt hat, ist er dran. Er muss jetzt jedes Jahr. Denn «meine» Räben wurden eins, zwei, zack, zack jeweils mit ein paar Guetzli-Formen geschmückt und damit hatte es sich. Ich kann das nämlich nicht. Genauso wenig, wie ich nähen, basteln, werken und all die Sachen kann, für die ich meine Kinder eben in den Kindergarten schicke. Er schon.

Also war der Monsieur auch dieses Jahr dabei, und wir teilten uns die Aufgaben auf: Ich höhle aus, er kümmert sich um die Kunst. Eine klare, den Talenten entsprechende, Aufteilung. Womit ich nicht gerechnet hatte, waren die vielen Bemerkungen, die ich mir deswegen anhören musste. Ich, nicht mein Mann. Natürlich nicht. Für die Mamis ist das ja immer so «herzig!», wenn die Papis mal Hand anlegen und sich den Vormittag frei nehmen, um mit den Kinderlein Räben zu schnitzen. (Dass dann trotzdem keine mit den Papis ein Wort wechselt, ist ein Phänomen, das ich an einer anderen Stelle mal besprechen werden.) Ich hingegen bin einfach eine faule Sau, weil ich die Räben meiner beiden Kinder nicht – wie so viele andere – alleine schnitzen will.

So musste ich mir anhören, dass es eigentlich mein Job wäre, die Räbe zu verzieren. (Offenbar ist Schönes nur Frauen gegeben). Da ich kein Problem habe zuzugeben, dass mein Mann in solchen Sachen einfach stärker ist, glaubte sich ein Vater dazu genötigt, mich zu verteidigen, in dem er zu meinen Sohn meinte: «Dafür kann Mami aber sicher besser kochen.» Worauf mein treuer und loyaler Sohn den Kopf schüttelte. «Nein, das kann Papa auch besser. Mama kann solche Sachen nicht.» Was stimmt. Trotzdem: Autsch!

Seither überlege ich mir, was ich in den Augen meiner Kinder eigentlich kann. Worauf sie eines Tages stolz sein werden, wenn sie an mich denken. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich wollte nie die Mutter sein, bei denen die Kinder ins Schwärmen geraten, weil ich die besten Cakes backe oder die schönsten Weihnachtssterne bastle. So viel war mir immer klar: Darauf werden meine Kinder nie stolz sein.

Doch worauf dann? Was werden sie ihren Freunden erzählen von mir? Und schon kommen die Zweifel und das schlechte Gewissen. Ich bin die Mutter, die viel arbeitet, die nicht viel mit ihren Kindern unternimmt und vor allem haushaltet, wenn wir mal zu Hause sind. Ich bin auch die Mutter, die nicht immer besonders nett zu den Kindern ist, immer ehrlich und manchmal eben etwas schroff. Ich habe noch nie Babysprache mit meinen Kindern gesprochen, einfach weil ich es für respektlos halte, sie wie Minderbemittelte zu behandeln. Doch wissen meine Kinder zu schätzen, wie sehr ich sie als Individuen respektiere? Werden sie das mal verstehen?

Meine Eltern waren übrigens genauso. Sie waren immer sich selber und das war nicht immer angenehm. Aber immer authentisch, wenn ich dieses in der Ratgeberliteratur inflationär gebrauchte Wort einmal mehr bemühen darf. Als ich gestern einen guten Freund fragte, worauf er bei seiner Mutter – zu der er auch heute noch ein hervorragendes Verhältnis hat – stolz ist, meinte er: «Darauf, dass sie immer ehrlich zu mir war, auch wenn es weh tat. Ich kann sie heute noch alles Mögliche fragen und weiss, dass ich eine ehrliche Meinung hören werde. Deshalb frage ich sie ja auch heute noch.»

Genau das möchte ich auch. Ich möchte, dass meine Kinder nicht stolz auf mich als Mutter sind, sondern stolz auf unsere Beziehung, die wir gemeinsam aufgebaut haben. Darauf werde ich jetzt hin arbeiten. Ganz ohne Guetzli backen und mit Räben, denen nicht ich, sondern mein Mann Schönes reingeschnitzt hat. Was soll’s?

Worauf sollen eure Kinder stolz sein, wenn sie später einmal von euch sprechen?

Donnerstag, 21. November 2013

Nein, Mutter sein ist nicht der wichtigste Job der Welt

 



Eine englische Journalistin empfiehlt uns allen, diesen «Slogan» fallen zu lassen. Lesen Sie, weshalb sie Recht haben könnte.

«Mutter sein ist NICHT der wichtigste Job der Welt. Da. Ich hab’s gesagt!» So fängt Catherine Devenys Artikel von letzter Woche im englischen «The Guardian» an. Sie bezieht sich dabei auf eine Umfrage des amerikanischen Elternmagazins «Parents», in dem offenbar 92% der befragten Mütter angaben, Mutter sein sei der wichtigste Job der Welt.

Wieso sie denkt, dieser oft gehörte Satz könne sie so nicht stehen lassen? Hier ihre Argumente:
  • Wenn es der wichtigste Job ist, wieso wird der Satz als Slogan für Klo-Reiniger benutzt?
  • Wieso gibt es nicht mehr Männer, die diesen ach so tollen Job machen möchten? Oder wer hat schon mal einen Mann sagen hören «Vater sein ist der tollste Job der Welt»?
  • Diese Vergötterung der Mutter führt dazu, dass alle anderen Bezugspersonen sich in ihrer Bedeutung minderwertig fühlen müssen. Was bedeutet dieser Satz für alle Homo- und alleinerziehende Väter? Kommen die immer erst als zweiter in der Hitparade?
  • Ausserdem verwirrt sie der Begriff der Mutter: Wird man Mutter mit der Geburt? Oder ist eine Mutter die, die für Kinder sorgt, ohne dafür bezahlt zu werden? Geht es bei diesem Satz darum, die aufgegebene Karriere zu kompensieren? Oder eben den fehlenden Lohn?
  • Wenn Mutter sein ein Job wäre, gäbe es eine Selektion, Bezahlung, Ferien, Rapporte, Qualigespräche, Apéros und man könnte seine Stelle künden und eine andere annehmen, wenn einem die Leute nicht passten.
  • Aber angenommen, es wäre ein Job, dann sicher nicht der härteste. Zumindest nicht verglichen mit einem minderjährigen Arbeiter in einer Kleiderfabrik in Bangladesh zum Beispiel.
  • Der wichtigste Job auf der Welt? Verglichen mit einem Chirurgen, der Leben rettet oder einem Richter, der über das Leben eines Einzelnen entscheidet?
  • Und den Unterschied, den alle (ob bewusst oder unbewusst) machen: Sogenannte Karriere-Mütter sind zuunterst auf der Wichtigkeits-Skala angesiedelt, während Mütter, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen, diesen «Job» eben besser machen. Je mehr outgesourced wird – wie Kinderbetreuung oder eine Reinigungshilfe – , desto schlechter die Mutter.
  • Dieser Satz ermutigt Frauen nur dazu, gesellschaftlich und finanziell abhängig zu werden.
  • Er entfremdet die Väter von ihren Kindern.
  • Er untergräbt andere Erwachsenen-Beziehungen zum Kind.
  • Der Slogan erlaubt es Männer weiterhin, sich auf ihren «heteronormativen Privileg-Loorbeeren in der nuklearen Familie» auszuruhen und folglich schränkt er sie ebenfalls in ihrer Wahlfreiheit ein.
Die Autorin schliesst damit ab, dass es in Ordnung sei, die Mutterschaft beizuziehen, wenn es tatsächlich um etwas geht, das direkt mit ihr zu tun hat wie beispielsweise ein Dammriss. Aber «Mutterschaft» dazu zu missbrauchen, um sich damit zu brüsten, man sorge sich mehr um die Menschheit als andere, wenn sie dazu benutzt wird, zu behaupten, man habe mehr Mitgefühl und arbeite härter als das Gegenüber, fordert sie alle Mütter auf «to get over it»!
Schön gesagt. Finde ich. Und ihr?

Donnerstag, 14. November 2013

Genug ist genug!



Die Berichterstattung über die Familieninitiative bringt Kommentare hervor, die einem den Nuggi raushauen.

Mir reicht’s! Nein, nicht meine Kinder oder mein Job veranlassen mich dazu, im folgenden Text mehr als die journalistisch erlaubten Ausrufezeichen zu verwenden. Vielmehr ist es die SVP bzw. ihre Familieninitiative bzw. deren Berichterstattung bzw. deren Kommentatoren, die mich auf die Palme bringen.

Vorneweg: Ich habe GEGEN die Initiative gestimmt (per Post, schon weg, Argumente für ein Ja kommen jetzt also zu spät, besten Dank). Dagegen bin ich aus offensichtlichen Gründen, die ich gerne noch mal zusammenfasse: Eine Steuererleichterung für Eltern, die es sich leisten können, nicht beide zu arbeiten, ist nicht fair. Denn die – und nur die – würden das Steuergeschenk der Partei mit dem Sünneli erhalten (da der Abzug nur auf der direkten Bundessteuer zum Tragen kommt und schlecht Verdienende diese nicht oder kaum bezahlen). Die Familien, die den Abzug gebrauchen könnten, kommen gar nicht in den Genuss. Also NEIN!

Was mir aber in dieser Debatte noch viel mehr auf den Senkel geht als die wirtschaftlichen «Argumente» sind die persönlichen. Es sind die Kommentare, die darauf hinauslaufen, festzustellen, wer die besseren Eltern – bzw. Mütter – sind.

Abgeschobene Staatskinder?
Menschenskinder, wir Eltern, die ihre Kinder fremd betreuen lassen, sind doch nicht vollkommen auf den Kopf gefallen!! Wir «schieben» unsere «Staatskinder» doch nicht in irgendeine Kinderfabrik, die sich nicht richtig um sie kümmert, ihnen nur ungeniessbaren Frass vorsetzt und nicht beibringt, wie man sich zu verhalten hat! Daran ändern auch die vielen Bildern von weinenden, alleingelassenen Kleinkindern mit Rotznase nichts!

Das Warum und Wieso der Fremdbetreuung ist in jeder Familie ein anderes. Ich arbeite, weil ich arbeiten will und muss, wenn wir uns auch mal etwas leisten möchten. Einige arbeiten, weil sie einen megamässigen Job haben, den sie nicht aufgeben möchten, weil sie befürchten, den Anschluss zu verpassen. Die meisten arbeiten, weil gar nichts anderes in Frage kommt.

Genauso gibt es Eltern/Mütter, die zu Hause bleiben. Aus ganz verschiedenen Gründen. Die einen, weil sie es sich leisten können. Die anderen, weil sie ein Kind haben, dem die Fremdbetreuung vielleicht (noch) nicht gut tun würde. Andere, weil sie schlicht keinen Job finden. Und viele, weil es in der Nähe keine Betreuung gibt.

SO WHAT?!?! Jede Familie funktioniert anders, wer die Wahl hat, soll wählen. (Dass die meisten gar keine Wahl haben, wird in unserem verwöhnten und reichen Land sowieso seit Jahren ignoriert.) Und jeder Mutter, jeder Vater möchte sich so gut sie/er kann, um die Kinder kümmern, für sie da sein. Wir lieben unsere Kinder alle, auch wenn wir am Arbeitsplatz sitzen! Oder liebt eine Hausfrau ihre Kinder etwa nur, wenn sie anwesend sind? Wir sind alles Vollzeitmütter und -väter, nur können wir nicht alle 24/7 um unsere Kinder sein! Das ist alles!

Wenn ich also noch einmal das Wort «Staatskinder» lese, flippe ich aus! Denn, wer schon mal in einem totalitären Staat gelebt hat, weiss, was «Staatskinder» wirklich bedeutet. Alle anderen: Klappe halten!

So, ich glaube, meinen Standpunkt habe ich klar gemacht. Liebe Mütter (denn ja, die ganze Debatte nimmt meist nur die Mütter ins Visier), macht was ihr wollt. Arbeitet ausser Haus, bleibt zu Hause, arbeitet Teilzeit oder geht in die Maniküre. Das ist einzig und alleine eure Sache.
 
Ich hoffe vor allen Dingen, dass der Vater eurer Kinder eure Wahl unterstützt und ihr damit zufrieden seid. Denn nur das zählt.

Montag, 11. November 2013

Von Handy-Eltern und Depro-Kindern



Der Shitstorm von letzter Woche erinnerte mich daran, dass eine ähnliche Eltern-sind-dauernd-am-Handy-Studie bereits vor zwei Jahren ein Thema war. Erinnern Sie sich?

«Eltern ständig am Handy – Kinder werden depressiv». So betitelte die Gratiszeitung reisserisch den Bericht über eine schwedische Studie. Es war weniger der Artikel selber, als die Kommentare dazu, die die (meine) Nerven strapazieren. Weshalb ich daran denken musste, dass wir ähnlich empörte Kommentare schon einmal lesen mussten. Nach dem Shitstorm von letzter Woche im 20 Minuten habe ich es mir deshalb einfach gemacht. Das Thema hatten wir nämlich schon am 10. Juni 2011. Deshalb hier der Text nochmal, denn ja, meine Meinung dazu hat sich auch nach zweieinhalb Jahren nicht geändert:

Wenn ich diese Zeilen fertig geschrieben habe, muss ich noch schnell einen dringenden Anruf erledigen, dann Wäsche falten und Abendessen kochen. Während dieser ganzen Zeit werde ich mich nicht mit meinen Kindern beschäftigen, geschweige denn, mit ihnen sprechen.

«Geht gar nicht!» meinte letzte Woche René Staubli auf diversen News-Kanälen. Der Journalist sollte eine deutsche Studie kommentieren, die besagt, dass Mütter mehr in ihr Handy als mit ihren Kindern reden. Leider ist in dem Artikel weder ein Link zur Studie zu finden, noch ist es ein ernst zu nehmender Kommentar. Herr Staubli versinkt im Pathos: «Die Kleinen müssen sich verloren vorkommen, denkt man, verunsichert, verzweifelt. Sie schaffen es einfach nicht, ihre wichtigste Bezugsperson für sich zu interessieren.» Im Ernst?

Interessieren Sie sich jede Minute Ihres Tages für Ihr Kind? Beschäftigen Sie sich rund um die Uhr mit den Sprösslingen? Sie ahnen es bereits: Ich nicht! Obwohl, «Kinder leiden unter den leeren Augen einer Mutter, die nur halb anwesend ist». «Sicherheit gibt ihnen nur eines: der enge emotionale Kontakt mit nahen Menschen.», Staubli O-Ton. An Letzterem gibt es nichts auszusetzen, emotionaler Kontakt ist für ein Kind lebenswichtig. Doch muss dieser Kontakt 24 Stunden am Tag gleich intensiv sein?

In meinem Bekanntenkreis gibt es Eltern, die ebenfalls meinen, Kinder müssten dauerbeschallt werden. Sie «kümmern» sich ohne Punkt und Komma um ihren Nachwuchs, es wird gefüttert, gespielt, vorgelesen, gerutscht, geklettert, gekuschelt, auf den Schoss gesetzt, bequasselt und erst wenn sie im Bett sind, scheinen Mama und Papa endlich mal Pause zu haben. Was für ein Stress! Wann erholen sich die Kleinen denn mal von der elterlichen Berieselung? Auch erst, wenn sie schlafen? Darf ein Kind nicht auch einfach mal Ruhe haben? Und Langeweile verspüren?

Es ist ja nicht so, dass die Generation unserer Eltern, als es noch keine Handys gab, wirklich präsenter für uns Kinder da gewesen wären. Und auch die Generationen davor nicht. Eine nicht repräsentative Umfrage ergab, dass Mütter sich auch früher – wenn nicht noch mehr als heute – ihre Freiräume schafften. Mütter, die gerne plauderten, hingen dabei halt nicht am Telefon, sondern luden ihre Freundinnen zu sich ein, derweil die Kinder sich alleine beschäftigen mussten. Dies scheint heute in unserer verbildeten, Ratgeber- und Theorie-geplagten Gesellschaft nicht mehr möglich zu sein. Oder wie erkläre ich mir einen Zweijährigen, der gleich nach dem Aufwachen mit Spielsachen am elterlichen Bett steht, weil er gefälligst mit Mami spielen will?

Ich wage zu behaupten, besagter Journalist, und seine vorwiegend männlichen Kommentatoren, haben nie sechs Monate lang 24 Stunden mit einem Baby verbracht. Zwölf mal täglich dieselben Aktionen, wickeln, füttern, herumtragen, um am nächsten Tag wieder von vorne zu beginnen... Wetten, sie würden alle auch gerne mal zum Handy greifen?
Es gibt viele Situationen, in denen wir uns nicht oder nur nebenbei um unsere Kinder kümmern: Waschen, kochen, Wäsche falten, staubsaugen, einkaufen, arbeiten und und und... Sollen wir das alles ebenfalls bleiben lassen, weil sonst der Kontakt zum Nachwuchs leidet? Warten wir doch einfach ab, bis sich die Kinder mit ihren eigenen Handy rächen und UNS vernachlässigen!

Was meinen Sie? Hängen wir zu viel am Smartphone und Co. oder ist das wieder einmal eine dieser Studien, die uns ein schlechtes Gewissen einreden wollen?

Dienstag, 5. November 2013

Genderspezifische Nix-Könner



Weihnachtskataloge flattern uns schon wieder ins Haus. Und werfen Fragen auf.

Juhuiii, Schweizer Einzelhandelsunternehmen sandten auch diesen Oktober wieder Katalog-Heftchen in alle Haushalte. Gefüllt mit Plastik-Spielsachen, schön in Mädchen- (rosa) und Jungs- (blau) Kapiteln geben Sie im Hause Sassine schon wieder Anlass zu wiederholtem, heftigem Kopfschütteln.
Für Sie herausgepickt:
  • ein Plastik-Haarfön, der nicht bläst.
  • ein Barbie-Auto, in das Barbie offenbar gar nicht reinpasst.
  • ein Make-up-Set für 5-Jährige (?!?!)
  • ein Plastik-Staubsauger, der zwar genauso aussieht wie unserer, aber nicht saugt... (das nennen die dann «kindergerechte Funktionen»)
Und so weiter und so fort. Natürlich fällt auf, dass es sich bei den unnützen Geschenken nur um Mädchensachen handelt. Oder liegt es daran, dass ich selber eine Frau bin? Oder anders gesagt, es fällt auf – wie jedes Jahr –, dass diese überhaupt als «Mädchensachen» zu erkennen sind. Die Seiten rosa, die Models weiblich, die Untertitel wie aus den 50ern: «Willst du Mami beim Staubsaugen helfen?» (Papi braucht keine Hilfe, der kann das alleine? Oder weiss Papi erst gar nicht, wie man den Staubsauger bedient?). Nun gehöre ich nicht zu denen, die krampfhaft versuchen, gender-neutrales Spielzeug ans Kind zu bringen, aber das ist sogar mir zu doof.

Auf jeden Fall verstehe ich nicht, wieso ein fünfjähriges Mädchen ein Make-up-Set braucht mit grünem und blauem Lidschatten, pinkem Lippenstift und rotem Nagellack. Ich habe damit gleich zwei Probleme:

1.  Make-up für ein Gesichtchen, das eben noch ganz ohne Make-up zauberhaft aussieht und für eine Haut, die noch nie Chemie erleiden musste?
2.  Wieso soll sich meine Tochter bunt schminken lernen? Damit ich es ihr nachher wieder abgewöhnen muss, weil sie sonst rumlaufen wird wie die Dorf-Puffmutter?
Ich weiss, Kinder verkleiden sich gerne und wir Mütter sind Vorbilder und ja, ich schminke mich auch. Trotzdem habe ich enorme Mühe damit, wenn der Katalog-Text lautet «...alles, was du zum Schminken und Stylen brauchst.» Brauchen? Ein Mädchen braucht Liebe, gutes Essen und warme Kleidung. Aber Make-up?

Nur so tun als ob
Fast noch dümmer finde ich aber den Staubsauger und den Fön. Wenn solche Spielsachen wenigstens einen Nutzen hätten wie das selbständige Saubermachen des eigenen Kinderzimmers bzw. Trocknen der Haare! Aber nein, sie sollen nur so tun als ob. Einverstanden, spielen ist spielen und nicht putzen oder frisieren. Aber tun Kinder nicht auch lieber etwas Richtiges, wenn sie schon ein Utensil haben, das genauso aussieht wie das echte? Ich glaube schon! Wieso sonst würden die meisten Kinder sich mindestens einmal im Leben selber die Fransen schneiden? Nicht mit der stumpfen Bastelschere, am Liebsten mit der Küchenschere, so dass die Fransen WIRKLICH ab sind! Wieso diese Inkonsequenz? Ein echtes Make-up-Set versus ein falscher Staubsauger. Macht irgendwie keinen Sinn, finden Sie nicht?

Spielzeughersteller sollte man sein, dann hätten wir Eltern mehr von den Geschenken, glauben Sie mir. Und nun raten Sie mal, was sich meine Tochter zu Weihnachten wünscht? Genau, den gender-spezifisch genau definierten Staubsauger, der nix kann! Ach ja, und ein lebensgrosses Zwergpony...

Übrigens: Die Kampagne Pink Stinks setzt sich (u.a. mit dem «wir eltern»-Blogger Nils Pickert)  gegen Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien ein, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen. Diese «Pinkifizierung» trifft Mädchen und Jungen gleichermassen, und Pink Stinks möchte diesem Trend entgegenwirken. Sie werben für ein kritisches Medienbewusstsein, Selbstachtung, ein positives Körperbild und alternative weibliche Rollenbilder für Kinder.

Neben "Pinkstinks" gibt es auch die Initiative "Let toys be toys - For girls and for boys", die sich dafür einsetzt, dass Spielzeuggeschäfte ihre Rayons nicht nach Buben und Mädchen anschreiben, sondern nach Interessengebieten. Es wäre ja schade, wenn Buben nur deshalb nicht Staubsaugen lernten, weil "für Mädchen" an den Dingern angeschrieben ist...
(Danke Katharina für den Hinweis!
)

Montag, 4. November 2013

Beim Sex ist es doch so...




(Erschienen im aktuellen wir eltern, zusammen mit Nils Pickerts Text aus Männersicht.)

Beim Sex ist es doch so: Mit 16 denkt man an nichts anderes und tut alles, um nicht schwanger zu werden. Mit 26 denkt man an nichts anderes und nimmt in Kauf, schwanger zu werden. Mit 36 denkt man an nichts anderes, um endlich doch noch schwanger zu werden. Danach? Denkt man ab und zu daran und fragt sich, wann denn das letzte Mal war. Und ist froh, dass man nie wieder davon schwanger werden wird!

Zugegeben, obiges gilt vielleicht nur für mich. Doch was ich damit sagen will: Sex ist immer präsent, in jeder Phase unseres Lebens. Nach einer Heirat, zwei Kindern, schlaflosen Nächten, leer gesaugten Brüsten und zahllosen Schwangerschaftsstreifen auch. Nur eben anders.

Doch wenn wir dann schon mal das Glück haben, zu zweit ein kinderloses Wochenende geniessen zu dürfen, sollten die Gedanken an Sex nicht eher denen einer 16-jährigen ähneln? Endlich dürfen wir wiedermal? Endlich können wir uns hemmugslos gehen lassen – sowohl physisch wie akustisch -  ohne das geringste Risiko, dabei gestört zu werden! Endlich! Doch aus irgendeinem Grund fühlt sich das nicht wie eine Erleichterung an. Im Gegenteil. Mir fällt dann vielmehr der Queen-Song «Under pressure» ein.

Denn, beim Sex ist es doch so: Jetzt, da wir endlich können, müssen wir auch. So schnell werden wir nicht wieder sturmfrei haben. Ausserdem wurden schon seit Ewigkeiten keine Körperflüssigkeiten mehr ausgetauscht! Also bitte, liebe Libido, stell dich ein!

Die Lust funktioniert aber eben nicht immer nach dem Lust-Prinzip. Die hat nämlich ihren eigenen Kopf. Und wird mit Garantie nicht genau dann aufkreuzen, wenn das Gotti die lieben Kinderlein abgeholt hat und wir jetzt das Haus für uns haben. Denn vorher könnte Mami ja noch die Waschmaschine füllen, den Staubsauger wegräumen und überhaupt hat sie sich die Haare schon lange nicht mehr gefärbt. Alles eine Frage der Prioritäten.

Sage ich mir und stecke mir die Haare hoch, während ich über den Staubsauger steige, um an meine feine Unterwäsche zu gelangen. Denn auch die will eingeplant sein, wer soll sie denn bitteschön sonst bewundern, wenn nicht der Monsieur an einem sturmfreien Abend?

Also wird gestylt, getupft, gelackt, geschminkt und da und dort ein Häärchen gezupft. Fertig! Währenddessen zieht er schnell ein anderes Hemd über (!) und ist ebenfalls fertig! Gehen wir? Einen klitzekleinen Moment überlege ich mir, ob ich ihn ins Schlafzimmer – oder noch besser auf die Couch -  zerren und vernaschen soll. So spontan geht ja sonst gar nie. Doch meine Frisur hält nur dank drei Tonnen Haarlack und ungestümer, spontaner Sex würde sie ruinieren. Ausserdem müsste ich mein ganzes Outfit aus- und wieder anziehen. Inklusive High Heels. Anstrengend. Also später.

Ein gutes Restaurant, guter Wein, noch bessere Gespräche... Toller Abend. Das Gefühl, zueinander zu gehören, ist immer noch da. Das pure Glück! Der Wein steigt in den Kopf. Aber nicht in die Lenden. Leider.

Nun ist man ja schon lange genug verheiratet, um zu wissen, dass der nicht durchgeführte Coitus den Kater am nächsten Morgen verstärken wird. Und ich mich, sobald die Kinder wieder da sind, dafür ohrfeigen könnte, gleich beim Ins-Bett-Gehen eingeschlafen zu sein.

Denn beim Sex mit seiner grossen Liebe ist es doch so: Hätte man Sex gehabt, wäre er gut gewesen. Denn das ist er jedes Mal. Mit 16 war das anders.

Freitag, 1. November 2013

Noch Fragen?



Dagegen ist die Frage, woher die Babies kommen, ein Klacks!

Liebe Eltern, eine Frage: Fürchten Sie sich vor dem Blümchen-Bienchen-Gespräch mit Ihren Kindern? Wenn ja, wieso? Ist es wirklich so schlimm? Oder sagen Ihnen einfach alle, dass es schwierig ist, dieses Thema anzusprechen? Oder vielleicht haben Sie gar keine Angst? Nämlich weil Sie wissen, dass es noch weit beängstigendere Themen gibt, die Sie früher oder später mit Ihren Kids angehen müssen?

Wenn Sie nämlich darüber nachdenken, hatten Sie als Eltern definitiv schon einmal Sex, Sie wissen also, wovon Sie reden. Und wenn Sie «Wie rede ich mit meinen Kindern über Sex» googeln, erscheinen ungefähr 873 Millionen Links, die Ihnen weiterhelfen. Könnte es also nicht sein, dass die Erklärung, wie Babies gemacht werden zu unseren kleinsten Sorgen gehören sollte?

Das zumindest dachte ich nach der Lektüre von «Mom, I’m Not a Kid Anymore» von Sue Sanders, deren Tochter im Teenager-Alter einige Bomben fallen liess. Lassen Sie es mich so sagen: Wir haben ja keine Ahnung, was da auf uns zukommt!

Deshalb habe ich ein wenig rumgefragt, was denn die meist befürchteten Fragen sind, die unser Kind uns je stellen könnte. Eine Auswahl, sozusagen als Vorbereitung für schwierige Zeiten... Viele dieser Fragen können aber auch vor der Pubertät kommen, also Achtung!

  1. «Ich bin schwanger. Was jetzt? (Alternativ dazu: «Mama, meine Freundin ist schwanger, was jetzt?»)
  2. «Mama, darf ich ein Tattoo? Du hast ja auch eins!»
  3. «Papa, wie oft hast du denn gekifft?»
  4. «Wieso sprichst du nicht mehr mit dem Grosi?»
  5. «Ich bin so dick! Darf ich das Essen ausfallen lassen?»
  6. «Wann habt ihr angefangen, Alkohol zu trinken?»
  7. «Seid ihr schon mal betrunken Auto gefahren?»
  8. «Mami, hattest du noch nie unverhüteten Sex?»
  9. «Papa, ich bin betrunken... Holst du mich bitte ab?»
  10. «Was ist an diesen Fotos schon dran? Ich habe ja noch was an!»
Welches sind die Fragen, die Sie befürchten? Oder hat Ihr Kind sie schon gestellt? Wie war Ihre Antwort darauf?

Freitag, 25. Oktober 2013

Hausaufgaben-«Hilfe»...



Die Ferien sind fertig, die Schule fängt wieder an. Und mit ihr der Horror der Hausaufgaben.

Ferien sind super. Morgens ausschlafen, im Pijama rumhängen, irgendwann frühstücken, Ausflüge planen und einfach mal sein. Wunderbar!

Nun musste ich während der Herbstferien arbeiten und die Erholung war eine andere. Nämlich die Erholung vor den Hausaufgaben. Ganze zwei Wochen keinen Mathe-Stress! Fast so schön, wie im Piji rumhängen und ausschlafen! Denn ab einer gewissen Primarstufe fällt bei den Hausaufgaben der Junioren der Jööh-Effekt weg. Vollkommen. Mein Sohn tanzt an mit richtig schweren Kopfrechnungen mit so unglaublich hohen Zahlen. Mein hilfloser Blick, der verzweifelt nach einem Taschenrechner zielt, hilft dem Kleinen in seinem mathematischen Selbstbewusstsein auch nicht gerade weiter. Natürlich reibe ich ihm nicht unter die Nase, dass ich in Mathe eine Null war, das muss er selber schon gemerkt haben. Die Lehrerin hat uns gesagt, wir sollen die Kinder motivieren, auch wenn wir befürchten, dass sie unsere defizitären Algebra-Gene geerbt haben.

Was mich immer wieder erstaunt in dieser Hausaufgaben-Frage ist, dass ich keinerlei Erinnerung daran habe, dass meine Eltern mir in der Primar irgendwie bei den Hausaufgaben geholfen hätten. Nie. Sie übrigens auch nicht. Ich kam von der Schule nach Hause, machte meine Aufgaben (ob richtig oder falsch lässt sich nicht mehr nachvollziehen) und ging so schnell wie möglich wieder raus zum Spielen.

Bei meinem Kind sieht das ganz anders aus: Er kommt nach Hause, ist todmüde, hängt ein bisschen rum, isst Zvieri und macht sich dann maulend an die vielen Hausaufgaben. Englisch, etwas Deutsch und die verhasste Mathematik.

Mein Verstand empfiehlt mir und ihm, erst die Aufgaben zu machen, die ihm weniger leicht fallen, dann hat er sie hinter sich. Profis – wie bspw. die Macher von «Mit Kindern lernen» – empfehlen einem wiederum erst das zu erledigen, was einem Spass macht. In unserem Fall die Deutschaufgaben. Doch irgendwie zögert das nur den Stress hinaus und funktioniert bei uns auch nicht richtig.
Ein weiteres Problem ist die tiefe Frustrationstoleranz meines perfektionistischen Sohnes. Er möchte alles richtig machen. Sofort. Schliesslich geht das im Deutschen ja auch, wieso nicht in der Mathe? Für mich das Schwierigste überhaupt, da ich nicht mit Geduld gesegnet bin...

Deshalb kann es mir manchmal fast so gehen wie der Mutter im Clip, wenn es darum geht, die Hausaufgaben zu kontrollieren (vor allem, um zu wissen, was bei ihm läuft, nicht um sie zu korrigieren. Ich hoffe immer noch, dass wenn die Lehrerin sieht, was er nicht kann, dass sie eine Zauberformel spricht und es wird alles gut...).

Wie ist das bei Ihnen? Wie handhaben Sie den Hausaufgaben-Stress? Kinder machen lassen? Helfen? Strategien. Ich danke Ihnen für Ihre Hilfe!

Donnerstag, 17. Oktober 2013

Freiheit!

 

Als ich meine Familie verliess, um ans andere Ende der Welt zu reisen, hatte ich Bedenken. Unbegründete, wie sich herausstellte.

Ich hab’s getan. Endlich. Nach zahlreichen Überlegungen, Verwerfungen, Planung und Neuplanung bin ich abgehauen! Nein, nicht für immer (dieses Bedürfnis habe ich schon länger nicht mehr, seit der letzten Windel, glaube ich). Nur für eine Woche. Ans andere Ende der Welt: Japan.

Es war unglaublich. Das Land, die Leute, die Athmosphäre aber vor allem: Das Alleine-Reisen! Für jemanden, der sonst nichts, aber auch gar nichts alleine tut (na ja, ausser auf die Toilette gehen und ein Buch lesen, das geht zu zweit nicht so gut), fand ich die Erfahrung einfach nur spitze! Eine Stadt im Alleingang erkunden, sich selber zurechtfinden zu müssen, ohne mit jemandem besprechen/darüber streiten zu können, ob der Weg zum Tempel nun nach links oder geradeaus führt, war unglaublich befreiend! Ein Gefühl von Stolz und echter Freiheit kam auf, als ob ich 15 wäre und gerade zum ersten Mal in die grosse Stadt fahren dürfte. Toll! 

  1. Vor meiner Abreise war ich mir dessen nämlich gar nicht sicher. Ich hatte Angst, dass ich meine Familie so sehr vermissen würde, dass ich die Reise gar nicht geniessen könnte.
  2. Noch mehr Angst, in Japan niemanden zu verstehen, und meine Familie deshalb umso mehr vermissen würde.
  3. Teuflische Angst, nach zwei Tagen wieder nach Hause zu wollen, weil ich meine Familie vermisste.

Und jetzt raten Sie mal: Ich vermisste meine Familie. Ein wenig. Schon. Aber nicht so sehr, dass ich meine Reise nicht hätte geniessen können! Interessant für mich war, dass ich vor meiner Abreise befürchtete, vor allem die Kinder zu vermissen. Diese waren die ganze Woche mit ihrem Vater, Sorgen brauchte ich mir zwar keine zu machen. Dennoch war ich mir sicher, dass ich sie noch mehr als meinen Mann vermissen würde.

Ich habe mich geirrt. Meinen Mann habe ich nämlich mehr vermisst als meine Kinder. Hierzu muss ich sagen, dass es generell so ist, dass man auf Reisen so viel Neues erlebt, dass das Vermissen nun wirklich in den Hintergrund gedrängt wird. Doch wurde ich durch die Fremde an unsere vielen Reisen vor den Kindern erinnert und hätte das Neue deshalb gerne mit meinem Liebsten zusammen erlebt, ihm hätte das Land nämlich genauso gut gefallen wie mir! Für die Kinder wäre es natürlich auch toll gewesen, aber viel zu anstrengend. Deshalb habe ich meinen Mann mehr vermisst als meine Kinder. Und bin sehr froh drum zu wissen, dass ich eine solche Reise nächstes Jahr wieder antreten kann, ohne zu hyperventilieren. Sondern mich darauf freuen kann, etwas auf eigene Faust zu erleben, um zu Hause dann auch ganz viel zu erzählen.

Bevor ich abflog, traf ich noch eine Mutter, die auf meine Ansage hin, ich sei im Begriff, um die halbe Welt zu fliegen, etwas brüsk reagierte: «Lieber du als ich.» Tja. Das finde ich auch.

Wie sind Ihre Erfahrungen? Waren Sie schon ohne Familie auf Reisen? Befreiend oder beängstigend?

Montag, 7. Oktober 2013

Die einzig wahre Familienpoltitik


Schon wieder gute Ratschläge «von oben». Mir reicht's!

Die deutsche Familienministerin Kristina Schröder tritt ab. Ich bin nicht traurig, denn ihr Hang zum mütterlichen - den sie selber aber nach eigenen Aussagen zuw enig ausleben durfte - ging mir gehörig auf den Senkel. Zum Abschied gab sie dem «Spiegel» diese Woche ein Interview, in dem sie wieder einmal Mütter dazu ermuntert, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Und logischerweise im Beruf zurückzustecken. Ihr Aufruf gilt nicht den Eltern. Nur uns Müttern.

Denn Mütter hätten nunmal ein anderes Bedürfnis dem Kind gegenüber blablabla. Schon wieder jemand, der uns Müttern (und nur uns Müttern) sagt, was wir zu tun und zu lassen haben: «Es ist ein urmenschliches Bedürfnis, in intensiven Familienphasen Zeit füreinander zu haben.» Es sei falsch, Mütter zu kritisieren, die sich dafür entschieden, sich im Beruf weniger zu engagieren, so Schröder gegenüber dem «Spiegel».

Letzteres halte ich für vollkommen richtig. Diese Kritik wäre unangebracht. Doch genauso falsch ist es auch, Mütter zu kritisieren, die nach einem Jahr - oder noch früher - wieder arbeiten wollen/müssen. Wieso kann nicht jede das tun und lassen, was für sie und ihre Familie stimmt? Warum müssen uns die Schröders und Schwarzers dieser Welt vorschreiben, wie wir zu leben haben?

Eine Familienpolitik, die jeder Familie die Wahl lässt, das zu tun, was sie will, ist die einzige Familienpolitik, die ich akzeptieren kann! Deshalb sollte alles dafür getan werden, dass Familien wählen können, welches «Modell» sie leben wollen/können.


Oder öppe nöd?

Freitag, 4. Oktober 2013

Reg' dich ab, verdammt noch mal!



Eine neue Erziehungsmethode? Schon wieder? Lest weiter, diese wird euch gefallen.

Letzte Woche habe ich hier diverse Erziehungsmethoden vorgestellt, die allesamt sozusagen animalisch waren. Denn wir Eltern vergleichen uns mit anderen Eltern (zugegeben, meist nur wir Mütter). Schliesslich wollen wir alle möglichst gute Mütter und Väter sein. Nun bin ich auf eine weitere Erziehungsmethode gestossen, die für einmal nichts mit Tieren zu tun hat. Die CTFD-Methode des Autors von «The Daddy Complex» David Vienna. Der Begriff bezeichnet die Anfangsbuchstaben für «Calm The Fuck Down», frei übersetzt «Reg dich ab, verdammt noch mal!». Damit sind übrigens nicht die Kinder gemeint, sondern wir Erzehungsberechtigten.

CFTD bzw. RDAVN stellt sicher, dass – egal welche Erziehungsmethode Sie bis anhin gewählt haben – es Ihren Kindern gut geht. Ein paar Beispiele, um die Wirksamkeit von RDAVN zu beweisen:

  • Du machst dir Sorgen, weil das Kind deiner Freundin mit vier schon lesen kann und deines das Bilderbuch immer noch verkehrt rum hält? Reg’ dich ab, verdammt noch mal!
  • Hast du Angst, du könntest deinem Kind nicht genug Weisheit mitgeben, um die Schule – und das Leben – zu meistern? Reg’ dich ab, verdammt noch mal!
  • Du befürchtest, nicht die Art Mutter/Vater zu sein, die/der du immer sein wolltest? Reg’ dich ab, verdammt noch mal!
  • Dein Kind interessiert sich nicht für Sport/Schule/Irgendwas-wofür-es-sich-interessieren-sollte? Reg’ dich ab, verdammt noch mal!
  • Dein Kind benimmt sich in der Öffentlichkeit peinlich? Reg’ dich ab, verdammt noch mal!
Ihr seht, die RDAVN-Methode nimmt den Druck. Dein Kind liebt dich und du  liebst dein Kind, begabt oder nicht. Und auch wenn ihr daran zweifelt, eine gute Mutter, ein guter Vater zu sein, für euer Kind seid ihr es ziemlich sicher. RDAVN bewirkt ausserdem, dass ihr immun werdet gegenüber allen, die mit elterlichen Ängsten spielen, wie Pseudopsychologen und Erziehungsratgeber-Autoren.

Um RDAVN richtig anzuwenden, befolgt bitte zwei Schritte:
  1. Reg dich ab, verdammt noch mal!
  2. Es gibt keinen zweiten Schritt...
Also, ignoriert doch einfach alle Erziehungs-Trends und bleibt dabei: Regt euch ab, verdammt noch mal! Ihr werdet erleichtert sein. Und eure Kinder auch.

Donnerstag, 19. September 2013

Adieu Mini-Missen!


(Bild: mini-miss.fr)

Nicht alles ist Gold, was in den USA glänzt. Dazu gehören sicher die Miss-Wahlen der Kleinsten. Frankreich tut jetzt etwas gegen diesen fragwürdigen Import.

Der französische Senat hat diese Woche im Rahmen des neuen Gleichstellungsgesetzes die Mini-Miss-Wahlen verboten, wie auf  lemonde.fr zu lesen war. Dazu gehören alle Anlässe, die Kinder unter 16 Jahren miteinbeziehen. Wem das jetzt mehr als nur logisch erscheint, dass man in einem zivilisierten Land solche Arten der Schönheits-Glorifizierung Minderjähriger veruteilt, irrt sich. Das Verbot wurde nämlich nur knapp angenommen, mit 196 gegen 146 Stimmen der Senatoren. Dafür sind die Strafen für das Durchführen eines solchen Events umso drakonischer: Zwei Jahre Gefängnis und 30'000 Euro Busse blühen einem Organisator.

Unter das Gleichstellungsgesetz fällt das Verbot, weil es sich bei solchen Wahlen immer «ausschliesslich um Mädchen handelt», wie die Initiantin des Verbotes, Chantal Jouanno, erklärte. «Wir dürfen unsere Mädchen nicht glauben lassen, dass ihr Aussehen sie definiert. Wir dürfen nicht zulassen, dass wirtschaftliche Interessen soziale Interessen übersteigen», betonte die ehemalige Sarkozy-Beraterin und Sportministerin den Schutz der Kinder in ihrer Rede vor dem Senat.  Interessanterweise waren es die Sozialisten, die sich gegen das Verbot aussprachen, weil ihnen die Strafen zu hart erschienen.

Obwohl «das Phänomen der Hypersexualisierung gerade an solchen Anlässen exzessiv zum Zuge kommen», wie Jouanno bereits im Februar betonte, lehnte der Senat ein ebenfalls verlangtes Verbot von Kindermodels ab. Nun lesen wir überall von Pädophilen, fragen uns, was man dagegen tun kann und machen uns Gedanken, ob wir Fotos von unseren Kindern auf Facebook posten sollen oder ob wir sie damit in Gefahr bringen. Da kann es doch tatsächlich nicht sein, dass man sein Kind – seine Tochter – freiwillig einem Prozedere aussetzt, bei der sie bis zur Unkenntlichkeit «aufgepimpt» wird, um dann vor gruseligen Jury-Mitgliedern zu tanzen, singen oder was immer dann gefragt ist! Schaut man sich nämlich Internet-Seiten für solche Mini-Miss-Wahlen an, ist der Vergleich mit einer Pädophilen-Seite (zumindest stelle ich mir diese so vor) nicht mehr weit.

Was in Amerika gang und gäbe ist, soll in Europa also nicht Fuss fassen können. Gut, meine ich. Oder würdet ihr euer Kind an einen solchen Wettbewerb schicken? Und sollten nicht auch Kindermodels verboten werden? Was meint ihr? (Über solche Wettbewerbe in der Schweiz konnte ich nichts finden, Hinweise darauf nehme ich aber gerne entgegen.)
 

Dienstag, 17. September 2013

Du sollst stillen

 
Anlässlich der Weltstillwoche: Wieso Stillen zwar toll ist, aber nicht erzwungen werden soll.

«Ich habe dieses Buch geschrieben, weil ich glaube, dass sich das Mutterbild in eine falsche Richtung entwickelt», sagte die Feministin Elisabeth Badinter 2010, als ihr Buch «Der Konflikt» in Frankreich erschien. «Ich wollte mich zu Wort melden, bevor es zu spät ist. Auslöser war für mich eine Gesetzesänderung, die der Gesundheitsminister Bernard Kouchner im Jahr 1998 veranlasst hat.

Auf Druck der Weltgesundheitsorganisation wurde in Brüssel beschlossen, dass alle EU-Staaten eine Politik umsetzen sollen, welche die Frauen dazu anhält, ihren Neugeborenen die Brust zu geben. Auch in Frankreich wurde die Erhöhung der Stillquote zur politischen Doktrin erhoben. Kouchner veranlasste, dass Frauen, die in der Geburtsklinik ihre Kinder nicht stillen, keinen Anspruch mehr auf Milchpulver haben. Heute muss eine Frau, die in der Klinik nicht stillen kann oder nicht stillen will, für das Milchpulver bezahlen. Ich fand diesen Beschluss so skandalös, dass ich mir vornahm, die Angelegenheit genauer zu verfolgen.»

Zur Erinnerung: In der Schweiz läuft es nicht ganz so, aber Apotheken dürfen beispielsweise keine Milchpulver-Muster abgeben. Ich muss, wenn ich noch nicht weiss, welche Pulvermilch mein Kind vertragen wird, eine ganze Büchse kaufen. Eine finanzielle Benachteiligung kennen also auch frischgebackene Mütter in der Schweiz.

Zurück zu Badinter: Sie ist überzeugt, dass die Neubewertung des Stillens veranschaulicht, wie sich das Frauenbild verschoben hat. Propagiert wird das Stillen unter anderem von der amerikanischen Leche League, die heute in über siebzig Ländern, darunter auch in der Schweiz, präsent ist. Diese will Frauen von den Segnungen der Muttermilch überzeugen. Badinter vermutet dahinter jedoch eine ganze Koalition konservativer Kräfte: Für sie passt die neue Präferenz für das Stillen zu einem ökologischen Bewusstsein, das technischem Fortschritt skeptisch gegenübersteht. Denn was – so die Argumentation der Still-Befürworter – könnte natürlicher sein als Muttermilch? Ist es nicht verdächtig, ein Neugeborenes mit künstlicher Nahrung zu traktieren, welche auch noch von internationalen Nahrungsmittelkonzernen hergestellt und vertrieben wird? Der Zeitgeist ist schnell bereit, diese Frage mit Ja zu beantworten.

Alles Rabenmütter?
Badinter hält dagegen, dass es keine empirischen Beweise dafür gebe, dass das Stillen der Gesundheit eines Kleinkindes in signifikantem Masse zugute komme. Im Gegenteil: Sie zitiert mehrere Studien, die keine Korrelation zwischen Entwicklungsfähigkeit des Kindes und Stillzeit feststellen können. Die aufwendigste Untersuchung, sagt die Feministin, sei erst nach der Drucklegung ihres Buches veröffentlicht worden. Sie wurde vom kanadischen Kinderarzt Michael Kramer durchgeführt, der die Entwicklung von 16 000 Kleinkindern in Weissrussland untersuchte. Kramer kommt zum Ergebnis, dass es keinen statistischen Zusammenhang zwischen Muttermilch und Schutz vor Allergien und Asthma gebe – eine häufige Behauptung. Allerdings stellte Kramer einen schwachen, aber statistisch bedeutenden Einfluss auf den IQ der Kinder fest – er ist deshalb weiterhin vom Nutzen des Stillens überzeugt.

«Es bestreitet doch auch niemand, dass Stillen eine wunderbare Sache ist», sagt Badinter. «Man weiss, dass die Milch den Bedürfnissen des Babys angepasst ist und dass das Stillen Hormone erzeugt, die es der Mutter leichter machen können, zum Kind eine enge Bindung aufzubauen. Wenn eine Frau sich beim Stillen glücklich und erfüllt fühlt: grossartig. Ich sage nur, dass es sehr wohl möglich ist, sein Kind zu lieben, ohne ihm die Brust zu geben. In den Siebzigerjahren hat nur eine kleine Minderheit von Frauen gestillt – trotzdem glaube ich nicht, dass damals eine ganze Generation aus Rabenmüttern bestand. Die menschliche Psyche ist ein klein wenig komplizierter als die Biologie des Säugetiers.»

Klar ist, dass die aktuelle Wertschätzung der Muttermilch nur schwer mit der Berufstätigkeit von Frauen zu verbinden ist. In den meisten Fällen ist es schwierig für eine Mutter, ins Berufsleben zurückzukehren, solange sie noch stillt. Auch die Betreuung des Säuglings durch den Vater ist während der Stillzeit nur begrenzt möglich. Die Wiederentdeckung des Mutterinstinktes fördert damit die berufliche Gleichberechtigung nicht gerade. Denn propagiert wird das Stillen über mindestens sechs Monate. In der Regel ist deshalb nur, wer langen Mutterschaftsurlaub nehmen kann, auch in der Lage, seinen Säugling lange zu stillen — oder aber die Mütter steigen gleich ganz aus ihrem Beruf aus.

Die Weltstillwoche steht dieses Jahr in der Schweiz unter dem Motto «Platz dem Stillen» und findet vom 14. bis zum 21. September 2013 statt. Mit der Kampagne will die Schweizerische Stiftung zur Förderung des Stillens darauf aufmerksam machen, dass Stillen nichts mit Ideologie zu tun hat und Unterstützung verdient. Es sei aus nach wie vor wünschenswert und dringend, das Stillen in der Schweiz zu erleichtern und zu fördern. Ob Stillräume und -pausen am Arbeitsplatz den erwünschten Erfolg bringen und mehr Mütter stillen werden, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht wird einfach nur der Druck grösser zu stillen, auch wenn man das eigentlich nicht möchte. Wenn jetzt schon in Yogastellung gestillt wird (siehe Bild), kann es ja nicht so schwer sein, so der Tenor.

Was meint ihr?

Montag, 9. September 2013

Wie ist das eigentlich so als Mutter?



Die Frau, die nie auf ihr Muttersein reduziert werden wollte, schreibt jetzt genau darüber ein Buch. Michèle Roten erklärt, «Wie Mutter sein» geht. Ein Streifzug durch ein witziges und aufklärendes Werk.

Wie so manche Journalisten-Frau hatte sich auch die «Magazin»-Kolumnistin Michèle Roten während ihrer Schwangerschaft vorgenommen, NICHT über's Muttersein zu schreiben. Nie. Wie sie mittlerweile selber festgestellt hat, sollte man nie «nie» sagen. Denn es kommt immer anders. Auch hier.

Was mir an «Wie Mutter sein» nicht gefällt gleich zu Anfang:
  1. Die Diskussion – welche Roten übrigens schon bei ihrer Buchvernissage zu «Wie Frau sein» mit Julia Onken ausgiebig besprach –, wieso es besser ist, sein Kind in die Krippe zu geben als beispielsweise zur Grossmutter. Die Krippenkinder sind angeblich schlauer, sozialisierter etc. Meine Kinder waren in der Krippe, und es war gut. Für andere ist es aber vielleicht nicht die beste Lösung, schon gar nicht die billigste. Michèle Roten ruft in ihrem Buch die Frauen zwar dazu auf, sich nicht gegenseitig zu kritisieren, tut aber mit der Krippengeschichte selber genau das.
  2. Pampers sind NICHT um Welten besser als andere Windeln, das ist Quatsch.
Aber das ist eigentlich schon alles. Denn das Buch ist sonst sehr unterhaltsam und im typischen «Magazin»-Kolumnen-Stil geschrieben. Die zahlreichen Interviews werden vor allem werdenden Müttern eine Hilfe sein. Rezensieren werde ich das Buch an dieser Stelle nicht, ich begnüge mich damit, meine Lieblingspassagen zu zitieren. Denn niemand beschreibt so schön, wie es ist «Wie Mutter» zu sein:
  
Wir werden grosse Fortschritte gemacht haben, wenn mal gesagt wird: «Oh wie schön, ist heute Mamitag?

Daneben, dass ein Kind einem Erfüllung und Lebenssinn und so schenkt, ist es auch die beste aller Ausreden für jegliche Verabredungen, auf die man grad keine Lust hat.

Die beste Antwort auf die recht indiskrete Frage, ob man ein weiteres Kind wolle, ist eigentlich: Lieb von dir, aber ich muss leider ablehnen. 

Die Binden, die man nach der Geburt trägt, sind so gross wie Hotdogs.

Und da gibt es eine grosse Baustelle, die Veränderungen auf ziemlich allen Ebenen des Systems zur Folge hätte: unser Verhältnis zu Teilzeitarbeit. Solange das gängige Modell weiterhin, und wir haben zweitausendtam­midreizehn, so aussieht, dass der Vater Vollzeit arbeitet und die Mutter, wenn überhaupt, «weiterarbeitet, aber reduziert» oder gar etwas «dazuverdient», bleiben wir genau da stehen, wo wir sind. 

Wenn mein Sohn wüsste, dass ich mich, sobald er abends im Bett ist, mit Schokolade, Guetzli, Gummibärchen, Chips und überhaupt allem, was er liebt, aber nur in Massen bekommt, vollstopfe! 

Ich bin absolut für die Frauenquote. Aber genau genommen bräuchten wir eine Mütterquote, damit sich wirklich etwas verändert. 

Ich hab irgendwie ein Problem mit dem Wort «Mama»....
«Ich bin jetzt eine Mama», das ist nicht der gleiche Satz wie
«Ich bin jetzt Mutter» oder
«Ich habe jetzt ein Kind».
Wenn man mal eine Mama ist, ist man sonst nicht mehr viel.

Ihre diversen Aufrufe an uns Frauen:
  • Frauen: Gekaufter Babybrei ist in Ordnung! Euer Kind wird nicht glücklicher, klüger, hübscher, braver oder gesün­ der mit selbst gemachtem Babybrei! Euer Kind wird sehr bald schon Kaugummis vom Boden kratzen und essen!
  • Frauen: Kinder entwickeln sich tipptopp auch ohne Baby­schwimmkurs und Krabbellernkurs und pränatalen Mozart und Babymassagekurs und MuKi­Yoga!
  • Frauen: Hört auf, immer die Schuld bei euch zu suchen, wenn irgendwas mit dem Kind nicht superoptimal ist! Das machen schon die anderen!
  • Frauen, sagt es laut: Ich bin eine Gutgenugistin!
  • Irgendwann versteht man, was alle meinten, wenn sie sagten: Geniess es, solange es noch so klein ist!

    Warum Mutter keinen Sex will 5 (es gibt noch ein paar weitere Gründe): Sie ist wütend auf Vater, weil dessen Leben sich kaum verändert hat und er doch so tut, als wär er der Überpapi, bloss weil er weiss, was eine Windel ist, und auch mal mit dem Kind spielt.
Könnte man einen Fötus fragen, ich bin ziemlich sicher, er würde einen Kaiserschnitt wählen.

Aber ein Kind ist vor allen Dingen einfach sehr, sehr lustig.

Wir werden dafür be­straft, Körper zu haben, die Babys herstellen können!

Und nicht zuletzt muss man das Interview mit wir eltern-Blogger Nils Pickert gelesen und die «Wer ist Chef-Baby-Checkliste» mit Fragen wie «Wer sass schon öfter mit dem Kind auf dem Schoss auf dem Klo?» abgehakt haben. Der oder die, welche die meisten Fragen mit «Ja» beantworten kann, gilt als Chef Baby. Alles klar? Nach der Lektüre von Rotens Buch, das Sie ja eigentlich nie schreiben wollte, weiss man definitiv, wie es ist, «Wie Mutter» zu sein. Auch wenn viele das bestreiten werden.

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