Donnerstag, 28. Februar 2008

Krippe: Tränenloses Tschühüss!

Mein Kleiner kommt voraussichtlich im Sommer in den Kindergarten. So schnell kann's gehen. Das veranlasste mich, über unseren ersten "Abschied" nachzudenken: Die Krippe. Nie werde ich den ersten Krippen-Tag meines Kleinen vergessen. Er, neugierig und gespannt. Wir (Papi und ich), angespannt und den Tränen nahe. Heute gehört die Krippe zu seinem Wochenplan wie die Gabel zum Essen.



Das war aber nicht immer so. Nach dem ersten Tag, an dem lediglich sein Vater Tränen vergoss (echt!), kamen zwei Wochen problemlosen Loslassens. Erst, als unser damals Zweieinhalbjähriger begriff, dass dies nun zur Regel würde, begann er sich morgens anzustellen. "Maaaami daaabliiibe!" und ähnliches Flehen waren zweimal die Woche an der Tagesordnung.

So kam es, dass ich jeden morgen verheult ins Büro eilte, nachdem ich RABENMUTTER einen überaus unglücklichen kleinen Jungen an fremde Leute übergeben hatte! Da ich eine extrem neugierige und ungeduldige Person bin, hatte ich aber die rettende Idee, die Krippe gleich 10 Minuten nach Kinder-Abgabe anzurufen, um zu hören, ob er sich beruhigt hatte. Er hatte. Die überaus liebenwerte Praktikantin beruhigte mich stets damit, dass er sofort aufhöre zu weinen, sobald ich aus der Türe sei. Uff! Meine Erleichterung könnt ihr euch vorstellen.

Und da wir natürlich nicht die einzigen sind, die diese Zerreissprobe erleben durften, hier ein paar Tipps, wie sich die Phase (denn ja, es ist nur ein Phase) unbeschadet überstehen lässt:

Anleitung für einen Abschied ohne Drama:

Die Vorbereitung des Abschieds beginnt zu Hause. Eigentlich bereits am Vorabend. Legen Sie Ihre Kleider und die Kleider des Kindes parat, so dass Sie am Morgen nicht noch lange nach sauberen Hosen und passenden Pullovern forschen müssen. Damit verhindern Sie, dass Ihr Nervenkostüm unnötig ausgedünnt wird, bevor der Tag überhaupt richtig begonnen hat.

Zeigen Sie sich flexibel. Beharren Sie nicht auf der geblümten Hose, die so hübsch zum rosa Pullover passen würde, wenn sich das Kind für die Hose mit Karomuster entschieden hat. Unerbittlichkeit ist nur dann gefragt, wenn das Kind beschliesst, an einem kalten Wintermorgen in leichter Sommerkleidung in der Krippe Einzug zu halten.

Versuchen Sie beim Anziehen des Kindes Ruhe zu bewahren. Ja, auch dann, wenn Sie spät dran sind und in zehn Minuten am anderen Ende der Stadt zu einem wichtigen Termin erwartet werden. Leider ist es eine Gesetzmässigkeit, dass sich die meisten Kinder als besonders widerspenstig erweisen, wenn sie merken, dass ihre Eltern in Eile sind.

Bewahren Sie auch im Strassenverkehr Ruhe. Falls Sie mit Auto oder Fahrrad unterwegs sind, sollten Sie sich in jedem Fall auf den Verkehr konzentrieren.

Veranstalten Sie keine Oper. Verabschieden Sie sich herzlich, aber kurz von Ihrem Kind. Sätze wie: «Mama muss jetzt leider gehen, und du bleibst ganz allein, ohne Mama hier» sind zu vermeiden.

Seien Sie nicht beleidigt, wenn Ihrem Kind der Abschied leichtfällt.

Quelle: Beobachter

Mittwoch, 27. Februar 2008

Knigge für Knirpse

Mittwoch morgen, im Starbucks Zürich-Oerlikon: Eine Mutter betritt mit ihren zwei Kindern geräuschvoll das Café. Noch bevor sie ihren Latte Dingsbums serviert bekommt, hat die Kleine, schätzungsweise zwei Jahre alt, sämtliche Kaffee-Tüten aus dem Regal geräumt und auf dem Boden verteilt. Während dessen übt sich ihr ca. fünfjähriger Bruder als Primat und klettert auf die Bar, um in der Hocke aus dem Fenster schauen zu können. Ich – leicht empört, zugegeben – denke mir, die Mutter wird das richten, sobald sie ihren Kaffee in der Hand hält. Tut sie aber nicht.


Denn anstatt ihre Kinder zurechtzuweisen, bringt sie dem Grossen sein Gipfeli zur Bar, wo er es genüsslich brösmelnd in der Hocke in sich reinstopft. Und auch die Kleine kriegt ihr Frühstück serviert, dieses Mal auf dem Boden, wo sie dabei ist, eine der Kaffeetüten aufzureissen. Mami setzt sich daraufhin gemütlich hin und liest die Zeitung.

Mein Sohn und ich sitzen mit hängender Kinnlade da und staunen. Etwas nerven tut es mich schon, denn Eltern können sich nicht nur darüber beklagen, in Restaurants nicht willkommen zu sein. Sie müssen ihre Kinder auch irgendwie soweit haben, dass sie anderen Gästen zugemutet werden können.

Das findet auch Dr. Andrea Schmelz, Chefredakteurin von "Gesundheit & Erziehung für mein Kind"
und liefert gleich auch ein paar Regeln mit. Ohne belehren zu wollen und obwohl das nicht unserem Stil entspricht, möchten wir euch diese nicht vorenthalten.

1. Eine freundliche Begrüßung:
Um einem anderen zu zeigen, dass er willkommen ist, sollte Ihr Kind ihn ansehen und freundlich grüßen, z. B. mit einem "Guten Tag!". Besonders persönlich wird die Begrüßung, wenn es dazu auch die Hand gibt (bitte nicht dazu zwingen, wenn es das nicht möchte!). Gleiches gilt natürlich auch für die Verabschiedung.
Was hätte Frau Doktor wohl zu meinen italienischen Verwandten gesagt, die mich als Kind nötigten, sie abzuknutschen?!?

2. Die Zauberwörter "bitte" und "danke":
Ihr Kind lernt schon sehr bald, dass es mit einem "bitte" viel eher (wenn auch nicht jedes Mal) die Erfüllung seiner Wünsche erreicht. Und sein "danke" zeigt dem anderen, dass es sich über das, was es bekommen hat, freut.
Das kann auch ausarten: Unser Sohn schreit manchmal minutenlang "Biiiiiitttteeeee!!!"

3. Entschuldigung:
Wenn Ihr Kind einem anderen wehgetan oder ihm Unrecht getan hat, kann es durch ein "Entschuldige bitte!" zeigen, dass es ihm leid tut. Dann fühlt sich der andere gleich besser.
Gute Idee. Ausser sie haben es mal erlickt und hauen dich dann ständig, um sich danach gleich wieder zu entschuldigen. So geschehen bei uns zu hause.

4. Ausreden lassen:
Ihr Kind sollte lernen, zuzuhören und einem anderen, wenn er redet, nicht ins Wort zu fallen. Das ist natürlich für ungeduldige Kinder besonders schwierig. Erklären Sie Ihrem Kind, dass es selbst ja auch möchte, dass die anderen zuhören, wenn es etwas zu erzählen hat.
Leider sind wir Erwachsenen da auch nicht immer Vorbilder. Siehe die Arena auf SF1.

5. Schimpfwörter sind tabu:
Sie verletzten den anderen und sind deshalb selbst dann, wenn Ihr Kind sehr wütend ist, tabu. Notfalls kann es sich in seinem Zimmer so richtig ausschimpfen, wenn es keiner hört.
Gopfeteli, wo hat das Kind nur die vielen Fluchwörter her?

6. Tischmanieren:
Wenn sich alle bei Tisch an ein paar einfache Regeln halten, verlaufen die Mahlzeiten entspannter. Hierzu gehören: Hände waschen vor dem Essen, Besteck benutzen (Löffel, Gabel und je nach Fingerfertigkeit auch Messer), nicht mit dem Stuhl kippeln, mit vollem Mund nicht sprechen. Ab fünf Jahren können Sie von Ihrem Kind auch verlangen, dass es sitzen bleibt, bis alle aufgegessen haben.
Sie hat schmatzen, in der Nase bohren und mit dem Röhrli Blöterli machen vergessen...

Nein, im Ernst, alles lobenswerte Regeln. Aber wieso klingen solche Ratschläge seitens "Pädagogen" immer so....so.....so.... als wären wir nicht selber darauf gekommen? Aber das scheint noch anderen so zu gehen. Wahrscheinlich gibt es deshalb so viele Bücher zum Thema.


Quellen: Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG und Gesundheit & Erziehung für mein Kind


Dienstag, 26. Februar 2008

Grossmutters Erziehungsmethoden

Ich hab' ihn gesagt! Den unmöglichen Satz "Die Kinder in Afrika wären froh, deine Broccoli zu haben!" Das ist der Anfang vom Ende!

Als Kind dachte ich bei solchem Mist, den mir meine Mutter erzählte, "Na, dann schicken wir die Broccoli doch nach Afrika!" Und genau das sagte mir mein Kleiner vor kurzem: "Diä Chind chönnd mini Broccoli ha, ich will's nöd!" Recht hat er.

Wir haben uns doch immer gesagt, wir würden nie so bescheuert argumentieren wie unsere Eltern und doch fällt einem in der Not nichts besseres ein. "Iss nicht so schnell, sonst kriegst du Bauchschmerzen." Oder Unsinn wie "Wenn du den Kaugummi runterschluckst, klebt dein A-Loch beim Gaggi-machen." So etwas hätte meine Mutter zwar nie zu mir gesagt – sie empört sich auch heute noch darüber, dass ich meinen Sohn veräpple – aber ihr wisst schon, was ich meine.

Lassen wir uns doch neue Argumente einfallen, wenn unsere Kinder ihr Gemüse nicht essen wollen. "Wenn du die Zucchini noch einmal ans Fenster schnippst, dann kommt Sarkozy und schimpft mit dir!" (Dazu muss ich sagen, dass unser Sohn Le Président de la Républiqe kennt, denn sein Vater hat ihm folgendes beigebracht "Sarko, il est pas beau!") Oder ist das zu extrem? Vielleicht eher "Wenn du kein Gemüse isst, dann geht es dir wie Blocher und keiner mag dich!" So würden wir unseren Kindern zumindest etwas Politik nahe bringen. Was meint ihr?

Ich weiss, diese Argumente würden mich ein fettes Kinderpsychologen-Honorar kosten. Also doch die Kinder in Afrika...

Montag, 25. Februar 2008

Sprachkurse für Dreijährige


Fremdsprachige Dreijährige sollen in Basel in den Deutschunterricht gehen. Damit die – zumindest sprachliche – Integration schon jung beginnen kann. Auch die Eltern sollen übrigens involviert werden. Was haltet ihr davon?

Artikel auf tagesanzeiger.ch dazu:
Knirpse in den Deutschkurs
Dreijährige und Eltern in der Pflicht

Sonntag, 24. Februar 2008

Durchkreuzte Pläne wegen einer Schwangeren...


Ein zweites Kind ja oder nein? Oder doch lieber das Haus? Vielleicht am besten einfach nochmal "richtig arbeiten" gehen, damit wiedermal etwas Kohle reinkommt. Oder doch nicht?

Ging es denen von euch, die mehr als ein Kind haben, auch so? Meine Laune ändert sich ständig. Und heute schreibe ich darüber, weil wir einen alten Freund getroffen haben, der zum zweiten Mal Vater wird. Sprich, ich habe den Nachmittag mit einer Schwangeren verbracht. Und schon kamen alle Gefühle wieder hoch. Ich, die ich mir geschworen hatte, NIE anderen Müttern oder Fast-Müttern Tipps abzugeben, hörte mich sagen "weisch, das chunnt bi dir au no" oder ein ähnlicher Mist.

Und gleichzeitig verspürte ich heute wieder vermehrt den Drang, ein zweites Mal Rückenschmerzen, unkontrollierte Hungerattacken und eine endlose Müdigkeit auf mich zu nehmen, kurz: schwanger zu sein. Nun ist es ja nicht so, dass wir erst seit heute ein zweites Kind möchten. Dieses Gespräch hatten wir vor ein paar Monaten schon. Und dann funkt dir das Leben dazwischen. Jobveränderung, Überlegungen über ein Eigenheim, Wegzug wegen Jobveränderung etc.etc. Also verändert sich der Wunsch praktisch wöchentlich.

Gerade vor ein paar Wochen fand ich mich damit ab, nicht sofort wieder mit dickem Bauch rumzuwatscheln und endlich wieder einen vernünftigen Job zu suchen. Das würde bedeuten, mehr Geld, also ein kürzerer Weg zu einem eigenen Häuschen mit Garten. Dann hätten wir ja immer noch Zeit für ein zweites Kind, richtig?

Ausserdem ist unser Kleiner eben schon ziemlich gross. Er zieht sich (praktisch immer) selber an, geht selber Pipi machen (leider nur Pipi, aber dazu ein andermal) und hört stundenlang Kasperli (wie auch jetzt, so dass ich arbeiten kann). Es spricht also vieles dafür, noch nicht gleich sofort wieder ein Kind zu produzieren.

Dann kreuzt
mein Schatz (so nenne ich ihn ausdrücklich NUR auf rabenmutter.ch) meine Pläne, indem er mir sagt, wir sollten jetzt endlich das Zweite machen. Und heute die schwangere Freundin besagten Freundes. Mein Vorhaben, endlich wieder einen Job zu finden, fällt schon wieder über Bord.

Stand heute abend: ich will ein zweites Baaaaaby! Morgen kaufe ich einen Schwangerschaftstest. Fortsetzung folgt...

Und Tipps werden gerne entgegengenommen!


Dienstag, 19. Februar 2008

Wohnst du noch oder gebärst du schon?


Einen Tag bevor mein Sohn zur Welt kam, war ich morgens noch mit einer Freundin in der IKEA. Und hatte dermassen Rückenschmerzen, dass ich mich an einem Billy (für Nicht-Eingeweihte: DAS IKEA-Bücherregal, dass sogar als Design-Klassiker des 20. Jahrhunderts gilt) festhalten musste. Drei Angestellte kamen herbeigeeilt und schauten mich leicht panisch an. Ich beruhigte sie, ich würde mein Kind nicht heute und jetzt hier gebären. Beim Shoppen im Glattzentrum platzte zwei Stunden später meine Fruchtblase...

Eine andere euch bekannte Rabenmutter war ebenfalls ca. 12 Stunden vor der Geburt ihrer zweiten Tochter in der IKEA. Wir verabschiedeten uns damals wie jeden Tag mit den Worten: „Vielleicht bis später!“. Am 29. Mai 2006 bewahrheitete sich die Aussage, ich müsste spätabends antanzen, um ihre erste Tochter zu hüten, während sie die Hand ihre Mannes in der Klinik zu Brei zerquetschte... Ich erspare euch die Details.

Worauf ich hinaus will: Kann es sein, dass die IKEA als eine Art Wehenmittel fungiert? Oder sind wir eh so oft dort, dass es einfach nur Zufall ist, dass unsere Kinder am darauffolgenden Tag zu Welt kamen?

Gestern war ich auf jeden Fall schon wieder dort. Wir sassen im Restaurant und ein kleiner Junge rennt an mir vorbei und sucht offensichtlich sein Gspönli oder seinen Bruder. „Billy! Biiiiilllyyyyy!“ rief er so laut er konnte. Das gab mir zu denken. Hatte Billys Mutter es nicht mehr in die Klinik geschafft? War Billy ein IKEA-Kind? Hatte die Familie einen lebenslänglichen Gutschein für Barnslig-Bettwäsche? Und was genau sind die Bedingungen für eine IKEA-Family-Card?

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob ich neidisch oder erleichtert sein soll. Schliesslich wäre so ein Gutschein keine schlechte Sache. Andererseits hätte ich mein Kind nicht Benno* nennen wollen!

(*Für Unwissende: CD-Regal, passend zum Billy)


Freitag, 15. Februar 2008

Nur Frau, statt Mutter...


Wir möchten ein weiteres Kind. Haben erst gerade damit angefangen. Es gibt aber Frauen, die probieren jahrelang und es klappt nicht. Und dann die Diagnose: es wird nie klappen. Ist ungewollte Kinderlosigkeit unweiblich? Sind Frauen mit dem für viele schwierigen Umstand, nie in andere Umstände zu kommen, keine richtigen Frauen? Dieser Fragen geht die annabelle nach und erläutert ein tabuisiertes Thema.


Vor ein paar Monaten berichteten wir von Frauen, die keine Kinder wollen. no-kidding hiess die Devise. Na ja, sagt sich die eine oder andere, jede wie es ihr gefällt.

Und dann gibt es die, die einfach alles versuchen, damit es klappt: Mutter werden ist nicht schwer?

Aber was ist mit Frauen, die Kinder möchten und keine haben können? Ihnen wird erst einmal empfohlen, sich dem ganzen Prozedere der künstlichen Befruchtung, Hormonbehandlungen etc. auszuliefern. Mit dem Hinweis, die Chance, schwanger zu werden, liege bei ca. 25%. Wenn die Beziehung nicht dabei draufgeht, tut es das Selbstwertgefühl.

Eure Erfahrungen bezüglich Fruchtbarkeit etc. würden uns sehr interessieren!

Das Out für Burnouts?


Im Magazin, das morgen erscheint, behauptet Birgit Schmid, dass 90% der Burnouts keine sind. Autsch! Geht es hier um Begriffe oder um Stammtisch-Psychologie? Ist dies die Kehrtwende der überpädagogisierten, psychologisch verweichlichten Gesellschaft? Oder provoziert die Provokateurin einmal mehr?



Lest selber und sagt uns eure Meinung: Wo brennt's denn?

Die Pillenstory: Eine vergessene Revolution


Wir haben sie (fast) alle mal genommen. Und entweder hat sie nicht gewirkt oder wir setzten sie ab, auf jeden Fall sind wir jetzt hier und haben Kinder. Unsere Mütter haben dafür gekämpft, ihr Sexualleben "frei" ausleben zu dürfen. Die sexuelle Revolution haben sie geschafft, dank einer kleinen Pille.



Eine Dinnerparty Anfang 1951 in New York gilt als ‚Geburtsstunde’ der
Anti-Baby-Pille. Gastgeberin war die siebzigjährige Margaret Sanger, deren Erlebnisse als Krankenschwester sie zur weltweiten Protagonistin der Geburtenkontrolle gemacht hatten. Wichtigste Gäste sind ihre Freundin Katharine McCormick, unermeßlich reiche Witwe aus der McCormick-Familie, ebenso betagt wie Margaret Sanger und ebenso engagiert für Themen der Geburtenkontrolle und der Selbstbestimmung von Frauen, weiters der extrem kirchentreue Gynäkologe John Lock von der Harvard Medical School und sein Mitarbeiter Gregory Pincus, weltweit oberste Autorität für den weiblichen Anteil an der Fortpflanzung, sowie der Gynäkologe Abraham Stone. Bei dieser Party fragt Sanger den Forscher Pincus nach
dem Preis: „Was könnte es kosten, die Wissenschaft für die Suche nach einer perfekten Lösung für das Problem der Empfängnisverhütung einzuspannen?“ Obwohl Pincus weder garantiert, dass so etwas möglich wäre, noch die Dauer abschätzen kann, bemüht er sich um eine Antwort: „Für den Anfang 125 000 Dollar für Laborpersonal, Materialien und für das Sammeln und Überprüfen aller einschlägigen Informationsquellen aus der wissenschaftlichen Literatur.“ Das
Ergebnis ist bekannt: Die Antibabypille wurde entwickelt – für 2 Millionen Dollar aus dem McCormick-Vermögen.

Die erste wissenschaftliche Grundlage für die Entwicklung der Pille wird rund 100 Jahre zuvor gelegt: Theodor Bischoff in Deutschland und Felix Pouchet in Frankreich finden fast gleichzeitig heraus, dass die Eierstöcke in regelmäßigen Abständen spontan eine Eizelle freigeben. Die beiden nächsten wesentlichen Entdeckungen kommen dann aus Österreich: 1890 gelingt es Emil Knauer in Wien, durch Eierstockverpflanzungen an Kaninchen erstmalig die Wirkung von ‚Stoffen’ darzustellen, die später Sexualhormone benannt werden. 1919 beweist Ludwig Haberlandt in Innsbruck an Ratten, dass eine Schwangerschaft die Heranreifung weiterer Eizellen blockiert. In der Folge spekuliert er, ob ein Extrakt aus den Eierstöcken trächtiger Säugetiere geeignet wäre, auch beim Menschen die Empfängnis zu verhüten. Der Wiener Gynäkologe Otfried Otto Fellner bestätigt die
Ergebnisse Haberlandts mit eigenen Untersuchungen und unterstützt ihn in seinenBemühungen für eine ’hormonale Sterilisierung’, doch es fehlen noch alle pharmazeutischen Voraussetzungen und technischen Möglichkeiten. Ludwig Haberlandts Konzept gerät in Vergessenheit.

Wissenschafter der deutschen Pharmafirma Schering stellen im Jahr 1938 erstmals das Hormon Östrogen künstlich her, und schaffen damit eine Grundlage für die spätere Forschung, da man bis dahin Östrogene nur sehr teuer aus Menschen und Tieren gewinnen konnte. So war beispielsweise eine halbe Tonne Eierstöcke von Schweinen nötig, um 30 Mikrogramm Östrogen herzustellen – heute die Dosis einer
einzigen Pille. Natürliche Hormone waren nicht nur teuer in der Herstellung sondern nach oraler Aufnahme auch kaum wirksam, weil sie im Magen-Darm-Trakt abgebaut werden. Einem weiteren Österreicher gelingt diesbezüglich ein entscheidender Schritt: Der Wiener Walter Hohlweg verändert mit Kollegen bei Schering die
chemische Formel des Östrogens so lange, bis er ein oral wirksames gefunden hat.

Schnell wurde dieses Ethinylestradiol zum wichtigsten Östrogen in der oralen Kontrazeption und ist heute noch in allen (Kombinations-)Pillen enthalten. Ebenfalls 1938 synthetisiert dieselbe Forschergruppe das ‚Ethisteron’, die Basis für alle später entwickelten, hochwirksamen oralen Gestagene (Gelbkörperhormone) der ersten Generation. Weitere Entwicklungsarbeiten werden aber wie alle Verhütungsmittel im III. Reich verboten.

Auf all diesem Wissen kann Gregory Pincus aufbauen, als er sich ans Werk macht. Er will nachahmen, was im Körper der Frau natürlich abläuft: Unterdrückung des Eisprungs an fast allen Tagen des Monats, Zulassung eines Eisprungs nur an einem einzigen Tag. Dafür experimentiert er mit mehr als 200 Substanzen. 1953 entdeckt
sein Team die richtige Hormonverbindung, testet sie zunächst an Tieren. 1956 beginnen erste klinische Tests und 1957 wird die Pille ‚Enovid’ als Mittel gegen menstruelle Beschwerden und zur Förderung der Regelmäßigkeit der Abbruchsblutung in den USA zugelassen. Daß schließlich 1960 die Zulassung als hormonales Verhütungsmittel in den USA erfolgt, ist dem kirchentreuen John Lock zu verdanken. Er argumentiert, dass die Pille je nichts anderes tut als die Natur auch,
nämlich während einer gewissen Zeit den Eisprung zu unterdrücken. Auf sein Wort als Gynäkologieprofessor in Harvard bezüglich der Sicherheit und Unschädlichkeit der Pille baut die amerikanische Zulassungsbehörde FDA. Vier Jahre später nehmen bereits zwei Millionen Amerikanerinnen die ‚Pille’.

1961 bringt Schering die erste Pille mit dem vielsagenden Namen ‚Anovlar’ (‚kein Eisprung’) auf den deutschsprachigen Markt. Die Pille von Schering enthält aber im Gegensatz zur Pille aus den USA nur 50mg anstatt 150mg Östrogen (heutige Pillen haben einen Östrogengehalt von 20-30/ug).

Die Akzeptanz der Pille ist in Europa anfangs geringer als in den USA. Zum einen weil bei uns die ‚Spirale’ weiter verbreitet ist, zum anderen aus ‚moralischen’ Gründen: Die Pille wird in den ersten Jahren nur an verheiratete Frauen mit mehreren Kindern abgegeben. Geschlechtsverkehr vor der Ehe ist tabuisiert, braucht also auch
kein Verhütungsmittel. Darüber hinaus stößt die Pille auch bei manchen Männern auf Ablehnung, weil sie die Frau in Bezug auf Verhütung selbständig macht. Daher führt Schering die Pille als ‚Mittel zur Behebung von Menstruationsstörungen’ ein, unter dessen Nebenwirkungen die Unfruchtbarkeit während der Einnahme aufgeführt ist.

Aber nicht nur die Gesellschaft übt Kritik an der Pille, auch Ärzte, indem sie beschließen, die Pille nicht zu verschreiben. So kam es 1964 zum ‚Ulmer Manifest’, in dem 140 Ärzte und 45 Universitätsprofessoren die Pille verurteilen. Die katholische Kirche erlaubt die Pille als Medikament für Zyklusstörungen. Ob sie
auch für die Verhütung zugelassen wird, steht jahrelang auf des Messers Schneide.

Der kirchentreue Entwickler John Rock rechnet fest damit, denn die Akzeptanz der Zeitwahlmethode (nach Knaus-Ogino) - und damit die Trennung von Sexualität und Fortpflanzung - durch die Kirche habe den Weg vorgezeichnet. Die Pille würde nur fortsetzen, was die Natur im Monatszyklus bereits vorgegeben habe, nämlich durch die zeitweilige Ausschüttung entsprechender Hormone eine Schwangerschaft unmöglich zu machen. Nach vielen Diskussionen – in denen auch der Österreicher Hermann Knaus als Gutachter gehört wird (er war dagegen) - verbietet Papst Paul VI. 1968 in seiner Enzyklika ‚Humanae vitae’ die Pille. Heute ist sie das meistgenommene Präparat mit weltweit schätzungsweise 60 bis 80 Millionen regelmäßigen Pillenanwenderinnen.

Eine monatliche Regelblutung, wie sie von der Pille nachgeahmt wird, ist weder für die empfängnisverhütende Wirkung der Pille noch für die Gesundheit des Körpers erforderlich. Der künstliche 28tägige Monatszyklus wurde vielmehr von John Lock und Gregory Pincus eingeführt, um die Idee der ‚hormonellen Nachahmung der Natur’
deutlich zu machen und die Akzeptanz zu erhöhen. Nachdem die Entwicklung der letzten Jahrzehnte eine deutliche Reduzierung der Hormondosierung gebracht hat, geht der Zukunftstrend der Pille dahin, die monatliche Regelblutung auszulassen, die heutzutage von vielen Frauen als lästig und überflüssig empfunden wird.

Text: Verein Museum fuer Verhuetung und Schwangerschaftsabbruch



Montag, 11. Februar 2008

Gourmets in der Kinderecke


Hätte mir einer mal gesagt, ich würde in einem Restaurant mehr nach Kinderecke als nach einem ausgeklügelten Apéro Ausschau halten, hätte ich ihn ausgelacht. Aber eben... Früher war eben alles anders. Doch dank denen von www.gugusdada.com finden wir auch heute ein Restaurant, dass uns gefällt. Und unseren Kindern.

www.gugusdada.com listet Schweizer Restaurants nach Region auf, damit wir nicht immer im gleichen Migros-Restaurant landen müssen. Danke!

Und solltet ihr eine Beiz kennen, die besonders kinderfreundlich ist und hier nicht aufgelistet, schreibt denen euren Tipp. Damit wir alle was davon haben!

Dienstag, 5. Februar 2008

Windeln, wenig Sex und andere Katastrophen: Wir haben die Tickets!

rabenmutter.ch hat Tickets für das Mutter-Stück der Stücke! Wir freuen uns, euch diese mit 20% Rabatt für die Vorstellungen von Dienstag bis Donnerstag und am Sonntag anbieten zu dürfen. Bestellen könnt ihr die Tickets per Mail an comments@rabenmutter.ch.





"Traumfrau Mutter" ist das kleine Grusel-Einmaleins des Baby-Alltags: Hier sind die Mütter, die noch keiner kennt: Heldinnen der Verzweiflungstat. Mütter, die sich immer wieder fragen: Hallo, bin ich hier richtig?

Bei der deutschen Fassung des kanadischen Stückes "Mom's the Word" führt der Komiker Ingolf Lück Regie. Die Hauptdarstellerinnen dieser turbulenten Revue sind sechs gestandene Mütter. "Traumfrau Mutter" ist eine Satire über eine Generation von Müttern- und das mit Müttern – und Rabenmüttern!

Antitrend: nur ein weiterer Mainstream?

Alle kennen dieses ungute Gefühl….eine neue Modesaison fängt an, die üblichen Läden (H+M und Co.) sind randvoll mit fremdartigen Outfit-Kreationen, und wir müssen uns nun irgendwie zurechtfinden in diesem Style-Dschungel. Ich traue mich teilweise gar nicht mehr richtig shoppen zu gehen. Denn so sicher wie der nächste Trend kommt die Überzeugung, es liege an mir und nicht an den Kleidern, wenn mir eine gänzlich fremde Person im Spiegel gegenüber steht.
(Erstmals Mai 2007 online)

Viele scheinen sich gar nicht erst zu fragen, „steht mir das, pass ich da rein?“ Nein, sie stellen sich die Outfits genau so zusammen wie es das momentane Modediktat befiehlt, ist doch egal, dass Farbe und Schnitt dich eher wie ein radioaktiver Cervelat mit Rüschen aussehen lässt, Hauptsache voll im Trend und somit modisch.
Müssen wir uns immer wieder, Jahr für Jahr, neu gestalten? Die Trendbüros und Designer-Labels dieser Welt entscheiden, was wir wann und wie zu tragen haben, und wir folgen Ihren Anweisungen wie hörige Lämmchen. Auch wenn dies bedeutet, dass wir kurzfristig in eine Depression fallen, weil wir nicht so aussehen wie die Wahnsinnsfrauen auf den Plakaten. Ich meine nicht die Problemzonen oder die zu kurzen Beine, nein, ich meine einfach dieses Gefühl von verkleidet sein, so als würde man als Individuum gänzlich untergehen und sich und allen anderen etwas vormachen.
Gibt es einen Ausweg aus diesem endlosen Kreis der fremdbestimmten Selbstdarstellung?

Ja, den gibt es: Geht einfach gegen den Trend. Versucht konsequent alles anders zu machen. Ist es momentan angesagt, farbenfroh und schrill durch die Gegend zu stöckeln, dann seid ihr dunkel und unauffällig unterwegs. Achtet auch darauf bloss keine Labels tragen, (am besten ihr schneidet alles ab was verrät, dass das verwaschene schwarze T-Shirt eigentlich von Diesel stammt und ein kleines Vermögen gekostet hat). Ihr sollt den Eindruck erwecken, als würde es euch gar nicht interessieren, wie ihr ausseht. Schliesslich habt ihr Wichtigeres zu tun, als euch stundenlang zu stylen. Ihr beschäftigt euch lieber mit euren tiefgehenden und einzigartigen „inneren Werte“.

Da ist auch die schrillere Variante; ja genau, die, die einfach kreuz und quer alles kombinieren was ihnen gerade so in die Hände fällt. Ein Brockenhausunikat hier und ein Restposten-Schnäppchen da und das alles wild zusammen gewürfelt ergibt den „Look“. Was dieser genau ist weiss niemand so genau, aber das soll ja auch nicht ersichtlich sein, wenn ihr einzigartig und individuell erscheinen möchtet. Ich persönlich bewundere diese wandelnden Kunstwerke oft, denn eins weiss ich genau…..ich, hätte niemals das Selbstbewusstsein, mich so unter’s Volk zu mischen.

Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, sich den gängigen Modetrends zu widersetzen, doch endet man immer in einer zwar kleineren, weniger definierten, aber doch „Trend“-Gruppe. Der Anti-Trend ist trotz aller Mühe eben auch nur ein Trend. Hinzu kommt, dass so genannte Trendscouts, die Tag und Nacht unterwegs sind, um eben diese lang erarbeiteten Looks ausfindig zu machen, diese an sich reissen und plötzlich ist er Mainstream! Schon kann man wieder von vorne anfangen….

Wir Menschen/Frauen vergleichen uns halt nun mal mit anderen, wollen immer irgendwo dazu gehören und gleichzeitig uns von der Masse abheben. Dies ist und bleibt immer eine Gratwanderung. Also sag ich nur: Probiert alles mal aus! Der Wunsch, durch unsere Kleidung vollkommen einzigartig zu sein, bleibt eben nur ... ein Wunsch.

Das Beste ist immer noch, das anzuziehen, worin man sich wohl fühlt, obwohl auch dies sich bei uns Frauen von Tag zu Tag ändern kann...

Und überhaupt, mit grösster Wahrscheinlichkeit ist irgendwann auch dein Look wieder voll in. Lang lebe Retro!




Freitag, 1. Februar 2008

Buchtipp: Guten Morgen, du Müde


Als ich mich entschied, wieder zu arbeiten, freute ich mich vor allem auf Abwechslung, soziale Kontakte und den finanziellen Zustupf. Ich hatte das Glück, einen Mann zu haben, der die Entscheidung mir überliess, wie lange ich mich ausschliesslich unserem Sohn widmen wollte. Also blieb ich fast zwei Jahre zu Hause, um dann wieder drei Tage die Woche einer bezahlten Arbeit nachzugehen.

Ich rechnete natürlich nicht damit, dass es einfach werden würde. Mir war bewusst, dass ich nach der Arbeit keinen Feierabend haben würde. Als DINKS (Double Income No Kids) waren wir es uns gewohnt, abends auszugehen oder einfach zu Hause zu „verhängen“. Seit wir Eltern waren, konnten wir diesen Umstand insofern weiterführen, als dass ich ja zu Hause war und der Haushalt entsprechend erledigt war, wenn mein Mann abends nach Hause kam.

Mit meinem Wiedereinstieg war das natürlich dann anders. Denn obwohl ich sah, dass sich mein Sohn in der Krippe wohl fühlte, nagte das schlechte Gewissen stets an mir. Abgesehen von dem mentalen Stress, wenn die Nacht wiedermal kurz gewesen war und ich am nächsten Tag arbeiten musste.

Typisch für diese erste Phase meiner Doppelrolle als Mutter und Angestellte war auch, dass der Kleine an meinem ersten Arbeitstag 40°C Fieber bekam und uns der Kinderarzt empfahl, ins Kinderspital zu gehen. So musste ich mich bereits nach 7 Stunden Arbeit bei meinem Chef entschuldigen, mein Kind sei krank. Und dachte „Kein Wunder stellt keiner Mütter ein!“

Viele von euch wissen, wie einem in solchen Situationen zumute ist. Anna Opel hat in ihrem Buch „Guten Morgen, du Müde“ Erfahrungen von Frauen gesammelt, hin und her gerissen zwischen Arbeits- und Familienalltag. Spannend und authentisch schildern Mütter ihre Erlebnisse und wie sie es schaffen, diese Schwierigkeiten zu meistern.

Das Buch
Wo sie hinkommt, ist Leonie L. die Jüngste. Sie hat einen Job bei einer großen Fernsehproduktionsfirma und arbeitet auf eine Karriere in der Medienbranche hin. Als sie unerwartet schwanger wird, muss sie umdisponieren. Sie kündigt und stellt fest, dass sie als freie Autorin nicht nur selbstbestimmter arbeiten, sondern auch mehr Geld verdienen kann. Mette W. steckt in der Abschlussprüfung ihres Studium und strebt eine akademische Laufbahn an. Ihren Sohn erzieht sie alleine. Sie bewegt sich in der Szene in Berlin-Prenzlauer Berg, kennt aber kaum Gleichaltrige mit Kind. Mit wenigen Freunden lebt sie ein alternatives Familienmodell, denn das Konzept Kleinfamilie ist ihr zu eng. Die geliebte Arbeit bei der Zeitung kann sich die gelernte Schriftsetzerin Evelyna G. irgendwann nicht mehr leisten, denn sie ist mit zwei Kindern allein und braucht mehr Zeit und vor allem mehr Geld. Sie findet einen höher dotierten Hilfsjob, heiratet wieder, bekommt ihr drittes Kind und steht seither im Schichtdienst am Band. Angestellte und Selbständige, Alleinerziehende oder im Paar, Mütter von kleinen und erwachsenen Kindern erzählen davon, wie sie immer wieder an Grenzen stoßen, wie sie diese überwinden und manchmal kapitulieren. Getrieben von dem Wunsch, mit oder trotz Kind ein interessantes Leben zu führen und unabhängig zu sein, suchen sie hartnäckig Wege zu ihrem Glück.

Die Autorin
Anna Opel hat in Berlin Theaterwissenschaft und Geschichte studiert und als Dramaturgin gearbeitet. Nach ihrer Promotion und der Geburt ihrer zwei Kinder, suchte sie in ihrem Umfeld nach Lebensmodellen, in denen sich Beruf und Familie harmonisch verbinden ließen. Das unbefriedigende Ergebnis dieser Recherche inspirierte sie zu diesem Buchprojekt. Die Autorin lebt als freie Lektorin und Übersetzerin in Berlin.



Studie: Familienarbeit

Das Bundesamt für Statistik hat in einer Studie festgestellt, dass nichterwerbstätige Mütter mit Kindern unter 7 Jahren durchschnittlich 67 Stunden pro Woche für Haus und Familie aufwenden. Bei erwerbstätigen Müttern reduziert sich der Aufwand jedoch nicht etwa um den Prozentsatz der Erwerbstätigkeit. Eine Frau mit kleinen Kindern und einem 50- bis 100%-Job leistet immer noch 53 Stunden Hausarbeit pro Woche!

Liebe Väter, sofern vorhanden, verbessert euer Image und packt endlich mehr mit an. Und liebe Frauen: lasst die Väter auch was tun!

Alles Spastis oder was?

Als Eltern im 21. Jahrhundert hat man oft das Gefühl, unter Erfolgsdruck zu stehen. Und unsere Kinder? Dank Heilpädagogen, den Medien und konkurrenzierenden Eltern stehen auch sie unter dem Druck, der Theorie zu entsprechen. (Artikel erstmals online August 2007)



Habt ihr im ersten Baby-Jahr auch diese Briefe von Pro Juventute erhalten? Ich wollte immer genau wissen, welcher der nächste Entwicklungsschritt sein würde oder sollte. Und obwohl man den Texten ungefähr entnehmen konnte was von einem beispielsweise neunmonatigen Kind zu erwarten wäre, wurde im Anschluss immer betont, dass jedes Kind anders ist und riesige Unterschiede in der Entwicklung völlig normal sind. Ich kann es nicht leugnen, ich war sehr stolz auf meine Tochter als sie dann 3 Tage vor Ihrem ersten Geburtstag anfing zu gehen…..als ob sie den ersten Platz in der Normalitätsskala gewonnen hätte. Irgendwie war es einfach auch beruhigend, dass sie so normal war, als hätte ich eine Hürde geschafft.

Beim zweiten Kind bin ich nicht mehr so erpicht auf diese Informationen, schließlich weiß ich jetzt auch was das selbstständige Gehen alles so mit sich bringt.

Von drollig zu unterentwickelt

So lange die Kleinen noch niedlich sind, sagen wir bis etwa zwei Jahre, werden ihre Eigenarten noch nicht so kritisch unter die Lupe genommen, es ist ja auch alles immer noch irgendwie drollig.

Plötzlich fangen sie aber an zu trotzen, (ganz normal, versichern uns die Fachleute) und ganz verschiedene Facetten ihres Charakters kommen zum Vorschein, und zwar nicht die angenehmen und schon gar nicht drollige.

Es gibt ganz klar Kinder die wirklich Entwicklungsstörungen haben und wir alle sind froh um die Fachpersonen, die uns und unsere Kinder unterstützen können. Aber es ist auch eine Tatsache, dass es momentan en-vogue ist, irgendwelche Störungen bei Kindern zu diagnostizieren.

„Ja klein Elias ist motorisch etwas unterentwickelt….“ Klein Elias kann mit viereinhalb Jahren seinen Malstift noch nicht wie Picasso halten und Radfahren (ohne Stützräder versteht sich) klappt auch noch nicht.

Da kommen noch die sprachlichen Probleme hinzu, denn nun ist das entzückende Lispeln nicht mehr gefragt und wenn bei den ersten Schreibversuche das P verkehrt rum geschrieben wird ist der Verdacht auf Dislexie naheliegend.

Wer ist denn hier hyperaktiv?

Nicht zu vergessen sind natürlich auch die hyperaktiven Kinder mit der begleitenden Aufmerksamskeitstörung. Mir ist bewusst, dass es wirklich überdurchschnitlich aktive Kinder gibt. Aber sollten wir nicht ein wenig Vorsicht walten lassen bei hyperaktiv schnellen Diagnosen? Die meisten Kinder wirken zeitweise etwas hyperaktiv, besonders für Bekannte, die selbst keine Kinder haben. An gewissen Tagen ist meine Älteste besonders überdreht, und ich find es dann auch ziemlich anstrengend und befremdend. Tatsache ist jedoch, dass diese kleinen Energiebündel viel unternehmungslustiger sind als die meisten von uns Erwachsenen. Der Gedanke, sich in einen bequemen Sessel zu flezen und stundenlang ein Buch zu lesen ist für sie schlichtweg unbegreiflich, genauso wie im Kreis rennen und kreischen für uns.

Diesen August kommt meine Grosse in den Kindergarten und freut sich auch riesig. Ich hingegen sehe das Ganze mit einem gewissen Vorbehalt. Als wir Eltern uns an einem Orientierungsabend der Gemeinde versammelten, wurde nicht nur, aber oft, von einer Heilpädagogin gesprochen. Zwei mal pro Schuljahr kommen diese Heilpädagogen vorbei und untersuchen jedes Kind auf eine Vielzahl von möglichen Schwächen und Störungen. Da sträuben sich bei mir die Nackenhaare! Und nun kommt mein Clinch: Einerseits will ich nicht, dass ein wirkliches Problem unentdeckt bleibt und meine Tochter dadurch Schwierigkeiten kriegt sich dann später auch in der Schule zu recht zu finden. Aber noch weniger möchte ich, dass ihre Eigenarten voreilig kritisiert werden. Die Gefahr, dass sie diese mitleidbeladene Kritik zu spüren kriegt und dann genau deswegen einen „Knopf“ hat, ist gross. Sicherlich haben die Eltern das letzte Wort in den meisten Fällen, aber dieses Gefühl, „etwas stimmt bei mir nicht“ will ich meinem Kind weitmöglichst ersparen.

Lasst Kinder Kinder sein!

Der Rat meiner Kinderärztin war kurz und bündig, „Ach ehrlich, lassen sie doch mal diese Kinder Kinder sein!“ Und falls Ihr euch literarisch schlau machen wollt, empfiehlt es sich die „Baby Jahre“ und „Kinder Jahre“ von Remo Largo zu lesen. Er erzählt anhand von Beispielen und vertritt keine fest gefahrenen Meinungen.

Es gibt viele Ansichten, was ein Kind wann und wie können sollte. Viele dieser Meinungen sind wahrscheinlich auf dem Spielplatz entstanden, wo sich konkurrierende Mütter durch die Leistungen ihrer Kinder vergleichen. „Ja, mein Jonny konnte schon als Fötus das ABC und kam dann auch Rad fahrend und stubenrein auf die Welt.“ Und das erzählt sie, während ein anderes Kind im Dreck sitzt und versucht, sich einen Kieselstein in die Nasenlöcher zu drücken, und selbst dies gelingt ihm nicht auf Anhieb.

Habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie reagiert euer Umfeld? Habt ihr eventuell sogar etwas unternommen? Schreibt uns!




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