Freitag, 1. Februar 2008

Buchtipp: Guten Morgen, du Müde


Als ich mich entschied, wieder zu arbeiten, freute ich mich vor allem auf Abwechslung, soziale Kontakte und den finanziellen Zustupf. Ich hatte das Glück, einen Mann zu haben, der die Entscheidung mir überliess, wie lange ich mich ausschliesslich unserem Sohn widmen wollte. Also blieb ich fast zwei Jahre zu Hause, um dann wieder drei Tage die Woche einer bezahlten Arbeit nachzugehen.

Ich rechnete natürlich nicht damit, dass es einfach werden würde. Mir war bewusst, dass ich nach der Arbeit keinen Feierabend haben würde. Als DINKS (Double Income No Kids) waren wir es uns gewohnt, abends auszugehen oder einfach zu Hause zu „verhängen“. Seit wir Eltern waren, konnten wir diesen Umstand insofern weiterführen, als dass ich ja zu Hause war und der Haushalt entsprechend erledigt war, wenn mein Mann abends nach Hause kam.

Mit meinem Wiedereinstieg war das natürlich dann anders. Denn obwohl ich sah, dass sich mein Sohn in der Krippe wohl fühlte, nagte das schlechte Gewissen stets an mir. Abgesehen von dem mentalen Stress, wenn die Nacht wiedermal kurz gewesen war und ich am nächsten Tag arbeiten musste.

Typisch für diese erste Phase meiner Doppelrolle als Mutter und Angestellte war auch, dass der Kleine an meinem ersten Arbeitstag 40°C Fieber bekam und uns der Kinderarzt empfahl, ins Kinderspital zu gehen. So musste ich mich bereits nach 7 Stunden Arbeit bei meinem Chef entschuldigen, mein Kind sei krank. Und dachte „Kein Wunder stellt keiner Mütter ein!“

Viele von euch wissen, wie einem in solchen Situationen zumute ist. Anna Opel hat in ihrem Buch „Guten Morgen, du Müde“ Erfahrungen von Frauen gesammelt, hin und her gerissen zwischen Arbeits- und Familienalltag. Spannend und authentisch schildern Mütter ihre Erlebnisse und wie sie es schaffen, diese Schwierigkeiten zu meistern.

Das Buch
Wo sie hinkommt, ist Leonie L. die Jüngste. Sie hat einen Job bei einer großen Fernsehproduktionsfirma und arbeitet auf eine Karriere in der Medienbranche hin. Als sie unerwartet schwanger wird, muss sie umdisponieren. Sie kündigt und stellt fest, dass sie als freie Autorin nicht nur selbstbestimmter arbeiten, sondern auch mehr Geld verdienen kann. Mette W. steckt in der Abschlussprüfung ihres Studium und strebt eine akademische Laufbahn an. Ihren Sohn erzieht sie alleine. Sie bewegt sich in der Szene in Berlin-Prenzlauer Berg, kennt aber kaum Gleichaltrige mit Kind. Mit wenigen Freunden lebt sie ein alternatives Familienmodell, denn das Konzept Kleinfamilie ist ihr zu eng. Die geliebte Arbeit bei der Zeitung kann sich die gelernte Schriftsetzerin Evelyna G. irgendwann nicht mehr leisten, denn sie ist mit zwei Kindern allein und braucht mehr Zeit und vor allem mehr Geld. Sie findet einen höher dotierten Hilfsjob, heiratet wieder, bekommt ihr drittes Kind und steht seither im Schichtdienst am Band. Angestellte und Selbständige, Alleinerziehende oder im Paar, Mütter von kleinen und erwachsenen Kindern erzählen davon, wie sie immer wieder an Grenzen stoßen, wie sie diese überwinden und manchmal kapitulieren. Getrieben von dem Wunsch, mit oder trotz Kind ein interessantes Leben zu führen und unabhängig zu sein, suchen sie hartnäckig Wege zu ihrem Glück.

Die Autorin
Anna Opel hat in Berlin Theaterwissenschaft und Geschichte studiert und als Dramaturgin gearbeitet. Nach ihrer Promotion und der Geburt ihrer zwei Kinder, suchte sie in ihrem Umfeld nach Lebensmodellen, in denen sich Beruf und Familie harmonisch verbinden ließen. Das unbefriedigende Ergebnis dieser Recherche inspirierte sie zu diesem Buchprojekt. Die Autorin lebt als freie Lektorin und Übersetzerin in Berlin.



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