Freitag, 11. November 2011

Das Gewissen putzt mit

Mütter haben ein schlechtes Gewissen, soweit nichts Neues. Erstaunlich aber ist, WAS ihnen Kopfweh beschert.

«What Moms Choose», so heisst eine Studie des amerikanischen Working Mother Research Institute, in der knappe 4000 Frauen zu ihrer Situation als Frau und Mutter befragt wurden. Vieles ahnten wir schon, einiges ist überraschend. Davon ausgehend, dass eine solche Studie in unseren Breitengraden nicht viel anders ausfallen würde, hier ein paar Zahlen, die Sie beim nächsten Raclette im Pfännchen servieren können:
  • 55% der (ehemals) karriere-orientierten Vollzeitmütter, würden lieber arbeiten.
  • 71% der erwerbstätigen Mütter tun es nur wegen der Bezahlung.
  • 51% der erwerbstätigen Mütter haben ein schlechtes Gewissen, weil sie zu wenig Zeit mit ihren Kindern verbringen.
  • 55% der erwerbstätigen Mütter fühlen sich schuldig, ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.
  • 55% der Vollzeitmütter gaben Schuldgefühle, weil sie nichts zum Einkommen beitragen.
  • 44% der Vollzeitmütter fühlen sich schuldig ihren Haushalt nicht im Griff zu haben.
Ausserdem fühlen sich erwerbstätige Mütter am meisten verurteilt in Sachen:  
  1. Haushalt
  2. Sorge für sich selbst
  3. Zeit mit den Kindern
Vollzeitmütter hingegen glauben, es werde in folgenden Belangen über sie geurteilt:
  1. Fehlendes Einkommen
  2. Haushalt
  3. Ungenutzte Bildung
Man kann es nicht ignorieren: Moderne Frauen messen sich noch immer an ihrem Haushalt. Seltsam, nicht? In Zeiten der vertauschten Rollenbilder und Vollzeit-Hausmänner, glauben wir Frauen immer noch, es sei von Bedeutung oder es sage etwas über uns aus, ob unser Haus sauber und aufgeräumt ist. Oder eben weniger. Warum ist das so?
Mein Haus ist sauber. Und zwar genau während der drei Stunden, die dem Putzen folgen (und nur deshalb, weil die Kinder dann noch nicht zu hause sind). Danach leben wir halt weiter und entsprechend sieht es auch aus. Aber ich muss selber zugeben, dass ich aufräume, wenn Besuch kommt, irgendwie scheine auch ich (und glauben Sie mir, ich bin alles andere als die perfekte Hausfrau) mich mit einem aufgeräumten Wohnzimmer besser zu fühlen. Aber Schuldgefühle habe ich deswegen keine. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ich Mann und Kinder für die Unordnung verantwortlich mache, wenn ich alleine wohnen würde, wär’s nämlich viel besser. 

«Das Handbuch für die gute Hausfrau» von 1955 scheint in den Köpfen immer noch hochaktuell zu sein. Dort wurde der Hausfrau allen Ernstes empfohlen, ihren Ehemann nach Feierabend mit einem Cocktail, den Pantoffeln, einer warmer Mahlzeit und natürlich einem piccobello aufgeräumten Heim zu empfangen. Der Traum eines jeden Mannes! Heute klingt es mehr so: «Bringst du bitte den Müll raus und kannst du die Kinder baden und übrigens, ich gehe aus, bitte kümmere dich um’s Abendessen!» Oder so ähnlich. 

Und jetzt meine Frage: Gäbe es ein «Working Dad Institute», wie stünde es da um das schlechte Gewissen der Männer bezüglich ihrem Haushalt? Wahrscheinlich gibt es deshalb keines: Weil wir die Antwort darauf schon kennen.

Kommentare:

Mittelmaßmama hat gesagt…

"Nagel auf den Kopf getroffen!", würde ich da mal sagen.

woloer hat gesagt…

na gut, kommt ein bisschen darauf an, wie diese studie aufgebaut war - wenns einfach multiple-choice fragen sind, bei denen man ankreuzen kann, wo man ein schlechtes gewissen hat, würd ich da wohl auch schnell mal ein kreuz setzen.... wenn ich selber überlegen müsste, käm ich vielleicht nicht gleich schnell auf diese antwort.

und mein zuhause ist mein daheim, da definiere ich mich schon darüber, und das nicht erst seit ich mami bin, schliesslich will ich mich ja auch selber darin wohl fühlen. ich hätte es vielleicht nicht "haushalt" genannt, aber wie gesagt, je nachdem, welche optionen man zum ankreuzen hat, kommt das vielleicht am nächsten...
ob man dann ein schlechtes gewissen haben muss, wenns nicht picobello geputzt ist, ist dann tatsächlich eine andere geschichte, und auch wie männer bei so einer studie antworten würden - würde mich echt wunder nehmen

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