Dienstag, 13. Dezember 2011

Die Relevanz der Väter

Zum Kinderkriegen sind Männer heute (fast) überflüssig. Aber sind sie deshalb gesellschaftlich irrelevant?

Die Ehe verabschiedet sich langsam aus der Gesellschaft. Frau braucht keinen Mann mehr, um eine Familie zu gründen. Zumindest braucht sie ihn oft nicht mehr, um eine zu ernähren. Und da, wo noch Mami UND Papi mit den Kindern leben, hat der Vater oft nichts zu sagen, er ist ja den ganzen Tag bei der Arbeit.
Viele sehen das so. Ich habe jedoch ehrlich gesagt ganz andere Beobachtungen gemacht. Als TV-Fan (ich hätte fast-Junkie geschrieben...) stelle ich immer wieder fest, dass Produktionsfirmen auf jeden Zug aufspringen, den sie für gesellschaftlich relevant, bzw. einfach trendy, halten. Vampire, Fantasy, Sixties und – worauf ich natürlich hinaus will – Väter. Süsse, liebe, miterziehende Väter, deren Fehler man ihnen einfach nachsehen muss, sie geben sich doch solche Mühe. Väter werden im TV und der Werbung dargestellt, als könnten sie nicht viel anderes als ihre Socken rumliegen lassen, Playstation spielen und vergessen, den Müll rauszubringen. Trotzdem sind für ihre Kinder unentbehrlich, weil sie ja selber noch grosse Kinder sind. Dies alles trifft natürlich vor allem auf amerikanische Produktionen zu, aber sind wir ehrlich: Welche Serien und Filme schauen wir uns auch hierzulande mit Vorliebe an? Eben!
Werden Väter in den Medien stereotypisiert? Natürlich werden sie das. Genauso wie Mütter  auch. Aber kann man daraus schliessen, dass ein Vater bloss ein weiteres Kind in der Familie darstellt, und dass ohne Mami eben doch nichts läuft? Um diese Frage zu beantworten, hier ein paar relevante Fakten, aufgezeichnet vom amerikanischen Dad-Blogger Ron Mattocks :
  • 2005 befand das amerikanische Parents Television Council, dass 87% der Fernsehprogramme Väter involvieren, 15% sogar alleinerziehende Väter zeigten und nur gerade 13% gar keinen Vater miteinbezogen.
  • Im Wall Street Journal konnte man lesen, dass Produktionsfirmen noch nie so viele Vorschläge für TV-Serien erhielten wie diese Jahr, in denen die verändernden Lebenumstände von Vätern aufgezeigt wurden.
  • Im selben Artikel war zu lesen, dass der neue Sitcom-Mann «selbstbewusst, der Familie ergeben, im Haushalt helfend und ein ziemlich guter Erzieher» und meist hauptsächlicher Ernährer ist.
  • Der kommerzielle Erfolg von Büchern (Go the fuck to sleep, Papa steht seinen Mann), Filmen (The Change-Up) und Serien (Up all night) spiegeln die Überlegungen und Frustrationen von Vätern in Erziehung und ihrer Work-Life-Balance wieder.
  • Auch Marken wie Proctor & Gamble, Kellog’s und Renault entwickeln zunehmend Kampagnen, die sich an Väter richten (nachdem sich viele Väter beklagten, in der Werbung zu wenig repräsentiert zu sehen).
  • Die Science Daily meldete, dass es für 77% der Männer heute wichtiger ist, als guter Vater wahrgenommen zu werden, als eine steile Karriere aufzuweisen (nur 49%).
Zurück zu meiner Frage: Sind Väter kulturell relevant? Und wie! Viele halten dies jetzt wahrscheinlich für oberflächlich, doch Tatsache ist, dass keine Produktionsfirma und kein Brand ohne Marktforschung auskommen. Denn in eine Zielgruppe wird viel Geld investiert, also will gut überlegt sein, wen man ansprechen will.  (Natürlich hängt es auch damit zusammen, dass Männer - entgegen langjährigen Meinungen - nach neusten Studien eben doch die Kaufentscheide fällen.) Deshalb ist es sehr wohl ein guter Indikator, was wir im TV und in der Werbung sehen. Es spiegelt das echte Leben, nicht im Detail, aber in den kulturellen und gesellschaftlichen Tendenzen. Oder sehen Sie das anders?

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