Wenn Papa für Mama bezahlen muss

Der Bundesrat berät diese Woche das neue Unterhaltsrecht, welches regelt, wer nach einer Scheidung oder Trennung wie viel zahlen muss. So weit, so nötig.
Das Problem dabei ist, dass unser Bundesrat nicht gerade viel modernen Zeitgeist zeigt. So legt er dem Parlament einen Entwurf vor, der die traditionelle Rollenverteilung gerade zu zementiert: Papa arbeitet, Mama kümmert sich um die Kinder. Das soll auch bei Unverheirateten gelten. Der getrennt lebende Vater soll also nicht die Kinder, sondern auch die Ex finanziell unterstützen. Das Argument? Jedem Kind, unabhängig davon, ob es unehelich oder nicht zur Welt kam, soll «die Gewährleistung der bestmöglichen Betreuungsverhältnisse ermöglicht werden».
Mein Problem dabei? Verschiedene:
- Wieso
pochen wir immer noch darauf, dass Mama die Einzige ist, die ihre
Kinder richtig betreuen kann und so unterschwellig vermitteln, dass es
den Kindern in einer Krippe schlechter geht?
- Was
soll daran so gerecht sein, wenn Papa 100% (oder noch mehr) ausser Haus
und Mama 100% (und meist noch mehr, aber ohne Lohn) zu Hause schuften
muss?
- Wieso nicht vereinbaren, dass beide Teilzeit arbeiten und die Kinder so von beiden betreut werden können?
- Wichtig wäre doch vor allem, dass niemand auf dem Existenzminimum landet, weder Papa noch Mama. Aber jeder muss tun, was er kann.
Die Vorlage sagt natürlich nicht, dass ausschliesslich Papa für Mama zahlen muss, so wie die Dinge aber heute stehen, läuft es darauf hinaus. Und ich gebe zu, dass dies auch (noch) der Realität entspricht, aber müsste der Bundesrat nicht mithelfen, die Gesellschaft zu verändern?
Was meinen Sie? Ist das gerecht oder hinterwäldlerisch?
Kommentare
Es ist halt so, dass selbst aufgeklärte, eigentlich modern funktionierende Menschen, in Verhaltens- und Denkmustern gefangen sind, ohne dass sie das realisieren...
Hinzu kommt, dass - falls es denn zum Einschalten von Behörden kommt - sich Entscheidungsträger auf Neuland begeben, wenn sie Mann und Frau wirklich (!) gleich behandeln. Und da verlässt man sich lieber auf die bereits gut ausgetretenen Pfade. Da macht man sicher nichts falsch....
Und daran scheitert dann wohl auch Dein Anspruch an den Bundesrat, die Gesellschaft zu verändern. Solange neutral formulierte Regelungen geschlechterspezifisch gehandhabt werden, müssen wir - wohl oder übel - damit leben (oder aber immer und immer wieder aufs Neue den Finger drauf halten. Aber das kostet Energie und schafft nicht nur Freunde :) )
Mit allem anderen hast du leider Recht. Ausserdem müssen sich in der Schweiz ja auch immer alle einig sein. Nebst sehr guten Nebeneffekten dieser Art, Politik zu betreiben, läuft es aber auch immer darauf hinaus, dass Veränderungen nur sehr laaangsam vorangehen. Aber hey, vielleicht machen es unsere Kinder mal besser!
Will der Mann sicher sein=Keine Heirat & Sterilisation.