Donnerstag, 30. August 2012

Eine Leidenschaft, die Leiden schafft

 

Eifersucht lässt friedliebende Menschen Dinge tun, die sie selber nie für möglich gehalten hätten: Dem Partner nachspionieren, die Taschen filzen bis hin zu gewalttätiger Unterdrückung. Darüber, woher dieses Gefühl kommt, sind sich auch Wissenschaftler uneinig.

Täglich werden weltweit zahlreiche Taschen durchsucht, SMS-Nachrichten durchgekämmt, Mails gelesen. Nicht die eigenen, sondern die des Partners. Ein Vertrauensbruch, der Folgen haben kann, denn es ist falsch, verletzend, unnötig. Aber so verlockend.
Ob Promis, Film, Literatur, oder gar die Bibel – von Othello, über Florian Ast, «Fifty Shades of Grey» bis zu Sarah und Abraham: Eifersucht ist der Garn, aus dem Liebegeschichten gestrickt sind. Auch für Johann Wolfgang von Goethe galt bereits vor über 200 Jahren: «Eifersucht ist eine Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden schafft». Doch stimmt das? Suchen wir es uns aus, eifersüchtig zu sein? Oder können wir gar nicht anders?

Angeboren oder angelernt?
Wie in den meisten Fragen der Menschheit, neigt man dazu, evolutionsbiologisch eine Erklärung zu suchen, zumal es keinen geschlechtlichen Unterschied im Ausdruck von Eifersucht zu geben scheint, wie auch Paartherapeutin Angela Della Torre auf Anfrage bestätigt: «Männliche Eifersucht äussert sich auf dieselbe Art wie weibliche». Die Forschung ist sich darüber einig, dass Frauen jedoch eher auf emotionalen Betrug reagieren, wogegen Männer eifersüchtig auf den Nebenbuhler im Bett sind. Seit Darwin wissen wir, dass Mann und Frau immer darauf aus sind, ihre Gene möglichst erfolgreich zu verbreiten, weshalb es logisch anmutet, dass Männer mit der genauen Beobachtung der sexuellen Aktivität ihrer Partnerin Kuckuckskinder vermeiden wollen. Andererseits verhindern Frauen mit emotionaler Eifersucht, dass sich ihre Männer zu sehr von der Familie entfernen.

Uneinig sind sich die Wissenschaftler indes darüber, ob Eifersucht angeboren ist oder die familiäre Beziehung die Wurzel für ein späteres eifersüchtiges Benehmen darstellt. 2004 stellten Forscher der Texas Tech University fest, dass bereits Babies mit Weinen versuchen, Mamas Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn diese eine Puppe in den Armen wiegt. Beschäftigte sie sich hingegen mit einem Buch, zeigte das Kleine keine Anzeichen von Eifersucht. Es geht also nicht nur um Aufmerksamkeit, sondern darum, den Status des einzig Geliebten zu erlangen. Was wiederum nahelegen würde, dass es sich bei Eifersucht nicht um eine erworbene Charaktereigenschaft, sondern um eine angeborene Strategie handelt, um nicht zu kurz zu kommen.

Mord und Totschlag
Rein genetische Ursachen sind gemäss modernen Forschungsergebnissen jedoch eher unwahrscheinlich. In Familien hat sich nämlich gezeigt: Wer von seinen Eltern gleich wie die Geschwister behandelt wurde, zeigt später ein besseres Selbstwertgefühl und fürchtet sich weniger davor, verlassen zu werden. Wessen Kindheit hingegen von Ungerechtigkeit geprägt wurde, neigt hingegen zu mehr Eifersucht. Erstaunlicherweise gilt das auch für die «Bevorzugten», wie eine 2007 durchgeführte Studie der Auburn University in Alabama herausfand.


Forscher der Universität Bielefeld bewiesen ein Jahr später ausserdem den Einfluss kultureller Bedingungen wie Gleichstellung und Bildung. Je besser diese Faktoren gewichtet sind, umso geringer ist der Unterschied zwischen Mann und Frau, egal, ob man von sexueller oder emotionaler Eifersucht spricht.

Die gesamte Forschung kann eines aber nicht erklären: Wieso sowohl Frauen, wie auch Männer aus Eifersucht gewalttätig werden, ja gar töten. Googelt man das Wort «Eifersucht», erscheinen dutzende Seiten, in denen Mord und Totschlag beschrieben werden. Der einzige Unterschied zwischen Mann und Frau ist da – statistisch gesehen – dass Frauen eher ihre Männer und Männer eher ihre Nebenbuhler umbringen.

Bevor es aber soweit kommt, sollte man bedenken: «Eifersucht in einer Partnerschaft ist nicht nur schlecht, sie zeigt einem – solange nicht übertrieben wird – dass der Partner wichtig ist», ist sich Paartherapeutin Della Torre sicher. Ein bisschen Eifersucht ist also auch ein Zeichen für eine gute Partnerschaft. Aber eben nur ein bisschen.

Dieser Artikel erschien heute auf clack.ch.

Keine Kommentare:

rabenmutter.ch abonnieren