Mittwoch, 16. Mai 2012

Echte Mütter stillen länger. Oder wie war das?





Das aktuelle «Time» Magazin schockiert mit einem Cover, das die Diskussion um das Langzeitstillen weltweit neu anheizt. Doch ist es wirklich so schlimm?


Die Provokation soll natürlich die Verkaufszahlen ankurbeln, offensichtlich ist das der Redaktion des «Time» Magazins auch gelungen. Die hübsche Mutter und ihr Dreijähriger (und ja, wir hoffen, es handelt sich tatsächlich um Mutter und Kind und nicht etwa um Models. Das Trauma des Kleinen wäre wohl sonst eine weitere Forums-Diskussion wert) gehen einer «Beschäftigung» nach, die der Kinderarzt William Sears bereits in den Neunzigern propagieren. Bereits 2010 hatten wir hier darüber berichtet, die Reaktionen auf meinen damals schon kritischen Text waren entsprechend nicht ausgeblieben. 
 
Und auch das «Time» Magazin hat zahlreiche Reaktionen auf das Cover und natürlich den Inhalt des Artikels erhalten. Der Titel «Sind Sie Mutter genug?» gab dem Ganzen den Rest. Der Text beschreibt den neuen Trend zur Extrem-Mutterschaft, sozusagen die Verschiebung vom «Helicopter-Parenting» zum «Klammeraffen-Säuge-und-Muttertier». Den Trend gibt es auch in Europa schon, man denke da nur an die vielen Artikel zum Thema Stillen und Familienbett. Wie in allem, sind wir Europäerinnen (und Schweizerinnen) jedoch nicht ganz so schlimm mit dem Verurteilen von anderen Methoden.Der Gedanke, dass Mütter stillen sollen, wenn sie wollen (und können) hat sich bei uns eingebürgert.

Auch wenn ich denke, dass Langzeitstillen in unseren Breitengraden wenig mit den Bedürfnissen unserer Kinder als mit denen von uns Müttern zu tun hat. Loslassen ist schwer, das erleben wir jeden Tag. Ensprechend würde ich nicht von einer Zwangs-Mutterschaft, sondern viel eher von einer Zwangs-Zuneigungsbekundung seitens des mit drei immer noch gestillten Kindes sprechen. Denn ein Dreijähriger kann sich nur loslösen, wenn man ihn lässt. Praktisch ist das Stillen allemal, das leuchtet sogar mir ein. Nötig? Ich weiss nicht.

Wie war eure instinktive Reaktion auf dieses Titelblatt. Jööh? Oder wääk?

1 Kommentar:

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Ich bin selber Mutter zweier Kinder im Alter von 5 und 3.5 und habe sie "nur" jeweils 3 Monate lang stillen können - es ging leider nicht länger. Ich hätte sie sehr gerne länger gestillt, doch ich hätte mir nie vorstellen können, sie noch im jetzigen Alter stillen zu wollen. Ob es dabei eher die Mütter sind, die nicht loslassen können oder umgekehrt - ich weiss es nicht. Mütter, die LZS befürworten, sollen dies ohne Anfeindungen tun, andere sollen es eben lassen dürfen. Ich erziehe meine Kinder auch so beziehungs- und bedürfnisorientiert und begleite sie mit viel Liebe, Nähe, Wärme, Geborgenheit, Zuneigung und Sicherheit durchs Leben zu selbstsicheren und respektvollen Mitmenschen. Das ist doch das Allerwichtigste, egal ob bzw wie lange die Kinder gestillt werden/wurden. Mit etwas mehr Toleranz und Leben und leben lassen auf allen Seiten wäre das Leben, und speziell jenes von uns Müttern, viel friedlicher ;)!

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