Donnerstag, 13. Dezember 2007

Toller Vater oder Samenspender?



Was macht einen Mann zum Vater? Die Tatsache, dass er gezeugt hat? Dass an den Muttertag denkt? Oder doch, dass man sich auf ihn verlassen kann?



Der Vater meines Sohnen diesem noch nie ein Zäpfchen geschoben. Leas weiss nie, welcher Sirup der Richtige gegen Fieber ist. Der Mann einer weiteren Freundin verpasst regelmässig die Elternabende in der Schule. (Namen werden absichtlich nicht mehr genannt, Anm. d. Red.). Eine weitere Bekannte hat keinen Vater für ihre Tochter, sondern lediglich einen Erzeuger. Und der betrogene und verletzte Freund einer Kollegin rächt sich an ihr, indem er ihren gemeinsamen Sohn gegen sie aufhetzt, worauf der Kleine jetzt auch keine Lust mehr auf seinen Papa hat. Last but not least: ein Freund von uns war bei der Geburt seines Kindes in den Ferien. Und kam erst vier Monate später nach Hause!

Die Schuldfrage
Sind das alles schlechte Väter? Oder müssen wir uns damit abfinden, dass es einfach unser Bier ist, wenn unser Kind krank ist? Und jetzt eine typisch weibliche Frage: Ist es am Ende unsere Schuld? Vielleicht ist es den Männern einfach unmöglich sich so zu verhalten wie wir es uns wünschen. Wir übernehmen in den meisten fällen sowieso das Zepter, entmündigen sie so zu sagen! Verwöhnen wir sie so sehr, dass sie ihre Verantwortung einfach auf uns abwälzen? Was wäre mit diesen Vätern, wenn sie wirklich auf sich gestellt wären, und keine Big Mama ihnen mit kritisch prüfendem Blick über die Schulter schauen würde?)

Gewisse Basics, wie die Anwesenheit am Elternabend dürfen wir aber erwarten, oder etwa nicht? Die Anwesenheit überhaupt?

Wieviel Vater braucht die Mutter?
Diese Fragen kamen auf, als besagter Freund aus besagten Ferien zurückkam. Mit einem breiten, viel Freude unsererseits erhoffenden Grinsen überbrachte er uns die frohe Botschaft: „Ich bin Papi geworden!“ Nach dem ersten Schock realisierten wir jedoch, dass er von seinem Sohn sprach, als hätte einen Couchtisch Ricardo ersteigert. Mir fehlten die zu erwartende Euphorie. Oder der Bammel, Vater geworden zu sein. Kurz: irgendeine Gefühlsregung, die darauf hindeutete, dass diese News tief geht.

Ja, er wusste schon vor seiner Abreise über die Schwangerschaft Bescheid und ist, mit dem Einverständnis der werdenden Mutter, trotzdem gereist. Er hatte es uns wohlweislich verschwiegen, weil zumindest die Frauen unter uns ihm die Hölle heiss gemacht hätten, gefälligst bei seiner Frau zu bleiben. Um sein Gewissen zu beruhigen er hat zwar alle Kosten übernommen, sich jedoch möglichst lange davor gedrückt, sich zu diesem Kind zu bekennen. Der Schock im Freundeskreis war gross, die Enttäuschung über ein derartiges Benehmen überwältigend. Wie konnte er nur nicht dabeisein wollen, als sein Sohn zur Welt kam? Nun ist die kleine Familie vereint und die Überraschung über seinen Wandel ist wiederum unbeschreiblich. Er wickelt, wärmt Nahrung, geht spazieren, kurz: er bemüht sich mit voller Hingabe, ein guter Daddy zu sein.

Nicht alles Gold, was glänzt
Der Elternabend-Verpasser war bei der Geburt dabei. Auch bei den Drei-Monats-Koliken. Und bei der Nuggi-Abgewöhnung (auch wenn die Kleine heute noch einen hätte, wenn es nach ihm gegangen wäre). Nach einer Dekade „Happy-Family-Groove“ haute er jedoch mit einer Jüngeren ab und sieht seine Kinder heute nur noch jedes zweite Wochenende.

Der völlig abwesende Vater ist völlig abwesend, weil es seine schwangere Bekanntschaft so wollte. Sollte er sich trotzdem mehr interessieren?

Wie schlimm ist es, wenn mein Mann mich zum x-ten fragt, wo denn nun der Sirup sei oder immer noch nicht weiss, wo wir das Kindergeschirr versorgen? Macht ihn die Tatsache, dass er bei der Geburt und den ersten drei Jahren anwesend war, zum guten Vater? Im Vergleich zu den genannten Beispielen wirkt wohl jeder Vater, der mehr oder weniger seinen Pflichten nachkommt als guter Daddy. Oder sollte ein Vater, der überzeugt ist, die Mutterrolle im Notfall einnehmen zu können, nicht schon mal üben?

Wenn schon, denn schon
Wenn ich zurück an meine eigene Kindheit denke, glaube ich, einen guten Vater gehabt zu haben. Er war zwar viel verreist, aber wenn er mal zu hause war, dann „richtig“. Eine extreme Abwesenheit ist zumindest nicht das Gefühl, dass ich mit meiner Kindheit verbinde. Die Zäpfchen waren natürlich trotzdem Sache meiner Mum.

Erwähnter Freund scheint genau auf dasselbe hinauszuwollen. Jetzt, wo er da ist, möchte er ein guter Vater sein, sowohl für seinen Sohn, wie auch für seine Frau. Und vielleicht macht diese Tatsache einen guten Vater aus ihm.

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