Sonntag, 2. Dezember 2007

My name is Mutter, Raben Mutter


Ja, ich bin sie. Die Leibhaftige. Die, die ihr Kind zugunsten ihrer Arbeit vernachlässigt. Eine Rabenmutter eben.

Als wir dieses Magazin online schalteten war mir in keinster Weise bewusst, wie weit ich die gemeinhin als Rabenmutter bekannte Frau verkörpere. Mir war zwar klar, dass ich auf der Kippe stand, diese Woche habe ich die Grenze jedoch definitiv überschritten.

An vier von fünf Arbeitstagen habe ich mein Kind auswärts gegeben. Krippe, Grossmutter 1, Grossmutter 2, sogar der Grossvater musste einrücken! Hin- und hergeschoben muss sich der Kleine fühlen, von seiner Mutter vernachlässigt!

Als er gestern auch noch bemerkte „Dä Papi hät mich abgholt, nöd du!“ wollte ich schon zu den AR, den Anonymen Rabenmüttern (Gibt’s die? Wenn nicht, gründe ich demnächst eine Selbsthilfegruppe.).

Und das schlimmste ist, ich bin ja selber schuld! Finanziell gesehen ist mein Lohn keine Notwendigkeit in unserem Haushalt. Einerseits, weil ich zu wenig verdiene, andererseits, weil mein Mann genug für die ganze Familie nach Hause bringt. Aber ich wollte ja unbedingt meine grauen Zellen wiedermal auf Vordermann bringen. Das habe ich jetzt davon. Innerhalb von zwei Monaten zwei Jobs und dieses Magazin. Das frisst Zeit. Und die fehlt mir dann mit meinem Kind.

„Wofür hat sie denn ein Kind, wenn sie sich danach nicht drum kümmert?“, fragen sich vielleicht einige Leserinnen. Soll ich es euch sagen? Weil es einfach richtig saumässig Spass macht! Ich liebe meinen Job und fühle mich sehr privilegiert, einer Arbeit nachgehen zu dürfen, die ich gerne mache. Auch wenn ich dabei zeitweise meine Familie vernachlässige. Mein Mann findet das übrigens total o.k., da er so Gelegenheit hat, mehr Zeit mit dem Junior zu verbringen. Aber mein Mann ist auch der Beste, hatte ich das schon erwähnt?

Hinzu kommt, dass ich nicht alle, aber viele Einladungen zum Essen, ins Kino, go Käfele etc. trotz meines schlechten Gewissens wahrnehme. Schliesslich möchte ich nicht einsam sterben.

Beruhigend war es aber trotzdem, als mein Kleiner heute morgen meinte: „Gäll, wänn dä Grossvater da isch, gahsch du dänn, gäll!?“ Oder sollte ich mir Sorgen machen?

1 Kommentar:

Borny hat gesagt…

Hi, ich musste schmunzeln, als ich deinen Bericht gelesen habe. Ich werde hier im Dorf (wohne in der Provinz!) auch gedisst, weil ich schliesslich morgens um 7 uhr die armen Kinder aus dem Bett zerre (Samy 7 Mte alt und Janis Salome fast 3) und dann für zwei Tage in die Krippe bringe, die armen Kinder! Und dann auf dem Spielplatz: "Na, sieht man dich auch mal wieder"...was übersetzt heisst: na, kommen deine Kinder auch mal wieder an die frische Luft? Dann die doofen, vom evang. Frauenverein gegründeten Krabbeltreffs H O R R O R !!!! "Na, stillst du noch? Was, du gehst schon wieder arbeiten? So, so, Kaiserschnitt...blablabla...

Da fragte ich mal so in die Runde: Hey, wisst Ihr noch, wie man im Excel die automatische Datumsformatierung eingibt? Kicher...da war erst mal Ruhe...
Bin dann nie mehr hingegangen, ich hab keine Lust, mich über Babybrei und Stillen und schlaflose Nächte zu "jammern" und wie schwer es doch Mütter haben.....

Grüsse

Borny, Janis und Samuel

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