Donnerstag, 16. Mai 2013

Gute Eltern backen Kuchen!





Nein, Sie sind keine schlechten Eltern! Auch wenn Sie das glauben.

Sind Sie eine aktive Mutter? Eine, die neben dem ganzen Haushalt-Erziehungs-Hausaufgabenhilfe-Job-Freiwilligenarbeit-Vereins-Wohltätigkeits-Aufwand auch noch bastelt, spielt, singt, vorliest und und und? Nicht? Dann konnten Sie auch nicht bei der aktuellen Aktion der annabelle mitmachen, sorry! (Auf Facebook hatte diese Tatsache bereits eine heftige Diskussion ausgelöst.)

Die will nämlich die aktivste Schweizer Mutter finden. Die Anmeldungen sind beendet, man kann noch bis 20. Mai für eine der vorgeschlagenen Mütter abstimmen. Da wären bspw. Fränzi, die so beschrieben wird: «Fränzi hat immer eine Lösung für alle Probleme parat. Sie kocht super feine Gerichte, arbeitet sehr viel und hat trotzdem immer noch Energie zum Tennisspielen mit ihrer Tochter. Sie sieht auch noch sehr jung aus – möglicherweise, weil Sie so eine aktive Mama ist und ständig in Bewegung bleibt.»

Oder Paola: «Unsere Mama ist 56 Jahre jung und sprudelt Energie wie einen Wasserfall. Sie schmeisst den Haushalt, kümmert sich um uns 3 Töchtern, verwöhnt unseren Vater, geht mit Chihuahua Chanel Gassi und nebenbei, kocht sie und backt für diverse Markte in der Region. Am Flohmi nimmt sie auch immer teil und an den Ostern-Weihnachtsmarkt, darf sie auch nicht fehlen mit ihren sizilianischen Delikatessen.»

Viele der vorgeschlagenen Mütter machen viel, einige wurden auch vorgeschlagen, weil sie «klug und cool» sind. Wie auch immer, es sind Frauen, die vieles unter einen Hut kriegen und in der Tat beeindruckt das. Auch mich. Doch Sie ahnen vielleicht, worauf ich hinaus will. Als weniger aktive Mutter – und da zähle ich mich nun mal dazu – fühlt man sich halt eben: weniger aktiv. Weniger Mami. Unsereins backt nicht bei jedem Schulanlass einen Kuchen, bastelt im Dezember den Weihnachtsschmuck nicht selber, hat nicht einmal einen Hund, den sie Gassiführen muss und der arme Kindsvater wird von ihr auch nicht übermässig verwöhnt...  Macht das aus mir eine schlechte Mutter? Ich hoffe nicht. Ich glaube nicht.

Deshalb hier ein Aufruf an alle Eltern – denn das Gefühl, nicht gut genug zu sein, kennen nicht nur Mütter, auch Väter leiden darunter: «Ihr seid gute Eltern!»

Gerade Eltern von kleinen Kindern wissen, dass es diese speziellen Momente gibt, die von Glück nur so triefen, in denen sie es kaum fassen können, solch tollen Nachwuchs zu haben. Doch es gibt auch die anderen Momente, die in denen man sich fragt, wie man den Tag, die nächste Stunde, die Woche überstehen soll. Deshalb lassen Sie sich gesagt sein:

  • Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie es nicht schaffen, dass Ihre Kinder gesundes Gemüse den Chicken Nuggets vorziehen.
  • Sie sind auch keine schlechten Eltern, wenn Sie Ihre Kinder manchmal anschreien. Schliesslich wohnen kleine Bashar El Assads und Benito Mussolinis in Ihrem Haus. Jeder andere, der so mit Ihnen reden würde, käme in den Knast!
  • Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie lieber bei der Arbeit wären. Dort ist es meist ruhiger und man hört Ihnen zu. Und auf die Toilette dürfen Sie auch ganz alleine!
  • Sie sind auch keine schlechten Eltern, wenn Sie es kaum erwarten können, bis die Kinder endlich im Bett sind und die Gute-Nacht-Geschichte aus einem fadenscheinigen Grund ausfallen muss.
  • Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie nicht bei jedem Schul-, Flöten-, Fussball-Event irgendeinen Job übernehmen, der Zeit frisst und für den die Kinder sich sowieso kein bisschen interessieren.
  • Sie sind keine schlechten Eltern, wenn Sie abends lieber ein Glas Wein trinken, statt das Kostüm für die Fasnacht zu nähen.
  • Und nicht zuletzt hat der gute Dr. Oetker einen Wahnsinns-Job gemacht, wieso sollte man das nicht nutzen? Auch der selbstgemachte Kuchen geht den Kids nämlich am A... vorbei.

Ich wünsche den annabelle-nominierten Müttern wirklich alles Gute und der Gewinnerin viel Spass. Aber vor allem wünsche ich mir, dass die Medien, die Gesellschaft, die Supermami-Nachbarin den Druck von uns gewöhnlichen Müttern nimmt, damit wir endlich unsere Kinder geniessen können. Und das Glas Wein, wenn sie dann mal im Bett sind. Prost!

1 Kommentar:

Stef hat gesagt…

Jaaaa, genau! Danke, Rabenmutti - vollste Zustimmung! Ich bekomme, so offen darf ich hier wohl sein, gerne mal Anfälle, wenn ich diese "Ich mach das!"-Muttis bei Elterntreffen im Kindergarten erlebe. Meine Frau und ich werden da ganz gerne angeschaut, als würden wir eh nix auf die Reihe kriegen, ein Mix aus Abneigung und Mitleid.
Aber wir kriegen unsere Kids auf die Reihe, auch wenn wir vielleicht nicht die Über-Eltern sind. Den Anspruch haben wir nach der ersten Woche nach der Geburt aufgegeben :D Gute Eltern, das sind doch Menschen - und wenn's nun mal menschelt, dann gibt's auch Grenzen. Wir gehören definitiv auch nicht zu den aktiven Eltern. Wir sind einfach: Eltern. ;)

rabenmutter.ch abonnieren