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Die doppelte Rabenmutter



Wie der Skandal um das Innenleben der Lasagne Auswirkungen hat auf das Innenleben einer Mutter hat.

Sie war immer für mich da. Seit ich Kinder habe, konnte ich mich darauf verlassen, dass sie im Keller auf mich wartete. Und dafür sorgen würde, dass meine Kinder nicht verhungerten. Sie war da, um mich davor zu bewahren, im Pyjama in den Supermarkt zu hetzen, weil nichts zu essen im Haus war. Sie war auch da, als ich (nur einmal, ich schwöre es), so tat, als seien die Canelloni hausgemacht... Die Rede ist von Tiefkühlkost. Seit wir einen grossen Gefrierschrank haben, konnte ich jeweils gross einkaufen, diesen füllen und mir sicher sein, dass meine Kinder immer eine warme Mahlzeit bekämen, auch wenn Mama bis fünf vor Zwölf (das meine ich jetzt im wörtlichen Sinne) gearbeitet und die Zeit vergessen hatte. Sie waren da, die gekühlten Mahlzeiten, wenn die Nonna (die eben nur so klingt, als würde sie gerne kochen) spontan die Kinder hüten musste. (Nicht, dass sie die Tiefkühl-Was-auch-immer nicht trotzdem ausgiebig kritisiert hätte.)  Auch waren sie da, die Fischstäbli, Hamburger, Lasagne und Pizze, wenn Mama schlicht und einfach keine Lust hatte, selber etwas Leckeres für ihre Familie zu kochen. Sie waren da. Für sie. Und mich.

Nicht, dass ich nicht schon damals ein schlechtes Gewissen gehabt hätte, als Mutter schleppt man dieses sowieso die ganze Zeit mit sich rum. Geschweige also, wenn man nicht einmal richtig für seine Kinder kocht. Eine Rabenmutter war ich vorher schon. Und jetzt das. Der Skandal. In Tiefkühlkost ist Pferdefleisch. Ich will ja niemanden beleidigen, Pferde schmecken gut, keine Frage. Nur, wenn wir bis anhin nicht wussten, dass das «Rind» eigentlich ein Gaul war, wie sollen wir heute sicher sein, dass das Pferdefleisch auch wirklich dessen Fleisch ist? Und nicht seine Augen, Hufe, Innereien? Ganz abgesehen von den offenbar schrecklichen Verhältnissen, in denen die Tiere gehalten wurden.

Es ist nicht (nur) die Schuld der Supermärkte, ganz viele Verbrecher hatten hier die Finger im Spiel. Schuld sind die laschen Gesetze, unser Konsumgverhalten und die Zwischenhändler. Aber am meisten Schuld habe natürlich ich. Schon wieder. Vielleicht ging die Etikette «Pferd» zwischen Rumänien und der Schweiz verloren. Die Etikette «Rabenmutter» hingegen haftet nun doppelt an mir.

Müssen Sie Ihren Menuplan auch etwas ändern, oder kamen Tieflühl-Was-auch-immer für Sie sowieso nie in den Gefrierschrank?

Kommentare

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Solange normalerweise ausgewogen und möglichst saisonal wie regional gekocht wird und die Kinder wissen, woher das Fleisch, das Gemüse und das Obst ursprünglich kommen, ist gegen ein schnelles Tiefkühlgericht hin und wieder nichts einzuwenden. Wieso denn auch? Auch bei mir mit zwei Kindern, Kindergarten, Spielgruppe, Teilzeit-Job und sonstigen Terminen muss es manchmal zackig gehen. Da bin ich immer wieder froh um sogenannten Convenience Food. Gerade heute gabs eine "schnelle" Pizza - geschmeckt hat sie jedenfalls allen ;):

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