Donnerstag, 7. Februar 2013

Die Mär der Familienmanagerin



Wieso die Babypause uns keine Managerfähigkeiten verleiht, im Gegenteil.

Erinnern Sie sich an die Werbung, in der eine Mutter und Hausfrau beim Vorstellungsgespräch ihre Qualifikation beschreibt, mit «Ich führe ein kleines, erfolgreiches Familienunternehmen!»?. Die Firma Vorwerk stellt Haushaltsgeräte her, was sonst?

Seit es nicht mehr besonders «in» ist, Mutter und Hausfrau zu sein, wurde der Begriff Familienmanagerin ge- und missbraucht. Der soll nämlich implizieren, dass der Alltag eigentlich gleichzusetzen ist mit dem eines Business-Managers, der ein paar Mitarbeiter führt. Und das mit Erfolg (sofern die Kinder nicht unterernährt oder schlecht erzogen sind, versteht sich).


Jetzt kommt aber eine Harvard-Professorin und zerstört den schönen Traum. «Nein», meint Rosabeth Moss Kanter in der «Harvard Business Review» vernichtend, «Mütter/Hausfrauen haben nicht die Qualitäten eines Managers, eine Familie zu führen wird Ihnen nicht helfen, ein Business zu leiten.» Wer sich jetzt also ausgemalt hat, der Wiedereinstieg ins Berufsleben könne doch nicht so schwer sein, schliesslich habe sie nun eine 4-jährige Erfahrung mit der Familie, hat sich offenbar geschnitten. (Na ja, die meisten hatten's auch schon früher gemerkt.)

In Theorie sieht ein solches Curriculum mit folgenden Kompetenzen sicherlich toll aus: Prioritäten setzen, andere schulen, komplexe Logistik und Terminpläne organisieren und interpersonelle Sensibilität walten lassen, um mitunter schwierige menschliche Probleme zu lösen.

Kanter betont: «Die Fähigkeiten, die eine Mutter zu Hause besitzen muss, sind absolut bemerkenswert. Sie sind aber nur übertragbar, wenn die Mitarbeiter sehr jung, verwundbar und abhängig sind. Ansonsten hat das eine mit dem anderen nichts zu tun.»  Und weiter «Zeit mit Menschen zu verbringen, die einen  limitierten Wortschatz haben, fördert strategisches Denken nicht gerade.»

Die Stunden, die ich damit verbracht habe, Bauklötzchen aufzutürmen, Milchpulver in der richtigen Dosierung mit Wasser zu vermischen und Diskussionen über Sandalen im Winter sollen meine Business-Kompetenzen nicht gefördert haben? Pfff! Na ja, vielleicht hat sie Recht. Ein bisschen.


Deshalb plädiert die mehrfache Autorin für neue, kreative Mechanismen, um Familienmanagerinnen zu helfen, ihre Business-Kompetenzen aufrechtzuerhalten, während sie gleichzeitig ihre Kinder aufziehen können. Dies sei besonders in der heutigen Zeit zentral, da sich die Arbeitswelt rapide verändert. «Es ist zwar etwas anderes, eine Familie zu managen, als ein Business zu führen, dennoch sollte es einfacher sein, vom einen zum anderen zu wechseln. Den Wiedereinstieg zu planen, ist die nächste Form der Investitionen in die eigene Zukunft.»

Auch das haben wir am 3. März in der Hand: Bei der Abstimmung über den Familienartikel geht es nämlich nicht nur darum, die Kinder «auf Staatskosten» unterzubringen. Es geht darum, Müttern und Vätern ein Berufsleben zu ermöglichen, dass nicht nur auf Zufall basiert, sondern  die Investitionen, die in die eigene Bildung getätigt wurden, trotz Kindern sinnvoll sind. DANN reden wir von einem «erfolgreichen Familienunternehmen.» Vorher kann davon nicht die Rede sein.

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