Menschen im Babywahn

Frischgebackene Eltern haben nur ein Thema: Ihr Baby. Und das kann mitunter nerven.

Vor kurzem waren wir zum Abendessen eingeladen. Bei Menschen mit Kindern. Doch nicht alle Anwesenden hatten Nachwuchs, ein einziger, im Laufe des Abends wahrscheinlich auch einsamer Junggeselle war auch dabei. Der Bruder der Nachbarin der Gastgeberin, oder so ähnlich. Egal, auf jeden Fall sass ich neben ihm und bekam so mit, was dieser Abend für ihn bedeuten musste. Mein Gefühl sagte mir, dass er sich so vorkam wie ich damals, als ich inmitten Drogen einwerfender Beinahe-Männer sass, die überhaupt nicht verstehen wollten, wieso mich die Beschreibungen ihrer Halluzinationen so gar nicht interessierten.

Besagtem Junggesellen wurden keine Rauschzustände beschrieben, aber ein ähnlicher Wahnsinn: Babies. Denn frischgebackene Eltern sind auch auf Drogen, Babextasy. Eine Art Wahn. Mit entsprechenden Vorstellungen, wie beispielsweise, dass sie die ersten und einzigen mit Baby sind. Weshalb sie einem ja alles darüber – wirklich ALLES – erzählen müssen.
Natürlich gehörte ich damals, als Frischgebackene, auch zu dieser Spezies. Mein Sohn war viel Süsser als alle anderen und seine Fortschritte faszinierten mich derart, dass ich alle damit belästigte. Doch heute sind die Kinder grösser und mir ist klar, dass sie genauso süss und klug sind wie die meisten anderen auch. Deshalb möchte ich jungen (oder werdenden) Eltern eine Liste mitgeben, mit den Dingen, die kinderlose Menschen nerven, damit sie gewisse Aussagen vielleicht in Zukunft vermeiden: 
  • Öffentliches Wickeln, bspw. am Nebentisch oder auf der Parkbank.
  • Väter mit Tragetüchern.
  • Das Profilfoto mit einem Babyfoto ersetzen.
  • Baby-Esoterik (Rosenquarz im Kinderzimmer etc.).
  • Gespräche über Stoffwindeln (und deren Inhalt), Muttermilch, Dammriss und Impfdebatte.
  • Väter, die ihr Kind der Mutter in die Arme drücken, sobald es darum geht, es zu füttern/wickeln/beruhigen.
  • Das Baby immer dabei haben müssen bzw. nur noch zuhause verabreden.
  • Fishing for compliments für das Baby, und dies meist nicht sehr diskret.
  • Eltern, die ihren Kleinen einen Sitzplatz überlassen, obwohl das Tram berstend voll ist.
  • Reinlichkeitswahn (Nuggi sterilisieren, Schuhe ausziehen).
  • Babysprache!
Und weil Eltern so viel über ihr Kind reden, hier ein paar Sätze, die Sie vermeiden sollten:
  • «Finn macht gerade eine total anhängliche Phase durch», denn diese Phase wird 18 Jahre andauern, wenn Sie nicht aufpassen!
  • «Können wir bitte um 18.00 Uhr essen, Eusebia braucht ihren festen Rhythmus.» Als ob das Baby mit Ihnen am Tisch sitzen müsste, während es seinen Brei schlürft...
  • «Ein Leben ohne Kinder können wir uns gar nicht mehr vorstellen». Das kommt schon wieder, keine Angst!
  • «Er isst jetzt Rüeblibrei, aber ich stille gleichzeitig noch.» Im Ernst, wen interessiert’s?
  • «Er macht Riesen-Gaggis, sag’ ich dir!» Siehe oben.
  • «Er ist sehr neugierig.» Und deshalb muss er auf mein iPhone sabbern?
  • «Halt doch bitte mal den Kleinen, während ich auf’s Klo gehe.» Nicht alle finden es toll, ein Baby im Arm zu haben, also erst abklären.
  • «Das wirst du schon noch verstehen, wenn du mal Kinder hast.» Der nervigste Satz aller Zeiten. Und wenn die Kinder dann da sind, denkt man GENAU DAS!
Den oben erwähnten Junggesellen habe ich übrigens gefragt, was er von all dem Babywahnsinn hält, er meinte nur: «Nach 10 Minuten habe ich aufgehört zuzuhören. Ach ja, und ich muss jetzt los, bin noch verabredet.»
Habe ich etwas vergessen? Was hat euch damals gestört, als ihr noch keine Kinder hatten?

Kommentare

DaniSojasahne hat gesagt…
Männer mit Tragetüchern finde ich toll! Ich verstehe überhaupt nicht, wieso das irgendwen nerven könnte! :D
Katrin Hartmann hat gesagt…
Also mich nerven die mit der Babyritis auch mit oder ohne Kinder. Ich war einfach nie so, werde auch nie so. Aber Väter mir Tragetüchern sind mir egal, also sehe ich auch eher positiv.
Ja und bei Fishing for Kompliments gehts mir auch immer nicht so gut. Das finde ich so unangenehm und jeder, der mich ein bißchen kennt, weiß, dass ich mich arg zusammenreiße, wenn ich wenigstens "Hm" mache. Naja, es lag vielleicht auch daran, dass meine Kids nie durchgeschlafen haben, Autofahren nicht leiden konnten und öfter mal ne gute Szene hingelegt haben... grrrrr... Liebe Grüße Kaddi
Katharina hat gesagt…
Tragepapas sind sexy!
Und ich habe mir in Autokreisen so viele Geschichten über neue Tunings anhören müssen, dass ich diese Leute jetzt noch ein paar Jahre lang mit Babygeschichten zutexten kann!
Shiva hat gesagt…
Also ich konnt ja noch verstehen das mir meine Freundin erzählt hat das die Kleine grad zahnt wenn sie die ganze Zeit während meines Besuchs gebrüllt hat, aber warum sie mir ständig erzählt hat das die Windeln grad bei R......n im Angebot sind, werd ich nie verstehen! Sollt ich mir daraus was basteln?

LG Shiva
Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…
Traurig, dass immer wieder gegen uns Mütter geschossen wird! Nun wird uns also auch ein Riegel geschoben, wenn wir uns über unseren Alltag, unsere Gefühle, unser Glück oder unsere Probleme austauschen möchten… Das Muttersein ist nun mal unser Alltag und unser Leben genauso wie es das Berufsleben für die Kinderlosen ist. Und wie Kinderlose über ihre Probleme und Anliegen sprechen dürfen, so soll es auch Eltern dürfen. Nur weil wir nun Mütter/Väter sind, kennen wir nicht bloss das Thema Kinder – wir sind ja schliesslich weder blöd noch einfältig! Ich habe Glück, dass drei meiner besten Freundinnen zwar kinderlos, aber sehr kinderfreundlich und an meinem jetzigen Leben mit den Kindern interessiert sind. Und wie sie mir zuhören, so interessiere ich mich für ihre Alltagsprobleme. Die Kontakte zu Kinderlosen sind für mich genauso bereichernd wie jene zu anderen Müttern. Dass ich mit Kinderfreien nicht dieselben Probleme berede wie mit Müttern gleichaltriger Kinder ist ja wohl selbstverständlich, da gehört halt auch etwas gesunder Menschenverstand mit dazu. Es ist doch wie überall wie im Leben ein Geben und ein Nehmen. Mit etwas mehr Mit- und Füreinander statt Gegeneinander, etwas mehr Toleranz, Rücksicht, Verständnis, Lockerheit und Respekt auf Seiten der Eltern und der Kinderlosen sollte einem friedlichen und entspannten Zusammenlegen eigenlich nichts mehr im Wege stehen :)!
Stefi hat gesagt…
Warum muss man denn "kinderlose" Menschen und Eltern in unserer Gesellschaft trennen? Ich höre ja nicht auf, mich für andere Dinge zu interessieren, nur weil ich Mutter werde. Genauso kann sich eine Tante, ein Nachbar, etc. ebenso für Kinder interessieren, obwohl man selbst gar keine hat. Interessen gehen manchmal auseinander, so what? Ein "kinderloser" Mensch kann immer noch Thema wechseln, wenn etwas nicht interessiert oder ganz einfach sagen: nein, DAS muss ich nun wirklich nicht wissen (Windelinhalte und andere Körperflüssigkeiten, etc...).
Es ist wohl eher ein gesellschaftliches Phänomen, dass man erstmals mit einem Neugeborenen/Babies in Kontakt kommt, wenn man selber welche hat. Eigentlich ein Armutszeugnis.

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