Freitag, 18. Juli 2008

Sex and the household

Unser Held Bänz Friedli erklärt seinen Leserinnen (annabelle 10/08), dass ein Hausmann entgegen den Erwartungen sehr wohl noch guten Sex hat. Und dass es eben gerade daran liegt, dass er Hausmann ist. Das mache ihn nämlich sexy. Aus eigener Erfahrung – ich durfte ihn vor ein paar Monaten kennenlernen – muss ich gestehen: Er ist vielleicht nicht George Clooney, aber er kocht bestimmt besser. Und gibt es etwas schöneres, als bekocht zu werden?

Oliver, der Affe, ruft natürlich genau dann an, wenn mir die Polenta anbrennt, weil ich gleichzeitig Sätzlirechnungen korrigieren plus einen Tintenfleck aus weissen Röhrlijeans waschen plus Salat rüsten sollte, derweil an der Tür die Paketpost klingelt ? und aus dem Badezimmer ruft der Kleine: «Fudi butzääää!» Mann, der Oliver hat ja keine Ahnung, was wir Hausfrauen mittags alles zu tun haben.

Er labert, der gute Oliver. Wie immer. Über Milan und Mourinho und Manu und so. Der hat ja Zeit. «Sorry, Oli, ich müsste jetzt ?» - «Du mit deinem Hausmanngetue!» - «Ist kein Getue, mein Lieber. Ich bin es wirklich: Hausmann.» Ja, genau, lacht er, ich sei es ja wirklich, höhö, und, ähm, da habe er sich, druckst er plötzlich rum, öhm, halt, äääh - gefragt: «Öööhm, habt ihr noch, also - ich meine, Dings, eehm, bums. Eben: Schlaft ihr noch miteinander?» - «Warum nicht?», entgegne ich nur und versuche - das Handy zwischen Schulter und Ohr geklemmt - die Polenta vom Pfannenboden loszukratzen. Der will wissen, ob wir noch Geschlechtsverkehr haben? Was für eine Frage! «Weil ich kenne einen...», hebt er nun an - und erzählt von einem Freund, der daheim brav den Haushalt besorgte, fulltime, bis ihm seine berufstätige Frau nach rund einem Jahr eröffnete, sie könne ihn, den Hausmann, nicht mehr als Sexualpartner ernst nehmen.

Das Blöde ist: Oliver ist nicht allein. Alle wollen sie das plötzlich wissen, alle sorgen sie sich, die männlichen Kollegen, alle glauben sie, man verliere als Hausmann jeglichen Sexappeal.

Ich werde hier nicht in die Details gehen, aber: Meine Frau und ich, wir kennen das Problem nicht. Ehrlich. Doch offenbar denken die meisten, ein Mann, der wie ich einen Poliertick hat, der im
Kinderkleiderschrank die Mottenstreifen rechtzeitig ersetzt, der nach einem Rezept der Erklärung von Bern, gedruckt auf chlorfrei gebleichtem Papier, Gemüseauflauf kocht, der Kackspuren aus dem WC schrubbt und zu guter Letzt auch noch den Putzschrank putzt, ein Mann also, der pingeliger als eine Hausfrau ist, der sei nicht sexy.

Es ist schon verzwickt. Die meisten Nachbarinnen finden mich, weil sie mich werktags, während ihre Typen an Meetings wichtig tun, beim Fensterputz erspähen, en geile Siech. Aber ob sie das im Wortsinn meinen?

Die Frage, ob ein Hausmann sexy sei, führt uns zu nichts weniger als der grönemeyerschen Urfrage: Wann ist ein Mann ein Mann? Wenn er zuweilen hueregopfertami derb flucht, Gangstarap hört, nach dem Training übel riecht und sich im Stadion beim vierten Bier gehen lässt und «Gee-Cee, Gee-Cee, die Scheisse vom See» grölt? Dann bin ich einer. Wenn hingegen einer, der den Kindern immer am richtigen Tag das Schwimmzeug samt gesundem Znüni-Apfel mit in die Schule gibt, seiner Liebsten die Blusen bügelt, die sie fürs Büro anziehen muss, ihr zuweilen Blumen schenkt und erst noch ihre Mutter - seine Schwiegermutter! - hingebungsvoll bekocht, wenn so einer kein echter Kerl, sondern eine Susi ist - dann bin ich kein Mann.

Sind Hausmänner unsexy? In der Umkehrung hiesse das: Ein Mann ist nur begehrenswert, wenn er seine verpissten Unterhosen unterm Ehebett liegen lässt, nie staubsaugt und nicht bemerkt, wenn im Kühlschrank die Milch fehlt, aber anderntags darüber motzt, dass sie fehlt.

Die Frage, ob ein Hausmann noch ganz Mann sein kann, ist genauso doof, wie wenn man fragen würde, ob eine Hausfrau noch Frau sei. Natürlich ist sie. Hausmänner wie -frauen sind begehrenswert, totally sexy, allzeit berei - nun ja, fast immer.

Sie! Dazu gibts jetzt sogar eine Studie. Die Amis mal wieder! Die haben an der Riverside University in Kalifornien rausgefunden, dass Männer, die im Haushalt helfen, ein besseres Sexualleben haben. Jawoll. «Je mehr Hausarbeiten die Männer übernehmen, desto glücklicher sind die Frauen», sagte einer der Autoren der Studie, der Soziologe Scott Coltrane. Das schlage sich beim Sex nieder. Und der Psychologe Joshua Coleman ergänzte: «Die Frauen sagen uns, sie fühlten sich sexuell mehr von ihren Männern angezogen, wenn diese sich an der Hausarbeit beteiligen.» Noch Fragen?

Bänz Friedli (43) ist Hausmann und freier Autor in Zürich. Seine gesammelten Kolumnen aus dem «Migros-Magazin» erschienen kürzlich als Buch: «Der Hausmann», Verlag Hagenbuch; www.derhausmann.ch

Erschienen in der annabelle 10/08
Text: Bänz Friedli

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