Mittwoch, 2. Juli 2008

Schwanger im Team

zeit.de: An einer amerikanischen Highschool soll eine Gruppe junger Mädchen beschlossen haben, gemeinsam Babys zu bekommen. Doch die Legende stimmt nicht ganz

Von Parvin Sadigh
: Im amerikanischen Städtchen Gloucester in Massachusetts sind 18 Mädchen der örtlichen Highschool zugleich schwanger - und mehr als die Hälfte von ihnen soll das gezielt geplant haben. So stand es im Time Magazine . Keines der Mädchen ist älter als 16.

Um gemeinsam Kinder zu bekommen und aufzuziehen, schliefen sie angeblich mit Jungen aus der Umgebung, unter ihnen auch ein 24-jähriger Obdachloser. In der Krankenstation sollen einige Mädchen wiederholt nach Schwangerschaftstests gefragt haben. Eine Sozialarbeiterin berichtet, sie hätten gejubelt, als der Test endlich positiv ausfiel. Die für die Tests verantwortliche Krankenschwester wusste jedoch laut New York Times nichts davon.

Mit dicken Bäuchen verabschieden sich die 18 Minderjährigen nun in die Sommerferien. Noch im Jahr zuvor gab es an derselben Schule mit 1200 Lernenden fünf Teenager-Schwangerschaften, davor nur zwei. Ein steiler Anstieg. Um über den „Pakt der Schwangeren“ zu berichten, strömten Journalisten aus aller Welt in den Fischerort Gloucester. Doch die Geschichte, die sie lockte, war leider zu spektakulär, um ganz wahr zu sein.

Verbreitet hatte das Gerücht vom Schwangerschafts-Pakt der Rektor der Schule, Joseph Sullivan. Er kann sich nun nicht mehr erinnern, von wem er davon erfahren hat. Der New York Times gegenüber wollte er jedenfalls die Situation nicht mehr kommentieren. Die schwangeren Mädchen selbst gaben bisher gar keine Interviews.

Der Bürgermeister der Stadt Christopher Farmer räumt derweil ein, dass es vielleicht andersherum war. Demnach wurden mehrere Mädchen gleichzeitig schwanger und verabredeten daraufhin, alle an der Schule zu bleiben und gemeinsam für die Kinder zu sorgen. Andere Mädchen der Schule erzählen, lediglich zwei Freundinnen hätten ihre gemeinsame Schwangerschaft regelrecht geplant. Ganz wird sich die Angelegenheit vielleicht nie klären lassen.

Doch Pakt hin oder her: Die verantwortlichen Erwachsenen kommen jetzt nicht umhin, sich über die Ursachen der Teenie-Schwangerschaften Gedanken zu machen. Zwar kennt man die ansteckende Wirkung von Schwangerschaften unter reiferen Frauen. Bekommt die eine Freundin ein Baby, wächst auch in der anderen die Sehnsucht, eine Familie zu gründen. Aber warum wünschen sich Mädchen, die selbst fast noch Kinder sind, ein Baby? Warum schreckt die Not anderer schwangerer Schulkameradinnen nicht ab und lässt die Mädchen an Verhütung denken?

Im streng katholischen Gloucester war es der Krankenschwester und dem Arzt, welche für die Kinder der Highschool verantwortlich sind, verboten, Verhütungsmittel zu verschreiben. Sie haben inzwischen gekündigt. Auch an Sexualunterricht mangelt es. Die Eltern wollten davon nichts wissen, der Leiter der Schule auch nicht. Der nächste Frauenarzt, der den Mädchen helfen könnte, ist weit weg und schlecht zu erreichen. Doch die Schülerinnen können ihre Kinder umsonst in einer der Schule angegliederten Krippe unterbringen. Die Signale von Seiten der Erwachsenen sind also klar.

Gloucester lebte einst gut von der Fischerei, doch längst bekommt man Fische billiger aus anderen Ländern. Viele Menschen sind arm und ohne Arbeit. Sie trinken viel Alkohol und lenken sich ab mit Fernsehen und Computerspielen. Ihren Kindern bleibt keine Perspektive. Oft werden sie von ihren Eltern allein gelassen. Möglicherweise verheißt ihnen ein eigenes Baby in dieser Lage wenigstens ein bisschen Geborgenheit.

Eine ehemalige Schülerin der Highschool, Amanda, die selbst mit 18 ein Kind bekommen hat, erzählte dem Time Magazine , wie sie auf dem Schulflur von ihren ehemaligen Schulkameradinnen für ihr Baby bewundert wurde. Sie erklärt sich die vielen Schwangerschaften so: „Sie freuen sich so darauf, endlich jemanden zu haben, der sie bedingungslos liebt.“

Die Geschichte vom Pakt der werdenden Mütter war für die Erwachsenen so schön, weil sie hofften, nicht die Verantwortung für die Schwangerschaften übernehmen zu müssen. Allenfalls schuldig waren für sie noch die Medien, denn auch in aktuellen Filmen ( Juno, Knocked up ) wurde allzu positiv die Geschichte sehr junger Mütter erzählt. Doch nun wird es ernst. Man wird im Sommer über Verhütungsmittel und andere Maßnahmen nachdenken, damit die Zahl der Teenie-Schwangerschaften in Gloucester im nächsten Jahr wieder niedriger liegt.


1 Kommentar:

Esther hat gesagt…

Für mich gehören die mädels&Samenspender zwangssterilisiert.Wie dumm kann man sein?Spirale,Implant sind Verhütungsmittel,welche 3-5 Jahre wirken,geeignet für Tennytussi welche zu dumm für die Verhütung sind.Habe zuerst mit der Kupferspirale verhütet,ab 18 Sterilisation(Esure-Methode).Laut meiner Aerztin Kupferspirale ab 14 ohne Probleme möglich.

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