Montag, 21. Juli 2008

Networking: Muss das sein?

Spätestens mit dem Eintritt in den Kindergarten kommt auch das Networking. Nicht nur bei den Kindern, v.a. wir Mütter sind in dieser Disziplin gefragt. Schliesslich möchten wir, dass unsere Kleinen Freunde haben und beschäftigt sind. Und gleichzeitig erhoffen wir uns dadurch etwas mehr Freizeit. Welt Online berichtete gestern, es gäbe drei Arten von Networking-Moms. Zu welcher gehört ihr?

Als wir vor einem halben Jahr erfuhren, dass unser Grosser (nein, die Kleine ist immer noch nicht da, mehr dazu demnächst hier) in den Kindergarten kommt, wurde mir schon Angst und Bange. Denn ich habe genug Freundinnen mit älteren Kindern, die mich gewarnt hatten, dass auch ich – die Networking-Verweigererin par excellence – mich mit anderen Müttern verabreden werde, damit mein Sohn kein Outsider wird.

Als Mutter merkte ich ja schon ziemlich früh, wie wichtig es sein kann, von anderen Müttern akzeptiert zu werden. Doch bei der Mütterberatung oder in der Waldspielgruppe war es einfach. Sobald ich merkte, dass ich mit den Damen nichts anfange konnte, verabschiedete ich mich ganz schnell und diskret. Konkret hiess das: Die Mütterberatung war eine einmalige Sache, die Waldspielgruppe beschränkte sich auf das Bringen und Abholen. Und oft schickte ich dann auch den Papa.

Die Networking-Göttinen
Gemäss Welt-Online bin ich nicht alleine. Es gibt drei Kategorien von Netzwerkerinnen: Die Netzwerk-Perfektionistin, die diese Disziplin bereits in ihrer Vor-Kinder-Zeit trainiert hatte und es einfach liebt, Leute kennzulernen. "Vormittags organisiert sie nette Skireisen und Wandertouren oder lädt Journalisten zu Präsentationen ein. Nachmittags ist sie ständig mit anderen Müttern oder Nachbarinnen verabredet, Termine mit ihr sind auf Wochen ausgebucht. Für sie ist die Netzwerkerei ein großer Vorteil: Wenn ein Kunde sie spontan bucht, hat sie eine breite Auswahl an Müttern, die ihr die Kinder abnehmen können. Stall-Talk liegt ihr einfach, sie mag den kleinen Plausch zwischendurch."

Dann gibt es die Möchtegern-Netzwerkerinnen: Schon im Arbeitsleben fiel es ihnen schwer, heute müssen sie einfach, ihren Kindern zuliebe. "Möchtegern-Netzwerkerinnen wissen: Gute Kontakte erleichtern das Leben mit Kindern. Schön, wenn Sohnemann nachmittags beschäftigt ist, weil Mama mit der Mutter seines besten Freundes Kaffee trinkt und er in der Zeit mit seinem Kumpel im Garten toben kann. Nicht so schön, wenn die Mutter seines Freundes uns nicht gefällt. Wir steuern gern, mit wem unsere Kinder spielen, nicht jeder Kontakt ist der richtige für uns und unser Kind. Besonders umtriebige Möchtegern-Netzwerkerinnen versuchen, Verabredungen zu verhindern, indem sie wichtige Termine vorschieben und Anfragen von unliebsamen Spielkameraden ganz einfach ignorieren."

Und nicht zuletzt gibt es die Netzwerk-Verweigerinnen, zu denen ich bis vor kurzem auch gehörte. "Sie widerstehen standhaft dem gesellschaftlichen Druck, hetzen in Kindergärten oder Schulen, schnappen sich ihr Kind und rennen wieder nach Hause. Stall-Talk ist ihnen ein Graus, am liebsten sind sie mit ihren Kindern nachmittags zu Hause." Genauso ging es mir in der Waldspielgruppe, während andere Mütter noch plauderten, war ich schon lange auf dem Nachhauseweg.

Alles wird anders
Jetzt ist das anders. Kindergarten ist jeden Tag, ein ganzes Schuljahr lang. Also dachte ich mir vor einem halben Jahr, ich müsse dann wohl oder übel mit einem Spielplatz-Mami aus dem Quartier vorlieb nehmen und mich mit langweiligen Gesprächen über Kinderschuhe, den zu hohen Ausländeranteil in der Siedlung und unsere faulen Männer abfinden.

Doch dann kam SIE: Wie eine Fata Morgana stand sie eines Tages vor mir, mein Mann stellte sie mir vor (ja, mein Mann ging eben viel öfter mit dem Kleinen auf den Spielplatz und kannte bald schon alle Mamis da). Schlagfertig, humorvoll, interessant und v.a. gibt es für sie mehr im Leben als "nur" ihre Kinder. Unsere Söhne kommen im Herbst zusammen in den Kindergarten und wir waren uns bereits bei unserem nächsten Treffen einig, dass wir uns zusammen organisieren würden.

Gesagt, getan, der Wochenplan steht und es stimmt für beide. Auch wir sprechen über Kinderschuhe und unsere (nicht so) faulen Männer. Aber eben nicht nur. Und das macht den ganzen Unterschied!

1 Kommentar:

Anna hat gesagt…

Da hast du aber Glück gehabt! Mir ging es genau wie dir, ich hatte jedoch nicht soviel Glück und musste mit Kafi-Chränzli vorlieb nehmen. Und das mit Müttern, die meist 10 Jahre älter waren als ich, was mit 22 viel ist. Aber heute sind meine Kinder gross und ich muss mit den Eltern ihrer Freunde nichts mehr zu tun haben, wenn ich nicht will. Die Kinder sind sogar froh, wenn wir uns gar nicht erst kennen. Es leben die Pubertät!

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