Reisespass


Ich bin gerade von den Ferien zurückgekommen. Auf die Frage, ob es schön war und ich mich auch schön brav erholt hätte, muss ich mich immer ein wenig zusammen reissen. Es folgt als Antwort meist ein verbissenes Lächeln mit einem zerquetschtem „Ja, war ganz o.k.,…danke“.



Mein Mann konnte die ersten 3 Tage mit uns verbringen, bevor er dann wieder zurück musste. Diese Zeit war das, was einer Art der Erholung am nächsten kam. Die Kinder hatten noch eine zweite Bezugsperson und ich hatte einen Erwachsenen, mit dem ich mich austauschen konnte. Wir haben uns gegenseitig entlastet und funktionierten als eingespieltes Team.

Dann kam der Abschied. Ich hab auf dem Weg zum Flughafen mein Mittagessen wieder von mir gegeben und kämpfte mit tiefem Blutdruck und Magenkrämpfen. Ich wollte meinen Mann nicht beunruhigen, aber der Gedanke, alleine mit den Mädels ins Haus zurückzufahren, kam mir schier unmöglich vor. Schliesslich hat sich mein Zustand aber doch noch rechtzeitig verbessert und wir fuhren (meine Töchter und ich) dann heulend vom Flughafen in unser Ferienhaus zurück. Ich wollte nicht weinen, aber ich bin was Abschied von meinem Mann angeht ein Weichei. Die Tatsache, dass meine Älteste noch über eine halbe Stunde lang unter Tränen, ihrer Liebe zum „aller beschte Papi uf däre ganze Wääääääält!!!!“ kundtat, hat meinen Versuch, stark zu bleiben, auch nicht gerade unterstützte. Die Kleine sagte dazu ununterbrochen „tschüüüüüss Pa-pi“, einfach um sicher zu gehen, dass wir nicht etwa noch vergessen, dass er jetzt weg war. Ein Mietwagen voller Traurigkeit unterwegs auf den Landstrassen Mallorcas. Es wurde dunkel und ich hab mich verfahren...

Nicht mehr alleine
Am nächsten Tag sah alles schon viel besser aus. Meine Mutter, die mit dem Auto via Fähre von Barcelona ankam, weckte mich mit lautem Geklopfe am Fenster neben meinem Bett. Ich wäre zwar fast an einem Herzinfarkt gestorben, aber der Instinkt, möglichst schnell die Ursache für diesen Krach zu finden und ihn auszuschalten, um die Kinderlein nicht zu wecken war grösser. Zu spät, kaum hatte ich die Tür geöffnet, immer noch nicht ganz sicher was da vor sich geht, stürzten ihre zwei Hunde ins Zimmer und alle waren wach.

Später an diesem Tag fuhr ich nochmals zum Flughafen, um meine Freundin und ihren fast dreijährigen Sohn abzuholen. Die Freude war goss und das Auto voll mit Kinder und Kinderzubehör.
Wieder im Haus angekommen, wurde klar, dass es schwierig sein würde für den Kleinen meiner Freundin: er hat panische Angst vor Hunden. Wir wussten dies schon im Voraus, aber irgendwie schien es so, als würde meine Mutter immer dann mit den beiden auftauchen, wenn der Kleine endlich friedlich irgendwo draussen spielte.
Abends beim Essen, an einem unmöglich kleinen Tisch, waren die Hunde natürlich auch dabei, meist sogar neben oder unter dem Tisch, und der Kleine reagierte mit herzzerreissendem Kreischen und klettete sich an seine Mutter.
Ich wurde zunehmend gereizter, da ich, selber Hundebesitzerin, nicht verstand warum meine Mutter einfach nicht begreifen konnte oder wollte, dass die Hunde nicht unbedingt zum Essen beim Tisch sein sollten, ganz besonders dann wenn sich ein Kind so vor ihnen fürchtet.

Kindergeschrei und Klosterbesuch
Tagsüber versuchten wir dem Hundeproblem ein bisschen aus dem Weg zu gehen, in dem wir etwas unternahmen, etwas Kindergerechtes.
Aber schon kam das nächste Problem: Im Auto fingen der Kleine und meine Älteste immer mehr miteinander zu streiten an. Entweder Streit, oder sie schaukelten sich gegenseitig immer höher in einen Zustand, der nur noch als „irr“ bezeichnet werden kann.
Es schien, so als würde uns eine grosse dunkle Wolke verfolgen, und immer dann Halt machen, wenn wir uns entschieden, irgendwo mit den Kindern auszusteigen. Ich wollte ein altes Kloster besichtigen, aber es reichte gerade noch um einen verdreckten windigen Strand aufzusuchen. Ich bin eben nicht so kindergerecht eingestellt, und wäre ich alleine mit den Mädels unterwegs gewesen wären wir auch zu diesem Kloster gefahren. Ich bin einfach nicht der Meinung, dass ich schlotternd an einem Strand sitzen muss, den Kindern zuliebe. Manchmal, aber nicht jeden Tag.
Jedenfalls, nach einem bescheidenen Imbiss im „Cafe de Mallorca“ ( das einzige armselige „Ding“, das offen war), einem missglückten Strandbesuch und viel Geschrei, entschieden wir uns wieder ins Auto zu steigen und nach Hause zu fahren. Alle Kinder waren übermüdet, aber niemand wollte schlafen, das heisst, bis etwa fünf Minuten bevor wir ankamen.

Ich bin ja sooo erholt!
Ich fühlte mich jeden Tag ein wenig müder und fader, den mir wurde klar, dass die verbleibende Zeit nicht im geringsten mir gehören würde sondern nur noch den Kindern. Ich will Ferien mit den Kindern, aber nicht nur als deren Aufpasserin, sondern als Gleichberechtigte. Einmal Strand und Glacé da, einmal Klosterbesichtigung dort. Die Kinder profitieren schliesslich auch von Erlebnissen, die nicht im klassischen Sinn „kindergerecht“ sind. Ich weigere mich einfach, mich immer nur nach den Kindern zu richten.

Alles ändert aber nichts daran, dass ich mich jetzt schon auf den nächsten Urlaub mit den Kindern freue….auch zusammen mit meiner Freundin. Was wir aber beide als erstes unseren Männer sagten, als sie uns am Flughafen abholten: Das nächste Mal gehen wir ohne Hunde und ohne meine Mutter sondern mit ihnen in die Ferien. Ich bin schon so oft alleine mit den Kindern verreist, und obwohl ich diese mir zur Verfügung stehende Möglichkeit zu schätzen weiss, ist es verdammt anstrengend.

Notiz an meinen Mann: Ich wünsche dir, mein Liebster, dass auch du einmal in den Genuss kommst, mindestens eine Woche alleine mit den Kindern zu verreisen. Das ganze Gepäck, Kinderwagen und Gepäckwagen irgendwie durch einen unbekannten Flughafen zu lenken. Mit einem Kind auf dem Arm, das nach Scheisse riecht und langsam anfängt durchzunässen während du auf der Suche nach einem WC, geschweige den Wickelraum, bist. Und die Frage, was mache ich mit dem ganzen Gepäck das man ja bekanntlich nicht unbeaufsichtigt stehen lassen soll…… und das zweite Kind, wo verdammt noch mal ist das zweite Kind!?!?


Also meine Lieben, ich wünsche euch schöne Ferien,….und das ihr euch auch ja schön brav erholt.

Kommentare

jaana*maaria hat gesagt…
Auf den unendlichen Reisewegen des Bloglandia bin gerade ich hier gelandet! Ach wie schön: Ich kann gar nicht genug lesen! Dein/euer Stil ist so erfrischend ehrlich und der Text so wahr... *Gänsehaut*
Muss mal mit mehr Zeit (in einer Nacht?) zurück, unbedingt. U-n-b-e-d-i-n-g-t.
PS. Darf ich euch verlinken?
rabenmutter2 hat gesagt…
liebe jaana*maaria,
freut mich sehr das der text so unter die haut ging!
schön dich an board zu haben und sind gespannt auf deinen "senf".
PS. nur zu mit verlinken.....danke.
grosse grüsse, lea

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