Meine Minderwertigkeitskomplexe



Ich bin 30 Jahre alt, habe zwei kleine Kinder und bin Hausfrau. Ich hatte auch mal andere Pläne, und die beinhalteten eigentlich nie Kinder kriegen. Als es aber mit 24 Jahren hiess, Überraschung, du bist schwanger, nahm ich die Herausforderung an. Ich bereue nichts, aber denke oft, ich hätte vieles, was meine Ausbildung und beruflichen Werdegang angeht, anders machen sollen.


Ich konnte es mir erlauben einem kreativen Beruf nachzugehen – Modedesign – weil ich aus gutem Hause komme. Das muss nicht immer so sein, aber seien wir doch ehrlich, hätte ich wirklich über’s Geld nachdenken müssen, dann hätte ich eventuell eine andere Wahl getroffen, eine vernünftigere. Na ja, damals war ich auch in einem Alter, wo es noch so viele offene Türen gab, und man konnte ja immer noch hier und da jobben, um Geld zu verdienen.

Locker oder Versager?
Ist man irgendwann einfach zu alt, um so weiter zu machen? Ich meine, wann schwappt der scheinbar lässig lockere Lebensstil ins bedauerliche Versagerdasein um? Klar verändert es vieles wenn Kinder kommen und man plötzlich nicht mehr nur für sich verantwortlich ist, aber ist da irgendwo zwischen 20 und 30 eine Grenze die nicht überschritten werden sollte, Kinder hin oder her?

Ab 30 sollte die Karriere begonnen haben, den jetzt gilt’s ernst. So zumindest scheint das unausgesprochene Dogma zu lauten. Macht auch Sinn, den ab diesem Alter fangen die meisten an eine „ernsthafte“ Beziehung einzugehen und sich mit dem Gedanken einer Familie auseinander zu setzen. Und um dies realisieren zu können braucht es berufliche und somit finanzielle Sicherheit.

Ich bin eine Frau und darf mir ein gewisses Mass an Erfolglosigkeit noch viel eher erlauben als ein Mann. Wäre ich dazu besonders schön, müsste ich eventuell noch weniger bieten können. Natürlich, der Idealfall wäre gut: ausgebildet, schön, intelligent und beruflich erfolgreich. Vorzugsweise alles noch vor 35, denn eine Familie sollte auch noch irgendwo auf die Schnelle gemacht werden. Und dann Zack, weiter im Programm!

Brave new woman
Ehrlich gesagt, wäre ich gerne so eine Frau, denk ich zumindest.
Ich hab nicht sehr vorausschauend gehandelt und wäre im Trennungsfall finanziell ziemlich am Arsch, um es mal ganz klar zu sagen. Ich traue meinem Mann vollkommen (obwohl man das als emanzipierte Frau nie und nimmer tun sollte). Das bedeutet aber noch lange nicht, das ich glaube wir würden immer und ewig ineinander verliebt sein und zusammen bleiben, bis das der Tod uns scheidet. Ich wünsche es mir zwar so, aber das Leben ist noch lang und die Menschen sind wechselmütig, also weiss man nie was noch kommt.

Es reicht irgendwie nicht, Mutter und Hausfrau zu sein, mir nicht und der Gesellschaft schon gar nicht. Es fragt sich nur, in wie fern beeinflusst das eine das andere? Wäre ich zufriedener, wenn dieses überdimensionale Bild der Multitasking-Alles-Könnerin der modernen Frau nicht wäre? Sind es die Erwartungen von anderen oder die eigenen, die den Minderwertigkeitskomplex am Leben erhalten?
Ist Hausfrau sein schon immer ein Zustand der dauerhaften, unterschwelligen Unzufriedenheit gewesen?

Sicherlich ist das ganze auch eine Frage des Charakters, und da ich mir gewohnt war, unabhängig zu sein, ist die Abhängigkeit beängstigend. Ich schäme mich jetzt schon für meine Schwächen, und befürchte es wird nur noch schlimmer werden, denn irgendwann brauchen mich auch die Kinder nicht mehr im gleichen Ausmass, und dann nur noch Huusfuutz sein? NEIN DANKE!

Beste Aussichten
Ich habe mich also für eine Weiterbildung entschieden. Den ultimativen Zukunftsplan hab ich auch heute nicht, und die grosse Karriere werde ich wohl auch nicht mehr starten, aber etwas „vernünftiges“ abzuschliessen ist sicherlich nicht schlecht.
Mein Ziel? Ich will wissen, dass ich auch solo überleben könnte, und zwar nicht nur als alternde „Servierdüse“. Ich will mein schlafendes Hirn wieder einschalten und etwas haben, das nur mir gehört, meinen eigenen Alltag, mit meinen ganz eigenen Erfolgserlebnissen.

Meinen Töchtern werde ich es einbläuen, dass sie immer zuerst eine solide Grundlage schaffen sollten, und sich erst dann das Ausschweifen erlauben können, nicht umgekehrt. Ratschläge erteilen war schon immer meine Stärke, aber sie selbst zu befolgen leider nicht.

Ein weiterer Rat von mir? Infos über Weiterbildung und Wiedereinstieg:
http://www.ausbildung-weiterbildung.ch/wiedereinstieg-info.html

Kommentare

jenny hat gesagt…
Ich weiss genau, wie es dir geht. Aber wir müssen uns weiterbilden und arbeiten, sonst sind wir doch einfach zu abhängig! Viel Erfolg!
reto hat gesagt…
ihr macht mir spass! die erfahrung zeigt einfach, dass man/frau nicht alles haben kann. die perfekte mutter sein und beruflich erfolgreich ist unmöglich. eine gewisse abhängigkeit müsst ihr da einfach in kauf nehmen. mir macht es auf alle fälle nichts aus, für meine frau aufzukommen, damit sie etwas aus sich macht. auch ich wünsche dir viel erfolg!

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