Dienstag, 10. Juli 2012

Lektüre für grosse Buben





Das neue Vätermagazin «Big Spick» widerspricht der Legende des modernen Vaters, der endlich Verantwortung übernimmt. Die Blattkritik einer Mutter, die mehr vom Kindsvater erwartet.


Beim Durchblättern des neuen Spick-Magazins «Big Spick: Für Schweizer Väter» ging mir dauernd der uralte Werbeslogan von «Denim» durch den Kopf: «Für das Beste im Mann». Denn genau für das Beste im Vater scheint das Heft eben nicht gemacht zu sein. Im Gegenteil, es zementiert die Mär des Fun-Dads, der am Wochenende mit den Kindern Action macht, aber ihren Alltag kaum kennt. Spick macht folglich genau das, was alle anderen Familienmagazine vermeiden wollen: Clichés verfestigen.
Natürlich ist es cool, wenn Papi einen Angelknoten mit seinem Sohn (!) knüpfen kann. Auch ist das Titelbild süss: Papi und Sohnemann (!) liegen unter dem Oldtimer, nur die Beine schauen raus. Quality-Time mit dem unter der Woche ach so beschäftigten Vater. Abgesehen davon, dass Väter offenbar nur Söhne haben (Töchter kommen als Quote in der Anleitung für’s Strom-machen mit Zitronen vor, sonst wenig), erstaunt es doch sehr, dass das präsentierte Bild offenbar Folgendes ist: Väter sind cool und machen coole Sachen mit den Kindern. Basteln, flicken, Sport. Hat sich in den letzten vierzig Jahren wirklich so wenig verändert?
Das erfährt, wer den Egotest «Sind Sie ein guter Vater?» macht, der so durchschaubar ist, als hätte ihn ein Stammtischpädagoge geschrieben. Oder im Interview mit dem Philosophen Dieter Thomä, der weiss, wie Väter zu Helden werden. Müssen Väter denn wie einst Superman ein grosses S auf ihrem T-Shirt tragen, kaum betreten sie das traute Heim? Oder habt ihr schon mal einen Test gemacht, bei dem ihr herausfindet, ob Sie eine Supermom sind? Einen nicht ironischen, meine ich.
«Big Spick» ist wirklich schön gestaltet und auch gut geschrieben, das Image der Väter hingegen wird nicht aufgewertet, im Gegenteil. Väter erscheinen darin wie grosse Buben, die gerne spielen, heute ausnahmsweise mal mit den Kindern.
Nach Jahren der Bemühungen, sind viele einsteige Müttermagazine umgestiegen auf Elternmagazine oder wie «wir eltern» sich beschreibt: «Für Mütter und Väter». Wieso braucht es denn jetzt ein Vätermagazin? Pardon, ein «Magazin für grosse und kleine Buben»? Jetzt könnte man argumentieren, dass ich ja kein Vater bin, also keine Ahnung habe. Deshalb hier die Blattkritik meines Mannes, zweifacher Vater: «Das ist ein Magazin für hyperaktive Männer von hyperaktiven Kindern, die offenbar ihre eigene Kindheit vergessen haben und deshalb Anleitungen zum Spasshaben brauchen.»
Was meint ihr? Braucht es ein Vätermagazin mit Anleitungen für cooles Basteln? Oder wie würdet ihr euch ein solches vorstellen?

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