Freitag, 20. Juli 2012

Kann sie es?

 Die neue Yahoo-Chefin hat einen sehr anspruchsvollen, nervenaufreibenden und kaum zu vollbringenden Job angenommen, wie es scheint. Nicht etwa als CEO. Sondern als erwerbstätige Mutter.

Als diese Woche bekannt wurde, dass die ehemalige Vizepräsidentin von «Google» Marissa Mayer «Yahoos» neue CEO werden würde, ging ein lautes, lobendes «Aaahhhh» durch die Business- und Medienwelt. Bis zu dem Zeitpunkt, als die Glückliche kurz darauf auch ihre mittlerweile sechsmonatige Schwangerschaft bekanntgab. Anstatt sich erst recht über die historische Tatsache zu freuen, dass eine Schwangere Frau eine solch wichtige Position angeboten bekommen hat und der Verwaltungsrat von Yahoo offensichtlich kein Problem darin sah, eine Schwangere einzustellen, meldeten sich sofort Zweifler. Das Echo gleicht in der amerikanischen Presse seither einer Ermahnung an eine schwangere Teenagerin: «Du hast ja keine Ahnung, was da auf dich zukommt!» liest man in diversen Varianten mehrmals täglich.
Keine Ahnung, was auf sie zukommt
Natürlich ist das nicht falsch: Bevor man einen Job annimmt (auch bei einem nicht kriselnden Internet-Unternehmen), bevor ein Kind auf die Welt kommt, bevor man zum ersten Mal Bungy springt... Das sind alles Erlebnisse, über die man vieles gehört und gelesen hat, die jedoch im Nachhinein zeigen, dass man eben keine Ahnung hat, bevor es einem nicht selber widerfährt. Doch ist das Grund genug, um die bisher so erfolgreiche Mayer anzuzweifeln, wenn sie sagt, sie wolle «im Rhythmus» bleiben? «Mein Mutterschaftsurlaub wird ein paar Wochen dauern, doch ich werde auch während dieser Zeit arbeiten.» erklärte sie zuversichtlich.
Die Reaktionen auf diesen «Plan» waren in den amerikanischen Medien eindeutig: «Nehmen Sie sich frei. Kriegen Sie Ihr Baby und kommen Sie wieder in die Firma, wenn sie können.» (Moderator der Morgensendung «Morning Joe» auf NBC, Brian Sullivan). Obwohl der Ansatz des Blogs «Motherlode» erst positiv daherkam, in dem KJ Dell’Antonia Mayer erst gratuliert, räumt sie ein paar Sätze weiter ein, es sei wohl schwieriger als angenommen, die zwei Aufgaben unter einen Hut zu bringen.
Segen oder Schaden?
Aber ist Marissa Mayers wirklich die Antithese zu Anne Marie Slaughters Artikel «Why women can’t have it all», der auch auf clack.ch vor ein paar Wochen diskutiert wurde? Oder übt sie mit ihrer Entscheidung noch mehr Druck auf werdende Mütter aus, alles unter einen Hut zu bringen? Vor allem auf die, die sich keine Horde Hilfspersonal leisten können? Wahrscheinlich trifft beides zu. Doch auch diese Diskussion wirft die Frage auf, wieso Mutterschaft immer öffentlicher wird. Wieso alle einer werdenden Mutter reinreden dürfen, wenn diese sich dafür entscheidet, etwas zu riskieren. Ist es nicht Sache der Mayers, wie sie ihr Leben mit Job und Kind handhaben wollen? Am Ende des Tages  - und der Schwangerschaft – wird die neue CEO von Yahoo tun, was sie für richtig hält. Bis dahin wird aber noch viel Tinte fliessen.


Dieser Artikel erschien heute auf clack.ch.

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