Freitag, 8. Juni 2012

Ist schwul lustig?







Wieso grinsen Kinder bei der Erwähnung von Homosexualität, obwohl die wenigsten von ihnen einen Bezug dazu haben? Gerade deswegen!


«Hei, ist das schwül heute!» Mein Kommentar über das Wetter letzte Woche warf bei meinem Achtjährigen einige Fragen auf. «Was? Schwul?» Die Frage war ehrlich gemeint, er kannte das Wort «schwül» noch nicht. Das Grinsen dabei fand ich jedoch befremdend und erstaunlich.
Schwul ist lustig. Woran liegt das? Natürlich hat unsereins auch schon geschmunzelt, wenn ein gar weiblich angehauchter Mittdreissiger in pinkem Outfit während des «Christopher Street Days» auf dem Limmatquai rumstöckelte. Erwachsene lächeln, weil es etwas übertrieben scheint und wir wissen, dass nicht alle Homosexuellen rosa tragen. 
 
Doch Kinder? Wie viele Schwule kennt mein Sohn? Zu meinem eigenen Entsetzen muss ich gestehen: keinen. Ich schon, aber irgendwie haben sich gewisse Bekanntschaften im Sand verlaufen oder leben im Ausland. Wie auch immer, mein Kind kann sich an keinem ihm bekannten Bild orientieren, deshalb meine Frage: Wieso grinst er, wenn er doch gar nicht weiss, wovon er spricht? 
 
Versteht mich nicht falsch, unser Sohn findet nicht Homosexualität an sich witzig. Als ich ihn vor einiger Zeit fragte, ob er weiss, was es heisst, schwul zu sein, antwortete er ganz gelassen «Wenn ein Mann einen anderen Mann liebt.»
Doch der Pausenhof lehrt ihn offenbar etwas anderes: «Schwul» ist für Jungs in etwa so schlimm wie «fett» für Mädchen. Bei diesen «Schimpfwörtern» fliegen gerne mal die Fäuste. Vorurteile und die damit verbundenen Diskriminierungen Homosexuellen gegenüber sind an Schulen weit verbreitet. Das wissen auch die Autoren von «Sexuelle Vielfalt lernen – Schulen ohne Homophobie». 
 
Das Buch gewährt Einblicke in die Klassenzimmer verschiedener europäischer Länder und zeigt, wie dort sexuelle Vielfalt aufgezeigt und Homophobie angegangen wird. Über die Vernetzung von schulischer und ausserschulischer Arbeit wird im zweiten Teil berichtet. Ausserdem beschreiben die Autoren, welche kreativen und effektiven Möglichkeiten es im Unterricht gibt, um Homophobie erfolgreich zu begegnen und sexuelle Vielfalt zu lehren. 
 
Nicht, dass ich viel Hoffnungen habe, dass ein solches Buch demnächst in Schweizer Schulen zu finden ist. Man denke nur an die empörte Diskussion über die sexuelle Aufklärung an Schulen. Umso mehr sollten wir Eltern uns in Thema vertiefen, damit unsere Kinder toleranter – und damit intelligenter werden.

Wie geht ihr mit dem Thema um?

Keine Kommentare:

rabenmutter.ch abonnieren