Montag, 25. Juni 2012

A...loch sagt man nicht!





Ist es wirklich so schlimm, wenn Kinder fluchen?


«Geil», «Scheisse», «Gopfertelli» und natürlich das unumgängliche «A...loch»: Welches davon hat Ihr schulpflichtiges Kind noch nie in den Mund genommen? Ehrlich, jetzt!
Ich vermute mal, dass auch Ihre Kinder – und nicht nur meine – manchmal fluchen. Die Wortwahl hängt vielleicht vom Wohnort ab, die Tatsache, dass Kinder ab und zu fluchen, jedoch kaum. Natürlich hat man sich vorgenommen, weniger «wüst» zu reden, kaum waren die Kinder da. Doch anfangs verstehen sie ja sowieso noch nichts, oder? Und plötzlich hört man, wie die kleine, süsse, unschuldige Dreijährige zu ihrem Bruder sagt: «Der Kevin ist so ein A...loch!» Hoppla! Der Schock sitzt tief, das Schmunzeln bleibt einem spätestens dann im Hals stecken, wenn man sich überlegt, dass sie so etwas in der Krippe wiederholen könnte. Vor Zeugen!
Selber bin ich leider ein relativ schlechtes Vorbild in Sachen Fluchen. Wenn mir etwas runterfällt oder ich wirklich unglaublich sauer auf jemanden bin, kann es schon mal vorkommen, dass ich mit ungefilterten Kraftausdrücken um mich werfe. Und natürlich finde ich es nicht so toll, wenn ich meine Kinder draussen streiten höre und sie tun es mir nach. Also mussten Regeln her: Mit Erwachsenen und in der Schule wird nicht geflucht, was ihr Kinder euch untereinander sagt, müsst ihr selber wissen. Denn wer andere beleidigt, kriegt meist schnell zu spüren, dass das nicht willkommen ist. Selbstregulierende Schimpfwort-Erziehung, sozusagen.
Leider klappt das so nicht ganz: «In der Schule» heisst für die meisten Kindern nämlich nicht «auf dem Pausenplatz». Was zur Folge hat, dass gewisse Kinder beim Fussballspielen fluchen. Was wiederum zur Folge hat, dass andere Kinder das den Lehrern und – noch schlimmer – ihren Eltern erzählen. Worauf diese Eltern die Schule anriefen, um sich über besagte Kinder zu beklagen. Was wiederum ein schlechtes Licht auf uns wirft...
Aber kann man einem Kind das Fluchen vollkommen verbieten? Nein, sagt auch Roland Ris, Berner Sprach­forscher im Ruhestand und Malediktologe (Die Wissenschaft des Fluchens. Doch das gibt es wirklich!) der ersten Stunde. Fluchen sei nämlich situationsbedingt, meinte er in einem Beobachter-Artikel zum Thema. Kinder «sollen dann eine eigene Sensibilität dafür entwickeln, dass jede Gesprächssituation eine spezifi­sche und adäquate Ausdrucksweise verlangt.» Also doch: Mit den Freunden anders als mit uns.
Aber auch zu Hause muss man fluchen dürfen, spätestens, wenn man den kleinen Zeh mit voller Wucht versehentlich gegen den Türrahmen gerammt hat. Das tut nämlich verdammt weh, gopfetelli nomal!

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