Dienstag, 27. September 2011

Sind Eltern humorlos?

Filme und TV-Shows über junge Eltern und Babies gibt es. Aber schaut sie auch jemand?

Jedes Jahr warte ich gespannt darauf, was die neue TV-Saison bringt. Als Serien-Junkie interessieren mich vorwiegend amerikanische Shows, die bekanntlich in den letzten Jahren enorm an Popularität und Qualität gewonnen haben. 

Aus beruflichem und privatem Interesse bin ich weniger erpicht darauf, die neusten Fälle weiss gekleideter Krimiwissenschaftler und Stirn runzelnder Gerichtsmediziner zu sehen, vielmehr interessieren mich Serien über den Alltag, das wahre Leben normaler Menschen. Der tägliche Wahnsinn von Männern, Frauen, Familien, Singles. Diesbezüglich haben uns die Amerikaner einiges zu bieten, wie auch die letzte Emmy-Verleihung gezeigt hat. 

Shows wie «Modern Family» räumen bei solchen Awards unter anderem deshalb ab, weil sie zeigen, was heutige Familien beschäftigt, wie sie Alltagsstrapazen überleben, vom fehlenden Handy-Empfang im Notfall über den Bau eines rosa Puppenhauses für die kleine Tochter. Mit den gezeigten Situationen und deren Wiedererkennung würde jedoch keiner einen Blumentopf gewinnen. Natürlich lassen das extrem witzige, schwule Elternpaar und der brummelnde Schwiegervater mit seiner atemberaubenden Latinofrau von Anfang an die Einschaltquoten hochschnellen. Herrlich zu sehen sind natürlich vor allem die Reaktionen, die den Schauspielern auf den Leib geschrieben werden. Denn selber wäre man in derselben Situation wohl kaum so schlagfertig, sarkastisch oder humorvoll. Ein Millionenpublikum erkennt sich wieder und erhofft sich, etwas davon im eigenen Leben wiederzufinden.
 
Doch mir fällt auf, dass dieser Mechanismus erst funktioniert, wenn die TV-Kinder schon grösser sind. Es ist extrem witzig, die zickige Teenagerin im Krieg mit der Mutter zu beobachten. Auch ist es zum Totlachen, wenn der achtjährige Klugscheisser Lebensweisheiten von sich gibt, während alle anderen die Augen verdrehen. Kinder sind lustig, und man kann über sie und ihre Eltern lachen. Nicht so bei Säuglingen oder Kleinkindern und deren Eltern. 

Filme und Serien, bei denen es um Babies und Kleinkinder geht, um ihre Eltern und deren Doppelbelastung, Alltagssorgen und volle Windeln, sind öde. Finde ich zumindest. Oder wer von Ihnen kennt den Film «Motherhood» mit Uma Thurman? «The other woman» mit Natalie Portman? «Little children» mit Kate Winslet? Das sind alles tolle Filme mit grossartigen Schauspielerinnen, die sich um  Mütter und ihre Sorgen, mit und ohne Kind, drehen. Keine Kassenschlager. Keine Monsterpromo. Ich habe sie zwar alle gesehen, einen Kino-Eintritt hätte ich dafür aber wahrscheinlich nicht bezahlen wollen. Denn irgendwie waren sie deprimierend, weil so realistisch. 
 
Kann es sein, dass wir Mütter unser eigenes, vielleicht als langweilig empfundenes Leben, nicht auch noch auf der Kinoleinwand oder im TV sehen möchten? 

Dies gilt meines Erachtens sogar für Comedy. In den USA startete diese Woche eine neue Serie «Up all night». Sie berufstätig, er «Wochentagspapi» (Stay-Home-Dad klingt schon sexier, nicht?), ein Baby, eine nervige Chefin, die 24/24-Präsenz verlangt. Was witzig klingt, könnte es sein, würde man sich nicht so sehr mit den Figuren identifizieren können. Und entsprechend zu sehr an das eigene «Leid» erinnert werden. 

Natürlich sind Witze über Windel-Krisen und Eltern mit Hangover lustig. Es sind Clichés – und Clichés kommen nicht von ungefähr. Sie spiegeln die Realität wider. All diese Dinge, die frisch gebackene Eltern erleben, sind irgendwie süss.  Der Charme verblasst jedoch sowohl im Fernsehen, wie auch im wahren Leben, wenn es zu viel des Guten gibt. Wenn Sie noch nie ein Baby gesehen oder gerochen haben, wenn Sie noch nie jungen Eltern begegnet sind und sich stundenlang Geschichten über den Nachwuchs anhören mussten, mag das alles noch witzig, neu und interessant sein. Doch ich würde behaupten, DIESE Zielgruppe ist nicht gross. 

Woran liegt dieses Desinteresse? Sind wir Eltern von Kleinkindern alle humorlos geworden, oder mögen wir uns einfach nicht mit unseren Defiziten auseinandersetzen, auch wenn sie noch so humorvoll interpretiert und wiedergegeben werden?

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