Morgenstund...

Es ist 7.15 Uhr, Papi darf ausnahmsweise noch etwas liegen bleiben. Ich stehe mit meinem Grossen auf und mache ihm Frühstück. Ohne Worte. Denn obwohl ich als kommunikativ gelte, gibt es eine Tageszeit, während der man meine Stimme nicht - oder nur wenn unbedingt nötig - zu hören bekommt: Frühmorgens. Und wenn es dann unbedingt sein muss, kann ich reden. Aber erst nach einem starken Kaffee.
Diese Tatsache scheint meinen Sohn nicht zu stören. Schlimmer noch, es ist ihm schnurzpiepegal. Das merke ich daran, dass er mich frühmorgens schon vollabert (das meine ich extrem liebevoll). Erzählt mir, was er geträumt hat, wen er mag und wer nicht mehr sein Freund ist. Er singt auch gerne vor halb acht. Alles gut und schön, da kann ich ja einfach zuhören oder zumindest so tun als ob.
Schlimm - und damit meine ich schmerzhaft - sind die Momente, in denen er konkrete Fragen stellt, die ich ja dann wohl zu beanworten habe. So geschehen an eben diesem Morgen, als Papi liegen bleiben durfte. "Mami, wie gefährlich sind eigentlich Affen?" Wow, dann auch noch eine Frage aus der Sparte "Grzimeks Tierleben"! Gar nicht mein Gebiet. Kaum zu überbieten. Um Zeit zu schinden und weil ich einfach keinen blassen Schimmer habe, wo ich anfangen soll, frage ich naiv "Wie meinst du das?" Mein Fehler.
"Na, was machen Affen mit anderen Affen, wenn sie hässig sind? Beissen sie? Fressen sie sie auf?" Vor meinem inneren Auge sehe ich zwei Paviane, die sich gegenseitig kannibalisieren. Mir wird ein bisschen übel. Und ich antworte mit der schweizerischsten aller Antworten: "S'chunnt druf ah. Aber weisst du was, du musst dich jetzt anziehen und in den Kindergarten gehen."
Uff, das ist noch mal gut gegangen. Morgen früh muss Papi aber wieder aufstehen. Oder jemand erfindet endlich den "Kinderbeantworter".
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