Dienstag, 25. Februar 2014

Die Tyrannei der Rabenmutter



Rabenmütter, wo man hinschaut. Sind sie nun besser als die ewigen Supermamis? 

Als bekennende Rabenmutter lancierte ich vor ein paar Jahren einen Blog, in dem es darum ging, dass eine Mutter eben nicht nur das ist, sondern auch politisch, kulturell und mode-interessiert. Eine Frau halt. Wie vor dem Kind auch. Nur jetzt halt mit Kind. Die Reaktionen auf meine Texte waren meist positiv: «Endlich jemand, der sagt, wie es ist!» ist der meist gelesene Kommentar im Blog. (Zugegeben, manche legten mir auch nahe, meine Kinder zur Adoption freizugeben, aber das waren nicht sooo viele...)

Heute gibt es viele solcher Blogs auch im deutschen Sprachraum. Mütter, die sich nicht mehr sagen lassen wollen, ob sie jetzt stillen, ihre Kinder in die Krippe geben, arbeiten oder zu Hause bleiben sollen. Die das Muttersein nicht als Persönlichkeits-veränderung verstehen. Bücher schiessen wie Pilze aus dem Boden, die uns darin bestätigen, dass Kinder haben zwar das Tollste, aber gleichzeitig auch das Schlimmste sein kann, das einer Frau widerfährt.

So weit, so wahr. Doch sind Rabenmütter nun die besseren Mütter? Natürlich nicht. Sie tun aber so. Sämtliche Texte (meine eingeschlossen) laufen nämlich darauf hinaus, dass der eigene Lebens-Stil – der darin besteht, den Kindern weniger Wichtigkeit beizumessen, als das jetzt eine Supermami tun würde – der einzig wahre ist. Dass Krippen am Ende besser sind, als immer nur mit Mami rumzuhängen, dass der Fernseher nicht des Teufels ist und dass zu langes Stillen einfach nur seltsam ist. Um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Was ursprünglich als «Gegenbewegung» zu den selbst ernannten perfekten Müttern startete, mutierte in den letzten Jahren zur selbstgerechten Nabelschau. Es brachte uns Mütter ja nicht wirklich näher, im Gegenteil. Es hat nichts dazu beigetragen, dass wir Mütter in der Gesellschaft besser gestellt sind, noch förderte es das Verständnis zwischen den Fronten. 

Stattdessen bleiben Supermamis Supermamis (jetzt erst recht!) und Rabenmütter fühlen sich cool. Denn das ist das grösste Problem der selbst ernannten Rabenmutter: Sie fühlt sich mit ihren ausgelaugten Brüsten, den Trainerhosen und der Mami-Frisur uncool und das darf nicht sein! Also wird sie zur Rabenmutter in knackigen Jeans und High Heels. Ich weiss, wovon ich spreche. (Ausser, dass auch Rabenmütter im Trainer rumhängen und vergessen, ihre Haare zu färben. Auch hier weiss ich, wovon ich rede...)

Ich glaube dennoch, dass die Rabenmutter-Welle einiges gebracht hat. Ratgeber sind heute realistischer als noch vor 10 Jahren, als darin vor allem gepredigt wurde, dass das Kind ohne mütterliche Betreuung praktisch nicht überleben kann. Das Muttersein wurde dank Rabenmüttern wieder realistischer. Die Beichten-Funktion der einschlägigen Blogs erleichterte manch einer die Zeit vor dem Abendessen, wenn die Kinder quengeln und Papa noch nicht zu Hause ist. Ich bin mir auch sicher, dass gewisse Mütter ihren Frust dank dieser Lektüre oft besser im Griff haben und sich weniger unter Druck fühlen, eine perfekte Mutter zu sein. 

Jetzt ginge es aber noch darum, die manchmal gelangweilte und oft anderweitig interessierte Frau zu schütteln und ihr zu sagen, was sie eigentlich ist: eine Mutter. Weder Super- noch Raben-, einfach nur Mutter.


Oder was meint ihr?

Kommentare:

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Danke :)! Es ist halt leider schon so, dass Mutter und Hausfrau sein von vielen kinderlosen Männern wie Frauen immer noch belächelt und gleichgesetzt wird mit "Plöischle", "Käfele", mit den Kindern spielen, in den Tag hineinleben und auf dem Spielplatz sein gleichgesetzt wird... Das liegt halt daran, dass in unserer (Hoch)-Leistungsgesellschaft nach wie vor der zählt, der Geld und vor allem viel Geld verdient. Nur weil jetzt eine Frau Mutter ist und nichts bis wenig Geld verdient, leistet sie ja nicht weniger als eine kinderlose 100% arbeitende Person, im Gegenteil! Daher gebührt uns Mütter, egal ob noch Teilzeit arbeitend oder nicht, endlich mehr Anerkennung, Wertschätzung und Respekt, denn diese haben wir uns redlich verdient :). Nur sollten auch diejenigen den Artikel lesen, die Mutter sein und Hausfrau als „Schoggijob“ betrachten… ;).

Andrea Mordasini, Bern hat gesagt…

Bitte obigen Beitrag von mir löschen, habe ihn versehentlich zum falschen Artikel gepostet - merci!

Genau, Rabenmütter, Karrieremütter, Vollzeitmütter, Teilzeitmütter, Supermütter – was für dämliche Bezeichnungen ;)! Wir sind wie erwähnt in erster Linie Mütter, die täglich und in erster Linie das Beste für ihre Kinder wollen und tun, egal ob Teilzeit arbeitend oder nicht! Statt sich gegenseitig anzufeinden, sich das gewählte Familienmodell madig zu machen und zu kritisieren, sollten sich Mütter viel mehr gegenseitig unterstützen und helfend unter die Arme greifen. Mütterbashing dient niemandem und ist kontraproduktiv. Denn schliesslich sitzen wir alle im gleichen Boot. Sorgen wir dafür, dass es nicht Schiffbruch erleidet und untergeht ;).

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